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Nikotin-Nazis wollen Weltherrschaft

Geschrieben von Johannis am 9. Juli 2010 um 09:09 Uhr

Dies vorab: Ich finde rauchfreie Kneipen und Restaurants gut. Schön, wenn man nach einem geselligen Abend mit Freunden das eigentlich saubere Hemd auch am nächsten Tag noch mal anziehen mag, weil es nicht wie ein voller Aschenbecher stinkt. Ich hab zwar von der Pubertät bis Mitte Vierzig fleißig gequalmt, bin seitdem aber ziemlich konsequenter Nichtraucher. Und wenn ich trotzdem mal eine Schachtel kaufe, wird auf dem Balkon geraucht oder in der Küche am offenen Fenster.

Und jetzt das große AAAABER. Was mich nämlich am Volksentscheid in Bayern heftigst irritiert, ist der schlecht versteckte heilige Zorn, das Missionarische, der vermeintlich göttliche Auftrag. Und vor allem Sebastian Frankenberger, die Zentralfigur der Bewegung. Tut mir echt leid, dass ich solche Vorurteile habe, aber selten habe ich einen widerlicheren auf nett getrimmten Kotzbrocken gesehen. Wenn ich dessen Visage im Fernsehen sehe, vergesse ich glatt die Westerwelle, und das will was heißen. Bayer, langhaariger Dauerlächler mit Mittelscheitel, abgebrochenes Lehramtsstudium, Diplom-Theologe, staatlich lizenzierter Fremdenführer, Notfallseelsorger, militanter Nichtraucher und ehemaliges CSU-Mitglied – braucht man mehr Gründe, um den Mann zu hassen? Ich nicht.

Und nun, nach dem großen Sieg vom 4. Juli, kommt die Offensive. Erst wird unser Land und dann die ganze Welt aus der brutalen Knechtschaft der Kneipenraucher befreit. Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen sind nur der Anfang – überall wollen die Nikotin-Nazis neue Volksbegehren initiieren und ein striktes Rauchverbot durchsetzen. Toll, ganz großes Tennis! Sagt mal, ihr Schwachköppe, habt ihr keine anderen Themen, für die ihr euch engagieren könntet? Dreht es sich wirklich um die armen Nichtraucher, oder geht es euch nicht vielmehr um Macht? Gibt es etwas Schöneres für den Deutschen, als Verbotschilder aufzustellen und dann die Einhaltung der Verbote durchzusetzen, notfalls auch mit der Waffe? Betreten der Grünflächen verboten, Hunde an die Leine nehmen, kein Kopfsprung vom Beckenrand – das ist Deutschland.

Gut, ich gestehe, auch in mir steckt ein Nazi. Asoziales Verhalten, egal ob im Verkehr, vor der Haustür oder im Supermarkt, finde ich blöd. Volksbegehren für die bundesweite Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen, gegen die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken oder für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer würde ich sofort unterstützen. Und ich bin wahrscheinlich nur neidisch auf Sebastian Frankenberger, weil er langes volles Haar hat und ich ’ne Glatze. Aber schaut bitte mal selbst diese Bilder (Bild1 und Bild2) an und sagt mir, ob ihr dem Typen weiter über den Weg traut, als man ein ausgewachsenes Mastschwein werfen kann? Übrigens, allen Ladies, die immer schon von einer Nummer mit Winnetou träumten und denen plötzlich ganz warm im Schoß wird, empfehle ich Bastis Lebenslauf zur Lektüre. Der kann garantiert nicht mit Pfeil und Bogen schießen, hat nie auf einem Pferd gesessen und macht euch auch nicht den Hengst. ÖDP – Die Öko-Demokraten. Warum glaube ich das bloß nicht und höre bei ÖDP Ödipus?

Weil ich ein kleinkarierter, miesepetriger Drecksack bin, ein frustrierter glatzköpfiger Neidhammel, der sich heimlich nach Beachtung verzehrt und unheimlich neidisch ist, dass ausgerechnet so ein schmieriger Vollblutstreber wie Sebastian Frankenberger meine lang gehegten Machtphantasien ausleben darf. Und weil er wahrscheinlich von früh bis spät vollbusige Groupies vögelt. Drei Stück gleichzeitig. Nachdem er mit ihnen im Whirlpool Wasserpfeife geraucht und anständig Koks vom Spiegel gezogen hat. So isses nämlich. Bestimmt.

Ja, ich schäme mich. Ein bisschen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

7 Kommentare zu “Nikotin-Nazis wollen Weltherrschaft”

  1. Radial // TeamCDP

    “bin seitdem aber ziemlich konsequenter Nichtraucher”

    “wenn ich trotzdem mal eine Schachtel kaufe, wird auf dem Balkon geraucht [...]”

    lol… man man man.

  2. Eva

    Ach, ach, ach, armes Steckerl. I hoab kein’ Zweifül, dass DU derar Wült noch zeigen tust, woas in Dir steckt!

    *Bazi Modus aus*

    Basti macht ohne Rücksicht auf Verlust und ohne Schamgefühl oder Zweifel sein Ding. Wir fühlen manchmal wohl so etwas wie Ersatzscham an seiner Stelle, aber er macht das Ding rein, wir nicht.

    Was lernen wir daraus? Wenn wir etwas wollen, dann müssen wir lernen einen Tunneblick zu hantieren, nicht links und rechts gucken, nicht nachdenken, ausser wir denken ans erreichen des Ziels. Oder?

  3. ulysses

    wobei mir noch immer nicht so ganz klar ist, warum ein wirt, dessen angestellte und gäste nicht selbst entscheiden dürfen ob sie im qualm sitzen ,zapfen, saufen und servieren wollen oder nicht.. mich persönlich kotzen diese gesundheits/gutmenschennazis auch tierisch an.. dem vogel würd ich gern mal ne dicke ladung schwarzen krauseR in die visage blasen.. aber dafür extra in die dritte welt fahren.. ach nöö, da bleib ich lieber entspannt hier.. schöne grüsse in den hinterwald

  4. Johannis

    @Radial // TeamCDP
    Die von dir empfundene Komik, welche dich zu dem abgedroschensten aller Net-Kürzel lol (wird hier grundsätzlich nicht geduldet, weil fast so originell wie eine leere Brötchentüte, zerknüllt, kaum Krümel) bewegte, kann ich schlecht zwischen meinen Zeilen herauslesen. Reichen zwei Schlachteln lustvoll gerauchte Kippen pro Jahr (wenn’s so viele sind) schon zur Widerlegung meiner Behauptung, ich sei ein ziemlich konsequenter Nichtraucher? Kopfschüttel & am-Kinn-kratz.

    @Eva:
    Ja, da ist was dran. Aber Adolf hat sein Ding auch reingemacht (klingt irgendwie gewöhnungsbedürftig aus dem Munde/der Feder/Tastatur einer Frau, ist aber bestimmt nur der FiFaFußball-WM und omnipräsenten Ballsportterminologie geschuldet), hatte auch Tunnnelblick und taugt dennoch nicht als Idol. Schöne Grüße vom Tegernsee (Wassertemperatur 23°, Luft jetzt, um 23:00 h, lind-würzige 25°).

    @ulysses:
    Hier unten in der Dritten Welt herrscht aber, anders als z.B. in NRW, fast Vollbeschäftigung. Trotzdem – ich bin 1995 von hier zurück gen Norden geflüchtet, fand die Kombi aus endloswinterlichen Bergen, Zwang zu Geranien am Balkon, krachledernem Dirndlchic und absoluter CSU-Mehrheit in Kombination mit einem Idiom, das oft nach einem schlecht unterdrückten Brechanfall klingt, so unattraktiv, dass ich lieber den Ruhrpott mit schlechter Luft, hässlicher Architektur und 19% Arbeitslosigkeit dafür eingetauscht habe. Aber so für ein Sommerwochenende bei Freunden – mei des is scho schee!

  5. Frank J.

    Sebastian Frankenberger ist mir nicht sympathisch. Ich habe ihn bisher nur bei Michel Friedman gesehen und gehört — was Frankenberger eigentlich einen Haufen Sympathiepunkte einbringen müsste: Neben dem Moderator wirkt jeder “nett”.

    Dass ich ihn trotzdem nicht mochte, lag tatsächlich an seiner schlecht trainierten Freundlichkeit, dem ewigen Lächeln und der Absicht, relativ geduldig seinen Standpunkt zu vertreten. (Bei Friedman wünsche ich mir Gäste, die aufstehen, ihn einen unerzogenen Lackel schimpfen und gehen.)

    Doch bei aller Abneigung gegen Frankenberger — ich will nicht den Fehler machen, aus einer Sachdiskussion über das Rauchen in der Öffentlichkeit auf eine Metaebene abzugleiten. Frankenberger mag nicht der beste Vertreter der Nichtraucherbelange sein — er treibt das Thema aber voran. Ebenso ist Claudia Roth keine politische Scharfschützin meines Geschmacks — doch sie thematisiert dankenswerterweise das Atomenergie-Problem. Der ADAC vertritt einen Haufen übler Standpunkte in Bezug auf Verkehr — und trotzdem bin ich froh, wenn der Verein mir bei einer Panne hilft.

    Will sagen: Sachorientiertes Diskutieren über ein Thema sollte Ansätze wie “Nikotin-Nazis” oder nicht hilfreiche Auseinandersetzungen mit der Schuhgrösse eines Diskutanten vermeiden. Zur Sache, nüchtern, themenorientiert, Punkt. Und manchmal muss man eben ein wenig leiden, wenn ein depperter Säckel den gleichen Standpunkt vertritt wie man selbst. Doch das muss man aushalten können.

    Vielleicht taucht Frankenberger ja morgen mit adrettem Kurzhaarschnitt auf und alles wird gut. :-)

    -Frank

  6. Johannis

    @Frank J.:
    Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Wortgewandter gleichaltriger Schreiberling mit ebenfalls terrierhaftiger Tendenz zu rechthaberischer Rhetorik (siehe hier) und mehrfach gebrochener Vita, aber dennoch um Ausgewogenheit bemüht. Wer weiß, wann wir gemeinsam das erste Buchprojekt umsetzen? Aber ich liebe die Metaebenen und auch das Abgleiten dorthin. Und den Nichtraucher-Wastl würde ich sogar noch verrscheißern, wenn er eine tätowierte Vollglatze trägt und zum Frühstück dicke Joints durchzieht.

    Grüße in die Wetterau

  7. KurzhaarPeter

    > Bayer, langhaariger Dauerlächler mit Mittelscheitel, abgebrochenes
    > Lehramtsstudium, Diplom-Theologe, staatlich lizenzierter Fremdenführer,
    > Notfallseelsorger, militanter Nichtraucher und ehemaliges
    > CSU-Mitglied – braucht man mehr Gründe, um den Mann zu hassen?
    > Ich nicht.

    Oh wie peinlich. Lange Haare auch noch. Wenn er jetzt noch schwul wäre, dann könnte man glatt Gewaltfantasien kriegen, was?

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