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Fortschritt

Geschrieben von Johannis am 26. September 2007 um 19:50 Uhr

Hatte eben, beim Hören der BBC-World-News, eine heftige Gänsehautattacke. In Rangun, Hauptstadt von Birma, Burma oder Myanmar, gingen heute wieder Tausende buddhistischer Mönche auf die Straße, um sich als vorbildliche Pazifisten von Polizei und Militär kollektiv zusammen- und vereinzelt leider auch totschlagen zu lassen. Alles für den glühenden Wunsch des Volkes nach Selbst- oder wenigstens Mitbestimmung.

Die Bilder – von Bloggern ins Netz gestellt, freie Medien lässt die Militärjunta nicht zu – ähneln jenen, die ich aus dem Frühjahr 2006 in Kathmandu kenne. LKWs voller schwer bewaffneter Männer in Uniform, die schwarzen Rauchfahnen brennender Autoreifen, fliehende Menschen, verlorene Schuhe auf Asphalt, Platzwunden. Nur sind diesmal eben viele Demonstranten in weinrotes oder safranfarbenes Tuch gehüllt, tragen eine Schulter entblößt und den traditionellen Beutel der Wandermönche über der anderen.

Ich weiß, dass im letzten Jahr viele Menschen in Asien Mut geschöpft haben, inspiriert wurden durch das Beispiel der Nepalesen, die in 19 meist blutigen Tagen ihren despotischen König mit Geduld, Liedern, Spottversen und der Bereitschaft, sich für Demokratie und Menschenrechte erschießen oder wenigsten bewusstlos knüppeln zu lassen, in die Knie gezwungen haben. Gemeinsam haben wir auf die Einsicht der Machthaber gehofft, vor Wut geschrieen und uns Tränen aus den Augen gewischt – nicht immer wegen von der Polizei verschossener Gasgranaten.

Am Sonntag steige ich in eine Maschine nach New Delhi und werde Montag wieder den typischen Mix aus Kerosinschwaden, Holzrauch, Blumenduft und faulendem Abfall einatmen, der die Luft am Flughafen der nepalesischen Hauptstadt erfüllt. Er liegt in der Nähe einer Müllkippe. Es wird meine dreizehnte Reise nach Nepal sein, glaube ich zumindest. In genau acht Wochen soll das nepalesische Volk entscheiden dürfen, wer die neue Verfassung gestaltet und damit auch über das endgültige Schicksal des seit dem Aufstand zahnlosen Tigers, genannt König Gyanendra. Überall in Nepal steigt die Spannung, ob die Wahlen wirklich stattfinden ist weiterhin unsicher.

Im Land geht es wieder mal drunter und drüber, die Maoisten sind aus der Interimsregierung ausgeschieden, Benzin und Diesel war neulich nur gegen Bezugsscheine zu kaufen, in mehreren Landesteilen herrscht Ausgangssperre und vor ein paar Tagen wurden bei blutigen Unruhen rund dreihundert Häuser und eine Moschee niedergebrannt. Dabei hat der wütende Mob mehr als 40 Menschen getötet, man findet immer noch verscharrte Leichen. Dazu gab es in Kathmandu kürzlich und zum ersten Mal Bombenattentate nach AlQaida-Manier – zeitgleich gingen an drei Stellen versteckte Sprengsätze hoch, zerrissen eine Mutter und eine junge Studentin, verletzten Dutzende. Langweilig wird es also auch in diesem Herbst kaum.

Trotzdem, ich freue mich auf die Reise. Dort wie in Rangun bei den demonstrierenden Burmesen geht es wenigstens um Wichtiges, um Freiheit, Gleichheit, Wahrheit. Anders als in München, wo sich die CSU-Oberen mit aller Macht für ein Projekt einsetzen, das man auch mit begrenztem Sachverstand als komplett unsinnig erkennen kann, überflüssig wie der sprichwörtliche bayerische Kropf. Egal ob man die hirnrissigen Aussagen des Wirtschaftsministers aus dem weißblauen Freistaat nimmt oder das Bramabrasieren des grenzdebilen Chefstammlers aus Wolfratshausen – das Volk will offenbar am liebsten Lügen hören. Kostet kaum was, fährt superschnell, wird dringend gebraucht, macht alle glücklich – so gehen die Strophen des Liedes, das der Chor der Heuchler und dummdreisten Lügenbarone mehrstimmig singt.

Die Wahrheit ist bitter: Der Transrapid ist ein teures Abschiedsgeschenk an Ede, die weißhaarige Nervensäge. Eine sinnvolle Lösung – beispielsweise eine schnelle S-Bahnstecke – wäre für einen Bruchteil der Kosten zu haben, aber Bund und Bahn buttern ja kräftig zu, warum also nicht das Geld der Preußen verprassen? Zwar hat Stotter-Ede damit noch keine Märklin-Eisenbahn im Keller, aber die Münchner können dann wenigstens mit der Magnetschwebebahn zum Franz-Josef-Strauß-Flughafen sausen. Machen in Shanghai ja auch alle, oder? Eben nicht, das Glitzerding auf Stelzen ist dort fast immer gähnend leer.

Als Laienpsychologe könnte man nun auf die Form des schnellen Zuges hinweisen – also, wenn das kein Phallusymbol ist! Meinem Zweifel an der Hirnhaltigkeit einiger Bayernschädel habe ich ja bereits Ausdruck gegeben, nun auch noch auf Defizite unterhalb der Gürtellinie anzuspielen, wäre wahrhaft gemein. So isses auch gemeint, und das soll für heute reichen.

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