Westerwelles Wahnsinnsworte
Geschrieben von Johannis am 6. Januar 2010 um 12:22 Uhr
Nie hat ein Politiker dem Image der Schwulen und Lesben mehr geschadet als unser Außenminister. Geben Sie’s ruhig zu, neuerdings denken Sie bei dem Wort schwul nicht mehr an den netten Friseur Ihrer besten Freundin oder den sympathischen Innenarchitekten, den Sie im Sommer auf der Vernissage kennen lernten, sondern an Guido. Schwulsein hat ein Gesicht bekommen, und das besteht aus kratertiefen Aknenarben, falschen Lachfalten und fettfreier Fernsehschminke.
Pünktlich zum Dreikönigstreffen der Neoliberalen verkündet Grinseguido nun eine geistig-politische Wende für Deutschland, um die Mittelschicht zu stärken und wegzukommen von immer stärkerer Abkassiererei bei denjenigen, die den Karren ziehen. Das deutsche Steuer- und Abgabensystem habe enteignungsgleiche Züge und diene seit Jahrzehnten der übertriebenen Umverteilung. Grips wurde währenddessen leider nicht umverteilt, zumindest bei der FDP ist keiner angekommen.
Guido läuft mit der Lunte in der Hand durchs Pulverlager und darf sich nicht wundern, wenn ihm das Land um die Ohren fliegt, Stichwort sozialer Frieden. Wohlweislich verspricht uns Deutschlands bestgehasster Anzugträger keine geistig-moralische Wende, wie weiland der dicke Kohl. Von Moral kennt jemand, der in seiner Freizeit am liebsten Schwänze lutscht, eh nur die letzten vier Buchstaben. Es ist tragisch, aber das Wort Arschgesicht hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



“Von Moral kennt jemand, der in seiner Freizeit am liebsten Schwänze lutscht, eh nur die letzten vier Buchstaben.”
Kulturbanause
Hi Johannis,
gib es auf! Die neoliberalen Schweine haben unser Land mittlerweile so im Griff, dass Humanität und ökonomische Vernunft keinen Platz mehr haben.
Die von uns Steuerzahlern geretteten Manager der Commerzbank wollen mehr als die im Finanzmarktstabilisierungsgesetz festgelegten 500.000 €. Und sie werden das Geld erhalten.
Der „Wirtschaftsweise“ Wolfgang Franz fordert, dass ALG II Bezieher arbeiten, um die volle Regelleistung zu erhalten. Allen faulen Hartz IV Asis, die hier nicht mitspielen, sollen die Regelleistungen um 30% gekürzt werden. Siehe: http://www.welt.de/wirtschaft/article5730959/Alle-Bezieher-von-Hartz-IV-sollen-dafuer-arbeiten.html
Besonders bemerkenswert sind die Kommentare zu diesem Artikel. Die Kommentatoren sind mehrheitlich dafür das die ALG II Schnorrer endlich für ihre opulenten Bezüge arbeiten sollen.
Na ja, immerhin arbeiten die Cracks der Commerzbank ja auch für läppische 500.000 € jährlich. Dies ist der wahre Skandal! Wer es hinkriegt, dass die Bundesrepublik Deutschland 18,2 Mrd. € für eine 25%+eine-Aktie-Beteiligung an dieser Pleitebank bezahlt, die nur 1,8 Mrd. € wert war, der verdient wahrlich deutlich höhere Bezüge.
Die Deutsche Bank meldet ja auch schon wieder Milliardengewinne. Interessant ist der entsprechende Kommentar auf den http://www.nachdenkseiten.de : Das Casino läuft wieder auf Hochtouren. Warum steht die Deutsche Bank wohl so prächtig da? Das vergangene Jahr war mit Sicherheit eines der schönsten für alle Bankmanager, vulgo: Zocker und Spekulanten. Wann gab es schon jemals so ein todsicheres Geschäftsmodell? Ohne jede Verantwortung nach Herzenslust zocken, und wenn es schief geht, begleicht der Steuerzahler die Zeche.
Nun zur Situation auf dem Arbeitsmarkt. Klaus Zimmermann (Volkswirt und Chef des DIW) fordert Lohnzurückhaltung, da die Arbeitgeber aufgrund der Kurzarbeit Mitarbeiter durchgezogen haben, die sie nicht produktiv einsetzen konnten.
Hallo? Haben nicht auch die BA und die Mitarbeiter, die deutliche Gehaltseinbußen verkraften mussten, ihren Beitrag zur allseits gelobten Kurzarbeiterregelung beigetragen?
Ein besonderes Problem stellen die Jugendlichen dar. Heute Morgen konnte ich im Morgenmagazin einen Beitrag bewundern, in dem eine 18 jährige „Junge Liberale“ und ihr nicht wesentlich älterer Freund zu den Problemen unseres Landes befragt wurden. Die beiden Hosenscheisser waren sich darin einig, dass die Steuersenkungen positiv zu bewerten sind, man aber unbedingt darauf achten muss, dass die Mindereinnahmen durch Ausgabenkürzungen gegenfinanziert werden. Dies bedeutet massive Kürzungen im sozialen Sektor.
Diese kleinen Scheisser plappern nur die marktradikalen Parolen Schwesterwelles nach (war da nicht vor kurzem eine Finanzkrise, die diesen Scheiss ad absurdum geführt hat?).
Dies machen nach 30 Jahren neoliberaler Propaganda viele Menschen in unserem Land. Dies sind vor allem die, die nicht bei Zeitarbeitsfirmen arbeiten müssen oder ALG II beziehen. Dass mittlerweile das Hauen und Stechen auch in früher „seriösen“ Jobs die Regel ist (siehe Bankkaufleute) interessiert einfach nicht mehr.
Ich habe mittlerweile resigniert. Eine Veränderung ist nicht in Sicht. Da ich in einem Reparaturbetrieb dieses Kapitalismus arbeite, kann ich mich beruhigt zurücklehnen und auf die Revolution warten. Schon Marie Antionette musste feststellen, dass ein hungerndes Volk dem man empfiehlt, doch einfach Kuchen zu essen, wenn man kein Brot hat, einen irgendwann einen Kopf kürzer macht. Diese Radikallösung ist suboptimal, aber wenn die herrschende Klasse sich so wenig um die Belange der Massen schert, wohl unausweichlich.
Gruß
Jürgen
Hallo Jürgen,
vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, der mal wieder in der Moderationswarteschleife landete – wahrscheinlich, weil du Scheiße mit Doppel-S schreibst. Doch Spaß beiseite. Was soll ich aufgeben? Das Schreiben oder die Hoffnung, es könnte sich was ändern? Bin bei beidem oft kurz davor, brauche dann aber wieder ein Ventil und die Genugtuung, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen und das auch noch in Worte fassen zu können.
Wie auch immer, ob es je zu einem – durchaus berechtigten – blutigen Aufstand kommt, wage ich noch zu bezweifeln. Das Volk ist mutlos, noch viel zu satt oder durch permanente Dauerwerbesendungen beinahe hirntot gekocht. Wenn dann endlich die ersten Investmentbanker an den Laternenmasten baumeln und markthörige Neoliberale mit Altreifenhalskrause auf dem Asphalt brutzeln, bin ich auf jeden Fall dabei – zumindest als Chronist.
Aber vielleicht kommt’s ja anders und es wird doch noch alles gut. Heute beim FDP-Dreikönigstreffen in Düsseldorf demonstrierten ein paar Dutzend Jungliberale und forderten den Schuldenstopp. Nicht dass Guido wüsste, was sie meinen, oder sich davon beeindrucken ließe, aber dennoch ein Hoffnungsfünkchen.
scheiß auf moral. die ist nur im zeigefinger zu hause, nicht aber im hirn oder im herzen. sonst hätte der autor es möglicherweise vermieden, auf westerwelles sexualität rumzureiten.
westerwelle & fdp & deren ideologie des marktes nicht mögen: ok. aber jeder marktideologe ist mir lieber als ein kleiner mieser spießer, der sich einbildet, er könne tolle texte schreiben, wenn er diese nur mit sätzen wie “Von Moral kennt jemand, der in seiner Freizeit am liebsten Schwänze lutscht, eh nur die letzten vier Buchstaben.” garniere.
ich gehe kotzen.
(satire darf alles. auch ihren schöpfer als idioten ausweisen.)
@maciicx :
Achgottchen,
ist da etwa jemand neidisch? Minderbegabt, fühlt sich aber zum Schriftsteller berufen? Oder schwul, jedoch zu feige zum Coming-Out? Nein – nur ein aufrechter Moralist, der entschlossen gegen jede Art sexueller Diskriminierung ins Feld zieht? Brav!
Lies er doch mal bitte bei Wikipedia nach, unter Satire. Dort steht u.a.:
Die Satire bedient sich häufig der Übertreibung (Hyperbel), kontrastiert Widersprüche und Wertvorstellungen in übertriebener Weise (Bathos), verzerrt Sachverhalte, vergleicht sie spöttisch mit einem Idealzustand (Antiphrasis) und gibt ihren Gegenstand der Lächerlichkeit preis.
Seitenhiebe auf pickelnarbige Schwanzlutscher fallen eindeutig unter diese Definition. Besonders, wenn sie hohe politische Ämter bekleiden. Aber egal.
Schönen Samstag noch!
warum, ja warum nur aber die sexualität? warum ist es nicht das image der brillenträger, das unter westerwelle zu leiden hat?
die satiredefinition wäre anwendbar, wenn es einen bezug gäbe zwischen schwanzlutschen und narbengesicht und seiner politik, insbesondere des hier angegriffenen teils. nur: er ist nicht da! entweder ist ein schlechter satiriker am werk (mit verlaub, das “ist da etwa jemand neidisch? Minderbegabt, fühlt sich aber zum Schriftsteller berufen?” spricht bände ob der sicherheit, mit der sich hier an satire versucht wird) oder wirklich nur ein blöder spießer, der an westerwelles sexualität das potenzial für achsolustige sprüche schätzt, mit denen er sich und seinesgleichen belustigen kann, dazu aber zu stehen zu ängstlich ist und sich hinter einem riesengroßen schild mit der aufschrift “satire” zu verstecken es daher nötig hat.
zuerst werde ich meinen samstag genießen. schwänzelutschend wäre nicht schlecht.
(links will er sein… naja, auch der linke spießer hat eine lange tradition.)
(das oder könnte natürlich auch ein und sein. gute nacht.)
@maciicx:
Verzeih, dass ich dir erst jetzt antworte, aber erst schlief ich eine Runde und dann müssen wir möchtegernsatirischen, zwanghaften Linksspießer am Samstagvormittag voll spießig das Bad putzen und spießig mit dem Staubsauger durch die Bude wieseln.
Obwohl ich ziemlich sicher bin, dass zwischen uns beiden keine warme Herzensfreundschaft entstehen wird, und ich deinen Qualitätsansprüchen bzgl. Schreibkunst, politischer Gesinnung und Satireverständnis kaum genügen werde, will ich dir dennoch antworten. Du bist ja gestern erstmalig als Leser aufgetaucht, hast ein, zwei Texte gelesen und mich dann verrissen. Dein gutes Recht, völlig in Ordnung.
Auf Herrn Westerwelle hacke ich hier schon etwas länger herum, und man wiederholt sich inhaltlich ja nicht gern, das finden auch die Leser langweilig. Wortspiele finden hingegen manche recht nett. Die Nummer mit der geistig-moralischen Wende liefert die Vorlage auf Moral, Moral minus M = oral, fertig ist das Wortspiel. Herrn Westerwelle als geistigen Brandstifter, als moralisch minderbemittelten Megalomanen oder als pickelnarbigen Schwanzlutscher zu bezeichnen, ist a) nicht besonders originell und erfüllt b) eventuell den Tatbestand der Beleidigung. Daher würde es mir nie einfallen, solche Behauptungen auszustellen. Aber über Bande gespielt, wie beim Billiard, findet der Ball dann ins Loch.
Abschließend noch ein paar Worte zum Thema Schwanzlutschen. Finde ich voll okay, lass ich mir auch gern gefallen, und stört mich absolut nicht, wenn meine Freunde es miteinander oder mit Fremden tun. Eignet sich aber eben recht gut, um einen Mann zu verunglimpfen, der sich in kaum noch zu übertreffender Publicitygeilheit ständig ins Rampenlicht drängt und seine verlogene Scheinheiligkeit privat mit einer spießbürgerlichen Biederkeit tarnt, gegen die meine eigene Spießbürgerlichkeit nur ein warmer Hundefurz ist. Und der eben die kackdreiste Überheblichkeit hat, für dieses Land eine geistig-moralischen Wende auszurufen. Das darf man doch wohl auf die Feder spießen, ohne gleich ein dumpfer Schwulenhasser zu sein. Oder?
Wie auch immer, schönes Wochenende
ich persönlich mag keine wortspiele und kann mich für den text auch sonst immer noch nicht erwärmen, aber ich sehe ein, dass ich ihn in den falschen hals bekam.
“geistig-moralische wende” ist eine gute bande. nur ist weder westerwelle noch merkel kohl. wohl aber habe ich übersehen, dass ww mit seiner geistig-politischen wende die vorlage selbst lieferte. (und ärgere mich darüber)
und ja, die cdu ist auch immer noch die cdu, und somit, trotz ausnahmen, immer noch eine partei, die eine ordnung propagiert, in der homosexuelle am rand zu bleiben haben. und westerwelle einer, der ihr unbedingt zur macht verhelfen wollte. blöderweise erfolgreich. ein widerspruch, der auch als bande dienen könnte.
(allerdings zeigt die causa steinbach, dass ww nicht jede schwarze pille zu schlucken bereit ist, so viel rückgrat hätte ich dem jung nicht zugetraut. aber fdpler mit rückgrat, ach, das ist ein zweischneidiges schwert…)
moral ist übrigens ein wort, das ich nicht mag. der moral des marktideologen z.b. folgend wäre ww gar nicht moralisch minderbemittelt. moral bezieht sich auf ein regelwerk, das sich jemand ausgedacht hatte, genügend andere für das wahre halten und ohne reflektion anwenden. so im gegensatz zur ethik. (siehe auch dort im letzten absatz: http://www.cicero.de/97.php?item=434&ress_id=1 )
schönen sonntag wünsche ich dir.