Dummheit und Arroganz
Geschrieben von Johannis am 28. Januar 2008 um 20:20 Uhr
Für alle die sich schon immer fragten, weshalb ich eigentlich so ungeheuer schlau, kulturell gebildet und universell beschlagen bin, will ich hier und heute ein Geheimnis lüften: Ich lese seit etlichen Jahrzehnten DIE ZEIT, eine handwerklich recht ordentlich gemachte Wochenzeitung aus Hamburg. Für am Kiosk berappte mittlerweile Dreivierzig sauge ich mich von Donnerstag bis Mittwoch voll mit Schlauheit, die wohlverdaut irgendwo als Synapsenballung eingelagert wird. Nun isses raus und ich bin entmystifiziert.
Es gibt natürlich ein paar Inhalte, die ich ignoriere, zum Beispiel die völlig überflüssigen Autotests (gibt es tatsächlich, im ZEIT-Magazin) oder die bescheuerten Koch- und Restaurantgeschichten des elenden Zauselbartes Wolfram Siebeck. Entweder er gurkt aufgeblasen irgendwo in die elsässische Pampa, pennt dort mit seiner Zicke von Frau in einem überteuerten Nobelhotel, säuft unbezahlbaren Wein, frisst sich quer durch die Speisekarte – das Ganze für den halben Monatslohn eines Menschen, der wirklich arbeiten geht – und lobt nachher das Erlebte über jeden Biospinat, oder er gießt Hass und Häme aus über Leute, die nach seiner Meinung nach absolut nicht kochen/einkaufen/essen/richtig-Wein-trinken können und somit keinerlei Existenzberechtigung haben. Er ist amtlicherweise ein stinkarroganter Sack und professioneller Klugscheißer, der hoffentlich sehr bald in Ruhestand oder vor seinen Schöpfer tritt. Dass ich selbst am Herd wie ein von allen Musen geküsster junger Gott agiere, bedarf an dieser Stelle wohl kaum einer Erwähnung.
Mit arroganten Säcken kenne ich mich aus, denn ein authentisches Kriterium arroganter Säcke ist ihre marianengrabentiefe Verachtung, die sie generell für andere arrogante Säcke hegen. Als deutscher Besserwisser und geborener Oberschlauling bin ich natürlich genetisch etwas vorbelastet, aber das gleiche ich aus durch praktizierte Großherzigkeit und ein geradezu übermenschliches Maß an Toleranz. Wenn ich Freunde hätte, könnten die das bestätigen.
Folgenden Satz fand ich kürzlich im Netz, er stand in der von allen deutschsprachigen Intellektuellen hochgeschätzten Auto-BILD: „Das billigste Auto der Welt hört auf den Namen Nano, kostet umgerechnet rund 1700 Euro und sieht auch so aus. Erwartungen an ein spritziges Design erfüllt der indische Billigheimer nicht.“ Macht euch mal selbst ein Bild, ich finde er sieht gar nicht übel aus.
http://i.i.com.com/cnwk.1d/i/bto/20080111/tata.jpg
Für das Geld bekommt man hier bei uns mit Glück einen Motorroller zweifelhafter Provenienz. Weil die blöden Tintenpisser von der BILD aber noch nicht genug Häme über das vom indischen TATA-Konzern gebaute Autochen gekippt hatten, schoben sie noch einen nach und brachten dieses Foto, auf dem Mittelholm (B-Säule genannt) und Türen geschickt und wahrscheinlich digital entfernt wurden.
http://auto-presse.de/newssys/galerie/22672/22672_7.jpg
Man sieht spillerige Blechbeine unter den etwas schmächtigen Sitzen, aber der Inder ist eben selten dick – schon gar nicht, ehe er in die verfettete Oberschicht aufsteigen konnte. Dieses Bild ist ungefähr so fies, als würde man die herzensgute Tante Henriette in Marilyn-Monroe-Pose (auffem U-Bahn-Rost mit Rock hoch) ablichten und sowohl ihre beige-braune Miederhose als auch Krampfadern und die bereits von Hand gestopften Arthrosestrümpfe im Close-Up offenbaren. Nicht nett, so was. Schämt euch, ihr BILD-Fritzen!Auch fies ist das letzte Bild, dass ich per Zufall fand. Verdammte Schwerkraft! Vorsicht besonders bei hecklastigen Fahrzeugen – beim Nano kann aber nix passieren, der hat den Kofferraum vorn. Für mich ist schon wieder Zeit zum Einpacken, bis bald also.




Hi Johannis,
also ich würde den Nano natürlich sofort kaufen, obwohl wie du ja weißt, meine Preferenz bei alten Fahrzeigen mit Stern auf der Motorhaube liegt.
Das Preis/Leistungsverhältnis ist einfach unschlagbar, auch wenn der Kleine bei uns dann vielleicht 4000,- Euro kosten würde.
Aber das wird die europäische Autolobby schon zu verhindern wissen.
Da werden dann so scheinheilige Argumente wie Umweltschutz, aktive und passive Sicherheit ins Feld geführt.
Wirklich schadesmiley!
T@cky
Wennze nett zu mia biss, kauf ich dir im November für 100.000 Rupien einen, nachdem ich in Goa ausgiebig am Strand gelegen habe. Du darfst dir sogar die Farbe aussuchen und musst zusätzlich nur noch Kilometergeld zahlen. Bei 30 Cent je tausend Meter rechne mal mit 2400,- Öhrchen, dafür ist der Motor aber dann schon eingefahren. Wat sachse, willze ein’?
Hi Johannis,
naja, ich denke mal der Kleine ist wohl nicht für eine Tour über ca. 8000km quer durch Asien und Osteuropa ausgelegt. Fürchte da würdest du nur mit einem halben Wagen ankommen. Ich würde da einen Transport via Container auf dem Seeweg vorziehen.
Aber wie gesagt, die Auto-Lobby wird uns da sowieso einen Strich durch die Rechnung machen.
Na und das mit dem Nettsein, muß ich mir erst noch überlegen.
T@cky