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Geschrieben von Johannis am 13. September 2007 um 18:51 Uhr
Da wir den Blog kurzfristig wieder vom Server nehmen mussten, erscheint dieser Text mit Datum von Donnerstag. War aber schon Dienstagmittag drin, ich schwöre! Wie heißt es doch – Technik und Mechanik, Atlantis und Titanic!
Aller Anfang … ach egal!
So, seit gestern Abend ist die Seite online und ich hör schon das vielstimmige Gequake, wenn ihr auf BLOG klickt: „Wie, nix drin? Was soll das denn, ich denk der ist so’n toller Schreiberling. Hat er Reitersblock, oder was?“
Nöh, bin nur ein bisschen platt. Erst das Buch (so was muss ja nicht nur geschrieben werden, das ist der angenehmere Teil. Dann kommt das lästige Überarbeiten, am besten mehrfach, danach Lektorat, Korrekturen, noch mal Korrigieren und irgendwann kann man sein eigenes Zeug nicht mehr sehen) und dann die Website. Nachdem ich mit der Hilfe meines treuen Knappen Tacky bis gestern Nacht exakt 1044 Dateien gebastelt, kodiert, verworfen, neu zusammengedengelt und schlussendlich in den Server geknallt habe, komme ich mir vor wie ein Alzheimerkrankes Eichhörnchen – wo waren eigentlich die Nüsse?
Vorhin die Pressekonferenz war aber ganz nett, wenn ich Glück habe, schreiben die Herrschaften gnädig, idealerweise sogar freundlich und unterhaltsam – Futter dafür habe ich ihnen jedenfalls geliefert. Nun hab ich eine halbe Rolle Stacheldraht über mein Sofa drapiert, werde jeder Versuchung zum Faulenzen eisern widerstehen und mich weiterhin mit Grüntee aufputschen. „Los, anne Arbeit“ ruft meine innere Stimme, und gegen die ist eben kein Ohropax gewachsen.
Recht nett war heut früh im Radio der Beitrag über Veronas neuen Bürgermeister. Nein, nicht der Neue von Frau Feldbusch (oder wie sie heute heißt), Signore Tosi aus der kleinen Stadt in Norditalien ist gemeint. Flavio Tosi ist ein Hartdurchgreifer von der konservativen Lega Nord und hat ein neues Programm zur Reinhaltung der Stadt entwickelt. Es geht dabei nicht nur um materiellen Dreck oder Graffiti an Hauswänden, man darf dort auch keine ärmellosen T-Shirts tragen, auf öffentlichen Bänken Pizza essen oder im Park picknicken. Wer sich sündig mit Prostituierten einlässt wird angezeigt, in der Stadt einfach so draußen Wein trinken ist auch verboten, und den Sinti, Roma, Afrikanern, und wer sonst noch durch seine pure Existenz das Weichbild stört, geht es ebenfalls an den Kragen. Angeblich sind mehr als 60% der Bürger Veronas begeistert von der Säuberungskampagne. Von Adolf waren ja auch mindesten so viele Leute begeistert.
Im sonnigen Westküstenstaat California, Teil von Gottes eigenem Land Usa, gibt es ja seit ein paar Jahren die Politik, dass man sich nur drei krumme Sachen zuschulden kommen lassen darf. Three strikes and you are out. Ob man dann nur lebenslänglich im Knast schmort oder doch gleich auf den mit klimafreundlicher Windenergie gespeisten Grillstuhl geschnallt wird, entzieht sich im Moment meiner Kenntnis. Das Modell könnte aber Vorbild für Verona sein: Im Muskelshirt und mit einem lauwarmen Stück Pizza Funghi in der Hand auf der Straße eine willige Liebesdienerin angequatscht – standrechtlich erschossen! So wird es was mit der sauberen Stadt, ganz im Sinne Mussolinis.
So, das muss für heute reichen. Bis demnächst, euer Rufer in der Wüste.


