Mann kann eine Frau nicht vergewaltigen. Mann kann ja auch keinen Faden einfädeln, wenn die Nadel hin und her bewegt wird. Weiber, die angeblich vergewaltigt wurden, wollten in Wirklichkeit Sex. Fast jede Frau träumt davon, von einem Kerl mal richtig rangenommen zu werden. Oder von Mehreren. Die legen es doch förmlich drauf an, mit ihren kurzen Röcken, engen Jeans, tief ausgeschnittenen Blusen. Eine Frau, die keinen BH trägt oder sich am Strand topless sonnt, ist Freiwild. Sie will gefickt werden, von jedem, am liebsten sofort. [Ende des Abschnittes „Idiotie und männliche Vorurteile“]
In diesen Tagen wird in Delhi gegen sechs Männer verhandelt, die am 16. Dezember eine Studentin vergewaltigten und so schwer verletzten, dass sie kurz darauf starb. Fünf von ihnen droht nun die Todesstrafe, für einen gilt das mildere Jugendstrafrecht. In den vergangenen acht Wochen gab es in Indien diverse Fälle von Gruppenvergewaltigungen, sogar nach identischem Muster. Mal wird die Mutter zweier Kinder eine ganze Nacht lang von sieben Männern vergewaltigt, dann eine 24-Jährige von vier Männern entführt und in einer Wohnung sexuell missbraucht, oder ein 14-jähriges Schulmädchen wird über drei Monate hinweg immer wieder von drei Männern vergewaltigt. Zufällige Häufung abscheulicher Verbrechen? Nein, nur die winzige Spitze eines gigantischen Eisberges, der seit Jahrzehnten unbeachtet durch die Informationsweltmeere treibt und nun plötzlich ins Scheinwerferlicht der Medien geraten ist. Und schon bald wieder daraus verschwinden wird, weil neue Skandale unsere arg strapazierte Aufmerksamkeit erfordern.
Was ist los mit den Indern? Im Jahr 2011 wurden in Indien 24.206 Vergewaltigungen angezeigt. Die Dunkelziffer könnte 50mal höher sein, denn kaum eine missbrauchte Inderin will sich auch noch von männlichen Polizisten demütigen lassen und der eigenen Familie durch ihre Aussage „Schande“ bereiten. Sind indische Männer primitive triebhafte Tiere? Nein, sie sind nicht viel anders als Männer im Rest der Welt. Insbesondere dort, wo Prüderie, Unterdrückung der natürlichen Sexualität aus religiösen oder moralischen Gründen plus latente Frauenfeindlichkeit zusammenkommen, werden Frauen vielfach wie Vieh behandelt. Also mindestens in einem Drittel der Welt.
Indische Männer sind genauso geil wie irakische, schwedische, deutsche, saudiarabische oder mexikanische Kerle, nur dass sich das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den jeweiligen Ländern stark unterscheidet. Bollywood-Movies sind voll von sexuellen Anspielungen, aber nackte Haut ist tabu, es wird nicht geknutscht und schon gar nicht gevögelt. Bei uns protzen Elfjährige auf dem Schulhof mit den neuesten Pornos, die sie sich bei YouPorn aufs Handy geladen haben. An indischen Stränden fotografieren sich Männer gegenseitig und haben dabei „zufällig“ immer eine Bikinischönheit im Hintergrund, die sich später als Wichsvorlage vergrößern lässt. Einheimische Frauen gehen dort, wenn überhaupt, nur voll bekleidet ins Wasser. Beruflich habe ich seit 1998 insgesamt fast drei Jahre in Indien und Nepal verbracht, zwei vorherrschend hinduistische Länder mit rigider Sexualmoral. Geldgeilen Leuten sagt man nach, sie hätten Dollarzeichen in den Augen. Jungen Indern ragen oft erigierte Penisse aus den Pupillen, besonders beim Anblick von Ausländerinnen.
Frauen sind allgemein Menschen zweiter Klasse. Das aktive Wahlrecht erhielten sie zuerst 1893 in Neuseeland, bei uns 1918, 1945 in Frankreich und Japan, 1952 bei den Griechen, 1971 in der Schweiz (einige Kantone wehrten sich erfolgreich bis 1990), 1972 in Bangladesh und 1984 in Liechtenstein. Kasachstan zog 1994 nach und in Kuwait mussten die Frauen bis 2005 warten. Inderinnen dürfen seit 1950 wählen, also die Politik ihres „Vaterlandes“ mitbestimmen. Mahatma Gandhi war sicherlich einer der größten Humanisten aller Zeiten, aber die Gleichberechtigung der Frauen war auch ihm suspekt. Frauen sollten Hausarbeit, Kindererziehung und den Dienst am Gatten als ihre Lebensaufgabe verstehen, und wenn es nach den Männern in vielen Teilen dieser Welt geht, bleibt das am besten für immer so. Seit 1990 gilt bei uns das überarbeitete Tierschutzgesetz, demzufolge Tiere keine Sachen sind und ein Recht auf besonderen Schutz und Fürsorge haben. In der Schweiz galten Tiere noch bis 2003 als Sachen. Weite Teile der arabischen Welt, aber auch viele Länder in Asien, kennen genau wie Indien keinen Tierschutz. Nein, ich meine nicht das Recht heiliger Kühe, mitten im Verkehrsgewühl der Großstädte seelenruhig Müll fressen zu dürfen. Tiere sind Sachen, werden sogar oft zum Spaß gequält. Und auch Frauen erfahren dort wenig Wertschätzung. Vergewaltigung in der Ehe ist in Indien und vielen anderen Ländern der Welt legal, in Deutschland erst seit 1997 strafbar.
Weibliche Menschen sind Nutztiere. Sie arbeiten, gebären und ernähren den Nachwuchs, sollen dem Mann zu Willen zu sein und ansonsten die Schnauze halten. Wenn sie das Pech haben, in einem besonders rückständigen islamischen Land zu leben, dürfen sie nicht zur Schule gehen, natürlich nicht wählen oder gar Auto fahren, und sie müssen sich in der Öffentlichkeit von Kopf bis Fuß verhüllen. Zu ihrem Schutz, damit sie nicht vergewaltigt werden. Denn der Anblick des weiblichen Körpers wirkt auf einen Mann bekanntlich schlimmer als das rote Tuch des Toreros auf einen gereizten Kampfstier. In Indien werden ständig weibliche Föten abgetrieben und neugeborene Mädchen getötet, millionenfach. Eine Tochter ist unnütz, sie verlässt nach der Hochzeit das Haus, geht also als Arbeitskraft verloren und kostet dazu noch Brautgeld. Außerdem braucht jeder gläubige Hindu mindestens einen Sohn. Der muss nämlich nach dem Tod des Vaters die heiligen Riten vollziehen, sonst fällt die Wiedergeburt aus. Fast die Hälfte aller indischen Mädchen werden verheiratet, bevor sie volljährig sind. Junges Fleisch ist begehrt und billiger, es kostet die Eltern weniger Mitgift. Verständlich, wenn man arm und ungebildet ist.
Ursache für die alltägliche Gewalt gegen Frauen, für sexuellen Missbrauch, Menschenhandel und Kinderprostitution ist nicht nur die Geilheit triebhafter Männer, sondern auch die überhebliche Verachtung und subtile Frauenfeindlichkeit, die in fast jedem Land herrscht. Je ungebildeter und religiöser die Menschen, desto niedriger der Wert einer Frau. Besonders die islamischen Länder tun sich hierbei hervor. Dort werden die durchaus begründeten Minderwertigkeitsgefühle der Männer geschickt überspielt, indem Frauen unterdrückt und rechtlos gehalten werden, wie Vieh. Man nutzt sie aus und beraubt sie sogar der Sexualität, schneidet Mädchen ihre Klitoris ab und näht die Scheide zu, damit geile alte Männer später mehr Spaß haben können. Abstoßend. Mir ist übrigens völlig unvorstellbar, wie sechs oder sieben Männer nacheinander ihre geschwollenen Schwänze in die blutenden, spermaklebrigen Öffnungen eines Frauenkörpers rammen können, während ein menschliches Wesen sie unter Tränen um Gnade anfleht. Wer empfindet Lust bei solch einem Akt? Ist es die sadistische Lust der vermeintlich Mächtigen? Ich schäme mich für meine Geschlechtsgenossen und werde kein Bedauern empfinden, wenn man die Vergewaltiger aus Delhi zum Tode verurteilt. Aber ihre Hinrichtung wird nichts ändern. Schon jetzt zeigen deren Nachahmer, dass Strafe nicht abschreckt.
Die alberne und verlogenen Sexismus-Debatte der letzten Wochen hat mich angekotzt. Ja, Brüderle ist ein selbstverliebter alter Sack und Niebel tickt nicht richtig, aber das ist bekannt. Ja, es gibt Sexismus in Deutschland. Und in Österreich wurde ein Grabscher freigesprochen, weil der Po dort laut Gesetz nicht zu den primären Geschlechtsorganen gehört. Man muss einer Frau also unter den Rock oder in die Bluse fassen, damit das strafbar ist. Aber mindestens so schlimm ist doch die allgegenwärtige Vermarktung von Waren und Dienstleistungen durch Bilder, die Frauen als allzeit bereite Tiere darstellen. Schnecke, Mausi, Häschen – hübsch, hirnlos und paarungswillig. Nicht mal stinklangweilige Fernsehzeitungen kommen ohne tiefes Frontpage-Dekolleté aus – Sex sells, und zwar alles Mögliche.
Frauen bekommen bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit nur rund zwei Drittel des Lohnes, der Männern gezahlt wird. In großen Teilen der Welt ist die Frau ein Mensch zweiter Klasse. Vergewaltigung in der Ehe ist bei uns erst seit 1997 strafbar, in vielen Ländern aber legal. Ein Muslim sagt zu seiner Frau dreimal „Ich verlasse dich“ und ist somit geschieden, sie hat kein Recht auf Unterhalt oder Anteile am gemeinsamen Besitz. Indische Witwen finden kaum wieder einen Mann, sie gelten als unrein und enden oftmals als Bettlerinnen auf der Straße. Scheidung ist aus den gleichen Gründen unüblich, also bleibt frau notgedrungen bei dem Säufer/Schläger/Faulpelz und erträgt ihr Leid geduldig, nimmt es als schlechtes Karma hin.
Ich könnte noch stundenlang lamentieren, denn das Thema ist viel zu komplex, um es kurz und bündig abzuhandeln. Wenn manfrau sich intensiver damit befassen will, empfehle ich den Artikel Es geht um uns alle, erschienen am 3. Januar in der ZEIT. Lesenswert ist auch das Interview mit der muslimischen Juristin Seyran Ateș, überschrieben mit Gottgewollte Gewalt. Und besonders Männer sollten darauf achten, wann wir (oder unsere Geschlechtsgenossen) Frauen durch Worte oder Taten zu Objekten entwerten. Geiles Teil, heißes Gerät, dummes Stück – Sprache ist entlarvend. Wir brauchen keine neuen Paragrafen, ähnlich wie beim Tierschutzgesetz, wir brauchen ein neues Denken. Gerade jetzt, wo der fanatische Islamismus in immer mehr Ländern seine hässliche Fratze zeigt. Hoffentlich tragen die Gräueltaten in Indien dazu bei, dass Frauen als ebenbürtig erkannt und zukünftig auch so behandelt werden. Sie sind vielleicht nicht die besseren Menschen, aber mindestens so gut wie Männer.
PS: Erst gestern Abend, als dieser Beitrag schon fertig und hochgeladen war, erfuhr ich aus der 3sat-Kulturzeit, dass heute V-Day ist. Nein, nicht Valentinstag. V steht für Violence und Vagina. Rund eine Milliarde Frauen weltweit leidet unter Männergewalt oder sexuellem Missbrauch. In deutschen Psychotherapiegruppen ist etwa jede Dritte betroffen, von meinen bisherigen Lebenspartnerinnen (problemlos an zwei Händen abzählbar) wurden mindestens zwei als Kind missbraucht. Unterstützt bitte die Aktion von V-Day.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«