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Lass dein Ding in der Hose

Geschrieben von Johannis am 20. August 2010 um 08:54 Uhr

Unsere wunderbare Medienwelt ist mittlerweile derart vielfältig und bunt, dass jedermann einen eigenen Berater braucht, um sich darin noch zurechtzufinden und grobe Schnitzer zu vermeiden. So sollte man zum Beispiel sein Handyvideo von echt aufregenden Ereignissen wie der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade nicht bei YouTube hochladen, wenn das Filmchen belegt, dass man sich nur am Horror aufgegeilt und ansonsten keinen Finger gerührt hat, statt den Menschen zu helfen, die vor der erbsengroßen Kameralinse zerquetscht wurden.

Filmen und gefilmt werden wird ja immer populärer. Leider hält bei den meisten Hobbyfilmern weder die geistige Entwicklung noch ihre Eignung für das Regiefach mit den rasanten Fortschritten der elektronischen Technik Schritt. Ja, wenn dir dieser Satz zu kompliziert war, obwohl er nicht ein einziges Komma enthielt, solltest du ernsthaft überlegen, ob weniger Amateurvideos nicht besser für dich und deine Mitmenschen wären. Mein Tipp: Handy einfach mal in der Hosentasche lassen!

Wer nicht aktiv filmt, keine Chance zum Mitmachen bei Casting-Shows hat und trotzdem nach Starruhm lechzt, sitzt schon mal zuhause vor der Webcam und hält das mehr oder minder sendefähige Gesicht in die Linse. Populär dafür ist Chatroulette. Die Idee hatte Andrei Ternowski, ein junger Russe. Auf seiner Website kann man sich seit November 2009 per Zufallsgenerator mit irgendwem auf Gottes schönem Erdenrund verbinden lassen und dann einen lustigen Videochat abhalten. Wenn man Glück hat, befindet sich am anderen Ende der Leitung ein sympathischer Mensch, der sogar eine Sprache spricht, die man versteht. Bei ganz viel Glück entspinnen sich wirklich interessante Konversationen und man trifft womöglich Frau oder Mann fürs Leben. Das passiert aber wohl extrem selten.

Viel häufiger darf man jemandem dabei zusehen, wie er – denn es ist fast immer ein Mann, Frauen wichsen offenbar nicht so gern vor der Kamera – seinen mehr oder minder sehenswerten Schniedel aus der Hose holt und hektisch daran rumrubbelt. Der individuelle Lustgewinn einer solchen Aktion ist für jemanden wie mich, der keine exhibitionistische Tendenzen hat (wenn man mal von meinen sprachlichen Aus- und Auffälligkeiten absieht), schwer nachvollziehbar. Meistens wird die mit nackten Tatsachen konfrontierte Gegenseite doch wohl hurtig abschalten oder sich zum nächsten Chatrouletter weiterklicken, in der Hoffnung dort ein menschliches Gesicht und keinen geschwollenen Dickhead zu erblicken.

Besonders die prüden Amis stören sich inzwischen heftig an den dämlichen Onlinemasturbatoren und drohen deshalb damit, die Seite abzuschalten. Klar, wenn gottgläubige Teenies, die unbefleckt in die Ehe gehen wollen und nur mal harmlos durchs Netz surfen, mit ansehen müssen, wie irgendein Blödmann sich bekleckert – das traumatisiert. Abgesehen davon dürfen sie ja nicht selbst die nackten Brüste herhalten und unterwürfig-dankbar lächeln, während der Typ über ihnen abspritzt, wie ihnen das in fast jedem Porno vorbildhaft gezeigt wird. Solche Widersprüche verwirren junge Menschen nur unnötig, während sie noch nach der eigenen sexuellen Identität suchen und nebenbei ihr Taschengeld für Brustvergrößerung und Schamlippenstraffung sparen.

Aus Rücksicht auf amerikanische Befindlichkeiten fotografiert Chatroulette schon seit Wochen Schwänze und archiviert die Screenshots zusammen mit den IP-Adressen der Übeltäter. Außerdem haben die Betreiber einen speziellen Softwarefilter installiert, der ungeeignete Inhalte aufspürt und filtert. Wer sich also gern privat filmen lässt, sollte von nun an dreimal überlegen, ob er im Worldwideweb seinen nackten Pimmel zeigt, denn die Reaktion auf so viel Freizügigkeit könnte sehr undankbar ausfallen.

Wahrscheinlich wird die Piratenpartei nun Zeter und Mordio schreien. IP-Adressen und Schniedelfotos speichern – das ist ja wohl ein massiver Eingriff in die Rechte der Surfer, verletzt eklatant den Datenschutz. Tja. Zum Thema Eingriff fällt mir nur ein, dass niemand Probleme kriegt, der beim Videochat die Unterhose anbehält.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

5 Kommentare zu “Lass dein Ding in der Hose”

  1. Kulturbanause

    Ach Manno,
    da habe ich endlich mal eine adäquate Freizeitbeschäftigung gefunden, und dann sowas ;-) .
    Immer wenn’s am schönsten ist, muss man aufhören.

    Der Kulturbanause

  2. Johannis

    @Kulturbanause:
    Ich würde dir ja für die Umgewöhnungsphase ein Buch leihen, aber das hat leider keine USB-Schnittstelle. Sei tapfer!

  3. Lorenz Meyer

    Muss hier aus voller Überzeugung drei Chatroulette-Videos reinspammen, die den Perlenschwein-Besuchern hoffentlich das Wochenende versüßen:

    http://www.youtube.com/watch?v=JTwJetox_tU

    http://www.youtube.com/watch?v=MHrvpgA9XtI

    http://www.youtube.com/watch?v=bYaABtWpKIM

    Energetische Grüße und Chi heil

    Lorenz

  4. Johannis

    @Lorenz Meyer:
    Boaaah, was für hässliche, fette Wichser! Ich kann mein Leben lang nie wieder eine Sauna mit nackten Männern drin betreten.

    NEIN, schlechter Scherz beiseite. Danke, lieber Lorenz, ich hatte wirklich viel Spaß an den Videos, besonders den ersten beiden. Nur so viel sei verraten: Ein guter Pianist sitzt im Parka mit Kapuze vor der Webcam am Klavier und singt Leuten in aller Welt etwas vor. Dabei improvisiert er und geht ultraschnell auf Mimik, Aussehen und Textmessages der Chatrouletter ein. Großes Kino! Nochmals danke, wirklich sehr nett.

    Grüße aus Dortmund

  5. Kulturbanause

    Hi Lorenz,
    ja, wirklich köstlich der Pianoman. Auf ein spaßiges spannendes Wochenende!

    Kulturbanause

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