Das Universum antwortet nicht
Geschrieben von Johannis am 19. November 2009 um 09:31 Uhr
Leute verarschen ist okay, solange es mit Stil betrieben wird und die Zielgruppe nicht absolut schmerzfrei ist. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass sich der Intelligenzquotient des durchschnittlichen Internetusers rechnerisch im freien Fall befindet? Erst einhundertsiebenundvierzigmal? Na gut, dann kommt’s ja wohl auf einmal mehr nicht an. Also: Die Leute verblöden rapide, was wohl auch daran liegt, dass heutzutage jeder Dussel einen Computer hat und mit drei Klicks im Netz rumlungern kann.
Du glaubst mir nicht und findest meine Sichtweise menschenverachtend? Dann besuche bitte www.sheng-fui und schau dir den Beitrag „Bestellungen beim Universum aufgeben“ an. Im Grunde müsste bereits beim Namen des Leitmediums für Esoterikbespöttelung auffallen, dass hier Feng Shui schlitzäugig durch den Kakao gezogen wird, jene asiatische Methode zur architektonischen Drachenzähmung und esoterisch korrekten Kellerentrümpelung. Aber der surfende Mensch ist immer in Eile und ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Oder waren es hunderttausend? Egal.
Das Motto von Sheng Fui lautet „Ein erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere“. Da könnte man eigentlich schon stutzig werden, aber nicht jeder kann zwischen Lehre und Leere unterscheiden. Ob der Blogbetreiber wirklich die universelle Wunscherfüllung seiner Besucher im Sinn hat, ist mehr als fraglich, denn es heißt im Beitrag: „Schreiben Sie uns Ihre Wünsche in die Kommentare, wir machen daraus eine kostengünstige Sammelbestellung.“ Aber spätestens beim flüchtigen Lesen der mittlerweile gut achtzig Kommentare sollten doch ernsthafte Zweifel aufkommen. Man lacht sich entweder schlapp oder vergießt Tränen der Verzweiflung, denn seit August schreiben dort Leute ganz ernsthaft ihre Wünsche und Bestellungen ans Universum auf. Nachfolgend drei repräsentative Beispiele.
Marli schreibt: Ich wünsche mir bis zum 12.09.09 einen positiven Bescheid des hessischen Versorgungsamtes.
Britta wünscht: Liebes Universum, ich bestelle, dass meine Krise (Scheidung) bald vorbei ist, meine Kinder glücklich sind, hauptsächlich bei mir leben und dass der Ehevertrag noch vor Ende 2009 als sittenwidrig erklärt wird. Bitte schenke meiner Familie Glück, Gesundheit Zufriedenheit und finanzielle Sicherheit. Obendrauf bestelle ich einen Job der mir Spaß macht und mich erfüllt. Außerdem bestelle ich für meine Freundin Pina alles Glück der Welt…. DANKE!
Beatrice tippte etwas hastig: Grosses mächtiges unviversum ich wünsche mir von ganzen herzen das mein lebensgefährte und ich bis 1.01.2010 keine schulden und geldsorgen mehr haben werden udn das all unsere momentanen probleme sich somit auflösen werden um wieder glücklich und zufrieden sein zu können um eine familie gründen zu können. Und ich wünsche mir für meinen freund einen sehr gut bezahlten jop mit viel lebensfreude die er dann erhalten soll damit es ihm wieder besser geht und er sich wohl fühlen kann . Ich bedanke mich dieses zu erhalten .
In den Kommentaren finden sich wundervolle Beweise des tiefen Vertrauens in die Allmacht und Großzügigkeit des Universums gleich dutzendweise, wobei gelegentlich auch ein gewisses Perlenschwein auftaucht. Das hat aber nichts zu bedeuten und vor allem keine abschreckende Wirkung auf die Besteller. So oder so wird der Beitrag von Lorenz Meyer – den ich entgegen anderslautenden und manchmal recht hartnäckigen Gerüchten durchaus schätze – den Umsatz des Buches „Reklamationen beim Universum“ garantiert kräftig steigern. Der Glaube stirbt zuletzt. Oder war’s die Hoffnung? Auch egal.
Übrigens, mein Liebling unter den Wünschdirwasträumern ist ganz klar der Artur. Bei Kommentar 37 steigt er ein und lässt bis Nr. 84 nicht wieder los. Selig sind die geistig Armen, aber bei manchen besteht offenbar der Verdacht auf drohende Mentalinsolvenz. Die lässt sich allerdings, anders als bei der Privatpleite, nicht durch sechs Jahre gute Führung überwinden.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



dieses vertrauen in solche versprechungen stimmen allerdings nachdenklich. doch wenn ich den zulauf sehe, den gewisse sekten und lebensweisheitspachter haben, so scheinen viele ganz allgemein auf “der suche” zu sein und sind um jeden noch so dünnen strohhalm froh.
Erstmal guten Morgen allerseits!
@Lupe, der Satire-Blog:
Von dir hätte ich mir etwas mehr Pepp im Kommentar gewünscht, und nicht die laue Betroffenheitsbedenkenträgernummer, aber trotzdem Danke für den unerwarteten Besuch. Herr Meyer verspricht übrigens nicht wirklich etwas, und wenn doch, dann kann er’s garantiert nicht halten. Vor allem die Klappe nicht, aber das Problem hat wohl nicht nur er. Wie auch immer, beehren Sie uns bald wieder, oder wie sagt man? (Ach, noch was: Ich hätte ‘ne gute Tastatur im Keller liegen, höchstens vier Jahre alt. Das muss doch supernervig sein, so mit klemmender Shift-Taste. Wie machst du das bloß mit den Anführungszeichen? Handgepixelt? Egal, gib deine Postadresse und du bekommst ein Päckchen.)
@Lorenz Meyer:
Vielen Dank für Ihre Übersetzerdienste, als Sektenguru sind Sie ganz schön dünnhäutig. Ganz gegen meine Natur möchte ich mir, Ihnen und allen – sozusagen urbi et orbi – wünschen, dass uns auch weiterhin manch dünner Witz einfällt, den wir dann als Strohhalm in den aufgewühlten Weltenstrom werfen können. (Ja, meine Medikation wurde kürzlich umgestellt, wieso?)
Beste Grüße allerseits
Viele werden den Kommentar von “Lupe, Der Satire-Blog” nicht verstanden haben. Ich übersetze deshalb schnell:
“Dieses Vertrauen in solche angeblichen Satireseiten wie “Lupe-Der Satire-Blog”, in denen die Leser in den ohnehin flauen Beiträgen mit penetranter Kleinschreibung, Rechtschreibfehlern und falscher Grammatik gequält werden, stimmt allerdings nachdenklich. Doch wenn ich den Zulauf sehe, den gewisse Humorseiten im Internet haben, so scheinen viele ganz allgemein auf “der Suche” zu sein und sind über jeden noch so dünnen Strohhalm froh.”
Mit energetischen Grüßen, Lorenz
[...] Sorge geben. Aber es kommt noch schlimmer: Der Blogger lässt sich unter der Überschrift Das Universum antwortet nicht zu einer Schmähschrift ungeahnten Ausmaßes hinreißen. Da werden ausgerechnet wir als [...]
at johannis:
vielleicht besuche ich mal den web-auftritt von herrn meyer, falls er denn einen hat. denn ich freue mich immer auf grammatisch korrekte schreibse, die den anspruch erhebt, die besucher mit hochstehenden beiträgen regelrecht zu beglücken. vermutlich wird der herr meyer sogar in seinen beiträgen erwähnen, wie gut sein blog ist und wie weit vorne er bei google bereits gefunden wird. mal schauen.
@Lupe, der Satire-Blog:
Hat er, hat er. Sogar mehrere, die – mit Verlaub gesagt – optisch auf jeden Fall mit deiner/Ihrer Seite mithalten können. Ich empfehle daher einen Besuch bei: http://www.sheng-fui.de/
Sein Google-Pagerank ist 5, das lässt er aber nur ganz selten raushängen. Ansonsten ist Lorenz Meyer – wie ich soeben erkennen musste – ein durch und durch hassenswertes Subjekt, ein Ideentrittbrettfahrer allererster Güte und Demagogenstrolch allerallerallerübelster Sorte. Das war mir füher schon mal klar gewesen, doch dann kam der fatale Medikamentenwechsel dazwischen…
Ein unbelehrbarer Universumsleugner und ein Blogger, bei dem man die Satire mit der Lupe suchen muss. Was für eine fatale Verbindung…
jetzt war ich mal auf jenem blog. hatte doch recht mit meiner vermutung (letzter satz im 2. kommentar von mir).
beiträge wie “schweinegrippe-beitrag von feng pfui bereits auf platz 4 bei google” oder “sheng pfui in dogmatikerliste aufgenommen” deuten doch auf ein gewisses latentes bedürfnis hin, zu erwähnen, wie hervorragend der eigene blog ist und wie toll er beachtet wird. dies wiederum deutet auf eine gewisse verunsicherung hin, ob der eigene blog tatsächlich so einmalig und grammatikalisch fehlerfrei ist. da helfe ich doch gerne, nicht dass der autor ansonsten in eine der esodingsbums-vereinigungen abdriftet. habe schliesslich eine sozialfürsorgliche ader. also:
toll der blog, lorenz! toll die beiträge, einmalig! keine gravierenden fehler gefunden. komme gerne wieder, du kannst die homöopathischen tropfen absetzen.
@Lupe, der Satire-Blog:
Harmoniebedürftig wie ich nun mal bin, habe ich es gar nicht gern, wenn meine wenigen Leser sich in der Kommentarspalte abwatschen. Aber was geschehen ist, passiert halt, und da möchte ich nicht zurücktreten. Also eher noch ein bisschen nachtreten. Ach, du weißt schon.
Deine akribische Recherche bei http://www.sheng-fui.de/ ehrt dich, ich finde es aber ein klitzekleines bisschen seltsam, dass du dem Herrn Meyer unredliches Beachtungs- und Geltungsbedürfnis unterstellst. Wo doch jedem Leser auf deiner eigenen Seite sofort der Counter entgegenspringt, welcher verkündet wie viele satirekundige Nichtanalphabeten sich seit Einführung des Wechelstroms dort versammelten und postwendend totgelacht haben. Während ich hier mit Grammatik und Satzbau kämpfe, sind angeblich gerade 98 Besucher online. Gleichzeitig! Wow, soviel habe ich an mittelguten Tagen, allerdings innerhalb von 24 Stunden. Was aber nichts über die Qualität meiner Beiträge aussagen muss, höchstens ein schlechtes Licht auf mein Marketing wirft.
Wie auch immer, ich gebe dir gern schriftlich, das du ein ganz toller Hecht bist. Und das soll nun nicht etwa heißen, dass du abschwimmen sollst. Ich wünsche dir ein erquickliches Wochenende, möge die Sonne in dein Herz hinein und nicht aus deinem Hintern raus scheinen, und mögen deine Weißbrotwürfel nicht im Käsefondue untergehen. Oder was sagt ihr Schweizer so, wenn ihr nett sein wollt?
Lieber Johannis,
wo hier gerade die Orthographie besprochen wird, gestatte mir, dich auf einen Rechtschreibfehler aufmerksam zu machen.
Es hätte Lightmedium heißen müssen.
Vorsicht, Pursche, ich beobachte dich!
at johannis:
finde es schön, wie du den sheng fui prinzipiell immer mal zuerst in schutz nimmst.
habe ich tatsächlich bei den feststellungen von “unredlichem verhalten” gesprochen, oder ist es bei dir beim dritten mal lesen so rübergekommen? dabei habe ich mich doch soooo bemüht, wertfrei, ohne vorwürfe, einfach nur feststellend zu schreiben. genauso wie du bei deiner replik über meinen blog. dabei habe beim counter extra eine möglichst kleine schrift genommen, und nun dies.
schönes wochenende wünsche ich euch beiden. machte spass, dieses gegenseitige auf die rübe geben.
gastauftritt beendet.
@Lupe, der Satire-Blog:
Höre ich da Verletztheit oder gar Eifersucht heraus? Das täte mir leid, wo du dich doch soooo bemüht hast. Ich nutze grundsätzlich keine Emoticons, stehe aber der Einführung eines neuen Bildzeichens mit der Bedeutung “Vorsicht Ironie!” grundsätzlich zustimmend gegenüber.
Meine Tendenz, leicht parteiisch für Herrn Meyer zu sein, liegt vielleicht daran, dass mich mit ihm (oder dem, der sich für ihn ausgibt) eine zarte Freundschaft verbindet. Was er sicher ebenso entrüstet wie entschieden bestreiten wird, der verlogene alte Sack. Und dich kenne ich nicht, daher wirst du verstehen. Vielleicht.
Und ja, Aufferübehauen ist ein schöner Sport, bei dem du dich durchaus als tauglicher Sparringspartner erwiesen hast. Kollegiale Grüße ins Land der Eidgenossen
PS: Du heißt nicht zufällig Lutz-Peter? Ein gleichnamiger Klassenkamerad trug den Spitznamen Lupe. Nur so eine Idee.
Du glaubst, dass es nur ein paar Bekloppte bei http://www.sheng-fui.de gibt, die sich etwas vom Universum wünschen?
Dann schau mal hier:
http://www.bezauberer.de/
Der 28.10.2009 bei dem Wunsch-Thema “Beziehungen” ist interessant.
@Perlenschnitzel:
Vielen Dank für den unverlangt eingesandten Link. Wir lassen gegenwärtig durch unsere Rechtsabteilung prüfen, ob wir eine Zivilklage gegen Sie anstrengen und so Ersatz für den uns entstandenen Schaden (partielle Netzhautablösung und vehemente Brechsuchtsattacken) einfordern. Sie hören diesbezüglich von uns.
Auf Grunde der genannten Probleme und weil wir zur Beschleunigung des Heilungsprozesses einige Tage in vollständig abgedunkelten Räumen leben müssen, sehen wir uns außerstande, zu den Inhalten der kotzhässlichen Seiten (knallblau mit leuchtendgelber Schrift) Stellung zu nehmen.
Es ist aber zu befürchten, dass es sich bei Menschen, die sich schadlos der verstörenden Gesamtanmutung des betreffenden Webangebots aussetzen können, überwiegend um so genannte Esoterikzombies handelt. Nur als Untoter kann man das überleben.
Mit freundlichem Gruß,
der Scheff
PS: Sind Sie verwandt oder verschwägert mit Mamasliebling, einem Kommentator, der uns neuerdings häufiger beehrt? Ihr Handschift kommt mir so bekannt vor.