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Ab August Vorschrift: Idiotentest für Wähler

Geschrieben von Johannis am 30. Juli 2009 um 10:36 Uhr

Kaum hat die störrische Ulla ihren geklauten Mercedes wieder, da wird die Republik schon vom nächsten Megathema aufgewühlt. In einem nicht besonders toll abgekupfterten und anfänglich auch noch zweigeteilten Video fordern mehr oder weniger prominente Menschen unverhohlen und leicht verfrüht zum Wahlboykott auf. Das geht doch nicht, Unverschämtheit! Die Volksseele schäumt über, Jan und alle Mann protestieren, überall droht oder meckert man aus vollem Hals. Tja, was sagt uns das?

Neulich ging es um den erneuten Führerscheintest für Senioren, die ja bekanntlich nach dem siebzigsten Geburtstag schlagartig vergreisen und dann sofort mit Vollgas in den nächsten Schützenfestumzug rasen. Gut, solche brauchtumsfeindlichen Kamikazefahrten sind halbwegs nachvollziehbar. Solange man nicht Mitglied in einem Schützenverein ist, meine ich. Autofahren ist ja wie Wählen, man muss dabei lebenswichtige Entscheidungen treffen, was bekanntlich nicht jeder auf die Reihe kriegt. An der Demokratie hat mich schon immer gestört, dass auch nachweisliche Dumpfbacken und sogar Vollidioten mit Attest zur Wahl gehen dürfen. Leider machen sie von diesem Recht viel zu oft Gebrauch, statt gemütlich beim Pils auf dem Sofa zu bleiben. Dringend überfällig ist daher ein obligatorischer Befähigungstest für alle Wähler. Wie die Führerscheinprüfung, nur nicht ganz so einfach.

Wer beispielsweise bei dem strittigen Video nicht kapiert, dass es sich um mittelmäßig originellen Spott handelt, bekommt ein Schreiben vom Amt. „Sehr geehrter Herr Michel, wegen erwiesener Ironieresistenz wird Ihnen mit sofortiger Wirkung die Wahlbefähigung entzogen. Eine Anmeldung zur behördlichen Nachprüfung kann nicht vor dem 30. September 2013 erfolgen. Hochachtungsvoll…“ und so weiter. Das könnte uns in Zukunft manchen Kummer und besonders den Brechreiz erregenden Anblick der Visagen von Guido Westerwelle und Roland Pofalla ersparen. Die unter galoppierendem Realitätsverlust leidende Näselkönigin Ulla-das-war-aber-mein-gutes-Recht können wir jetzt schon abhaken, denn sobald die SPD Gefahr läuft, in der Wählergunst die kritische 25-Prozent-Schwelle zu überspringen, stellen die Sozis sich geschwind selbst ein Bein und stolpern in die nächste interne Krise. Der dringend überfällige Test wird sich also vorerst nicht durchsetzen lassen, da sonst die Wahlbeteiligung bundesweit auf 14,7 Prozent sinkt. Maximal.

Das Original aus dem Wahlkampf von Barack Obama finde ich übrigens um Klassen besser – viel mehr Dynamik und Wortwitz. Zum Beispiel wenn der Typ sagt, das Recht auf Abtreibung interessierte ihn einen Scheißdreck, er hätte neunzehn Kinder und noch nie abtreiben lassen. Schaut selber und vergleicht. Und verpennt den 27. September nicht.

 

 

 

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

6 Kommentare zu “Ab August Vorschrift: Idiotentest für Wähler”

  1. Max

    Ziemlich billiger Abklatsch vom Original! Aber egal, wie zauberhaft jeder unserer Ärsche ist, man sollte es schaffen ihn ins Wahllokal zu schleppen. Ich plane im Moment das ganz grosse 20 cm X. Ungültig! Ist eine politische Aussage. Nicht wählen, könnte man denken auch. Sehe ich aber anders. Denn seine Meinung sollte man kundtun! Ebenso freue ich mich doch auch über jeden Kommentar auf meinem Blog. Er muss mir nicht gefallen. Aber Interersse habe ich!
    Ich mecker gerne, also muss ich Wählen, wegen meines Gewissens.

  2. Kulturbanause

    Geht hin und wenn ihr nur das kleinere Übel wählt!

  3. Max

    Würde gerne was Gutes wählen! Fühle mich da aber wie einer der Geier aus dem Dschungelbuch:” Keine Ahnung! Schlag Du was vor!”

  4. madmarx

    Nicht wählen ist immer die schlechtere Wahl. 100.000 Stimmen für die braune Pest sind zwar immer 100.000 Stimmen (zuviel), aber wenn die Wahlbeteiligung bei 58 % liegt statt bei 68%, macht das doch schon was aus und kann diesen politischen Sondermüll hie und da auch in die Rat(los)häuser spülen.

    Dann eben doch das geringere politische Übel wählen. Aus diesem Blickwinkel ist das große Kreuz – vulgo ungültiger Wahlschein – keine kluge Lösung.

  5. Johannis

    Sehe ich auch so. Weist am Wahlabend das vorläufige Endergenis 1,2 Prozent ungültige Stimmen aus, denkt doch kaum jemand “Boah, was für ein mutiges politisches Statement!” sondern wohl eher “Au Backe, die kriegen jede Bierbuddel mit ‘nem Einwegfeuerzeug aufgehebelt, sind aber zu doof, um mit einem Bleistift zwei Kreuze zu machen.” 1961 waren es tatsächlich 4 %, die derart ihre Stimme verschenkt haben, seither hat sich der Wert bei rund 1 % eingependelt.

    siehe:
    http://www.bpb.de/wissen/NNMT1N,0,Ung%FCltige_Stimmen_bei_den_Bundestagswahlen_1953_%96_2002.html

  6. Sven

    Hi Johannis,

    Wähler an die Macht!!
    Mehr Einfluss direkt vom Volk, durch Bürgerbegehren, und engagierte Nachbarn.
    Nur wo sind die alle… Klar, zur Zeit im Freibad.

    Gruß

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