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Wieso Völkermord?

Geschrieben von Johannis am 8. März 2010 um 08:27 Uhr

Hillary Clinton, Ehefrau von okay-Monica-hat-mir-manchmal-einen-geblasen-aber-das-war-doch-wohl-kein-Sex-Bill, hat sich energisch für die Volksehre der Türken eingesetzt. Anders als geplant soll eine Resolution, die den Tod von rund anderthalb Millionen Armeniern behandelt, im amerikanischen Kongress das böse V-Wort nicht nennen oder am besten gleich ganz in der Versenkung verschwinden. Dann kann der erzürnt abgereiste türkische Botschafter wohl bald nach Washington zurückkehren.

Zwar wurden fast alle Armenier aus der Türkei vertrieben, und speziell in den Jahren 1915 bis 1917 starben Hundertausende bei Massakern oder auf den berüchtigten Todesmärschen. Aus Rücksicht auf den türkischen NATO-Partner, aufrechten Kämpfer für die Menschenrechte und Miterfinder der modernen Demokratie soll dies jedoch nicht als Völkermord bezeichnet werden. Stattdessen haben sich die Diplomaten für die Resolution, falls sie das Repräsentantenhaus tatsächlich erreichen sollte, auf den Begriff „dummer Zufall“ geeinigt.

Parallel dazu wird der Holocaust in Geschichtsbüchern, wenn überhaupt, zukünftig als „unerklärlicher Judenschwund“ erwähnt. Auch die 25 Millionen Chinesen, die 1958 bis 1960 während des von Mao Tse-tung angeordneten “Großen Sprungs nach vorn” angeblich verhungerten, erlagen in Wahrheit einer populären Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

6 Kommentare zu “Wieso Völkermord?”

  1. Max

    Der ist ja mal wieder bissig geworden. :mrgreen:
    Ich habe bei dem Thema manchmal Probleme und bin unschlüssig. Wir Deutschen genießen das Privileg, dass wir unsere Geschichte relativ offen verarbeiten mussten. Sei es Adolf oder oder die DDR. In den wenigsten anderen Staaten ist Ähnliches geschehen. Von daher urteilt es sich leicht. Ich hielte es für besser, wenn Armenier und Türken sich einigen könnten. Die USA sollten sich nicht überall einmischen. Dazu haben sie keine moralische oder sonst eine Berechtigung.

  2. just

    Jou, der Meinung bin ich ebenfalls. Sie könnten ja zur Abwechslung mal bei sich selbst anfangen und den Völkermord an den indianischen Völkern thematisieren – ist schließlich auch noch nicht so lange her – bevor es jemand anders macht.

  3. Johannis

    Sehe ich anders.

    Der von mir sehr geschätzte amerikanische Autor Sheldon B. Kopp hat mal gesagt (und ich übersetze nach Kräften): Du kannst einer Sau die Schnauze mit Lippenstift einschmieren, ihr ein Tüllkleid überstreifen und sie Denise nennen – aber sie bleibt eine Sau.

    Die Türken (und sorry wegen des ungeschickt gewählten Erscheinungstermins des Beitrags, als der online ging wusste ich noch nix vom anatolischen Erdbeben) pissen sich seit Jahrzehnten voll, sobald irgendwer in Zusammenhang mit den Armeniern nur Völkerm sagt, das ord geht fast immer in empörtem Geschrei oder dem Geräusch von Gummiknüppeln auf menschlicher Haut unter.

    Und ohne die recht erfolgreiche Einmischung der USA hier bei uns nach 1945 (Themen Entnazifizierung, Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen, freie Presse etc.) wäre unsere Demokratie wohl kaum zu dem erblüht, was Leute wie Guido heute wieder kaputtmachen wollen.

  4. Max

    “Einmischung der USA”. Aber das ist doch der Punkt, den ich meine: es gab extreme allierte Interessen und die Deutschen haben davon profitiert. Und mal ganz ehrlich zynisch: die Demokratie wurde den Deutschen oktroyiert. Die Ossis sind die Deutschen, die sich die Demokratie erkämpft haben. Die Ossis haben verhindert, dass die Stasi- Akten zu einem großem Teil erhalten blieben und eine offene Aufarbeitung erst möglich machten. Ihr Wessis und ich Westberliner sind doch eher nur Nutzniesser. Das ist auch ok, denke ich, weil wir die Geschichte nicht ändern können. Aber vielleicht verschiebt dieser Gedanke die Perspektive anderer.

  5. Johannis

    Häh?!! Geht’s noch? Hundertmal lieber gezwungenermaßen in Demokratie als freiwillig unter einem faschistischen Diktator!

  6. Kulturbanause

    Also ein Hä?! hätte ich da auch:

    “Die Ossis haben verhindert, dass die Stasi- Akten zu einem großem Teil erhalten blieben und eine offene Aufarbeitung erst möglich machten.”

    Ich würde einfach mal Prost sagen ;-)

    Kulturbanause

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