Klimawandel is good for you!
Geschrieben von Johannis am 30. August 2010 um 08:52 Uhr
Immer das undankbare Genörgel, ich kann’s nicht mehr hören. Ja, es hat ein bisschen geregnet letzte Woche, in Osnabrück sogar ein bisschen mehr – aber ist das schlimm? Nein, im Gegenteil, es ist gut für unser Land. Wieso und warum, wollt ihr wissen? Es stärkt unsere Wirtschaft, kurbelt die Binnennachfrage an und steigert das Bruttoinlandsprodukt.
Denkt doch mal nach – all die gefluteten Kellerräume samt durchweichtem Inventar, die unterspülten Bahntrassen und ausgehöhlten Uferböschungen, dazu die vielen abgesoffenen Autos. Was passiert jetzt? Keller werden leer gepumpt und das durchweichte Zeug wird ersetzt. Deiche, Straßen und Schienenstränge repariert man und versiffte Autos werden gegen neue Modelle ausgetauscht. Umsatz für die Bauwirtschaft und Automobilindustrie, Umsatz im Einzelhandel, Umsatz überall. Meckert also nicht über 170 Millimeter Regen, die meisten Leute sind doch versichert. Und überhaupt – 17 Zentimeter, was ist das schon? Maximal so viel, wie der deutsche Durchschnittsmann in der Hose hat, natürlich nur bei gehobener Stimmung. Deswegen mussten die Osnabrücker doch nicht gleich Katastrophenalarm ausrufen, das setzt völlig falsche Signale.
Und Tornados sind ebenfalls gut für uns. Seid bitte nicht so missgünstig, Dachdecker sind schließlich auch Menschen. Was mit Schlammlawinen ist? Schon mal an Baggerfahrer gedacht? Wo wir doch jetzt alle länger arbeiten sollen, Stichwort Rente mit 67. Siehste! Man muss also gar nicht darauf warten, dass am Ostseestrand Dattelpalmen wachsen und Chardonnay aus Flensburg bei Parkers als bester Wein des Jahres prämiert wird – der Klimawandel ist schon heute eine prima Sache.
Und wer jetzt noch Zweifel hat, ob das neumodische Katastrophenwetter denn für ein zweites Wirtschaftswunder reichen wird, kann sich entspannt zurücklehnen. Es wird. Denn kluge Menschen wie Sarah Palin und ihre aufgeklärten Freunde von der Tea Party Bewegung werden die schleppende Erderwärmung schon in Schwung bringen. So ganz nebenbei, denn vor allem müssen sie ja die Ehre Amerikas wiederherstellen und das Land aus Zeiten der Finsternis herausführen. Ob das wohl eine Anspielung auf Barrack Obama und seine Hautfarbe war? Kann ich mir nicht vorstellen.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



Neugierig frag: “Von welchem deutschen Durchschnittsmann ist hier die Rede?” Ich ahne, dass dieser Pot zur Schönfärberei neigt und manche Dinge ein wenig in die Länge zieht!
Wenn die Mathematikaufgaben die 100-Grenze überschreiten – werden da Mathe-Dümmlinge ausgesondert?