Schäuble denkt nach
Geschrieben von Johannis am 1. Februar 2010 um 09:09 Uhr
Schon wieder geklaute Steuerdaten, diesmal aus der Schweiz statt aus Liechtenstein. Mein Gott, kann man die Reichen denn nicht endlich mal in Ruhe lassen? Die haben’s doch in diesen Krisenzeiten wirklich nicht leicht. Aber bisher ist zum Glück nix entschieden, unser Finanzminister überlegt noch, ob er die CD kaufen soll.
Der Datensilberling kostet 2,5 Millionen Euro. 1500 Datensätze sind drauf, fünf gab’s vorab zur Probe, wegen Echtheit und so. Laut Steuerfahndung Wuppertal müsste jeder der fünf getesteten Schwarzgeldsammler dem Fiskus etwa eine Million nachzahlen. Trotzdem soll die CD mit Daten von 1500 Leuten insgesamt nur rund 100 Millionen einbringen. Klingt irgendwie nach Milchmädchenrechnung, aber egal.
Wie gesagt, Schäuble denkt noch drüber nach, ob er die CD kaufen soll. Ich würde auch zögern, wenn zum Beispiel mein Nachbar ankäme und mir zwei Fünfhunderter zum Preis von 25 Euro anbietet. Sogar dann noch, wenn ich die Scheine probeweise mit zur Bank nehmen darf, wegen Falschgeld und so, und sie echt sind. Man soll sich ja nicht übereilt auf jedes vermeintliche Schnäppchen stürzen, die Welt ist voller Haken und böser Überraschungen. Abwarten und Tee trinken.
Prinzipiell ist also nichts dagegen zu sagen, wenn Minister nachdenken. Obwohl – wenn man die Berliner Tigerente mit Fakten füttert, kommt hinten meist das raus, was Tiger und Ente auch in freier Wildbahn ausscheiden. In diesem speziellen Fall geht es aber wahrscheinlich nicht um eine penible Kosten-Nutzen-Analyse. Vermutlich muss Wolfgang zuerst abchecken, wie viele vermögende Freunde der CDU auf dem Datenträger gelistet sind. Und ob sich darunter wieder irgendwelche Zumwinkels tummeln. Wäre doch tragisch.
Dann kriegt erstmal der Horst die CD, schließlich hat die CSU in letzter Zeit genug Ärger am Hals. Karl-Theodor hat schon seine Bedenken angemeldet, denn ein Rechtsstaat dürfe keine illegal erhobenen Daten zur Durchleuchtung seiner Bürger nutzen. Mit anderen Worten, auf der CD sind Freunde und Verwandte unseres piekfeinen Barons. Weil Guido der jüngste aller Koalitionsanführer ist, muss er bis zuletzt warten. Hoffentlich schwimmen nicht allzu viele FDP-Großspender in der Datensuppe, das würde die Möwenpick-Partei bestimmt an ihren freiheitlich-liberalen Wurzeln treffen.
Im Grunde sind wir doch in den Händen von Spitzenpolitikern, die stets Weitblick, eine ruhige Hand und untrügliches Gespür für maßvolle Entscheidungen beweisen, sehr gut aufgehoben.
Danke, Deutschland!
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«


Hi Johannis,
die neoliberalen Schweine werden die CD kaufen. Das hat Angela Murks doch heute klargestellt. Nur so kann unsere Regierung verhindern, dass diese sensiblen Daten in falsche Hände geraten.
Man stelle sich einfach mal vor, die Linke oder gar ein Arbeitslosenverband kaufen die CD. Wenn die Bundesregierung den Kauf ablehnt, fällt der Preis wahrscheinlich und die Linke kann den Kauf trotz fehlender Großspenden aus der Portokasse (bzw. dem legendären SED Parteivermögen, das nach ZDF Recherchen ausreichen würde, unsere Staatsschulden erheblich zu reduzieren) zahlen.
Dann würden die, wahrscheinlich der neoliberalen Klientel der schwarz-gelben (Verzeihung: der christlich-liberalen) Koalition zugehörigen Verfechter des rechtsstaatlichen Freiheitsgedankens, bloßgestellt.
Dies müssen wir doch alle verhindern. Denn die Leistungsträger- und Elitenlüge hält uns bei der Stange. Wenn es publik wird, dass diese Philosophen, Wirtschaftswissenschaftler und Juristen, die die Abzockermentalität der ALG 2-Empfänger brandmarken, nicht bereit sind, ihre (während der letzten Jahrzehnte extrem gesenkten) Steuern zu zahlen, könnte dies eventuell zu einem Aufstand der Entrechteten führen.
Obwohl sie diesen Aufstand noch nicht einmal befürchten müssen. Die Armen sind inzwischen durch den Konsum des Privatfernsehens abgestumpft und finden sich mit der neoliberalen Scheiße ab. Aber da können sich die Taliberalen ja nicht sicher sein.
Ich bin davon überzeugt, dass unser Finanzminister die CD kauft und dann die Steuerfahnder, die diese Verbrechen verfolgen, in bewährter „Roland-Koch-Manier“ als Querulanten abqualifiziert und frühpensioniert. Die Steuersünder (Verbrecher) zahlen die hinterzogenen Steuern und gut ist.
Die Medien werden wahrscheinlich kurzfristig über einen Betroffenen herfallen, aber dann verstärkt darauf hinweisen, dass der Kauf der CD Bürgerrechte verletzt.
Gruß
Jürgen
Hallo Jürgen,
du hast, wie fast immer, Recht. Schäuble ziert sich zwar ein bisschen, und auch die Kauders und sonstigen Chefbedenkenträger kacken sich noch voll, aber im Endeffekt wären sie einfach zuuuuh blöd, sich dieses Schnäppchen duch die Nase gehen zu lassen. Meine Theorie: Sie eiern noch eine Zeit lang rum, damit möglichst viele Schwarzgeldbunkerbesitzer das große Nervenzittern packt und sie die Option Selbstanzeige wählen. Jeder, der dann gar nicht auf der CD drauf ist, ist ein Nettobonus für den Fiskus.
Ansonsten ist es mal wieder ein medienreifes Verlogenheitsspektakel und wird sicher in der kommenden Woche durch eine andere dorfdurchtriebene Sau abgelöst.
Besten Gruß, Johannis