Beschneidung
Geschrieben von Johannis am 9. August 2010 um 09:35 Uhr
Verona Pooth, geb. Feldbusch, ist wie ein Hamburger von McDonalds. Auf den ersten Blick ganz lecker, aber schnell wird klar, dass man die Finger davon lassen sollte. Unbekömmlich wie ein fettgetränkter Schwamm, zu viel Salz und Zucker, nur leere Kalorien. Frau Pooth ist zwar seit 2007 Ehrenbetriebswirtin der Fachhochschule Neu-Ulm, aber man merkt, dass ihre Mutter Friseuse war. Womit ich nix gegen Friseurinnen gesagt haben will – ein ehrenwerter Berufsstand. Wie dem Fastfood der MäcDreck-Kette fehlen auch Verona innere Werte. Wieso innere Werte, feixt jetzt mancher Macho, innen sind doch alle Frauen rosa. Höhöhöh. Das mag vielleicht stimmen, war aber nicht gemeint.
Wo wir schon bei Baustellen- und Proletenslang sind, will ich noch einen draufsetzen, sozusagen in der Lingua der Schiffbauer und Werftarbeiter: „Verona Pooth? Die kannste mir auf den Bauch schweißen, da würde ich mich losrosten.“ Zumindest, sobald sie den Mund aufmacht. Zum Sprechen, meine ich. Gibt es im bekannten Teil des Universums noch eine fiesere Frauenstimme? Wahrscheinlich schon, aber die bleibt uns zum Glück mangels B-Promistatus und Bildschirmpräsenz erspart. Warum lässt Frau Pooth sich eigentlich nicht operieren? Heute geht doch alles, von Brustvergrößerung über Schamlippenverkürzung bis zur Aufpolsterung des Venushügels, Fettabsaugen, Botoxspritzen und permanentes Make-up inklusive. Wieso nicht eine operative Veränderung der Stimmritzen, um Veronas sägend-nerviges Organ zu korrigieren? Und wenn sie schon auf dem OP-Tisch liegt – könnte jemand der Frau bitte etwas Hirn implantieren. Ein halbes Pfund würde reichen, zumindest für den Anfang.
Was ich eigentlich habe, weshalb ich plötzlich auf der hyperaktiven Plapperliese rumstresse? Am besten ignoriert man solche Leute doch, genau wie Hansi Hinterseer und ähnlichen Promischrott. Stimmt ja, stimmt ja, aber letzte Woche hab ich eine Dokumentation des Norddeutschen Rundfunks gesehen. In dem empörenden 30-Minuten-Beitrag, der in der ARD-Mediathek abrufbar ist, ging es um den Textil-Discounter KiK, der seine Zentrale hier in Dortmund hat. Der Ultrabilligheimer mit knapp 3000 Filialen beutet seine Mitarbeiter ebenso brutal aus wie die Näherinnen, die in Bangladesh und anderswo für Hungerlöhne im Akkord schuften. Außerdem drückt KiK seine Lieferanten im Preis derart gnadenlos, dass Lidl und Aldi dagegen wie gemeinnützige Stiftungen wirken. Verona Pooth macht Werbung für KiK, was ich als hartnäckiger Reklameverweigerer nicht wusste. Sie spielt in der Doku eine höchst unsympathische Rolle, ähnlich wie Stefan Heinig, der schleimig-gelackte Geschäftsführer und Mitinhaber der Billigklamotten-Kette. Auf Fragen zu den Arbeitsbedingungen bei KiK und den Lieferanten bekommt man von beiden keine Antworten, sondern bestenfalls ein bisschen hohles Blabla.
Ich bin froh, dass ich nur einmal bei KiK gekauft habe und das schon zehn Jahre zurückliegt. Kunden müssen sich ja für jeden Euro schämen, den sie da ausgeben. Verona wirbt für die Läden mit dem Versprechen, man könne sich dort für 30 Euro neu einkleiden. Das ist ungefähr der Betrag, den die Näherinnen in Bangladesh bekommen – für einen Monat harter Arbeit, oft unter gesundheitsschädlichen und unmenschlichen Bedingungen. Haben wir alle nicht längst genug Klamotten im Schrank? Gibt es eigentlich noch kein Fairtex-Siegel für bezahlbare Kleidung, damit man erkennt, dass an Hose und Shirt nur Schweiß und kein Blut kleben? Wer kann sich ernsthaft über eine Jeans für 7,99 € freuen, wenn die Frau an der Nähmaschine für ihre Arbeit nur 14 Cent pro Stunde kriegt und davon ihre Kinder nicht satt bekommt? Doch wohl keiner.
Liebe Leute, kauft nicht bei KiK. Und wenn ihr woanders shoppen geht, denkt bitte daran, dass beim Anbau von Baumwolle extrem viel Wasser, Dünger und Pestizide verbraucht werden. Ich habe Klamotten im Schrank, die schon etliche Jahre alt sind und trotzdem noch ordentlich aussehen. Muss es denn immer die neueste Mode sein, brauchen wir wirklich so viel Zeug? Obwohl wir wissen, unter welch menschenverachtenden Bedingungen es hergestellt wird? Wohl kaum.
KiK-Geschäftsführer Stefan Heinig, der die NDR-Dokumentation gerichtlich verbieten lassen wollte und den Machern bis kurz vor Sendung mit Klage drohte, musste jetzt Kreide fressen und übte sich in verbaler Reue. Man habe sicher Fehler gemacht, und bedauere dies angeblich außerordentlich, hieß es in einer Presseerklärung. Letzteres glaube ich erst, wenn Verona den Friedensnobelpreis bekommt. Oder wenn die Löhne in den Sweatshops der Dritten Welt mindestens verdreifacht wurden und die Frauen in allen KiK-Läden fair bezahlt werden. Billigjeans könnten sie trotzdem noch verkaufen, aber die würden dann dann vielleicht 15 Euro kosten. Das wäre aber kaum eine unternehmerische Katastrophe. Zu seinem heutigen 48. Geburtstag wünsche ich dem Halbmilliardär Stefan Heinig von ganzem Herzen spontane Erleuchtung. Meinetwegen kann ihn der Blitz beim Scheißen treffen.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«



Es tut wirklich gut, zu sehen, dass wir nicht allein sind mit unseren Bedenken gegen und Boykotten von KiK und Co. Frage mich nur, warum das nicht bei allen halbwegs wohlhabenden Deutschen funktioniert. Ich verstehe gut, dass jemand mit einem totalen Einkommen von eventuell 800 Euro im Monat mit 3 Kindern keinen anderen Ausweg mehr hat, als bei den Sweatshop-Ketten zu kaufen.
Wir haben selber nicht so ganz viel Kohle im Moment, kleine Kinder, 1-Verdiener; wir bemühen uns so ecofriendly wie möglich zu sein, und vor allem unseren Kindern mit gutem Beispiel voran zu gehen. Es hapert manchmal.
Und dann war da noch der leise Zweifel, dass Marken-Kleidung á la S. Oliver, Esprit, Benetton and the likes auch alle nicht so sauber produziert sind.
Und vergiftet wird man auch noch.
Aus http://www.test.de der Stiftung Warentest v. 04.05.2010
“Kik-Rückrufe sind inzwischen zum Politikum geworden. cleankids.de registrierte allein in diesem Jahr bereits 13 Fälle, in denen Kik Produkte anbot, die mit Schadstoffen belastet oder sonst gefährlich waren.”
@Eva
Ein fairer und bundesweit gültiger Mindestlohn würde helfen und auch Kleinverdienern eine Wahl lassen, wo sie einkaufen.
@Mamasliebling:
Danke für den Link.
@Eva
Natürlich lassen die meisten Markenhersteller unter den gleichen ausbeuterischen Bedingungen produzieren. Das, was wir mehr bezahlen, wird zum größten Teil ins Marketing gesteckt. Diese Missstände müssen immer wieder in’s öffentliche Bewusstsein gerückt werden, damit sich endlich etwas ändert.
Noch besser: Man wird selber aktiv. Dazu ein Video der ‘Erklärung von Bern’, einer Organisation, die sich für mehr globale Gerechtigkeit einsetzt: Die wahren Fashion Victims
@Gruebel:
Vielen Dank für den Link zum Video, das ich sehr empfehlenswert finde. Zur Erläuterung: Die 10 Rappen, die pro T-Shirt zusätzlich gezahlt werden müssten, um den Näherinnen ein menschenwürdiges Dasein zu erlauben, entsprechen etwa 7 Eurocent. Hier der Link zur deutschen Aktionsplattform http://www.10rappen.ch/de/
Hi Johannis,
Der Textildiscounter KiK will ab dem 1. Oktober seinen 18.000 Mitarbeitern einen Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro in der Stunde garantieren. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/kik116.html
Der Imageverlust der letzten Monate hat den Verantwortlichen wohl etwas zu denken gegeben!
Der nächste Schritt wäre, dem Arbeitgeberverband beizutreten und Tariflohn zu zahlen.
Kulturbanause
@Kulturbanause:
Ja, das ist allerdings eine gute Nachricht und ein erster Schritt in die richtige Richtung. Allerdings konnte ich bei einer vorläufigen Recherche nicht genau herausfinden, was denn der Lohn laut Manteltarifvertrag für den Textileinzelhandel ist. Die Zahlen variieren je nach Bundesland und sind zusätzlich abhängig von Alter und Berufserfahrung.
Laut Tarifregister des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen müsste die Grundvergütung hier in NRW zwischen 1.655,- und 2.108,- Euro monatlich liegen, das entspräche einem Stundenlohn von 10,18 bis 12,97 Euro brutto. Bis dorthin ist es also noch ein weiter Weg von den zugestandenen 7,50 €. Ich bin aber froh, dass auch ich hier und bei Twitter gegen KiK gestänkert habe, denn der geballten und bundesweiten Empörung hat Stefan Heinig, Geschäftsführer und Mitinhaber von KiK, sich doch recht schnell gebeugt. Der Imageschaden drohte so teuer zu werden, dass ein paar Zugeständnisse an die Mitarbeiter billiger kamen.
Unabhängig davon sind die Arbeitsbedingungen bei KiK durchweg empörend schlecht. Mülltonnen gibt es nicht, denn Müllabfuhr kostet Geld, also müssen Mitarbeiter ihren Müll mit nach Hause nehmen. Jahrelang defekte Heizungen, fehlende Klimaanlagen – es gäbe viel zu verbessern!
Und vor allem werden die Näherinnen in Bangladesh wahrscheinlich auch zukünftig brutal ausgebeutet. Erste Streiks wurden von der Polizei niedergeschlagen, dabei ist die Forderung mehr als legitim: Eine Anhebung des Mindestlohns für Textilarbeiterinnen von 3500 auf 5000 Taka, monatlich wohlgemerkt. 5000 Taka entsprechen rund 50 Euro, dafür sitzen die Frauen vier Wochen á sechs Tage jeweils mindestens neun Stunden an den Nähmaschinen und fertigen im Akkord jene Sachen, die wir dann später als Schnäppchenjäger bei KiK, H&M, Aldi, Lidl und sonstwo erbeuten.
Es ist noch ein langer, steiniger Weg hin zu etwas mehr Gerechtigkeit. Einkaufen mit Vernunft und Verantwortungsbewusstsein ist ein Teil dieses Weges.