Kurzarbeit für alle!
Geschrieben von Johannis am 31. Januar 2009 um 14:02 Uhr
Das altbekannte Motto „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“, muss im Zeitalter der Globalisierung abgewandelt werden. Die Dritte Welt sollte unser Vorbild sein, besonders in der jetzigen Krise. Nepal, am Fuße des majestätischen Himalajas gelegenes und ehemals einziges Hindukönigreich der Welt, nun aber nach Zwangspensionierung des Königs mehrheitlich von Maoisten regierte Republik, zeigt uns exemplarisch, wie es richtig gemacht wird.
Mit Befremden beobachtet der an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessierte Deutsche die vollkommen unkoordinierten Streiks dieser Woche. Einmal sind es die Flugbegleiter (Nein, ich werden den Begriff Saftschubse nicht erwähnen), am nächsten Tag streiken dann die Pfeifen Damen und Herren von der Bahn, und tags drauf stehen die ver.di-Rotkittel trillernd vorm Dortmunder Landgericht – völlig chaotisch, komplett ohne Sinn und Verstand. Warum nicht gleichzeitig streiken, am besten bundesweit? Von mir aus einmal monatlich, aber dann richtig!
In Nepal wird regelmäßig der so genannte Bandh ausgerufen, ein oft dürftig begründeter Generalstreik, der aber zuverlässig das ganze Land lähmt. Alle Betriebe machen dicht, Büros und Läden bleiben geschlossen, und der Verkehr kommt vollkommen zum Erliegen. Wer trotzdem fährt, bekommt nachdrücklich ein paar Backsteine in die Windschutzscheibe geknallt, das wirkt zuverlässig. Primitiv und barbarisch? Mitnichten! Jeder Bürger weiß genau, woran er ist – man bleibt zuhause, liest ein gutes Buch oder widmet sich gemeinsam mit der Gattin der aktiven Familienplanung. Alternativ kann man auch einen Waschtag einlegen, endlich den Dachboden entrümpeln oder seine Steuerklärung machen. Gut, die letzten beiden Vorschläge sind albern, wenn es um Nepal geht.
Aber malen Sie sich doch bitte einmal aus, wie ein ähnlich konzertierter Streik bei uns ablaufen würde. Kein obernerviges Rumgestehe auf dem Flughafen, am Bahnsteig oder im zuverlässig entstehenden Autostau. Keine Hassanfälle vorm parkenden ICE, nie wieder zickige Antworten am geschlossenen Check-In-Schalter oder von Handydauertelefonaten weich gekochte Schläfenlappen. Statt dessen ein gemütliches Frühstück im Bett, dann der Liebsten noch etwas am Ohrläppchen geknabbert und endlich aufgestanden. Die Kinder müssen nicht zur Schule, draußen herrscht idyllische Ruhe, alle haben frei. Also fast alle, bis auf die Gewerkschaftler, die müssen natürlich in den sauren Appel beißen und leider streiken, sonst verkäme die ganze Aktion natürlich zur Farce. Pech gehabt, ver.di!
Die Vorstellung behagt Ihnen nicht? Es gibt doch vorerst sowieso nicht genug Arbeit, täglich kommen neue Hiobsbotschaften von den Banken und aus der Industrie. Warum nicht ein bisschen Entspannung für alle, das tut bestimmt gut. Ein regelmäßiger Wellnessstreik eben. Ich schlage auf jeden Fall pro Monat einen festen Streiktag vor, vorab im Kalender vermerkt. Wie Ostern eben. Dann weiß man wenigstens, was Sache ist.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



[...] via Perlenschwein [...]