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Los, fickt uns!

Geschrieben von Johannis am 27. Februar 2013 um 09:07 Uhr

Denn wir sind das Volk. Verarscht uns, beklaut uns, haut uns in die Fresse. Und wenn wir dann blutend am Boden liegen, trampelt noch mal kräftig auf uns herum, mit euren handgenähten Budapester Herrenschuhen. Ihr seid ja schließlich Volksvertreter, also macht eurem Namen Ehre und gefälligst euren Job. Tretet zu! Und die Frauen – denn wir werden ja zunehmend auch von Frauen belogen, ausgeplündert und für dumm verkauft – können uns ruhig noch mal mit voller Wucht ihre spitzen Absätze in die Weichteile rammen, denn wir haben es nicht anders verdient. Schließlich haben wir euch gewählt und tun es immer wieder.

Danach – manfrau kann ja schließlich nicht den ganzen Tag damit vertrödeln, ein nichtswürdiges Volk zu quälen – steigt in eure kugelsicheren Limousinen und fahrt zu wichtigen Treffen mit noch wichtigeren Wirtschaftsbossen. Esst und trinkt mit den Ackermännern dieser Welt, lasst euch umgarnen und zeigt nicht, dass ihr wenig von all dem versteht, was sie euch erzählen. Es ist einerlei, ob deren Firmenlogo eine Muschel, ein angebissener Apfel oder ein Vögelchen im Nest ziert, denn nur die Ackermänner wissen, was gut für die Menschheit ist. Öl muss aus der Erde gepumpt werden, auch wenn dabei mal ein Tröpfchen verkleckert wird. Die Verbraucher lechzen nach immer neuem elektronischen Taschenballast, und es ist ihnen wurscht, ob sich in China junge Frauen vom Dach einer Fabrikhalle in den frühen Tod stürzen. Sie hätten ja auch brav am Band sitzen bleiben, weiter schrauben und löten können, und wären dann erst ein paar Jahre später am Krebs krepiert. Außerdem will kein Mensch genau wissen, was wirklich in den appetitlich bedruckten Schachteln und Tüten ist, aus denen wir erst die Kochtöpfe und dann unsere Mägen füllen.

Die Konzernlenker in den eleganten Maßanzügen haben alles im Griff und den Profit fest im Blick. Solange die Eigenkapitalrendite stimmt und der Aktienkurs steigt, solange genügend Jobs im Niedriglohnsektor geschaffen werden und die Zeitarbeitsfirmen gut zu tun haben, ist es unbedeutend, ob Google, Amazon und Apple ihre Gewinne anständig versteuern. Anstand – was für ein albernes Wort, totally old school! Volksvertreter, hebt eure Gläser und prostet einander zu, denn ihr habt die besten Berater der Welt. Sie geben euch kostenlose Tipps, damit die Wirtschaft immerfort wachsen kann, damit Reichtum gemehrt wird und Armut schamhaft verborgen bleibt. Schließlich kann niemand wollen, dass die Dinge sich ändern und das Volk womöglich aufbegehrt. Solange die einfachen Leute zufrieden sind mit dem Dreck und den armseligen Krumen, die vom reich gedeckten Tisch derer fallen, die feste ihre dekadenten Feste feiern, ist doch alles in bester Ordnung.

Vertraut auf das Wissen der Experten und lasst eure Pressesprecher ein paar Sätze sagen, in denen die Worte alternativlos, sparen und Stellenabbau möglichst nicht zu oft vorkommen. Und nehmt wieder Platz auf Lederpolstern hinter Panzerglas, unterwegs zu euren Ministerien oder Regierungssitzen. Tretet dort vor die allgegenwärtigen Mikrofone und lächelt oder schaut ernst in die Kameras, jeweils der aktuellen Lage angemessen. Und zwinkert bloß nicht im Blitzlichtgewitter. Zum Glück blicken die meisten von euch wie Zombies in die Welt, und tote Augen zwinkern nicht. Spielt mit unseren Steuermilliarden wie Kinder mit Bauklötzchen, baut Bahnhöfe und Flugplätze oder lasst Löcher in die Erde graben, um tausendfässerweise Atommüll hineinzuwerfen.

Lacht ruhig über uns Naivlinge, weil wir dumme Fragen stellen und wissen wollen, warum Strom immer billiger wird, wir aber mehr dafür bezahlen müssen. Zwar passen eure launigen Lügen aus dem Frühstücksfernsehen nicht zu den bitteren Wahrheiten, die ihr abends in der Tagesschau verkündet, aber das sind wir gewohnt und unser Gedächtnis ist ultrakurz. Euer hohles Gerede irritiert nur noch ein paar Uneinsichtige und Widerborstige, die man sicherlich bald in geschlossene Anstalten einliefern und dort optimal versorgen wird. Denn ihr sorgt gut für uns, wisst um unsere Bedürfnisse und versteht alle Sorgen. Drum schlagt mir, bevor ich in die Zwangsjacke gesteckt werde, eine letzte Bitte nicht ab: Gebt allen Nationen Männer wie Silvio Berlusconi, dauergrinsende ewiggeile Milliardäre, die aus Ländern bunte Selbstbedienungsläden machen und mit eigenen Zeitungen und Fernsehkanälen das Volk verdummen. Lasst Schönheiten im Scheinwerferlicht über Bühnen tanzen, damit Pobacken wackeln und silikongefüllte Brüste wippen und junge Frauen durch ihr hirnloses Gurren und Plappern beweisen können, dass komplett hohle Schädel sich für den Oralverkehr am besten eignen. Und dann fickt uns, denn dumm fickt gut und wir haben es offenbar nicht anders verdient.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Da steht ein Pferd auf dem Flur

Geschrieben von Johannis am 21. Februar 2013 um 10:09 Uhr

Und das ist ja bekanntlich so niedlich. Gar nicht niedlich ist ein Pferd hingegen, wenn es in der Küche steht. Als Tiefkühl-Lasagne im Backofen oder Dosengulasch auf dem Herd. Igittigitt, Pferdefleisch! Wir haben endlich wieder einen anständigen Lebensmittelskandal und Verbraucherverarschungsministerin Aigner tut, was sie dann immer tut. Nix. Also, sie schaut streng und ein bisschen enttäuscht in die Kameras und sondert leere Worthülsen ab. Kontrollmechanismen verschärfen, lückenlose Aufklärung, Laberrhabarber, Pipapo und Pillermann.

Dann geht sie zum nächsten Lobbyistendinner und lässt sich von aalglatten Lebensmittelindustriellen und fetten Gutsherren erklären, wieso mehr Kennzeichnungspflichten schlecht und mehr Zusatzstoffe gut für uns Verbraucher sind. Und warum eine mit endlosen EU-Milliarden subventionierte Agrarindustrie samt Monokulturen für Biosprit und Tierkonzentrationslagern besser ist, als artgerechte Biobauerei, die Boden, Wasser, Vieh und Umwelt schont. Danach kehrt sie zurück in ihr Ministerium, dreht Däumchen und wartet auf die nächste Sauerei. Kommt garantiert. Verbraucherschutz plus Landwirtschaft unter einem Dach und in CSU-Regie zusammenzufassen – das ist fast so sinnvoll, wie Drogenfahnder der Polizei nebenberuflich zum Anbau von Marihuana und Vertrieb von Kokain zu verpflichten. Die hervorstechendste Eigenschaft von Ilse Aigner ist, um es mal mit Brüderle zu sagen, dass sie ein Dirndl ausfüllen kann. Mehr kann man von einer bayerischen Radio- und Fernsehtechnikerin kaum erwarten.

Die Performance der schwarzgelben Regierung macht ratlos und fördert beim Wähler die Demut. Es sind eben Menschen wie du und ich, nur dämlicher. Kristina Schröder, Ihro schmallippige Zickigkeit, spricht den von ihr eigenhändig beauftragten Wissenschaftlern flugs jeden familienpolitischen Durchblick ab. Kann doch nicht sein, dass jährlich fast 200 Milliarden Euro wirkungslos verpuffen oder sogar schaden. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Weiß doch jeder. Nur die beknackten Wissenschaftler nicht. Meine Theorie zur sinkenden Geburtenrate und allgemeinen Zeugungsunwilligkeit? Kristina Schröder selbst ist die Ursache, denn sie zerstört Illusionen und schreckt damit sogar gutwillige Männer vom Schnackseln ab. Wenn Frauen typischerweise wie dieses übellaunige Blondchen sind oder nach der Geburt des ersten Kindes so werden, dann ist zölibatäre Enthaltsamkeit oder ein Wechsel ins homosexuelle Lager wohl mehr als ratsam. Mann will sich das Leben schließlich nicht komplett versauen.

Apropos Expertenwissen: Auch Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (ebenfalls CSU, wollte eigentlich Pianist werden) holzte neulich heftig rum. Infos aus einem internen Bericht, demzufolge Stuttgart21 sein nächster Megaflop wird, kommentierte er, diese Aussagen kämen von der untersten Ebene. Also haben sich wahrscheinlich der Hausmeister und drei Raumpflegerinnen im Keller des Verkehrsministeriums zusammengesetzt und mal über das Projekt nachgedacht. Und sind bei Bier und Eierlikör zu dem durchaus vernünftigen Schluss gekommen, dass der Bahnhof sauteuer und wohl erst in 15 Jahren fertig wird. Schluss mit Peterchens Mondfahrt, haben sie sich gesagt, und das leider laut genug. Nun ist Peterchen stinksauer. Könnte bitte mal jemand Ramsauers Doktorarbeit überprüfen? Anders wird man unfähige Politiker heutzutage ja nicht los.

Zurück zum Pferd. Rossbratwürste (mit nur 2 Ts) sind lecker. Pferdefleisch ist grundsätzlich genauso gesund oder ungesund wie Rinderhuhnputenschwein aus Massentierhaltung. Nun werden aber bundesweit die Regale und Tiefkühltruhen geräumt, weil Rind draufsteht wo Gaul drin ist. Karneval ist vorbei, also duldet niemand Pferde, die als Kühe verkleidet sind. Verständlich, weil Etikettenschwindel. Bis gestern Abend wurde bundesweit in 533 Lebensmittel-Proben 40mal billiges Pferd statt teurerem Rind entdeckt. Der Grenzwert ist niedrig, mindestens 1% des Fleischanteils müssen mal gewiehert haben. Nicht schön, aber auch nicht lebensgefährlich. Und irgendwie ganz normal, weil zwanghafte Schnäppchenjäger und Billigkäufer häufig beschissen werden. Weniger verständlich die bundesweite Hysterie, denn der Verzehr von Pferdefleisch ist unbedenklich. Deshalb fragte ich neulich auf Twitter:„Tonnenweise wird Lasagne, Dosen-Gulasch & anderes Pferde-Futter vernichtet. Warum gibt man es nicht den Tafeln oder gratis an Bedürftige?“ Und löste damit einen kleinen Shitstorm aus. Die Kommentare reichten von Zustimmung bis zu Pöbeleien. Corax schrieb: „weil ‘bedürftige’ nicht dazu da sind abfälle zu fressen du depp.“ Ich diskutiere ungern mit menschen die grundregeln der rechtschreibung ignorieren hab es aber doch getan. War fruchtlos.

Besonders entlarvend war die Haltung von Myko. Er oder sie belehrte mich: „Das ist nicht mal als Satire witzig.“ Echt witzig, weil ersie selbst einen offenbar satirischen Blog betreibt. Als ich brav antwortete, dass mein Vorschlag durchaus ernst gemeint sei, ging die Hetzerei richtig los. „Umso schlimmer. Arme Menschen haben in einer Demokratie das gleiche Recht auf normale Nahrung wie du. Friss du das Skandalzeug.“ Ersie kotzte dann verbal noch ausgiebig ab und würdigte mich in zehn Tweets zum Untermenschen herab. Tafeln seien asozial und antidemokratisch, und ich fast so schlimm wie Dr. Mengele, nur dass ich nicht Juden in Eiswasser tauchen würde, sondern Pferdegammelfleisch an wehrlose Obdachlose verfüttern wolle. Myko hat bisher 64.000 Tweets verschickt, da kann man wohl nicht allzu viel Qualität erwarten. Shitstorm oder Shit4brains, das ist hier die Frage.

Reflexhafte Hetze und dumpfe Schwarzweißmalerei – eine gefährliche Kombination, wie man spätestens seit dem Aufkommen der NSDAP in der Weimarer Republik weiß. Bei mir wird jedenfalls sofort der geistige Tieffliegeralarm ausgelöst, wenn jemand bestimmen will, worüber ich Witze machen darf. Es gehört zum Wesen der Satire, dass sie Regeln bricht, Grenzen überschreitet und Tabus verletzt. Wer das nicht kapiert, sollte Reime für Poesiealben schmieden und die Bibel lesen. Mal ganz ehrlich – noch vor zwei Wochen haben Zigtausende mit Behagen billige Fertiggerichte in sich reingemampft, in denen gehacktes Pferd war. Wusste keiner, schmeckte aber. Jetzt sind dieselben Produkte schlimmer, als wären gehäckselte syrische Kinderleichen drin (das Angebot ist nach zwei Jahren Bürgerkrieg leider unverändert üppig). Warum vernichtet man nun all das Zeug, statt es zu verschenken? Ordnungsgemäß etikettiert, meinetwegen auch an syrische Flüchtlinge in den überfüllten Lagern an der jordanischen Grenze? Dort kriegen die Leute pro Tag nur eine Handvoll Pellkartoffeln zu futtern, ohne Quark oder Butter. Außerdem wäre manche deutsche Oma vielleicht froh, wenn sie ihre knappe Rente schonen kann. Falls ich selbst bei der Dortmunder Tafel einkaufen würde, was ich zum Glück noch nicht muss – bei mir käme Pferdegulasch in den Topf. Wie sagte man früher: Ich könnte jetzt ’n halbes Pferd und ’ne Lore Bratkartoffeln verdrücken.

Mahlzeit zusammen!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Bart ab, Schwanz ab, Kopf ab?

Geschrieben von Johannis am 14. Februar 2013 um 09:41 Uhr

Mann kann eine Frau nicht vergewaltigen. Mann kann ja auch keinen Faden einfädeln, wenn die Nadel hin und her bewegt wird. Weiber, die angeblich vergewaltigt wurden, wollten in Wirklichkeit Sex. Fast jede Frau träumt davon, von einem Kerl mal richtig rangenommen zu werden. Oder von Mehreren. Die legen es doch förmlich drauf an, mit ihren kurzen Röcken, engen Jeans, tief ausgeschnittenen Blusen. Eine Frau, die keinen BH trägt oder sich am Strand topless sonnt, ist Freiwild. Sie will gefickt werden, von jedem, am liebsten sofort. [Ende des Abschnittes „Idiotie und männliche Vorurteile“]

In diesen Tagen wird in Delhi gegen sechs Männer verhandelt, die am 16. Dezember eine Studentin vergewaltigten und so schwer verletzten, dass sie kurz darauf starb. Fünf von ihnen droht nun die Todesstrafe, für einen gilt das mildere Jugendstrafrecht. In den vergangenen acht Wochen gab es in Indien diverse Fälle von Gruppenvergewaltigungen, sogar nach identischem Muster. Mal wird die Mutter zweier Kinder eine ganze Nacht lang von sieben Männern vergewaltigt, dann eine 24-Jährige von vier Männern entführt und in einer Wohnung sexuell missbraucht, oder ein 14-jähriges Schulmädchen wird über drei Monate hinweg immer wieder von drei Männern vergewaltigt. Zufällige Häufung abscheulicher Verbrechen? Nein, nur die winzige Spitze eines gigantischen Eisberges, der seit Jahrzehnten unbeachtet durch die Informationsweltmeere treibt und nun plötzlich ins Scheinwerferlicht der Medien geraten ist. Und schon bald wieder daraus verschwinden wird, weil neue Skandale unsere arg strapazierte Aufmerksamkeit erfordern.

Was ist los mit den Indern? Im Jahr 2011 wurden in Indien 24.206 Vergewaltigungen angezeigt. Die Dunkelziffer könnte 50mal höher sein, denn kaum eine missbrauchte Inderin will sich auch noch von männlichen Polizisten demütigen lassen und der eigenen Familie durch ihre Aussage „Schande“ bereiten. Sind indische Männer primitive triebhafte Tiere? Nein, sie sind nicht viel anders als Männer im Rest der Welt. Insbesondere dort, wo Prüderie, Unterdrückung der natürlichen Sexualität aus religiösen oder moralischen Gründen plus latente Frauenfeindlichkeit zusammenkommen, werden Frauen vielfach wie Vieh behandelt. Also mindestens in einem Drittel der Welt.

Indische Männer sind genauso geil wie irakische, schwedische, deutsche, saudiarabische oder mexikanische Kerle, nur dass sich das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den jeweiligen Ländern stark unterscheidet. Bollywood-Movies sind voll von sexuellen Anspielungen, aber nackte Haut ist tabu, es wird nicht geknutscht und schon gar nicht gevögelt. Bei uns protzen Elfjährige auf dem Schulhof mit den neuesten Pornos, die sie sich bei YouPorn aufs Handy geladen haben. An indischen Stränden fotografieren sich Männer gegenseitig und haben dabei „zufällig“ immer eine Bikinischönheit im Hintergrund, die sich später als Wichsvorlage vergrößern lässt. Einheimische Frauen gehen dort, wenn überhaupt, nur voll bekleidet ins Wasser. Beruflich habe ich seit 1998 insgesamt fast drei Jahre in Indien und Nepal verbracht, zwei vorherrschend hinduistische Länder mit rigider Sexualmoral. Geldgeilen Leuten sagt man nach, sie hätten Dollarzeichen in den Augen. Jungen Indern ragen oft erigierte Penisse aus den Pupillen, besonders beim Anblick von Ausländerinnen.

Frauen sind allgemein Menschen zweiter Klasse. Das aktive Wahlrecht erhielten sie zuerst 1893 in Neuseeland, bei uns 1918, 1945 in Frankreich und Japan, 1952 bei den Griechen, 1971 in der Schweiz (einige Kantone wehrten sich erfolgreich bis 1990), 1972 in Bangladesh und 1984 in Liechtenstein. Kasachstan zog 1994 nach und in Kuwait mussten die Frauen bis 2005 warten. Inderinnen dürfen seit 1950 wählen, also die Politik ihres „Vaterlandes“ mitbestimmen. Mahatma Gandhi war sicherlich einer der größten Humanisten aller Zeiten, aber die Gleichberechtigung der Frauen war auch ihm suspekt. Frauen sollten Hausarbeit, Kindererziehung und den Dienst am Gatten als ihre Lebensaufgabe verstehen, und wenn es nach den Männern in vielen Teilen dieser Welt geht, bleibt das am besten für immer so. Seit 1990 gilt bei uns das überarbeitete Tierschutzgesetz, demzufolge Tiere keine Sachen sind und ein Recht auf besonderen Schutz und Fürsorge haben. In der Schweiz galten Tiere noch bis 2003 als Sachen. Weite Teile der arabischen Welt, aber auch viele Länder in Asien, kennen genau wie Indien keinen Tierschutz. Nein, ich meine nicht das Recht heiliger Kühe, mitten im Verkehrsgewühl der Großstädte seelenruhig Müll fressen zu dürfen. Tiere sind Sachen, werden sogar oft zum Spaß gequält. Und auch Frauen erfahren dort wenig Wertschätzung. Vergewaltigung in der Ehe ist in Indien und vielen anderen Ländern der Welt legal, in Deutschland erst seit 1997 strafbar.

Weibliche Menschen sind Nutztiere. Sie arbeiten, gebären und ernähren den Nachwuchs, sollen dem Mann zu Willen zu sein und ansonsten die Schnauze halten. Wenn sie das Pech haben, in einem besonders rückständigen islamischen Land zu leben, dürfen sie nicht zur Schule gehen, natürlich nicht wählen oder gar Auto fahren, und sie müssen sich in der Öffentlichkeit von Kopf bis Fuß verhüllen. Zu ihrem Schutz, damit sie nicht vergewaltigt werden. Denn der Anblick des weiblichen Körpers wirkt auf einen Mann bekanntlich schlimmer als das rote Tuch des Toreros auf einen gereizten Kampfstier. In Indien werden ständig weibliche Föten abgetrieben und neugeborene Mädchen getötet, millionenfach. Eine Tochter ist unnütz, sie verlässt nach der Hochzeit das Haus, geht also als Arbeitskraft verloren und kostet dazu noch Brautgeld. Außerdem braucht jeder gläubige Hindu mindestens einen Sohn. Der muss nämlich nach dem Tod des Vaters die heiligen Riten vollziehen, sonst fällt die Wiedergeburt aus. Fast die Hälfte aller indischen Mädchen werden verheiratet, bevor sie volljährig sind. Junges Fleisch ist begehrt und billiger, es kostet die Eltern weniger Mitgift. Verständlich, wenn man arm und ungebildet ist.

Ursache für die alltägliche Gewalt gegen Frauen, für sexuellen Missbrauch, Menschenhandel und Kinderprostitution ist nicht nur die Geilheit triebhafter Männer, sondern auch die überhebliche Verachtung und subtile Frauenfeindlichkeit, die in fast jedem Land herrscht. Je ungebildeter und religiöser die Menschen, desto niedriger der Wert einer Frau. Besonders die islamischen Länder tun sich hierbei hervor. Dort werden die durchaus begründeten Minderwertigkeitsgefühle der Männer geschickt überspielt, indem Frauen unterdrückt und rechtlos gehalten werden, wie Vieh. Man nutzt sie aus und beraubt sie sogar der Sexualität, schneidet Mädchen ihre Klitoris ab und näht die Scheide zu, damit geile alte Männer später mehr Spaß haben können. Abstoßend. Mir ist übrigens völlig unvorstellbar, wie sechs oder sieben Männer nacheinander ihre geschwollenen Schwänze in die blutenden, spermaklebrigen Öffnungen eines Frauenkörpers rammen können, während ein menschliches Wesen sie unter Tränen um Gnade anfleht. Wer empfindet Lust bei solch einem Akt? Ist es die sadistische Lust der vermeintlich Mächtigen? Ich schäme mich für meine Geschlechtsgenossen und werde kein Bedauern empfinden, wenn man die Vergewaltiger aus Delhi zum Tode verurteilt. Aber ihre Hinrichtung wird nichts ändern. Schon jetzt zeigen deren Nachahmer, dass Strafe nicht abschreckt.

Die alberne und verlogenen Sexismus-Debatte der letzten Wochen hat mich angekotzt. Ja, Brüderle ist ein selbstverliebter alter Sack und Niebel tickt nicht richtig, aber das ist bekannt. Ja, es gibt Sexismus in Deutschland. Und in Österreich wurde ein Grabscher freigesprochen, weil der Po dort laut Gesetz nicht zu den primären Geschlechtsorganen gehört. Man muss einer Frau also unter den Rock oder in die Bluse fassen, damit das strafbar ist. Aber mindestens so schlimm ist doch die allgegenwärtige Vermarktung von Waren und Dienstleistungen durch Bilder, die Frauen als allzeit bereite Tiere darstellen. Schnecke, Mausi, Häschen – hübsch, hirnlos und paarungswillig. Nicht mal stinklangweilige Fernsehzeitungen kommen ohne tiefes Frontpage-Dekolleté aus – Sex sells, und zwar alles Mögliche.

Frauen bekommen bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit nur rund zwei Drittel des Lohnes, der Männern gezahlt wird. In großen Teilen der Welt ist die Frau ein Mensch zweiter Klasse. Vergewaltigung in der Ehe ist bei uns erst seit 1997 strafbar, in vielen Ländern aber legal. Ein Muslim sagt zu seiner Frau dreimal „Ich verlasse dich“ und ist somit geschieden, sie hat kein Recht auf Unterhalt oder Anteile am gemeinsamen Besitz. Indische Witwen finden kaum wieder einen Mann, sie gelten als unrein und enden oftmals als Bettlerinnen auf der Straße. Scheidung ist aus den gleichen Gründen unüblich, also bleibt frau notgedrungen bei dem Säufer/Schläger/Faulpelz und erträgt ihr Leid geduldig, nimmt es als schlechtes Karma hin.

Ich könnte noch stundenlang lamentieren, denn das Thema ist viel zu komplex, um es kurz und bündig abzuhandeln. Wenn manfrau sich intensiver damit befassen will, empfehle ich den Artikel Es geht um uns alle, erschienen am 3. Januar in der ZEIT. Lesenswert ist auch das Interview mit der muslimischen Juristin Seyran Ateș, überschrieben mit Gottgewollte Gewalt.  Und besonders Männer sollten darauf achten, wann wir (oder unsere Geschlechtsgenossen) Frauen durch Worte oder Taten zu Objekten entwerten. Geiles Teil, heißes Gerät, dummes Stück – Sprache ist entlarvend. Wir brauchen keine neuen Paragrafen, ähnlich wie beim Tierschutzgesetz, wir brauchen ein neues Denken. Gerade jetzt, wo der fanatische Islamismus in immer mehr Ländern seine hässliche Fratze zeigt. Hoffentlich tragen die Gräueltaten in Indien dazu bei, dass Frauen als ebenbürtig erkannt und zukünftig auch so behandelt werden. Sie sind vielleicht nicht die besseren Menschen, aber mindestens so gut wie Männer.

PS: Erst gestern Abend, als dieser Beitrag schon fertig und hochgeladen war, erfuhr ich aus der 3sat-Kulturzeit, dass heute V-Day ist. Nein, nicht Valentinstag. V steht für Violence und Vagina. Rund eine Milliarde Frauen weltweit leidet unter Männergewalt oder sexuellem Missbrauch. In deutschen Psychotherapiegruppen ist etwa jede Dritte betroffen, von meinen bisherigen Lebenspartnerinnen (problemlos an zwei Händen abzählbar) wurden mindestens zwei als Kind missbraucht. Unterstützt bitte die Aktion von V-Day.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Geklonte Monsterbarbies

Geschrieben von Johannis am 4. Februar 2013 um 10:10 Uhr

Alles Neue kommt aus den USA. Fast alles. Vor allem Dreck, um den die Menschheit nie gebeten hat und auf den sie problemlos verzichten könnte. Tut sie aber leider nicht, denn Hominiden sind erschreckend verführbar. Weil wir von cleveren Marketingpsychologen übertölpelt werden, die geschickt an unsere niedersten Instinkte appellieren, breiten sich idiotische und oftmals krankmachende Trends in der Welt aus wie Schimmelpilz auf altem Toastbrot. Bin Schreiberling und kein Grafiker – aber wenn ich den schwellenden Durchschnittsleibesumfang, das rasant steigende Angebot brandneuer und komplett überflüssiger Produkte, die unaufhaltsam wachsende Größe und Motorleistung moderner Pkws und den sinkenden Volksintelligenzquotienten grafisch darstellen könnte, die vier Kurven wären absolut deckungsgleich.

Nein, ich mag Amerika nicht. Im Unterschied zu anderen Antiamerikaner kenne ich die USA jedoch aus eigener Erfahrung, war sogar mehrfach dort. Zuletzt vor zwanzig Jahren, vier lange Monate. Bin von Houston am Golf von Mexiko durch die Südstaaten bis rauf nach New York und dann einmal quer von der Atlantik- bis zur Pazifikküste getingelt. Und habe danach beschlossen, dass ich trotz schöner Landschaften und einiger liebenswerter Menschen (die es dort durchaus gibt) nie wieder in die USA reisen werde. Amerika, auf dessen Geldscheinen der Satz In God We Trust gedruckt ist, ist nicht etwa das Land der Freien und Heimstatt der Mutigen, sondern Spielplatz des Teufels. Nicht nur Fastfood, Fracking und die Atombombe verdanken wir den Amis, sondern fast jede Geißel der Menschheit stammt von dort.

Es war ein seltsamer Zufall, dass ich John Steinbecks Amerika-Studie Die Reise mit Charley am selben Tag auslas, an dem das ZDF-Auslandsjournal mich mit einem Beitrag über US-Kinderschönheitswettbewerbe völlig aus der Fassung brachte. Eigentlich dachte ich, mich könne nicht mehr viel erschüttern, aber Vier- und Fünfjährige, die grotesk aufgebrezelt und nuttig geschminkt über Bühnen tänzeln und Kusshände ins Publikum (vor allem Eltern und Jury-Mitglieder) werfen, lösten bei mir Schnappatmung aus. Weil ich gleichzeitig in Pfötchenstellung verfiel, war es mir unmöglich den Aus-Knopf zu drücken oder wenigstens das Programm zu wechseln. Folglich musste ich mir sechs unerträgliche Minuten und dreizehn traumatisierende Sekunden lang anschauen, was psychisch gestörte Amis mit ihren Kindern anstellen.

Mindestens eine Viertelmillion kleiner Mädchen werden von ihren geisteskranken Müttern einem erbarmungslosen Drill unterworfen, um sich für zweifelhaften Ruhm und vage Chancen auf eine spätere Model-Karriere öffentlich zu prostituieren. Ständiges Posen, Ganzkörperbemalung mit Selbstbräunungslotion, seelenlose Grimassen, die kaum noch an ein Lächeln erinnern, dickes Make-Up, künstliche Nägel und falsche Zähne, sündhaft teure Kostümierungen – gewiss kein Kinder- aber offenbar ein amerikanischer Müttertraum. Wie sagt eine Erziehungsberechtigte (man sollte ihr sofort das Kind wegnehmen) im Film: „Sie wird zu einer Porzellanpuppe. Ich verwandle sie in eine kleine Kreatur, die am Ende perfekt aussehen soll.“ Perfektion ist alles. Für viele Mädchen ist es ein bizarrer Traum, der ihnen eingepflanzt wird wie einem Cyborg das Steuerungsmodul. Die Wettkämpfe werden mit großer Verbissenheit ausgetragen, obwohl Startgebühren hoch und Preisgelder niedrig sind. Aber mit mehr als 250.000 Möchtegernprinzessinnen ist wieder eine neue Industrie entstanden, die komplett sinnlose Bedürfnisse stillt und fette Milliardenumsätze macht. Sogar eine passende TV-Sendung gibt es bereits, aber den Link zu Toddlers&Tiaras sollten nur ganz abgebrühte Zeitgenossen anklicken.

Schaut euch das erste Video an. Und wenn ihr dann noch nicht von Ekel und Weltschmerz überwältigt seid, lasst die komplette Sendung durchlaufen. Reiche alte Muslime in Kasachstan freuen sich über die halblegale Möglichkeit, jeweils vier Frauen als Gebärmütter, Sexgespielinnen und Hauswirtschaftsangestellte (Niedriglohnsektor) ihr eigen nennen zu können. Und deutsche Konvertiten, deren Dummheit und Fanatismus wie Eiterpickel aus ihren strunzblöden Visagen platzen, faseln vom Heiligen Krieg, während Londoner Islamofaschisten in muslimisch befreiten Stadtteilen Patrouille laufen und die strikte Einhaltung scharianischer Sitten verlangen. Mit Vollgas zurück ins Mittelalter, die Zeitmaschine der Salafisten kennt nur eine Richtung.

Es lohnt nicht, Einstein zum Thema menschliche Dummheit zu zitieren. Sicher ist, er wäre schockiert über den Gang der Dinge. Man muss weder Kinderpsychologe noch Hellseher sein, um voraussagen zu können, was aus all den dressierten kleinen Ami-Mädchen wird. Wahrscheinlich werden sie später ihre überehrgeizigen neurotischen Mütter an Oberflächlichkeit und Herzenskälte übertreffen. Was die ihren Sprösslingen antun, erfüllt den Tatbestand der Kindesmisshandlung, und zur Strafe sollte man sie samt Nachwuchs für drei Jahre in ein Drittweltdorf verbannen. Wasser schleppen, Holz sammeln und Ziegen melken in Somalia beispielsweise. Dumm nur, dass die kleinen Beautyqueens irgendwann erkennen werden, dass Schönheit von innen kommt, sich nicht einstudieren lässt. Und dass die gemeine Männerwelt sich weniger für Äußerliches interessiert, sondern vor allem für Körperöffnungen und den schnellsten Weg ins feuchtwarme Innere. Fuck you, America!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Coaching in der Sekte?

Geschrieben von Johannis am 29. Januar 2013 um 09:32 Uhr

Samstagnachts im August 2002 bekam ich einen seltsamen Anruf. Mich rief eine Frau an, die ich nunmehr seit 30 Jahren kenne. Wir sind gute Freunde, was nicht selbstverständlich ist, denn wir haben sieben Jahre einer letztlich gescheiterten Liebesbeziehung hinter uns, sind sogar mehrfach aneinander gescheitert. Meine Ex klang anders als sonst – aufgewühlt und gleichzeitig begeistert. Sie sprudelte verblüffende Sätze heraus und bat mich schließlich um Vergebung für jede erlittene Verletzung und Missachtung aus unserer gemeinsamen Vergangenheit. Weil ich in den sieben Jahren mindestens soviel Mist gebaut hatte wie sie, und da die finale Trennung durch meinen Wankelmut und Schiss vor Verantwortung und echter Bindung zustande kam, fiel das Verzeihen leicht. Dankbar beendete die Gute das Gespräch und verriet vorher noch, dass sie aus einem Tagungshotel anrufen würde. Coaching, ein ganz tolles Training, demnächst mehr. Ciao!

In der Woche darauf berichtete sie mir eingehend und völlig euphorisch von ihrem ersten Workshop bei der CoachingAcademie Bielefeld. Die liebe Ex war derart enthusiastisch und aufgeladen mit positiver Energie, dass ich nach ihrer ausführlichen Erzählung nicht lange zögerte, sondern mich flugs für den nächsten Infoabend (10 € Eintritt) der CoachingAcademie anmeldete und danach das Basis-Training buchte. Es fand im November passenderweise nahe Münster statt und kostete damals 455 Euro. Für Übernachtung und Halbpension von Freitag bis Sonntag wären nochmals 298 Euro fällig gewesen, aber ich pendelte nach Dortmund und ernährte mich tagsüber von Stullen und Obst. Wenn ich heute durch meinen Ordner mit Handouts und eigenen Notizen blättere, steigen lebhafte Erinnerungen an jenes Wochenende auf. Genau wie meine Verflossene konnte auch ich mich der Faszination des perfekt organisierten Workshops (rund 60 Teilnehmer) und besonders dem Charisma von Maria und Stephan Craemer nicht entziehen. Sie, eine hochgewachsene Emsländerin mit sehr trockenem Humor, und ihr deutlich kleinerer Mann sind die Gründer und Zentralfiguren der Bielefelder CoachingAcademie.

Man könnte die beiden als Gurus bezeichnen. In den Augen mancher Menschen sind sie es wohl auch, andere sehen sie allerdings eher als geschäftstüchtige Seelenfänger. Ich war jedenfalls – trotz meines Argwohns gegen jeglichen Personenkult – derart beeindruckt von Stil und Inhalt des Workshops, dass ich schon am Samstag beschloss selbst Coach zu werden. Am Sonntagmorgen erledigte ich, vor Beginn des letzten Workshopteils, vom Handy aus zwei klärende Gespräche, zu denen ich mich wie jeder Teilnehmer am Vortag verpflichtet hatte. Auch ich bat zwei mir wichtige Menschen um Vergebung für Ungerechtigkeiten und Fehler, die ich mir vermeintlich hatte zuschulden kommen lassen. Es fällt schwer, sich dem Sog der Gruppendynamik zu entziehen, und vieles von dem, was die Craemers ihren Kunden abverlangen, ist sicherlich hilfreich. Aber auf der Anmeldebestätigung von damals lese ich nun wieder die Fragen, ob ich mich in psychiatrischer Behandlung befände, abhängig von Drogen, Alkohol oder Medikamenten sei, oder eine akute psychische Krisensituation durchleben würde. All das konnte und kann ich verneinen, habe aber in den folgenden zwei Jahren bis zum Abbruch meiner Coaching-Ausbildung (ich wurde rausgeworfen und berichtete schon kurz darüber) wiederholt erlebt, wie Menschen in Workshops der CoachingAcademie an die Grenzen ihrer seelischen Belastbarkeit gerieten. Und auch deutlich darüber hinaus.

Einerseits sind mir kathartische Situationen aus der Psychotherapie durchaus vertraut, ich weiß um ihre reinigende und heilende Wirkung. In unserer heutigen Gesellschaft wird sicherlich zu wenig geweint und zu viel verdrängt. Andererseits ist bei großen Gruppen (inzwischen nehmen bis zu 160 Workshopteilnehmer gleichzeitig teil) und mit vorwiegend ehrenamtlichen Betreuern in den Trainings wohl kaum zu gewährleisten, dass niemand Schaden nimmt oder unbemerkt in eine seelische Krise rutscht. Und sei es nachts auf dem Hotelzimmer oder Tage später daheim. Warum ich diesen Beitrag nach all den Jahren schreibe, wollt ihr wissen? Weil kaum ein Tag vergeht, ohne dass Menschen bei Google die Suchworte Coaching Academie Bielefeld plus Sekte eingeben und prompt auf meinem Blog landen (siehe Screenshot der Besucherstatistik unten).

Auch ich habe mich während meines aktiven Kontakts mit den Craemers und ihrem Team mehrfach gefragt, ob sie nicht die Anführer eines sektenähnlichen Kults sind. Völlig ausschließen mag ich das bis heute nicht. Sie haben ihre Methode des Contextuellen Coachings® während ihrer Zeit in den USA selbst entwickelt, dabei aber auf ein Sammelsurium bekannter Techniken zurückgegriffen. Manches erinnert stark an Scientology, beispielsweise die Tatsache, dass manfrau vor der teuren Ausbildung zum Coach erst einmal sämtliche Trainings gebucht und durchlaufen haben muss. Das kostet derzeit für Basis-, Geld-, Beziehungs-, Abenteuer-, Empowerment- und Kommunikationstraining zusammen 5.610,- €. Für die auf vierzehn Wochenenden verteilte Ausbildung (Stufe eins hat bis zu 64, Stufe zwei maximal 30 Teilnehmer) sind dann zusätzlich insgesamt 21.600 Euro fällig. Selbst die vielen ehrenamtlichen Assistenten – ohne die keines der Trainings stattfindet – zahlen für ihre kostenlose Mitarbeit jeweils 60,- € pro Workshop (sie kaufen Eintrittskarten für Infoabende, die sie dann an Interessenten weiterverhökern sollen). Schneeballsystem nennt man das im Vertrieb, und natürlich werden auch die zahlenden Trainingsteilnehmer nachdrücklich dazu aufgefordert, in ihrem Umfeld für die CoachingAcademie zu werben. Wie es meine liebe Freundin bei mir tat, und zwar aus echter Überzeugung.

Ihre Begeisterung schwand jedoch schneller als meine. Nach dem Kommunikationstraining (kostet heute 2.600 € für drei Wochenenden) gab sie auf. Ich war übrigens nicht der Einzige, den die Craemers im Jahre 2004 aus der Coaching-Ausbildung (damals noch knapp 8.000 € für sieben Wochenendworkshops) geschmissen haben. Kritische Fragen waren oft nicht genehm, und mit solchen muss man bei mir immer rechnen. Die Philosophie der Craemers ist mit dem Satz Das Leben ist eine Folge von Intention überschrieben. Jeder schafft sich den Kontext für sein Leben selbst, immer neu oder endgültig. Daran ist natürlich Wahres, denn wir haben immer wieder im Leben die Wahl, können uns die eigene Rolle aussuchen. Manche ziehen die Opferrolle vor und bleiben lieber in ihrer Komfortzone. Aber ich lehne die sozialdarwinistische Sicht ab, nach der jeder und immer seines eigenen Glückes Schmied ist. Es ist zu simpel und herzlos, dem Individuum alle Verantwortung für sämtliche Lebensumstände zuzuweisen und wie die Craemers zu behaupten, manfrau würde sich diese sogar ausgesucht haben. Nicht unbedingt willentlich, aber auf einer tieferen Ebene des Bewusstseins

Bewusst oder nicht – wer trifft die Wahl, Opfer von sexuellem Missbrauch, medizinischen Kunstfehlern, Unfällen oder einer Entführung zu werden? Wollte die junge Inderin in Delhi von sechs Kerlen vergewaltigt und barbarisch misshandelt werden? Sucht man es sich aus, ein behindertes Kind zu gebären oder ein gesundes zu verlieren, zum Beispiel bei einem Amoklauf? Wer wählt so etwas, schafft sich solch einen Kontext? Islamische Fanatiker sprengen Busse mit Pilgern in die Luft, Tsunamis reißen Zigtausende in den Tod, und die Toten wie ihre Angehörigen sollen dieses Schicksal auf einer bestimmten Ebene ihres Bewusstweins freiwillig gewählt haben? Wollen die Opelaner in Bochum spätestens 2016 arbeitslos werden, wünschten sich sieben Millionen Deutsche schlecht bezahlte Minijobs?

Jeder kann steinreich werden – er oder sie muss es nur wirklich wollen? Bullshit, denn die Craemers schreiben selbst, dass Sieger auch Verlierer brauchen. Gewinner erzeugen Gewinner, behaupten sie und widersprechen sich damit selbst. Nicht jeder Mensch ist in der Lage, all seine Ziele zu verwirklichen. Erfolg ist nicht immer eine Folge von Zustimmung, Erfüllung ist keine serienmäßig eingebaute Funktion des SelbstSeins, wie es die Gurus in ihrer Philosophie behaupten. Das Ganze riecht doch verdächtig nach dem amerikanischen Traum, wo es bekanntlich jeder vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann. Warum sind in den USA 46 Millionen Menschen auf Essensmarken angewiesen? Wollen sie keine Gewinner sein oder sind sie einfach nur zu faul zum Siegen?

Das eingebettete Video (einmal wurde bereits versucht, die Wiedergabe hier zu unterbinden) zeigt Maria und Stephan Craemer in einer typischen Workshop-Situation. Eine zierliche Frau soll ihren Vorwurf gegen Erlittenes – der wird verkörpert durch einen kräftigen Mann – zurückdrängen. Es gelingt ihr natürlich nicht, denn der Kerl ist größer und stärker. Sicherlich ist es nicht hilfreich, ständig in die Vergangenheit zu schauen und hartnäckig an alten Kränkungen festzuhalten. Vergeben und Loslassen setzt wertvolle Energie frei, die vorher durch die Erinnerung an negative Erfahrungen gebunden war. Aber das menschliche Gehirn ist keine Software, die mit ein paar Kniffen umprogrammiert oder optimiert werden kann, denn unser Seelenleben unterliegt sehr komplizierten Gesetzen. (Hier noch andere Kurzvideos.)

Im Februar 2004 wurde ich – in Form einer höflichen, aber unumstößlichen Empfehlung – von der Coaching-Ausbildung ausgeschlossen, anteilige Kosten wurden erstattet. Grund war, dass ich ein Ziel nicht erreicht hatte, die Craemers arbeiten viel mit solchen Selbstverpflichtungen. Obwohl ich eigentlich der optimale Kandidat für eine Stelle bei FIAN war und das einstündige Interview sehr gut verlief, bekam ich eine späte Absage für jenen Job, den ich als Ziel benannt hatte. Weil das drei Wochen vor der Deadline zur Umsetzung der Selbstverpflichtung geschah und ich nicht schnell genug mit einer anderen Stelle aufwarten konnte, hatte ich nach Aussage der Craemers mein Wort gebrochen und das Ziel nicht erfüllt. Ich war nicht integer und verwirkte somit mein Recht zur Fortsetzung der teuren Ausbildung. Solche Erfahrungen, aber auch die Tatsache, dass die CoachingAcademie ein streng hierarchisch organisiertes System mit eigener Insidersprache darstellt, lassen offenbar immer wieder Menschen die Frage stellen, ob es sich bei der CA um eine Sekte handelt.

Ich habe bei Stephan und Maria Craemer viel gelernt und wende manches davon bis heute an, wenn ich Menschen mit Rat und persönlichem Feedback unterstütze. Besonders bei Krisen und privater Neuorientierung kann Coaching sehr hilfreich sein, bei seelischen Problemen sollte manfrau aber lieber zum Psychotherapeuten gehen. Professioneller Coach bin ich nie geworden, obwohl ich das vor zehn Jahren wollte. Seit 1986 durchliefen ein paarhundert Leute die Bielefelder Coachingausbildung. Nur wenige dürften es geschafft haben, ihren Lebensunterhalt als Coach zu verdienen, trotz all der Sprüche à la „Du kannst gewinnen, musst es nur wollen!“ Reich geworden sind Maria und Stephan Craemer mit cleverem Marketing und einer Methode, die absoluten Erfolg verspricht und verführerisch einfach klingt. Wahrscheinlich wird auch heute noch in den Trainings kollektiv gejubelt und zu den neuesten Hits von Shakira getanzt, auch wenn das manchmal sehr an den vom Management verordneten Belegschafts-Peptalk bei Walmart erinnert. Walmart hat Deutschland wieder verlassen, weil wir Kunden nicht amerikanisch genug waren. Coaching ist weiterhin in, aber Interessenten sollten besser zweimal hinschauen, welchen Anbietern sie vertrauen und ihr Geld geben.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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