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Archive Kurz & Knapp

Rotes Kreuz schickt Rasierzeug

Geschrieben von Johannis am 17. August 2010 um 09:35 Uhr

Keiner spendet für Pakistan und das ist auch kein Wunder. Gründe gibt’s etliche, hier nur ein paar.

1: Extrem schlechtes Katastrophentiming, nämlich mitten in den Sommerferien. Der Tsunami kam zu Weihnachten, das war optimal. Außerdem haben wir dieses Jahr schon gespendet, für Haiti.

2: Falsche Religionszugehörigkeit der Betroffenen. Christen und Buddhisten sind gut, Hindus und Juden geht so, Muslime will keiner. Da fragt man sich nämlich gleich, warum die Saudis ihr vieles Geld nicht nach Pakistan schicken. Und was die Taliban mit der Dosenleberwurst aus den CARE-Paketen machen, die essen doch kein Schweinefleisch.

3: Die Opfer sehen irgendwie nicht nett aus. Süße braune Schokobabies wie auf Haiti unterstützen wir gern, adoptieren sie sogar auf dem kleinen Dienstweg. Aber diese schnauzbärtigen Typen in ihren Kaftans und Schlabberhosen – nein danke!

Praktischerweise schickt das Rote Kreuz heute eine ganze Flugzeugladung mit Hilfsgütern nach Pakistan. Vor allem Einwegrasierer. Damit mehr Spenden kommen. Und zum Glück ist Ramadan, da fasten die Muslime tagsüber sowieso. Müssen sie jetzt nur noch die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang hungern, halb so schlimm.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Zeig mir deine Titten, Baby!

Geschrieben von Johannis am 10. August 2010 um 09:09 Uhr

Nein, ich schreibe keine Drehbücher für Amateurpornos. Es geht heute um Milchpulver, um Konsequenz und Beharrlichkeit, um Weisheit und ausgleichende Gerechtigkeit. Denn in China entwickelten Babies, die mit Milch aus dem hormonverseuchten Pulver der Firma Synutra gefüttert wurden, Brüste. Rund ein Dutzend Jahre zu früh. Ooops.

Konsequenz und Beharrlichkeit: Nachdem vor zwei Jahren fast alle Hersteller leckeres Melamin (eine Chemikalie zur Kunstharzherstellung) in ihre Trockenmilch mixten, um im Labor einen erhöhten Nährwert vorzugaukeln, dopt man nun die Kühe mit künstlichen Hormonen. Pragmatisch und gut durchdacht, vorbildlicher Einsatz im Sinne höherer Umsatzrenditen.

Weisheit und ausgleichende Gerechtigkeit: Nachdem die Chinesen viel Energie darauf verwandten, die Kinderzahl im Westen durch giftiges Exportspielzeug und andere unbekömmliche Waren gering zu halten, wenden sie sich nun wieder dem eigenen Nachwuchs zu. Eine Neuauflage der Ein-Kind-Politik, nur mit anderen Mitteln. Man kann eigentlich nur froh sein, dass Dioxin sich offenbar nicht zur Beimischung in Babynahrung eignet.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Die Profi-Pfuscher von BP

Geschrieben von Johannis am 10. Juni 2010 um 18:01 Uhr

Die Beweise verdichten sich: Profitgier und technischer Pfusch waren schuld am Untergang der Deepwater Horizon, und führten zur größten Ölpest in der Geschichte der USA. Ein Unternehmen, das seinen Aktionären 10,5 Milliarden Dollar Dividende zahlen will, hat wiederholt Sicherheitsempfehlungen wegen des Erfolgs- und Kostendrucks ignoriert. Mehr dazu erfährt man zum Beispiel auf www.pressetext.de, einem Portal, dem  teilweise vertrauliche Informationen über das Drama im Golf von Mexiko vorliegen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Margot for President

Geschrieben von Johannis am 31. Mai 2010 um 19:31 Uhr

Deutschland ist kopflos, die Eliten verlassen das sinkende Schiff. Letzte Woche der Hetzer aus Hessen, nun der Bundeshorst – wird die Westerwelle uns als nächstes die Brocken vor die Füße schmeißen? Ist das schon der Anfang vom Ende? Georg Schramm, von mir sehr geschätzter Kabarettist, schlug vorhin im Radiointerview Margot Käßmann als Nachfolgerin für Horst Köhler vor. Obwohl ich als bekennender Macho es eigentlich nicht gutheißen kann, wenn die beiden höchsten Ämter dieses Landes von Menschen bekleidet werden, die keine Eier sondern Falten in der Hose haben, stimme ich Herrn Schramm zu. Die evangelische Maggie hat Grips und Charakter, sie könnte es.

Aber ich befürchte das Schlimmste. Ähnlich wie das Europa-Parlament zum Abklingbecken für verstrahlte Politiker vom Kaliber Koch-Mehrin oder Oettinger verkommt, ist das Amt des Bundespräsidenten die Auslaufzone für stotternde Politboliden, die im Rennzirkus nicht mehr recht mithalten können. Daher wird wohl Jürgen Rüttgers demnächst ins Schloss Bellevue einziehen. Besonders jetzt, wo die Westerwelle am Wochenende der NRW-FDP bereits seine Erlaubnis zum Umfallen gegeben hat, und wir in Düsseldorf sicher bald eine Ampelkoalition bekommen. Warten wir’s ab.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Lena ist nicht Gott

Geschrieben von Johannis am 30. Mai 2010 um 10:11 Uhr

Erst waren wir Papst (peinlich), jetzt sind wir Eurovisionssongcontestgewinner. Wir alle. Toll!  Selbsterkenntnis ist wichtig, etwas ironische Distanz zum Ego sympathisch. Das gilt auch für jene junge Gymnasiastin, die uns gestern Abend mit 246 Punkten zum kollektiven Ruhm verhalf. Als sie zur After-Show-Party (Nein, da soll man nicht in erster Linie seinen Hintern zeigen) ins Hotel wollte und auf dem roten Teppich im Journalistenstau festsaß, rief sie den hypererregten Medienfritzen zu (O-Ton, heute früh auf WDR2 gehört): „Ihr müsst nicht so drängeln. Ich bin auch nur ein Mensch, ich bin nicht Gott.“ Soviel kritische Distanz zur eigenen Rolle lässt hoffen. Oder das Schlimmste befürchten.

Egal, ich finde den Song nett, ihren britischen Mittelschicht-Akzent angenehm und freue mich fast immer für erfolgreiche Künstler. Lenas PR-Berater sollten ihr aber unbedingt schnellstens den Wahnsinn austreiben. Ganz egal was ihr Wundervolles widerfahren ist, immer ist es der Wahnsinn und echt crazy. Steigerungsfähig nur als der absolute Wahnsinn. Ist das nicht irre? Schickt Kids wie sie doch mal für eine Stunde auf Besuch in die geschlossene Psychiatrie, damit sie kapieren, dass Wahnsinn eigentlich gar nicht so toll ist. Dann doch lieber Lenas zweitliebste Formulierung, wenn sie mitten im Begeisterungs- und Freudentaumel steckt: Ich kann es gar nicht sagen. Auch noch verbesserungswürdig, aber immerhin die Wahrheit. Trotzdem – Glückwunsch an Lena Meyer-Landrut.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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