Jack of all trades, master of noneJohannis R. Jappen wurde 1958 in den ersten dunklen Stunden eines eisgrauen Herbstmorgens in Hamburg geboren. Wenn Kinder mit einem offiziellen Begleitschreiben auf die Welt kämen, in seinem hätte stehen müssen: "Dieser Junge hat einen immensen Dickkopf und wird sich auch außerhalb des Mutterleibs stets querlegen. Er passt Zeit seines Lebens in keine Schublade und für ihn gilt Murphys Law. Whatever can go wrong will go wrong! Andererseits wird er ständig neue Ideen und eine ausgeprägte Nase für unerwartete Chancen entwickeln, deshalb werden ihm die frisch gebratenen Extrawürste manchmal direkt in den Mund fliegen. Man sollte ihn im Auge behalten." Leider gibt es solche Beipackzettel für Neugeborene nicht, aber das hätte wohl auch niemandem geholfen. Seine Mutter verstarb nach wenigen Wochen unter tragischen Umständen, der Kopfumfang hat sich von damals 54 cm auf heute 61cm gesteigert, und auch sonst sind die Voraussagen wahr geworden - Katastrophen und angenehme Überaschungen im steten Wechsel. Dieser Mann hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und kann eigentlich fast alles, nur eben den Mund nicht halten. Er hat formal nichts Anständiges gelernt und kann nur abgebrochene Ausbildungen am Theater, im Reisebüro, in der Landwirtschaft sowie ein abgewürgtes Studium vorweisen. Ständig wechselte er seine Jobs, fuhr lange Taxi, hat als freier Handelsvertreter Versicherungen und Immobilien verkauft, ist Betriebsleiter eines Pflanzen-Großhandels gewesen, war Weinverkäufer und Vorarbeiter im Garten- und Landschaftsbau, und, und, und. Außerdem hat er stets die Augen aufgehalten, Welt und Menschen beobachtet und nachgedacht. Unbeständigkeit war sozusagen sein zweiter Vorname, der Umzug vom Tegernseer Tal nach Dortmund war der einundzwanzigste Ortswechsel seines Lebens. Damals hatte er gerade 38 Jahre auf dem Buckel und setzte sich dann im Ruhrpott fest. Während seiner Lehr- und Wanderzeit verbrachte er rund vier Jahre in Neuseeland, Australien, Asien, USA und Marokko. Im Jahr 1998 ging er für vier Monate als Freiwilliger in eine Lepra-Station in Kathmandu und lernte in Nepal das internationale AID-Business von seiner schmutzigen und korrupten Seite kennen. Danach hat er wider bessere Vernunft in Dortmund den gemeinnützigen Verein HOPE e.V. gegründet, der seither in Nepal und Indien Projekte der Entwicklungszusammenarbeit plant, finanziert und umsetzt. Der Schwerpunkt lag zuerst auf der Unterstützung für Frauen, Kinder und tibetische Flüchtlinge. Mittlerweile wurden eine Brücke, zwei Gesundheitsstationen, Trinkwassersysteme für gut 300 Haushalte und mehr als ein halbes Dutzend Schulen gebaut. Er leitet den Verein bis heute und engagiert sich dabei intensiv für globale Zusammenhänge. Infos unter www.hope-net.de. Eigentlich wusste Johannis R. Jappen immer ganz genau was er nicht wollte, aber nie so recht wo es für ihn hingehen sollte. Seit die Schwelle des fünfzigsten Geburtstags überschritten ist, wächst die Klarheit. Er ist ledig, kinderlos und lebt mal wieder allein. Frauen sind manchmal ein schwieriges Thema, aber er hält die Augen und sein Herz offen. Als Post-Materialist frönt er dem Liftsyle der LOVOS. Lifestyle of Voluntary Simplicity. Also kein Haus, keine Yacht, kein Pferd. Grundsätzlich ist er davon überzeugt, dass sich die Menschheit durch Trägheit, Dummheit und Gier noch während seiner eigenen statistischen Lebenserwartung weltumspannend und derartig in Schwierigkeiten bringen wird, dass man - wenn's dann soweit ist - wohl lieber nicht mehr unter den Lebenden weilen möchte. Oder eben heute schon dringend etwas dagegen unternehmen sollte. Das tut er übrigens, zum Beispiel durch Arbeit an der neuen Internetplattform www.global-u-turn.org, die im Juni 2010 online ging. Seine musische Seite lebte er forciert in den Achtzigern aus, zuerst auf der Theaterbühne und dann als Sänger und Percussionist in einer Bremer Band. Leider zerstritten sich die Bandmitglieder, als es um Kommerz versus künstlerischen Anspruch ging. Kommerz siegte, Johannis R. Jappen stieg aus und zeigte danach der Kunst die kalte Schulter. Nach einer ausgiebigen kreativen Pause besuchte er im Jahr 2005 aus Neugier mehrere Workshops für Kreatives Schreiben. Seitdem produziert er Lyrik, Prosa und mehrfach wöchentlich hundsgemeine Blogtexte. 2007 war er Preisträger des dO!PEN-Awards einer Literaturzeitschrift und sein erstes Buch erschien, ein Band mit Erzählungen und Kurzgeschichten unter dem Titel "Das Mantra des Rikschafahrers". Nebenbei fotografiert er ein bisschen und denkt gelegentlich übers Auswandern nach. Stand August 2010 |