Blog der Woche
Geschrieben von Johannis am 25. Januar 2010 um 09:27 Uhr
Der gemeine Durchschnittsblogger lebt bekanntlich nicht vom Brot allein, sondern hauptsächlich von Klicks. Noch besser sind Kommentare, im Notfall nährt auch die dünne Suppe der Besucherstatistik. Dort kann man, wenn zum Beispiel das schöne WordPress-Plugin Semmelstatz installiert ist, in gespeicherten Datensätzen den Besuchern hinterherschnüffeln.
So ein Statistiktool verrät eine ganze Menge. Wer wann was gelesen hat, woher im Netz sie oder er kam, was vorher gegoogelt wurde (z.B. bruttoinlandsprodukt tahiti 2008, penis komplett beschnitten oder Papa’s Schwanz lutschen – man beachte den Deppenapostroph) und sogar, wo der Internetanschluss verdrahtet ist. Durch URLs aus Moskau, Toronto oder Rome City in Indiana outen sich Suchmaschinen. Sitzt der Surfer aber in Mannheim, Plön oder Gelsenkirchen, dann verbirgt sich hinter der IP wahrscheinlich ein lebendiger Mensch, der möglicherweise sogar ein gewisses Interesse an den bereitgestellten Inhalten hat. Ein veritabler Leser also, kostbar und rar.
Der Online-Leser will ständig umworben und respektvoll behandelt werden, ist er doch flüchtig wie ein Hundefurz und wankelmütig wie ein prämenstrueller Teenager. Oder so. Manche sind auch recht hartnäckig, aber jene Zeitgenossen gehören nicht immer zur Zielgruppe, für die man nimmermüd seine Kreativität ausbeutet. Man nennt sie auch Trolls oder Kommentarspammer, und muss entweder mit ihnen leben, sie durch gezielte Boshaftigkeiten und unerschöpfliche Schlagfertigkeit vergrämen oder ihre Ergüsse löschen. Ich hatte bisher weder nennenswerte Probleme mit Trolls noch mit einer unkontrollierbar anwachsenden Leserschaft. Allerdings hatte ich mir von Anfang an vor genommen, auf Befindlichkeiten und Erwartungen der Leser Null Rücksicht zu nehmen, das wirkt und wird bis heute eisern durchgehalten. Was wollte ich eigentlich? Ach ja, das Jubiläum.
Es ist schon wieder soweit, nur gibt es diesmal keine Torte, wie im Juli 2009. Ein nicht besonders gutes halbes Jahr hat es gedauert, und flugs sind wieder hundert Beiträge fertig. 300 Stück mittlerweile. Tja, ob’s was gebracht hat, müsst ihr selbst beurteilen, ich hab diesbezüglich einige Zweifel. Übrigens, vor ein paar Tagen, als ich zwecks Erbauung und um mich meiner grandiosen bloggenden Bedeutung zu versichern, mal wieder die Statistik durchflöhte, fand ich einen Link zum Bloggeramt. Um den geht’s jetzt. Puh, endlich die Kurve zum Thema gekriegt.
In meinen Anfangszeiten, als ich noch extrem naiv war und dachte, dass die weltweit vernetzten Lesermassen auf jemanden wie mich händeringend warten und meinen Blog wie Sau anklicken würden, hab ich mich eifrig bei etlichen Bloglisten eingetragen und viele bunte Favicons auf meine Seite gepackt. Und nach ein paar Monaten gemerkt, dass kein Schwein nach mir pfeift, und die Dinger wieder weggelöscht. Umso amüsierter war ich neulich, als besagter Link mir enthüllte, dass Perlenschwein zum der Blog der Woche gewählt wurde. In der 17. Kalenderwoche des Jahres 2008. Is’ verdammt lange her. Nicht dass die Deppen vom Bloggeramt, jetzt BloggerStadt, mich anlässlich der großen Ehre mal angemailt hätte, nöh! Egal.
Da mir natürlich wieder keiner glaubt, kommt jetzt noch ein Screenshot und der explizite Link. Toll, oder? Also, bis zum 500sten Beitrag sind’s nur noch rund ein Jahr, falls ich nicht zwischenzeitlich mit einem vergifteten Strick aus dem Fenster gesprungen bin. Daumen drücken oder eben woanders hin klicken, es gibt ja reichlich Auswahl. Man sieht sich, oder ich sehe zumindest eure verräterischen Datenspuren.
PS: Für Lobpreisungen und Autogrammwünsche steht wie immer die Kommentarspalte bereit. Geldgeschenke, Präsentkörbe und sexuelle Gefälligkeiten werden nur persönlich entgegengenommen, bitte eine kurze Mail zwecks Terminabsprache. Danke.
Hier der Screenshot und der Link http://www.blog.bloggeramt.de/?p=108
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Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«




Echt gruselig… hab ich doch tatsächlich gestern Abend nach dem Wort “Troll” bzw. “Plonk” gegoogelt… und mir den kompletten Wikipedia-Artikel dazu durchgelesen.
Ich dachte bisher, als Atheist(in) lebt man freier und ungezwungener, aber jetzt werde ich immer mit einem Gefühl voller Scham und Schuld auf deine Seite klicken; nie wissend, ob meine “Sünden” vom Herrn Johannis bemerkt werden.
Liebe Frau / lieber Herr Gruebel,
hier bleibt keine Sünde unbemerkt, selbst flüchtige Gedanken ans Sündigen werden erfasst. Nicht erbrachte Glückwünsche und ähnliche Versäumnisse zählen übrigens doppelt. Aber es sei Ihnen vergeben, denn ich hab heute meinen großzügigen Tag. Weitermachen!
Sehr geehrter Herr Johannis,
wie unsensibel von mir! Anstatt Ihnen und Ihrer Leistung Respekt und Anerkennung zu zollen, gebe ich mich kleinlichen und völlig überzogenen Ängsten hin. So als hätte ich bis dato noch nie davon gehört, dass auch ein virtueller Besucher Spuren hinterlässt. Nun ja… man könnte sich ja vorher zumindest ein bisschen die Schuhe abputzen.
Spät, aber hoffentlich nicht zu spät, möchte ich Ihnen nun doch meinen herzlichsten Glückwunsch zum Jubiläum aussprechen. Zu einer großartigen Lobeshymne reicht es leider nicht, da mir das Talent zum Erstellen einer solchen, einfach nicht in die Wiege gelegt wurde. Und ‘ne Marzipan-Nougat-Torte hab ich auch gerade nicht hier rumstehen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich Ihr Blog immer noch mit ungebremster Begeisterung lese und es mir wirklich fehlen würde – sollten Sie die Tastatur eines Tages an den berühmt-berüchtigten Nagel hängen.
Danke für’s Vergeben. Und bitte auch weitermachen! Unbedingt!
Mit allerfreundlichsten Grüßen
Gruebel (Deppenapostrophbenutzer/in in Abgewöhnung)
Liebe Frau / lieber Herr Gruebel,
vielen Dank für die allerliebsten und wirklich herzerwärmenden Grußworte und Glückwünsche!
Ich erwäge nun tatsächlich, diesen Blog noch ein paar Wochen weiterexistieren zu lassen, stelle dafür jedoch eine Bedingung: Bitte gehen Sie in allen von Ihnen verwendeten Browsern auf Einstellungen/Extras und löschen Sie dort sämtliche Cookies. Sicher verstehen Sie, dass ich zwar im Hirn, aber nicht auf den Rechnern meiner Leser Spuren hinterlassen möchte, und das Ausspähen meiner intimsten Wünsche daher rigoros verweigere.
Was die Cookies auf Ihrem PC mit meinen intimsten Wünschen zu tun haben? Haha, stellen Sie sich doch bitte nicht dümmer, als Sie vielleicht sind. Woher sonst sollten Sie wissen, dass Marzipan und Nougat so ziemlich die einzigen irdischen Güter sind, für die ich jederzeit bedenkenlos töten würde?
Mit angemessener Hochachtung,
Ihr Johannis
Lieber Johannis,
Kekse werden bei mir immer gleich vernichtet, denen kann ich nämlich nie lange widerstehen. Mein Browser ist mir da sehr ähnlich.
Das Bekanntwerden Ihrer intimsten Wünsche haben Sie jedenfalls ganz allein zu verantworten. Hin und wieder flechten Sie das eine oder andere Detail in Ihre Beiträge ein, wohl ohne es selbst richtig zu bemerken. Dem aufmerksamen Leser entgeht das natürlich nicht und manchmal bleibt davon sogar etwas hängen. Und wird dann gnadenlos gegen Sie verwendet. Oder aber es liegt tatsächlich mal ‘ne Packung Niederegger-Herzen im Briefkasten. Man weiß ja nie.
Schön, dass es hier blogtechnisch noch eine Weile weitergeht, auch wenn bei Ihnen höchstwahrscheinlich kein Übermaß an Langeweile herrschen dürfte.
Mit winterlichen Grüßen
Gruebel (d. seit der gestrigen Lektüre eines Weihnachtsgedichtes immer noch ein breites Grinsen im Gesicht hat)