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	<title>Perlenschwein</title>
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	<description>Satirisch-freche Welt- und Selbstbespiegelung für Leute mit Grips und Spaß an Sprache</description>
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		<title>Angstbeißer, Neidpisser und Speichellecker</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 10:17:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hartnäckige Leser wissen, dass ich wenig Sympathie für Hunde hege. Sie riechen mir zu streng, äußern sich zu laut, scheißen zu große Haufen und sind mir ganz allgemein zu hündisch. Ein Tier, das mit Blick, Hecheln und Schwanzwedeln ständig meinen Segen für seine Existenz erbittet, ist mir zu devot. Hunde hingegen, die nur Blödsinn im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hartnäckige Leser wissen, dass ich wenig Sympathie für Hunde hege. Sie riechen mir zu streng, äußern sich zu laut, scheißen zu große Haufen und sind mir ganz allgemein zu hündisch. Ein Tier, das mit Blick, Hecheln und Schwanzwedeln ständig meinen Segen für seine Existenz erbittet, ist mir zu devot. Hunde hingegen, die nur Blödsinn im Kopf haben, vor fahrende Autos oder in Nachbars Garten rennen, im Wald kleine Rehkitze zu Tode hetzen oder hinterm Sofa Ledersandalen kaputt kauen, sind mir zu anstrengend, brutal und dämlich. So weit, so gut.</p>
<p>Täglich in der Frühe, kurz nachdem ich wach geworden bin, werfe ich mir einen eleganten Morgenmantel über, strubbele flink durch mein flachsblondes Haar, öffne die Wohnungstür und schaue ins Treppenhaus. Nur zur Kontrolle, wegen der Groupies. Es könnte dort ja jenes wundervolle Wesen warten, mit dessen Ankunft ich seit einigen Jahren nahezu stündlich rechne. Nein, natürlich kein Hund, sondern eine angenehm proportionierte Frau voller Liebreiz, Geist und Humor, die mit mir meine Restlaufzeit verbringen möchte, sich von mir unterhalten (intellektuell oder mit Geschichten, nicht finanziell), ernähren (wenn ich gekocht habe, was sie vom Supermarkt herangeschleppt hat) und beschützen lassen will (ja, auch nachts gegen streunende Köter, egal ob in der Stadt oder auf mediterranen Urlaubsinseln), bis es Zeit wird, dass sie mein müdes Haupt in einen mit weißem Satin gepolsterten Eichensarg bettet und dann regelmäßig die Buchsbaumhecken auf meinem Grab stutzt. Bisher ist sie noch nicht eingetroffen, findet wohl die Hausnummer nicht. Frauen haben ja angeblich nicht so den tollen Orientierungssinn.</p>
<p>Das allererste, wonach ich morgens im Treppenhaus Ausschau halte, ist jedoch ein Hund. Also ihr Hund. Wenn du, holde Verkörperung meiner unerfüllten Wunschträume, nämlich Hundebesitzerin bist, wird das nix mit uns. Sorry. Falls du aber einen grau getigerten Kater oder in Gottes Namen zwei verträgliche Katzen dein eigen nennst, ist das kein Problem. Außer, wenn wir auf lange Auslandsreisen gehen wollen – aber für den Fall hast du hoffentlich noch Eltern oder ausreichend gute Freunde ohne Katzenhaarallergie. So, nun ist doch wohl alles klar zwischen uns, oder?</p>
<p>Nur zur Richtigstellung, ich war als Kind kein Hundehasser. Wir hatten zuhause sogar mal einen Hund, Hedi vom Hirschhof, Rauhaardackelhündin und wirklich ein angenehmes Tier. In jenem Sommer ging ich brav in kurzer Lederhose zur Grundschule und sie am Wochenende mit meinem Vater zur Jagd. Bei einem innerdeutschen Umzug der Familie blieb Hedi aus Gründen, die ich ohne mein Erbteil zu riskieren hier unmöglich erläutern kann, für immer zurück. Das zu meiner Hundesozialisierung. Katzen mochte ich hingegen nicht besonders, bevor eine Mitbewohnerin uns im Jahr 1984 den Konrad ins Haus schleppte. Aus dem Tierheim und grau getigert. Was habe ich abgelästert über sie und ihre rührseligen Kolleginnen (ich wohnte mit drei Frauen zusammen, vielleicht erklärt das im Nachhinein einiges), und nach vier Wochen war ich dem Kater komplett verfallen. Klug, witzig und charmant. Der saß sogar auf dem Luftfilterkasten und kuckte zu, wenn ich an meinem Opel Rekord 1900 rumbastelte. Wirklich. Leider hat man ihn uns ein paar Jahre später vor der Haustür weggeklaut, weil wir noch keine Katzentür hatten und er seinen Schlüssel nicht finden konnte.</p>
<p>Mein Gott, schon eine dreiviertel Seite vollgeschwallert und noch kein Wort zum Thema. Es soll um die Leser gehen, vor allem um die bloggenden. Über 100 Millionen Blogs weltweit, und hinter jedem verbirgt sich ein Mensch voller Hoffnung, Schreibwut und mit meist brennender Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Okay, manchmal entblößt sich dort auch nur jemand, der besser in einer klientenzentrierten Gesprächstherapie aufgehoben wäre. Die meisten Blogger werden im Netz ja einfach nur ignoriert, manche merken das aber nicht und schreiben trotzdem. Und kommentieren dann bei anderen Bloggern, um dort ein paar Leser abspenstig zu machen oder wenigsten etwas Feedback von einem anderen Loser zu kriegen. Kenn ich, hab ich alles schon durchgemacht. Been there, done it, got the T-Shirt.</p>
<p>Lästig wird es nur, wenn angeborene Distanzlosigkeit, chronische Ironieresistenz und zu hohes Projektionsvermögen mit Störungen des Hormonhaushalts zusammenfallen – dann hat man plötzlich Fans am Hals, die man seinen ärgsten Feinden nicht wünschen möchte. Veritable Blogstalker. Leute die superlästig werden können und einen rechtschaffenen Schreiberling in ihrem ungebetenen Kommentaren ruckzuck wüst beschimpfen, weil man ihnen leider verbal keinen runterholen wollte. Falls sie selber Blogger sind, gehen sie manchmal sogar dazu über, das Objekt ihrer Hassliebe in gebloggten Schmähschriften zu attackieren und übelst zu verleumden. Schlimmstenfalls liest das sogar jemand, aber da Stalker (auch als Trolls bekannt) meist zu jenen Leuten gehören, die keine drei Sätze ohne grammatikalischen Kollateralschaden auf die Reihe kriegen, ist die Gefahr gering. Blogstalker zähle ich zu den Neidpissern, sie können sehr lästig sein und sind schwer loszuwerden.</p>
<p>Angstbeißer sind nur halb so schlimm. Die streunen ein bisschen ängstlich durchs Netz, stolpern über einen Beitrag oder ein Bild (vorzugsweise hübsche junge Bloggerin im schulterfreien Gewand), kommentieren wiederholt und heftig, und warten dann aufs verbale Leckerli. Wenn das Leckerli nicht kommt, oder man sie (weil sie den Hinweis übersahen „Kommentieren Sie hier keinesfalls Beiträge, wenn Sie Antworten erwarten oder keinen Spott vertragen“) womöglich gar subtil verspottet, werden sie stinkwütend, toben sich einige Zeilen lang aus, und dann ist man sie los. Für immer. So halte ich die Zahl meiner Leser überschaubar und den Pflegeaufwand für diesen Blog in vertretbarem Umfang.</p>
<p>Speichellecker kann man fast ignorieren. Die schreiben irgendwas Nettes und hängen ihre Webadresse oder einen Link dran, in der Hoffnung, dass Millionen meiner Leser hinterher bei ihnen biologisch-dynamische Fahrradreifen kaufen oder ihr Schwarzgeld anlegen wollen. Da löscht man eben den Link und lässt sie weiterträumen. Ekelt ihr euch eigentlich auch, wenn im Film jemand von seinem Hunde geweckt wird, weil der Köter dem Schläfer das Gesicht abschleckt? Küsst ihr eure Hunde, wenn ihr welche habt?</p>
<p>So, ich muss dringend Schluss machen. Nöh, nicht weil heutzutage kaum jemand so lange Texte liest, das kenn&#8217; ich ja. Nein, ich höre aus dem Treppenhaus das klagende Maunzen einer Katze. Hoffentlich ist endlich mein Seelenzwilling angekommen, samt felinem Haustier, und heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Aber wahrscheinlich ist es nur der fette schwarze Kater von gegenüber, der immer rausflitzt, wenn die Nachbarin den Müll runter bringt. Kaum ist sie wieder drin, jammert er uns allen die Hütte voll. Wie manche Leser, wenn man einen ihrer sterbenslangweiligen Kommentar gelöscht hat.</p>
<p>Genug für heute.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Wieso Völkermord?</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 07:27:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz & Knapp]]></category>

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		<description><![CDATA[Hillary Clinton, Ehefrau von okay-Monica-hat-mir-manchmal-einen-geblasen-aber-das-war-doch-wohl-kein-Sex-Bill, hat sich energisch für die Volksehre der Türken eingesetzt. Anders als geplant soll eine Resolution, die den Tod von rund anderthalb Millionen Armeniern behandelt, im amerikanischen Kongress das böse V-Wort nicht nennen oder am besten gleich ganz in der Versenkung verschwinden. Dann kann der erzürnt abgereiste türkische Botschafter wohl bald [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hillary Clinton, Ehefrau von okay-Monica-hat-mir-manchmal-einen-geblasen-aber-das-war-doch-wohl-kein-Sex-Bill, hat sich energisch für die Volksehre der Türken eingesetzt. Anders als geplant soll eine Resolution, die den Tod von rund anderthalb Millionen Armeniern behandelt, im amerikanischen Kongress das böse V-Wort nicht nennen oder am besten gleich ganz in der Versenkung verschwinden. Dann kann der erzürnt abgereiste türkische Botschafter wohl bald nach Washington zurückkehren.</p>
<p>Zwar wurden fast alle Armenier aus der Türkei vertrieben, und speziell in den Jahren 1915 bis 1917 starben Hundertausende bei Massakern oder auf den berüchtigten Todesmärschen. Aus Rücksicht auf den türkischen NATO-Partner, aufrechten Kämpfer für die Menschenrechte und Miterfinder der modernen Demokratie soll dies jedoch nicht als Völkermord bezeichnet werden. Stattdessen haben sich die Diplomaten für die Resolution, falls sie das Repräsentantenhaus tatsächlich erreichen sollte, auf den Begriff „dummer Zufall“ geeinigt.</p>
<p>Parallel dazu wird der Holocaust in Geschichtsbüchern, wenn überhaupt, zukünftig als „unerklärlicher Judenschwund“ erwähnt. Auch die 25 Millionen Chinesen, die 1958 bis 1960 während des von Mao Tse-tung angeordneten &#8220;Großen Sprungs nach vorn&#8221; angeblich verhungerten, erlagen in Wahrheit einer populären Nahrungsmittelunverträglichkeit.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Sonntagsworte</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 07:57:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz & Knapp]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine Schwester wäre in der Neunten fast von der Schule geflogen, also kam sie aufs Internat. Besonders beneidet habe ich sie nie, schließlich konnte ich weiter in der Garage am Moped rumschrauben, hatte mein eigenes Zimmer und durfte allein duschen. Andererseits – hätten meine Eltern mich auch auf so eine Elite-Schule geschickt, wären mir später [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Schwester wäre in der Neunten fast von der Schule geflogen, also kam sie aufs Internat. Besonders beneidet habe ich sie nie, schließlich konnte ich weiter in der Garage am Moped rumschrauben, hatte mein eigenes Zimmer und durfte allein duschen. Andererseits – hätten meine Eltern mich auch auf so eine Elite-Schule geschickt, wären mir später die bohrenden Minderwertigkeitskomplexe erspart geblieben, weil ich erst mit Neunzehn das erste Mal Sex hatte.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Nie wieder Thunfisch-Pizza</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 08:04:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perlenschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[1981 bin ich mal mit dem Fahrrad nach Spanien gefahren. Von Isny im Allgäu, wo ich damals wohnte, quer durch die Alpen bis in ein kleines Dorf in Katalonien, um dort an einem Theaterworkshop teilzunehmen. (Ja, das war ein ziemlich bizarrer Trip und ich heilfroh, dass mein Drahtesel auf dem Dachgepäckträger eines überladenen Renault R16, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1981 bin ich mal mit dem Fahrrad nach Spanien gefahren. Von Isny im Allgäu, wo ich damals wohnte, quer durch die Alpen bis in ein kleines Dorf in Katalonien, um dort an einem Theaterworkshop teilzunehmen. (Ja, das war ein ziemlich bizarrer Trip und ich heilfroh, dass mein Drahtesel auf dem Dachgepäckträger eines überladenen Renault R16, in welchem ich mich zwischen Kindern, Kotztüten und Kanistern mit Olivenöl schmal machen durfte, nach Deutschland zurückkehrte.) Unterwegs in der Schweiz kam ich an einer Hühnerfarm vorbei. Mitten in der alpinen Pampa stand auf der grünen Wiese eine flache Halle mit einer Tür aus Gitterdraht, und vielstimmiges Gegackel drang an mein Ohr.</p>
<p>Neugierig und mit müden Beinen schob ich mein Rad samt all den Sattel- und Packtaschen (ich hatte irrwitzig viel Zeug dabei und fluchte deshalb an jeder Steigung) über einen lehmigen Feldweg und schaute mir das seltsame Gebäude an. Der Raum hätte vielleicht für zwei Tennisplätze ausgereicht, vorausgesetzt man wollte nur flache Bälle schlagen, und die Halle war von Wand zu Wand komplett mit jungen Masthähnchen angefüllt. Als ich ans vergitterte Tor trat, gerieten die Vögel sofort in Panik. Sie flatterten übereinander und drängten sich in dem Versuch, wenigstens einen kleinen Halbkreis zwischen sich und den feindlichen Zweibeiner zu legen, noch enger zusammen.</p>
<p>Tausende schmutzigweißer Hähnchen zusammengepfercht in einem vollgekackten und stickigheißen Schuppen, der widerliche Gestank und das panischen Gefiepse jener Vögel, die schon wenige Wochen später knusperbraun und fettglänzend auf einem Spieß rotieren und dann, von einer Geflügelschere sauber halbiert, mit Pommes und Ketchup auf einem Teller landen sollten – diese Mixtur aus Sinneseindrücken und Gedanken gehörte zu den vielen Anstößen, die mich etwas später zum Vegetarier werden ließen.</p>
<p>Bis Ende der Neunziger Jahre habe ich weitgehend auf Fleisch und Fisch verzichtet, obwohl mir eigentlich fast alles schmeckt, was Beine, Flossen oder Flügel hat und größer als eine Wanderheuschrecke ist. Irgendwann kam dann meine radikale Anti-Dogma-Phase. Unterstützt wurde der Sinneswandel durch regelmäßige Projekt-Besuche in Nepal, wo mir als Ehrengast auch in ärmlichen Dörfern gern etwas Huhn- oder Ziegenfleisch in scharfer Currysoße serviert wird. Solcherart kulinarische Gaben von Menschen abzulehnen, die selbst oftmals nur Reis, Linsen und  Mangold auf dem Blechteller haben, erfordert eine Herzlosigkeit, die ich nur an ungewöhnlich schlechten Tagen aufbringe. Also esse ich seit gut zehn Jahren wieder Fisch und Fleisch, wenn auch in bescheidenem Umfang.</p>
<p>Obwohl ich ganz ordentlich kochen kann (wie Freunde zur Not sogar bestätigen würden) konsumiere ich gelegentlich Dinge, die in Amerika Convenience-Food heißen. Meine Hitliste im Bereich Bequemlichkeits-Futter führt seit Jahren die Tiefkühl-Pizza an, gern von Feinkost-Albrecht. Formfleisch- und Kunstkäseskandale lassen mich schon länger auf Schinkenpizza verzichten, und Salami entwickelt bei 225 Grad einen unangenehmen Geruch, der mich beim Betreten der Küche auch am nächsten Morgen noch stört. Also blieben nur Thunfisch und Spinat als Alternativen.</p>
<p>In dem Bemühen meine Grundbefindlichkeit auf ein historisches Tief zu drücken, und weil ich für ein Langzeitprojekt möglichst viel deprimierende Fakten zur Lage des Planeten sammele, las ich kürzlich das neue Buch von Taras Grescoe. Es hat den Titel „Der letzte Fisch im Netz“ und wurde von einem kanadischen Journalisten geschrieben, der eigentlich sehr gern Fisch isst. Auf 520 gut geschriebenen Seiten informiert er nun aber die Leser, warum man sich den Verzehr von Schuppigem in den meisten Fällen dringend überlegen sollte. Wer es unbedingt wissen will, weiß natürlich längst, dass die industrielle Fischerei mit Fabrikschiffen und Hochseetrawlern auf Seeteufelkommraus die Meere leer fischt, und ihrem Ziel einer Ausrottung der meisten Bestände bereits erschreckend nahe gekommen ist. Dabei ist es egal, ob der Kabeljau zu klein und kaum noch fortpflanzungsfähig ist, ob tonnenweise unerwünschter Beifang halbtot ins Meer oder den Möwen zum Fraß vorgeworfen wird, oder ob die Zucht von Lachs und Garnelen ganze Küstenabschnitte verseucht – Hauptsache die Kasse klingelt noch ein paar Jahre.</p>
<p>Die meisten Ozeane haben allerdings schon klein beigegeben, nur der störrische Pazifik wehrt sich noch ein bisschen. Diese interessante Dokumentation (abrufbar in der ZDF-Mediathek <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/917228/Mikronesien-vor-dem-Untergang" target="_blank">hier</a>) von den Marshall-Inseln verquickt verschiedene Themen: Wegen des Klimawandels absaufende Pazifikinseln, die bewusst in Kauf genommene radioaktive Verstrahlung der Insulaner bei amerikanischen Atombombentests auf dem Bikini-Atoll, und die Ausplünderung des widerspenstigen Ozeans mithilfe von kilometerlangen Langleinen und gigantischen Schleppnetzen durch China und andere Nationen, die den Mikronesiern die Fischereirechte für ein Taschengeld abgeluchst haben. Sehr empfehlenswert, wenn’s von selbst mit den Depressionen nicht recht klappen will.</p>
<p>Was denn jetzt mit der thematischen Pizza-Connection ist? Ach ja. Im Januar wurde in Japan ein Blauflossenthunfisch (diese Spezies ist fast vollkommen ausgerottet) <a href="http://www.pressemitteilungen-online.de/index.php/rekordpreis-tunfisch-fuer-121000-euro-versteigert/" target="_blank">für den Rekordpreis von 121.000 Euro versteigert</a> und dann zu Sushi verarbeitet. Der Rekordfisch wog 230 Kilo und hatte somit einen Grammpreis von knapp 53 Cent, das ganze Viech vom Kopp bis zur Schwanzflosse. Auf der Thunfischpizza von Aldi (Mama Mancini, 365 Gramm) sind 12 % Thunfisch, also rund 44 Gramm, und die Pizza kostet im Doppelpack 2,79 €. Mit geschreddertem Blauflossenthun belegt müsste die Aldi-Pizza demnach gut 23 Euro kosten, pro Stück, wenn man andere Zutaten und Profitabsichten mal großzügig ignoriert. Wahrscheinlich bestanden die bräunlichen Schmodderbrocken auf meiner allerletzten Thunfischpizza vorwiegend aus dem fünfmarkstückgroßen (aktueller Bezug auf die bevorstehende Währungsreform im Euro-Raum!) Bereich um den Darmausgang des Thunfisches, etwas Bauchlappen und den Rändern der Brustflossen.</p>
<p>Wie auch immer. Ich hoffe, dass ich niemandem den Appetit verdorben habe. Aber schließlich wissen wir längst, dass Tomaten und Paprika heutzutage nicht mehr aus fruchtbarer Ackerscholle, sondern nur noch unter Glas auf mit Flüssigdünger getränkter Steinwolle wachsen. Schlachtreife Hähnchen, wie damals in der Schweiz, werden mittlerweile nicht mehr von Hand eingefangen, sondern mit rotierenden Gummibesen aus dem Stall auf Fließbänder gebürstet und von dort in Kisten gepresst, die dann per LKW zum vollautomatischen Chicken-Massaker rollen. Das dabei anfallende Blut wird übrigens sprühgetrocknet und landet als Eiweißspender wo? Im Tierfutter, genau. Tja, so isses eben. Und Bauern leben in erster Linie von EU-Subventionen, aber nicht von der Herstellung dessen, was man früher altmodisch als Lebensmittel bezeichnete. Ich bin ein nörgelnder alter Miesepeter? Ja, leider.</p>
<p>Hoffentlich wird der Blattspinat auf meiner Spinatpizza einfach nur von Acker gemäht und gewaschen, sonst kann ich mir die Heimpizzanummer bald komplett abschminken.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Vergesst Haiti, spendet für Griechenland!</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 15:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perlenschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[Mitleid mit den Opfern von Naturkatastrophen, mit Krüppeln und Leprösen – das ist leicht. Aber erst wer Nachsicht und Mildtätigkeit auch jenen erweist, die ihr Unglück durch eigene Schuld und Dämlichkeit auf sich geladen haben, ist wahrhaft großzügig. Solcherart Güte wird karmisch viel höher bewertet, oder – für diejenigen, die nicht an Wiedergeburt und Karma [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitleid mit den Opfern von Naturkatastrophen, mit Krüppeln und Leprösen – das ist leicht. Aber erst wer Nachsicht und Mildtätigkeit auch jenen erweist, die ihr Unglück durch eigene Schuld und Dämlichkeit auf sich geladen haben, ist wahrhaft großzügig. Solcherart Güte wird karmisch viel höher bewertet, oder – für diejenigen, die nicht an Wiedergeburt und Karma glauben – vom lieben Gott zehnfach belohnt. Mindestens.</p>
<p>Der öffentliche Dienst der Griechen hat für den 16. März erneut zum Generalstreik aufgerufen, und das vollkommen zu Recht. Brutalstmögliche Eingriffe ins Portemonnaie sollen die Staatsdiener hinnehmen, um ihrem verschuldeten Land aus der Pleitepatsche zu helfen. 30 Prozent Kürzungen bei Weihnachtsgeld und dem 14. Monatsgehalt – das trifft Menschen, die oftmals bis ins hohe Alter von 52 Jahren arbeiten müssen, knüppelhart. Wer kann sich noch an die lang vergangenen Zeiten vor der deutschlandweiten Einführung des 15. Monatsgehalts für alle Arbeitnehmer erinnern? Ich nicht, das war vor meiner Geburt. Und nun sollen unsere sirtakitanzenden Freunde vom Peleponnes plötzlich Mehrwertsteuer auf sämtliche Waren und Dienstleistungen zahlen, brav Quittungen ausstellen und ihre schöne Schattenwirtschaft ins grelle Licht der Neider aus Brüssel zerren lassen? Pfui!</p>
<p>Ich werde noch heute ein paar Euros spenden, denn als Zahlungsmittel sind die wohl nicht mehr lange gültig. Fast alle internationalen Hedgefonds wetten mittlerweile große Summen gegen den Euro, und ich bin zuversichtlich, dass auch die Spanier und Portugiesen noch in diesem Jahr Bankrott anmelden werden. Also bekommen wir die D-Mark wieder. Das freut mich, weil ich noch zwei grüne Fünfmarkscheine gebunkert habe. Wie der Wechselkurs dann sein wird? Na ja, so wie damals die Preise angepasst wurden. Eins zu eins.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Westerwelle tritt zurück</title>
		<link>http://www.kassandrus.de/blog/westerwelle-tritt-zurueck</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 08:18:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perlenschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach peinlichen Enthüllungen über seine Kontakte zu Banken in Liechtenstein und der Schweiz, wo der jetzige Außenminister wiederholt Vorträge gegen Stundenhonorare von umgerechnet rund 20.000 Euro gehalten hatte, wird Guido Westerwelle am Montag sämtliche Ämter niederlegen und aus der aktiven Politik ausscheiden. Nicht zuletzt diese Online-Petition mit weit über 200.000 Unterzeichnern erhöhte am Schluss den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach <a href="http://www.tagesschau.de/inland/westerwelle402.html" target="_blank">peinlichen Enthüllungen</a> über seine Kontakte zu Banken in Liechtenstein und der Schweiz, wo der jetzige Außenminister wiederholt Vorträge gegen Stundenhonorare von umgerechnet rund 20.000 Euro gehalten hatte, wird Guido Westerwelle am Montag sämtliche Ämter niederlegen und aus der aktiven Politik ausscheiden. Nicht zuletzt <a href="http://www.petitiononline.com/hj1964/petition.html" target="_blank">diese Online-Petition</a> mit weit über 200.000 Unterzeichnern erhöhte am Schluss den Druck auf den FDP-Parteichef offenbar bis ins Unerträgliche.</p>
<p>Westerwelle hat in den letzten vier Jahren <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,679617,00.html" target="_blank">mindestens 35 bezahlte Vorträge gehalten</a> und dafür Nebeneinkünfte in Höhe von 245.000 Euro angegeben. Meist wurde er von ausländischen Banken und Finanzfonds gebucht, die unmittelbar von deutscher Steuerflucht profitieren, darunter auch die Liechtensteiner LGT Group (<a href="http://www.kassandrus.de/blog/wertschroepfungskette" target="_blank">wir berichteten</a>).</p>
<p>Er sagte gestern gegenüber dem WDR: „Ich sehe ein, dass die Vorträge ein Fehler waren, und möchte mir ein Beispiel an Margot Käßmann nehmen. Um im Politbusiness bestehen zu können, braucht man große Charakterfestigkeit. Ich bedaure mein Verhalten und ziehe die nötigen Konsequenzen.“ Auf die Frage nach seiner beruflichen Zukunft sagte Westerwelle: „Ich werde gemeinsam mit Jürgen Rüttgers eine Unternehmensberatung eröffnen, wobei der Schwerpunkt auf steuerrechtlichen Fragen liegen wird.“</p>
<p>Wir begrüßen den mutigen Schritt des Außenministers und wünschen beiden Spitzenpolitikern alles Gute auf ihrem gemeinsamen Weg.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Sozialtransfers sind Schutzgeldzahlungen</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 07:47:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perlenschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele Leute klicken mittlerweile automatisch weg, wenn sie irgendwo Hartz-IV lesen. Verständlich. Die einen leben wie Maden im Speck von Sozialtransfers und interessieren sich einen Scheißdreck für den Staat, die anderen finanzieren das feiste Wohlleben der Sozialschmarotzer mit empörend hohen Steuern aufs ebenso magere wie sauer verdiente Einkommen und ärgern sich deshalb schon mehr als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Leute klicken mittlerweile automatisch weg, wenn sie irgendwo Hartz-IV lesen. Verständlich. Die einen leben wie Maden im Speck von Sozialtransfers und interessieren sich einen Scheißdreck für den Staat, die anderen finanzieren das feiste Wohlleben der Sozialschmarotzer mit empörend hohen Steuern aufs ebenso magere wie sauer verdiente Einkommen und ärgern sich deshalb schon mehr als genug. Schön ist das alles nicht.</p>
<p>Und jetzt noch dieser Wahnsinn mit den Sonderleistungen für Härtefälle. Ab sofort bekommen Hartz-Vierer auch noch Geld für Nachhilfeunterricht. Dabei weiß doch jeder, dass die meisten Arbeitslosen erst mittags aus dem Bett kriechen und dann überrascht feststellen, dass die Blagen im Kinderzimmer Ballerspiele zocken, statt brav im Klassenzimmer zu lernen. Der Unterschichtnachwuchs weiß genau, wie’s bei World Of Warcraft zum schwierigsten Level geht, aber den Weg zur Schule finden die Kiddies ohne Eskorte oder Navigationsgerät leider nicht. Vor lauter Frust muss der Hartz-Vierer dann bereits zum Frühstück Billigpils trinken, macht sich aber immerhin eine Notiz, beim nächsten ARGE-Besuch Sonderkohle für Nachhilfestunden zu beantragen. Und zu fragen, ob Vater Staat wohl auch ein GPS-Handy mit Navi zahlt, für den Schulweg der orientierungsschwachen Kids.</p>
<p>Neulich war ich beim Discounter und mir fielen zwei Typen auf, die ihren Einkaufswagen mit ungewöhnlich guter Laune durch die Gänge schoben. Sie waren so Anfang zwanzig, trendige Frisuren, multiple Augenbrauenpiercings und auch sonst reichlich Blech im Gesicht. Mit Elan luden sie Waren aller Art in den Einkaufswagen, rissen lautstark mittelblöde Witze, und schoben irgendwann zur Kasse. Der Zufall wollte, dass ich mich dort hinter ihnen einreihte. Die Kassiererin zog das bunte Allerlei über den Scanner und gab mit freundlicher Stimme die Endsumme von 76,84 Euro bekannt. „Darf ich ma’ ehm“, drängelte sich einer der Gepiercten an mir vorbei und warf kurz darauf fünf Überraschungseier aufs Band. „Die nehmwa auch noch“ informierte er die Kassiererin, die kurz darauf den Endstand von achtundsiebzignochwas ansagte. Mit den Worten „Rest is’ Trinkgeld“ reichte der junge Shopper ihr einen amtlichen Wisch und stopfte gemeinsam mit seinem Kollegen den Einkauf in etliche neongelbe Plastikbeutel.</p>
<p>Neugierig, wie es sich für einen Menschen mit Schreibwut und journalistischen Ambitionen gehört, befragte ich kurz darauf die Dame an der Kasse – natürlich mit der gebotenen Diskretion – über die rätselhaften Vorgänge. Sie verriet mir, das sei alles ganz normal. Die Arbeitsämter würden eben Einkaufsgutscheine ausstellen, in diesem Fall für 80 Euro. Bis auf Alkohol und Zigaretten gibt’s dafür alles, auch Überraschungseier. Offenbar kann man bestimmten Leuten kein Bargeld anvertrauen und auch Überweisungen machen wenig Sinn. Typische Hartz-IVer eben.</p>
<p>So, spätestens jetzt müsste die Leserschaft in zwei Lager gespalten sein. Den einen ist vom ständigen Kopfnicken schon ganz schwindelig, die anderen stehen wegen der üblen Polemik kurz vorm Herzinfarkt. Um beide Gruppen vor ernsthaften Gesundheitsschäden zu bewahren und auf die These in der Überschrift zurückzukommen, möchte ich folgendes anmerken: Ja, es gibt faules, arbeitsscheues Pack, das den Sozialstaat dreist ausnutzt, aber sie sind klar in der Minderheit. Noch. Und ja, es gibt Leute, die rund um die Uhr mit Unterschichtenfernsehen, Rauchen und Bierholen ausgelastet sind und sich deshalb nicht um Jobsuche oder den Schulabschluss ihrer Kinder kümmern können. Auch sie dürften unter den Hartz-IV-Empfängern deutlich in der Minderheit sein.</p>
<p>Und ja, Migranten leben doppelt so oft von Sozialtransfers wie Leute ohne Migrationshintergrund. Zum Teil, weil Ausländer vom deutschen Bildungssystem benachteiligt werden, teils aber sicherlich auch, weil Qualifikationen und Jobs ohne ordentliche Deutschkenntnisse schwer zu kriegen sind. Und nicht jeder Fremde hat Lust, die hiesige Landessprache zu erlernen. Es ist sogar nicht vollkommen auszuschließen, dass manch Einwanderer sich sagt: „Deutschland? Eyh, voll gut, Alter. Krissu immer Kohle, auch wenn nix Arbeit. Nur Deutsche sind nix gut, voll Scheiße.“</p>
<p>Trotzdem glaube ich, dass die Mehrheit aller Hartz-IV-Empfänger lieber einen Job hätte und sich auch um Arbeit bemüht. Auf der andere Seite ist es natürlich doof, wenn man Arbeit hat, beispielsweise 4700 brutto verdient, und davon geht eine Menge für Steuern drauf. Verstehe ich. Liebe noch-in-Lohn-und-Brot-Stehende, betrachtet es aber bitte mal folgendermaßen: Wenn pro Jahr rund 50 Milliarden nur für die Grundsicherung ausgegeben werden, ist das klug investiertes Geld. Sogar wenn es komplett in die schmierigen Finger stinkfauler Sozialschmarotzer gelangen würde, ist die Kohle gut angelegt. Warum? Weil es für genau den satten, dumpfen Frieden sorgt, an den wir uns in diesem Land gewöhnt haben. Man stelle sich nur einmal vor, all die arbeitslosen, frustrierten und ins Abseits gedrängten Verlierer unserer heißgeliebten Ellenbogengesellschaft bekämen nicht genug Geld, um unauffällig vor sich hin zu vegetieren – Aufruhr, Mord und Totschlag, Vergewaltigung und fröhliches Brandschatzen wären unausweichlich die Folge.</p>
<p>Darum mein Rat an alle Steuerzahler, Gut- und Besserverdiener und vor allem an die Reichen: Seid froh, dass der soziale Friede so billig zu kaufen ist, und zahlt freudig Schutzgeld, damit eure Autos und Häuser nicht brennen und man eure wohlerzogenen Kinder nicht entführt, um euch das Bare abzupressen. Denn noch ist alles ruhig im Land. Zahlt weiter brav eure Steuern und es bleibt friedlich in Germanien.</p>
<p>Jedes Chinarestaurant hat ein Aquarium, meist am Eingang. Viele bunte Fische hinter Glas garantieren, dass regelmäßig Schutzgeld an die chinesische Mafia gezahlt wurde, und der schlitzäugige Mob nicht mit Brandbomben und Maschinenpistolen hereinstürmen wird, während die Gäste Frühlingsrollen knabbern. Lange Warteschlangen im örtlichen Arbeitsamt sind deshalb ebenso beruhigend wie reichlich Zierfische im Aquarium beim Chinesen. Stimmt’s oder hab ich Recht?</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Fuck Global Warming!!!</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 09:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz & Knapp]]></category>

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		<description><![CDATA[Während die halbmeterdicken Eiskrusten auf deutschen Bürgersteigen gletschergleich schmelzen und eine ungewohnte Helligkeit das Ende der Polarnacht ankündigt (Optimisten behaupten, es sei Sonnenschein), ist endlich unstrittig: Es wird keinen Klimawandel geben, die Erderwärmung fällt aus. Die New York Times hat ermittelt, dass es in Amerika im ganzen Jahr 2009 trotz Kopenhagen weniger Medienberichte über Global [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während die halbmeterdicken Eiskrusten auf deutschen Bürgersteigen gletschergleich schmelzen und eine ungewohnte Helligkeit das Ende der Polarnacht ankündigt (Optimisten behaupten, es sei Sonnenschein), ist endlich unstrittig: Es wird keinen Klimawandel geben, die Erderwärmung fällt aus. Die <a href="http://dotearth.blogs.nytimes.com/2010/01/02/the-greatest-story-rarely-told/" target="_blank">New York Times hat ermittelt</a>, dass es in Amerika im ganzen Jahr 2009 trotz Kopenhagen weniger Medienberichte über Global Warming gab als in 2008. Wohin die Tendenz in diesem Jahr gehen wird, ist wohl kloßbrühenklar.</p>
<p>Wer trotzdem noch pseudowissenschaftliche Zweifel oder gar alberne Zukunftsängste haben sollte, schaut sich bitte die umfangreiche Sammlung bitterböser Cartoons auf der Seite <a href="http://ifglobalwarmingisrealthenwhyisitcold.blogspot.com/" target="_blank">http://ifglobalwarmingisrealthenwhyisitcold.blogspot.com/</a> an. It’s depressing, but that’s life and as real as it gets.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Prost, Frau Käßmann!</title>
		<link>http://www.kassandrus.de/blog/prost-frau-kaessmann</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 14:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz & Knapp]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Jahr Pappe weg, heißt es für die Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, weil sie mit gut anderthalb Promille ihren Dienstwagen durch die Gegend kutschierte. Gerüchte, sie hätte sich literweise Messwein hinter die Binde gekippt, sind falsch, schließlich gibt es bei den Protestanten kein Abendmahl. Wahrscheinlich wurde nur ein bisschen gefeiert, weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahr Pappe weg, heißt es für die Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, weil sie mit gut anderthalb Promille ihren Dienstwagen durch die Gegend kutschierte. Gerüchte, sie hätte sich literweise Messwein hinter die Binde gekippt, sind falsch, schließlich gibt es bei den Protestanten kein Abendmahl. Wahrscheinlich wurde nur ein bisschen gefeiert, weil der katholische Mitbewerber auf dem Heilsmarkt gerade diese unappetitliche Missbrauchsgeschichte am Hals hat. Oder es hagelt bald neue Enthüllungen, diesmal auch bei den Evangelen. Warten wir’s ab.</p>
<p>Gleich noch ein Dementi: Es wird keine Abwrackprämie für Politiker geben. Nachdem man bereits ganze Parteien mieten (Möwenpick-Affäre) und Ministerpräsidenten stundenweise buchen kann, hieß es kürzlich, dass einzelne Politiker gegen eine entsprechende Summe sogar in Rente gehen würden. Für Brüderle waren 35.000 Euro im Gespräch, Westerwelle sollte etwas mehr als eine halbe Million kosten. Leider ist nichts davon wahr. Vorsicht bei unseriösen Sammelaktionen in Fußgängerzonen und an der Haustür!</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
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		<title>Dumm fickt gut</title>
		<link>http://www.kassandrus.de/blog/dumm-fickt-gut</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 14:41:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perlenschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nein, dies ist natürlich keine plump-reißerische Überschrift, sondern eine jener kostbaren Lebensweisheiten, die dem modernen Menschen im hyperkomplizierten Dasein als Leitplanken dienen. Überprüft habe ich dieses eherne Gesetz – weil ich ein klugscheißerischer Snob voller Dünkel und Überheblichkeit bin, und außerdem an einer schweren Allergie gegen Mentalblondinen leide – ehrlich gesagt nie, angeblich ist es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, dies ist natürlich keine plump-reißerische Überschrift, sondern eine jener kostbaren Lebensweisheiten, die dem modernen Menschen im hyperkomplizierten Dasein als Leitplanken dienen. Überprüft habe ich dieses eherne Gesetz – weil ich ein klugscheißerischer Snob voller Dünkel und Überheblichkeit bin, und außerdem an einer schweren Allergie gegen Mentalblondinen leide – ehrlich gesagt nie, angeblich ist es aber die reine Wahrheit.</p>
<p>Der Umkehrschluss stimmt jedoch nicht, denn ausgestattet mit einem IQ von deutlich über Raumtemperatur, bin ich im Bett beileibe kein Totalversager. Eher im Gegenteil. Räusper. Wie auch immer, Klagen waren jedenfalls selten und schriftliche Referenzen können auf Wunsch vorgelegt werden. (Bei Interesse schreiben Damen mit ausreichend Grips, Liebreiz und kompatiblem Alter bitte eine aussagefähig bebilderte Mail an info(ätt)kassandrus.de. Nach Sichtung aller Zuschriften verbringe ich mit geeigneten Kandidatinnen gern ein romantisches Schäferstündchen, um den Beweis für meine Behauptungen anzutreten. Bezüglich der Reihenfolge gilt das Eingangsdatum der Mail.*)</p>
<p>Wie ich jetzt auf diese Perle der Volksweisheit komme? Weil ich überzeugt bin, dass ausreichend Grips in diesen Zeiten ein echtes Glückshindernis ist. Wer denken kann, ist klar im Nachteil. Doof, aber zufrieden – das isses doch! Schaut man sich heutzutage in einer durchschnittlichen deutschen Fußgängerzone um, dann sieht man allenthalben zufriedene Mienen. Zwar kommt aus der größten Öffnung dieser Gesichter – wenn  nicht gerade Bratwürste hineingestopft werden – meist nur verbaler Kernschrott und Dummzeug, das nicht mal im Nachmittagsprogramm von RTL II sendefähig wäre, aber die Leute sind gut drauf. Ich aber nicht. Wahrscheinlich, weil ich einfach nicht doof genug bin.</p>
<p>Daher spare ich jetzt auf eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lobotomie" target="_blank">Lobotomie</a>, die hilft gegen schlechte Stimmung. Etwas von der hinderlichen grauen Masse raus und gute Laune rein, so einfach ist das. Falls das nicht reichen sollte, versuche ich es mit einer <a href="http://www.psychology48.com/deu/d/amygdalektomie/amygdalektomie.htm" target="_blank">Amygdalektomie</a>. Die ist zwar nicht sehr verbreitet (sogar Wikipedia hat noch nie davon gehört), bremst aber den Drang zu Gewalttätigkeiten und sediert. Dann hat das elend-frustige Genörgel hier im Blog ein Ende und ihr müsst mich nicht irgendwann in den Abendnachrichten bestaunen. Als Amokläufer.</p>
<p>Falls unter den Damen, die meine libidinöse Leistungsfähigkeit überprüfen möchten, vielleicht eine Medizinstudentin ist (mindestens drittes Semester), könnten wir die nötigen Eingriffe gern bei dir zuhause durchführen. Küchentisch kräftig schrubben, die alte Bügelsäge mit Schnaps desinfizieren und genug für den Patienten übrig lassen, ein Stück Holz zum Draufbeißen und los geht’s. Bloß nicht lange grübeln, ist doch nur ein kleiner Eingriff und schnell gemacht. Ich freu mich drauf!</p>
<p>* Durch Ihre Zuschrift entsteht kein Rechtsanspruch.</p>
<p class="MsoNormal"><span><a href="http://www.kassandrus.de/blog/?p=250">Ceterum Censeo: </a>»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.« </span></p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
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