Ceterum censeo
Geschrieben von Johannis am 5. Oktober 2008 um 13:22 Uhr
Ich habe ja kürzlich in meiner bewährt subtilen Art angedeutet, dass sich hier im Blog ein Paradigmenwechsel vollzieht. Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, aber was soll’s. Weniger politisch unkorrektes Gewitzel, mehr moralinsaures Genörgel. Wer’s mag…
Hintergrund ist dabei weniger die Tatsache, dass ich nun amtlicherweise ein halbes Jahrhundert auf diesem Planeten verbracht und gleichzeitig auf dem Buckel habe. Also mehr als zwei Drittel meiner statistischen Lebenserwartung, auch wenn es durchaus denkbar ist, dass mir diesbezüglich noch eine Abkürzung einfällt. Aber morbider Scherz beiseite. Ich habe beschlossen, dass ich endlich die Dinge sagen und schreiben will, die mir wirklich auf Herz, Seele und Magen liegen. Und es mir egal ist, ob ihr das unterhaltsam findet und lesen wollt. Die Hoffnung, dass es gelesen wird und möglicherweise etwas bewegt, soll mir vorerst genügen.
Und falls das Geschreibsel tatsächlich nur Psychohygiene ist und dafür sorgt, dass ich in einer zunehmend wahnsinnigen Welt noch ein paar Jährchen durchhalte, bevor ich schlussendlich ebenfalls durchdrehe, ist das doch auch eine gute Sache. Vom Überbau halte ich mich streng an Georg Christoph Lichtenberg, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert unzählige Gedanken, Ideen und vor allem Aphorismen in seine so genannten Sudelbücher schrieb, bevor er am 24. Februar 1799 vor seinen Schöpfer oder den damals diensthabenden Stellvertreter trat. Mein Lieblingsaphorismus des guten Georg lautet: »Ich kann nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird. Aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.«
Unter diesem Motto werdet ihr hier in deutlich gelockerter Folge mehr oder weniger unterhaltsame Texte finden, die sich meist um die offensichtlichen Fehlentwicklungen auf diesem Planeten drehen. Nicht ausgeschlossen ist, dass mir ab und an trotzdem mal ein halbwegs amüsanter Beitrag rausrutscht, aber auch der wird frei nach Marcus Porcius Cato Censorius mit meinem Credo enden.
Marcus wurde mit 85 Lenzen für damalige Verhältnisse steinalt und hat schon vor 2157 Jahren den Löffel abgegeben. Eine halbe Ewigkeit lang forderte der alterstarrsinnig-beharrliche römische Politiker am Ende der Senatssitzungen mit den Worten »Ceterum censeo Carthaginem esse delendam« die Zerstörung Karthagos. Jedes Mal nervte er die Kollegen mit dem Satz »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss« und irgendwann gab die Versammlung nach und ihm Recht. Darauf begann der Dritte Punische Krieg, der umwälzende Veränderungen im römischen Reich einleitete.
Umwälzende globale Veränderungen würde ich auch gern erleben, aber dieses Glück wird mir wohl kaum beschieden sein – ich kann von Glück reden, wenn mir überhaupt jemand zuhört. Nichtsdestotrotz erlaube ich mir im Gedenken an Georg Christoph und Marcus Porcius zukünftig immer folgende Abschlussbemerkung:
»Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
In diesem Sinne.


