RentierplageDurch dünnen Niesel pilgert man zur Andachtfeuchtglänzend Augen Nerze Wintermäntel die Glocke ruft vom Turm ich folge nicht. Orgel Weihrauch Kerzenglanz fromme Lieder einmal nur im Jahr kommt unser Heiland zum Glück findet Er mich nicht. Pinienduft und Glitzerkugeln in jedem Haus die frohe Botschaft Friede strahlt durch Isolierglas Papiergeraschel Bratendunst und Freude doch nicht für mich. Die Dunkelheit ist gnädig früh hereingebrochen sieben Grad zeitweise Regen Kurzschluss zweier Lichterketten auf Fichten hinterm Jägerzaun ich esse Brot und trinke Roten Gottloses Abendmahl. Der fette Nachbar schreit mit seiner Frau und Alfons aus dem dritten Stock kotzt Lebkuchen mit Glühwein ins Treppenhaus. Zwei Pädophile halten das Christkind in einem feuchten Keller gefangen wechseln sich ab mit ihm keiner hört Schreie. Gegen zwei Uhr morgens verlässt der Schweiger aus Nummer 11 das Haus zieht die Tür zu geht still zum nahen Bahndamm er braucht keine Schlüssel mehr. Zwei Luftwaffenjets zwingen einen Bärtigen zur Landung Schlittenkufen knirschen auf Beton verspätet ausgebrannt bar jeder Illusion schmeißt er Sack und Bettel hin und lässt die Tiere frei. Das Telefon bleibt stummgeschaltet heiter schau ich Horrorfilme leer die zweite Pulle Wein Käseecken trocknen als der Morgen graut klicke ich auf beenden und bin froh. © Johannis R. Jappen, 23.12.2005 |