Zurueck
Start Mensch Buch Prosa Bilder Lyrik Blog Mehr
Vorwaerts
Deko Blog


Plakat




Tacky's Support

Hello Wien!

Geschrieben von Johannis am 31. Oktober 2009 um 15:29 Uhr

Nein, dies wird weder ein deutlich verspäteter Gruß zum 70. Jubiläum des Anschlusses einer kleinen Alpenrepublik an das versunkene Tausendjährige Reich, noch ein verbales Winken in Richtung schreibender Amtskollegen wie dem oder der Nömix (Geschlecht unbekannt). Meine klugen Leser haben es natürlich längst und wahrscheinlich gähnend erkannt – ich will mich zu einem Brauch gälisch-keltischen Ursprungs äußern, der neuerdings auch in Germanien ausgeübt wird. Allerdings ausgerechnet am Reformationstag, weshalb Martin Luthers Gebeine heute bei 1600 Umdrehungen rumpelnd im kühlen Grab rotieren.

Nicht erst seit der fast immer tödlich verlaufenden Schweinegrippe begegne ich allem, was von Westen über den Atlantik kommt, mit gesunder Skepsis. Halloween, jenes heidnische Fruchtbarkeitsfest mit eindeutigem Bezug auf die Fressattacken schwangerer Frauen (Süßes oder Saures?), gehört zu jenen Phänomenen, auf die ich mit profundem Unverständnis reagiere. Grusel finde ich langweilig, schaue mir daher auch keine Horrorfilme an und bin offenbar emotional verkrüppelt. Weshalb sollte ich mich also verkleiden, mit blutig gespaltenem Schädel durch Land und Kneipen ziehen und mich in der Hoffnung betrinken, dass ich zu vorgerückter Stunde eine alkoholisierte Leiche schänden darf?

Wenn ich tatsächlich Spaß am Grauen hätte, reicht ein kurzer Gedanke an unser neues Kabinett und sämtliche Nackenhaare versammeln sich in Windeseile auf Stirn und Wangenknochen. Bildlich gesprochen, zum Glück. Wir haben einen Wirtschaftsminister, der sich vor allem durch Trinkfestigkeit und einen miserablen Haarschnitt auszeichnet. Für die Finanzen ist ein Mann zuständig, der vor einigen Jahren vergaß, dass er von einem Waffenschieber 100.000 Mark in bar angenommen hatte. Das Entwicklungshilfeministerium wird nun von jemandem geleitet, der noch im Wahlkampf die Abschaffung exakt dieser Behörde forderte, und im Ausland werden wir durch einen Mann repräsentiert, der vor sieben Jahren die antisemitischen Parolen des damaligen Parteivorsitzenden unterstützt hat.

Gut, Möllemann ist kurz danach im Boden versunken, aber ob vor Scham, bleibt unklar. Bei Guido wünscht man sich, dass er denselben Weg nehmen möge, aber offenbar gelten für die Hölle strenge Einreisebeschränkungen, die hoffentlich bald liberalisiert werden. Höllisches Vergnügen bereitete es übrigens dem holländischen Journalisten Rob Savelberg, unser aller Lieblingskanzlerin bei der Vorstellung ihres Kabinetts mit klugen Fragen derart in die Ecke zu treiben, dass sie sich nur mit pampiger Einsilbigkeit aus der Affäre ziehen konnte.

Diese Leute sollen unser Land aus der aktuellen Krise heraus und in die Zukunft führen? Eine Zukunft, die vor allem durch den katastrophalen Klimawandel, durch Ressourcenknappheit, weltumspannende Terrornetzwerke, grassierende Armut und milliardenfachen Hunger geprägt sein wird. Gibt es etwas Gruseligeres als solche Führer? Wohl kaum.

Zur Unterhaltung schadenfroher Menschen, die ich unter meiner Leserschaft kaum vermute, sei das Video jener Pressekonferenz eingebunden, bei der Rob Savelberg die Merkeline nach allen Regeln der Kunst vorgeführt hat. Wir sollten alle erheblich mehr kritische Fragen stellen. Aber bitte nicht „Süßes oder Saures?“

 

 

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Ein Kommentar zu “Hello Wien!”

  1. nömix

    Nun ist es ja auch in unserer kleinen Alpenrepublik nicht anders als bei euch großen Nachbarn: dass freilich auch die Geschicke unseres Landes keineswegs bevorzugt von politischen Lichtgestalten oder Geistesgrößen gelenkt würden. Das nämliche Gruselkabinett, hüben wie drüben.
    Gruß aus Wien

Kommentar schreiben