Mutti jubelt uns zum Endsieg
Geschrieben von Johannis am 5. Juli 2010 um 10:23 Uhr
Heimlich hatte ich ja auf einen Sieg der Argentinier gehofft. Nein, nicht weil ich „unserer“ Mannschaft den Erfolg nicht gönne, die spielen doch meist sehenswerten Klassefußball. Oder wegen dem bekackten Autokorso (ja, mittem Dativ, dat muss jetz ma sein), der die Dortmunder Innenstadt für fast zwei Stunden stilllegte. Zum Glück waren einige der teilnehmenden Idioten mit Lenken, Hupen und aus-dem-Fenster-Grölen intellektuell überfordert, und fuhren sich gegenseitig in die Karren. Leider nur Blechschäden, aber immerhin. Und das Kfz-Gewerbe freut sich trotzdem. Also nix von wegen sportfeindlich-unpatriotische Missgunst meinerseits.
Aber bei einem Ausscheiden der Deutschen hätte man Angie besser an den Pranger stellen können, weil sie etwa eine Viertelmillion Steuereuro für ihre notdürftig mit politischen Alibiterminen getarnte Fanreise ans Kap der guten Hoffnung ausgab. Wie ich auf die Summe komme? Der Bund der Steuerzahler behauptet, eine Flugstunde mit der Regierungsmaschine koste deutlich mehr als 10.000 Euro. Und Linienflüge nach Kapstadt dauern 11 bis 13 Stunden. Der Rest war Kopfrechnen. Ja, alte Leute können das oft noch. Der Sohn von Karim, meinem kurdischen Kioskinhaber, hat mich neulich total verblüfft gefragt, ob ich einen Taschenrechner im Kopf hätte. Weil ich dreiachtzig für die ZEIT plus irgendeinen Kleinkram addiert hatte, bevor er überhaupt seine klebrigen Finger auf die Kassentasten kriegen konnte. Kids von heute eben.
Wo wollte ich eigentlich hin, mit diesem Beitrag? Ach ja, die Merkelsche. War es nicht schön, wie sie auf der Tribüne saß und sich freute? Wenn sie im himbeerroten Blazer aufsprang und die geballten Fäuste in den afrikanischen Himmel reckte, hüpften hinter ihr alle anderen Wieh-Ai-Pieß auch von den Sitzen, wie auf Kommando. Nur mit Mühe konnte unsere moppelige Kanzlerine staatsfrauliche Distanz wahren und es vermeiden, im kollektiven Freudentaumel den Sepp Blatter oder gar Jacob Zuma abzuknutschen. Tja. Irgendwie gönnt man ihr die Freude sogar, denn im Politbusiness klappt ja seit Monaten rein gar nix.
Schön war auch der Satz, den eine vor Freude glänzende Bundesmutti nach dem Spiel in die Kameras sprach: „Deutschland hat heute etwas ganz Großes gemacht.“ Nein, nicht vollbracht, sie sagte gemacht. Da hört man doch sofort eine Kinderstimme aus dem Bad krähen: „Maamaaaa, fertig. Aaabwischen!“
Was macht sie denn nun, wenn Jogis junge Löwen am Mittwoch die Spanier wegputzen? Nimmt sie dann am Wochenende wieder den Regierungsflieger nach Südafrika? Wahrscheinlich. Warum kann unsere Oberin mit dem Walrosslächeln nicht so cool auf der Ehrentribüne rumhängen wie Mick Jagger? Würde ihr bitte mal jemand das alberne Rumhüpfen verbieten, is ja peinlich. So, noch zweimal Autokorso, dann kehrt wieder Ruhe ein. Die Buchmacher handeln Deutschland bereits als Favoriten für den Titel, die Quoten liegen bei eins zu zweikommaacht. Wer wettet eigentlich darauf, dass Mutti mit ihrer schwarzgelben Chaoskombo das zweite Jahr der Legislaturperiode überlebt? Ich drücke uns die Daumen. Ja, für den Titel auch.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



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Das ist der einzige Grund,warum ich es bedaure, das Spiel nicht gesehen zu haben: “Wie unser himbeerfarbenes Moppelchen ins sprachliche Stolpern kam, weil die Rede vorher nicht vom ghostwriter vorgedacht war.” – Am besten gleich die ganze Regierungsbank “ab- oder wegwischen!”.
Klasse Artikel!