Dumm fickt gut
Geschrieben von Johannis am 22. Februar 2010 um 15:41 Uhr
Nein, dies ist natürlich keine plump-reißerische Überschrift, sondern eine jener kostbaren Lebensweisheiten, die dem modernen Menschen im hyperkomplizierten Dasein als Leitplanken dienen. Überprüft habe ich dieses eherne Gesetz – weil ich ein klugscheißerischer Snob voller Dünkel und Überheblichkeit bin, und außerdem an einer schweren Allergie gegen Mentalblondinen leide – ehrlich gesagt nie, angeblich ist es aber die reine Wahrheit.
Der Umkehrschluss stimmt jedoch nicht, denn ausgestattet mit einem IQ von deutlich über Raumtemperatur, bin ich im Bett beileibe kein Totalversager. Eher im Gegenteil. Räusper. Wie auch immer, Klagen waren jedenfalls selten und schriftliche Referenzen können auf Wunsch vorgelegt werden. (Bei Interesse schreiben Damen mit ausreichend Grips, Liebreiz und kompatiblem Alter bitte eine aussagefähig bebilderte Mail an info(ätt)kassandrus.de. Nach Sichtung aller Zuschriften verbringe ich mit geeigneten Kandidatinnen gern ein romantisches Schäferstündchen, um den Beweis für meine Behauptungen anzutreten. Bezüglich der Reihenfolge gilt das Eingangsdatum der Mail.*)
Wie ich jetzt auf diese Perle der Volksweisheit komme? Weil ich überzeugt bin, dass ausreichend Grips in diesen Zeiten ein echtes Glückshindernis ist. Wer denken kann, ist klar im Nachteil. Doof, aber zufrieden – das isses doch! Schaut man sich heutzutage in einer durchschnittlichen deutschen Fußgängerzone um, dann sieht man allenthalben zufriedene Mienen. Zwar kommt aus der größten Öffnung dieser Gesichter – wenn nicht gerade Bratwürste hineingestopft werden – meist nur verbaler Kernschrott und Dummzeug, das nicht mal im Nachmittagsprogramm von RTL II sendefähig wäre, aber die Leute sind gut drauf. Ich aber nicht. Wahrscheinlich, weil ich einfach nicht doof genug bin.
Daher spare ich jetzt auf eine Lobotomie, die hilft gegen schlechte Stimmung. Etwas von der hinderlichen grauen Masse raus und gute Laune rein, so einfach ist das. Falls das nicht reichen sollte, versuche ich es mit einer Amygdalektomie. Die ist zwar nicht sehr verbreitet (sogar Wikipedia hat noch nie davon gehört), bremst aber den Drang zu Gewalttätigkeiten und sediert. Dann hat das elend-frustige Genörgel hier im Blog ein Ende und ihr müsst mich nicht irgendwann in den Abendnachrichten bestaunen. Als Amokläufer.
Falls unter den Damen, die meine libidinöse Leistungsfähigkeit überprüfen möchten, vielleicht eine Medizinstudentin ist (mindestens drittes Semester), könnten wir die nötigen Eingriffe gern bei dir zuhause durchführen. Küchentisch kräftig schrubben, die alte Bügelsäge mit Schnaps desinfizieren und genug für den Patienten übrig lassen, ein Stück Holz zum Draufbeißen und los geht’s. Bloß nicht lange grübeln, ist doch nur ein kleiner Eingriff und schnell gemacht. Ich freu mich drauf!
* Durch Ihre Zuschrift entsteht kein Rechtsanspruch.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



Ich würde gerne zusehen und dann mach ichs mir selbst. Die Lobotomie natürlich!
So eine Vasektomie (Vasoresektion) entbehrt auch nicht eines gewissen Liebreizes.
Starker Artikel. Beinahe hätte ich mir in die Hosen gemacht…
Grad Schopenhauer – über den Pessimismus gehört. Insofern empfinde ich dies als angenehme und willkommene Ablenkung. Ob ich nun nicht gut drauf war wegen Schopenhauer an sich, oder, weil bei Librivox nur auf Englisch zu erhalten, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe ja (wegen dem Englisch
) nur einen kleinen Teil verstanden.
Die vorgesehenen Arbeiten am Gehirn würde ich nochmals überdenken. Phineas P. Gage ist – irgendwie – ein Beispiel dafür, dass solche Tätigkeiten durchaus auch negative Begleiterscheinungen haben könnten.
Eher würde ich mal sehr lange und ausgedehnte Spaziergänge in den angeführten Fussgängerzonen empfehlen. Der Mensch sei ja, durch Gott oder die Evolution, mit bestimmten Anpassungsmechanismen ausgestattet.
Ich persönlich würde es allerdings vorziehen, wie gewohnt, meist still und doch interessiert, hier tolle Artikel zu lesen.
@Gruebel:
Zusehen ist okay, aber nur wenn ich dann auch kucken darf, wie du dir dann selbst die Hirnschale aufsägst. (Komisch, wie schnell gerade jene Leser, die sich klammheimlich an Zotigkeiten stören, Geschmack an schlüpfrigen Zweideutigkeiten finden.)
@HarryHIII:
Und die Tonsillektomie, die Appendektomie und die Gastrektomie. Letztere verhindert z.B., dass man über Dinge kotzen muss, die man nicht versteht.
@waelti:
Latent inkontinent? Jubelkommentare machen mich immer extrem misstrauisch, weshalb ich auch den Link zu deiner “Erfolgreich-Bloggen-Seite” entfernt habe. Falls ich dir damit bitteres Unrecht zugefügt habe und du ein heimlicher Verehrer bist, verzeih mir bitte!
Wenn du jedoch einer der schleimigen Selbstvermarkter bist, die sich überall im Netz tummeln, kannst du mir gestohlen bleiben. (Ich wollte mit diesem Blog von Anfang an keinen Erfolg haben. Hat bisher auch ganz gut geklappt.)
@Johannis
Fair ist das nicht. So empfinde ich es zumindest.
Ich kommentiere zwar in einigen (wenigen) Blogs. Generell da, wo es mich auch interessiert. Und obwohl ich es nicht als fair empfinde… ändert das nichts daran, dass der Artikel toll war. Ich weiter lesen werde. Und kommentiere wenn mir was gut gefällt. Ob mit oder ohne Link spielt da keine Rolle.
Auch wenn es bei mir im Blog um ‘Erfolg’ geht – wer mal reinliest spürt schnell: das meiste wird ganz einfach kritisch betrachtet. Zumindest jetzt ist weder irgendeine Werbung drauf, noch ein Partnerlink oder ähnliches. Gut, Taschengeld kann nicht schaden. Ich garantiere ja nicht dafür, dass dies generell so bleibt.
Sei’s drum, bei Marc Aurel / Selbstbetrachtungen heisst es:
Man muß sich beizeiten sagen: ich werde einem vorwitzigen, einem undankbaren, einem schmähsüchtigen, einem verschlagenen oder neidischen oder unverträglichen Menschen begegnen. Denn solche Eigenschaften liegen jedem nahe, der die wahren Güter und die wahren Übel nicht kennt. Habe ich aber eingesehen, einmal, daß nur die Tugend ein Gut und nur das Laster ein Übel, und dann, daß der, der Böses tut, mir verwandt ist, nicht sowohl nach Blut und Abstammung, als in der Gesinnung und in dem, was der Mensch von den Göttern hat, so kann ich weder von jemand unter ihnen Schaden leiden — denn ich lasse mich nicht verführen — noch kann ich dem, der mir verwandt ist, zürnen oder mich feindlich von ihm abwenden, da wir ja dazu geboren sind, uns gegenseitig zu unterstützen, wie die Füße, die Hände, die Augenlider, die Reihen der oberen und unteren Zähne einander dienen. Also ist es gegen die Natur, einander feindlich zu leben. Und das tut doch, wer auf jemand zürnt oder ihm entgegenwirkt.
@Johannis
Ein Mensch mit einer derart herabgesetzten Immunabwehr könnte sich dann allerdings auch gleich zu Hause eingraben – was ihm wiederum Einiges ersparen würde. Da hast du schon Recht. (Die Appendektomie übersehe ich diesbezüglich geflissentlich.)
@Johannis
Ach, noch was.
Mit dem IQ über Raumtemperatur halte ich auch mit. Flur, Küche und Esszimmer sind kein Problem. Auch die höhere empfohlene Temperatur eines Wohnzimmers ist machbar. Beim Badezimmer – doch Ausscheidungsmerkmal für viele – spiele ich auch noch mit.
@waelti: (jetzt wieder mit Link)
Wusst ich`s doch, und lag mal wieder falsch. Womit auch das Geheimnis meines überschaubaren Breitenerfolgs als Blogger gelüftet wäre: Als Autor sollte man zu den Lesern erstmal vorsichtshalber grob und verletzend sein, alles Weitere ergibt sich dann von selbst.
Zerknirschte Grüße
@waelti
Ausgedehnte Spaziergänge in der Fußgängerzone, genauso wie drei Stunden Tupperparty, fallen unter ’seelische Grausamkeiten’. Das Greifen der naturgegebenen Anpassungsmechanismen hält sich da doch sehr in Grenzen.
@Johannis
Gar nicht komisch. Sondern einfach nur die Bestätigung der alten Volksweisheit ‘Der Umgang formt den Menschen’. Oder hast du im Ernst geglaubt, jahrelanges Lesen deines Blogs hinterlässt keine Spuren?
Übrigens… Schädeltrepanationen wurden schon vor mehr als 10 000 Jahren durchgeführt. Also isses jetzt keine sooo große Sache.
@Gruebel
Ja, irgendwie hast du Recht. Grundsätzlich bin ich ja auch gegen Folter.
Übrigens: Tupperparty = 10 Frauen sitzen um einen Tisch, trinken Eierlikör und zeigen sich ihre Dosen…
@Gruebel:
Na, na, jahrelang…! Du kannst mich aber gern verklagen, wegen seelischer Verrohung, hervorgerufen durch Verbalbrutalismen. Das mit den Schädeltrepanationen war mir bekannt, wurde gern bei Migräne gemacht, denn wer immer unter Kopfweh litt, hatte offenbar zuviel Grips im Kopp. Loch reinmeißeln, ein paar Löffel Grütze raus und beten. Hat sich als Heilmethode aber nicht durchgesetzt.
Wie auch immer – wenn du es dir selbst machen willst und ich zukucken darf, leihe ich dir meine robuste Einhandflex und du darfst dir aussuchen, ob die Stein- oder die Metallscheibe zum Einsatz kommt. Aufmachen ist bestimmt nicht das Problem, aber wie du dich selbst wieder zunähen willst, das interessiert mich brennend. Wegen des Termins wäre es nett, wenn du wartest, bis mein Kopfverband ab ist und ich wieder sehen kann.
@waelti: Bitte keine schlüpfrigen Witze, hier lesen auch Damen mit.
@Johannis
Klasse, das Angebot mit der Flex nehme ich dankend an. So spare ich neben der Praxisgebühr auch den Obolus fürs Ausleihen im Baumarkt.
Für einen sauberen Schnitt besorge doch bitte noch eine Diamanttrennscheibe für Asphalt u. Estrich, wenn möglich in Premiumqualität.
Wenn du dann einmal da bist, kannst du dich auch nützlich machen und den Spiegel halten. Und staunen, welch tolle Naht meine Polly Pocket Nähmaschine zaubert.
Weiter sollten wir an dieser Stelle nicht ins Detail gehen; möglicherweise lesen Kinder mit und machen das dann nach.
So ein Käse, man kann seinen Kommentar gar nicht noch mal bearbeiten.
Dann werfe ich eben die zwei fehlenden Kommata hinterher…
@Gruebel:
Du stellst ja vielleicht Ansprüche! Bin ich etwa Doctor Doolittle für Zweibeiner? Das geht auch mit der einfachen Schruppscheibe, flugs isser Schädel auf. Und natürlich kannst du deine Kommentare editieren, aber nicht noch nach ‘ner halben Stunde.
@Johannis
Na klar, zur Not kriegt man die Kalotte auch mit der Spitzhacke auf. Gegen ein gewisses Maß an Ästhetik ist ja trotzdem nichts einzuwenden. Du Banause!