Pressluftfreiheit
Geschrieben von Johannis am 23. Dezember 2011 um 14:16 Uhr
Dummheit und Feigheit gehören zusamen wie Fritten mit Ketchup. Kommt noch Tücke und Verschlagenheit hinzu, kann man trotz des eiterblassen Farbtons der Mayonnaise von Pommes rotweiß reden. Fastfood im besten Wortsinn (fast Nahrung) und leider auch Sinnbild eines krankhaft deformierten Charakters. Heimtücke – welch ein wunderbar klares Wort. Eindeutig. Jemandem die bedrohlichen Tücken des Lebens ins vermeintlich sichere Heim tragen, dortselbst Angst und Schrecken verbreiten, ihm oder ihr mutwillig und hundsgemein einen Schaden zufügen, arglose Menschen möglichst schmerzhaft treffen – all das steckt im unscheinbaren Wörtchen heimtückisch.
Jeder Künstler will wahrgenommen werden, das gilt selbstverständlich auch für Autoren. Die Frage, ob ich ein Künstler bin oder eher nicht, möchte ich weiträumig umschiffen, bestätige aber, dass ich nach Beachtung lechze. Gut, ich buhle nicht mehr ganz so hündisch um Aufmerksamkeit und Anerkennung wie in den ersten Jahren meiner Bloggerei, aber ignoriert werden möchte ich keinesfalls. Unter den 520 Texten, die bisher hier veröffentlicht wurden, waren wahrscheinlich fünf, die ich mir besser hätte verkneifen sollen. Nicht etwa, weil sie nix getaugt hätten (in diese Kategorie gehören sicherlich deutlich mehr als fünf), sondern um Schaden und Nachteile für meine Person zu vermeiden. Weshalb, wird sich geduldigen Lesern in wenigen Minuten zeigen.
Da gab es vor langer Zeit mal einen leicht despektierlichen Artikel über Mitarbeiter der sonst von mir sehr geschätzten und regelmäßig frequentierten Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek, der unangenehm hohe Wellen schlug. Der Beitrag wurde nämlich leider von einem Mann gelesen, der übellauniger Rechtsanwalt und stinkreicher Notar in Personalunion ist. Dieser Kerl, nennen wir ihn mal Dr. Hans-Joachim Schreiber, lebt und arbeitet in Berlin, kann vor Knete kaum aus den Augen kucken, und hatte damals das unstillbare Verlangen, mir kräftig eins auszuwischen. Es gibt dazu eine ebenso lange wie langweilige Vorgeschichte, bei der ich im Recht war und er mich anpissen wollte, er mir aber trotz eigener Kanzlei und all seiner Kohle nichts anhaben konnte. Das wurmte ihn natürlich. Also schwärzte mich die nichtswürdige Kreatur postwendend beim Direktorium der Stadt- und Landesbibliothek an. Petzen nannten wir das früher, als ich noch zur Schule ging. Als Folge seines Denunziantentums musste ich mich kratzbuckelnd in der Stadt- und Landesbibliothek entschuldigen, und diese Institution hat seither nie wieder eine Lesung für mich veranstaltet. Schade, denn Lesungen im Studio B sind beliebt, weil sie professionell beworben und halbwegs menschenwürdig bezahlt werden. Shit happens. Dr. jur. Hans-Joachim Schreiber (oder hieß er doch Schneider, wie das tapfere Schneiderlein?) musste jedenfalls an beiden Flossen wochenlang einen dicken Salbenverband tragen, weil er sich vor Schadenfreude die Hände wundgerieben hatte. Arschloch. Besagten Beitrag habe ich irgendwann sogar komplett gelöscht, daher kein Link.
Der nächsten potenziell heimtückischen Zielgruppe bin ich gleich dreimal auf den Sack gegangen, was aber – wie jeder vernünftige Mensch zugeben wird – längst nicht genügt. Dortmund ist leider berüchtigt für seine brutale und sehr aktive Neonazi-Szene, was DIE ZEIT in den letzten Wochen zum Anlass für zwei Artikel nahm, Ein Stadtteil ringt mit den Neonazis und Tief im Westen. Die Faschisten terrorisieren seit Jahren einen ganzen Stadtteil, außerdem rufen die hirnlosen Dortmunder Glatzen in jedem Herbst anlässlich des sogenannten Antikriegstages zu Massenkundgebungen auf. Faschos aus ganz Deutschland folgen dann ihrem Ruf und pilgern ins Ruhrgebiet. Mich widert dieses braune Gesindel mit seinen völkischen Verbalausscheidungen (Gedankengut kann man das ja nicht nennen) extrem an, und ich habe mehrfach über die Demos berichtet, einmal sogar mit 22 Fotos, auf denen manche der kotzdummen Faschos gut erkennbar waren. (Links zu den Beiträgen hier, hier und hier). Sowohl als Beobachter der Nazidemos als auch vor wenigen Tagen wieder, musste ich feststellen, dass die Dortmunder Polizei erstaunlich wenig Interesse daran hat, neonazistische Straftaten zu verfolgen. Es verwundert daher nicht, dass die Zwickauer Terrorzelle NSU im Jahr 2004 in Dortmund den Türken Mehmet Kubașk in seinem Kiosk erschießen konnte, und die polizeilichen Ermittlungen keinerlei Erfolge zeigten.
Der letzte Beitrag, mit dem ich mir wahrscheinlich Feinde gemacht habe, erschien erst vor ein paar Monaten, nachdem eine Hausbewohnerin auszog (nein, nicht sich – aus ihrer Wohnung im 2. Stock) und dabei gesinnungsmäßig tief blicken ließ. Im Beitrag Asoziale Pottsäue holte ich deswegen aus zu einem wuchtigen Rundumschlag gegen Mietnomaden, verstockte Besitzer inkontinenter Köter und einen cholerischen türkischen Nachbarn, der ständig lauthals rumpöbelt und gern seinen Müll auf der Straße ablädt. Gut, der Beitrag war vielleicht etwas gewagt, insbesondere der Link zum Facebook-Profil unserer ehemaligen Hausbewohnerin (die seitdem ihr Foto geändert hat und nun statt bei der Westfälischen Rundschau bei n-tv arbeitet), aber wer nichts wagt wird eben nicht wahrgenommen. Über die üppige Blütenpracht meiner Usambaraveilchen lohnte es sich nun wirklich nicht zu schreiben, selbst wenn ich welche hätte.
So, treue und geduldige Leserschaft – nun kommt endlich der lang ersehnte inhaltliche Bogen zur Überschrift. Als ich nämlich vor nicht allzu langer Zeit aus Nepal heimkehrte, waren an meinem draußen geparkten VW Passat (Baujahr 1993) sämtliche Winterreifen zerstochen. Besonders ärgerlich, weil ich alle vier erst kurz vorher käuflich erworben hatte, aber auch bei älteren Reifen finde ich, dass mutwillig beigebrachte Stichwunden den Tatbestand der Heimtücke erfüllen. Die erste Amtshandlung nach meiner Heimkehr bestand also darin, draußen auf dem Parkstreifen mein ungewollt tiefer gelegtes Auto mühsam aufzubocken (ein Freund hatte bereits in meiner Abwesenheit Zettel aufgehängt, dass ich Zeugen der schändlichen Tat suche) und die im Keller eingelagerten Sommerreifen wieder zu montieren. (Gelobt sei der extrem trockenen Herbst 2011, denn zumindest pisste es bei der lästigen Aktion nicht auch noch in Strömen.) Eine Anzeige bei der Dortmunder Polizei nebst Hinweis, es könne sich durchaus um eine neonazistischen Racheakt handeln, brachte mir vom zuständigen Beamten erst einen dämlichen Lacher und dann den Hinweis ein, ich könne mich ja beim Staatsschutz beschweren. Auf meine Frage nach der entsprechenden Telefonnummer sagte der Beamte, die sei so geheim, die wüsste er selbst nicht. Die Polizei, dein Freund und Helfer!
Auf neue Winterreifen verzichte ich vorerst und hoffe, dass der Klimawandel endlich Gas gibt. Wer meine Reifen zerstochen hat – der cholerische Sohn des cholerischen Türken, ein bis zu den Haarwurzeln mit Testosteron angefüllter Lover der aufstrebenden n-tv-Moderatorin oder doch die blöden Neonazis, weiß ich dummerweise nicht. Es gibt zwar Zeugen, die zur Tatzeit zwei Typen mit Kapuzenpullis gesehen haben, aber die Polizei hat ja leider sooo viel zu tun. Ich überwache vorerst mit zwei Webcams und schlauer Software die Parkplätze vor dem Haus und überlege, ob ich meinen Jagderlaubnisschein (hab ich tatsächlich) erneuern und mir eine 9-Millimeter-Pistole aus dem Hause Heckler & Koch zulegen soll. Die wirkt zuverlässig gegen Schädlinge aller Art, also auch gegen rechte Volksschädlinge. Vergessen werde ich den Vorfall übrigens erst, wenn spätestens an Sylvester ein Umschlag mit 200 Euro in meinem Briefkasten liegt (ich will ja nicht unverschämt sein, denn die Reifen hatten schon 5000 Kilometer runter). Also her mit den bunten Scheinchen, dann ist die Untat vergeben. (Wer im Dunkeln mein Auto findet, kann doch wohl mit der Suche nach meinem Briefkasten intellektuell nicht überfordert sein. Selbst als Neonazi nicht.)
Weil ich aber schon lange nicht mehr an tätige Reue oder das Gute im Menschen glaube, kommt abschließend noch eine Bitte: Könnten die feigen Dreckschweine, die meine Winterreifen zerstochen haben, bitte bei der nächsten Attacke irgendein Zeichen oder ein Bekennerschreiben hinterlassen? Legastheniker können mir meinetwegen einen Halbmond oder das Hakenkreuz in den Kotflügel ritzen. Damit ich endlich meine Feinde kenne und nicht mehr so viel grübeln muss. Danke! Und die Leser bitte ich um Tipps, wie ich mich von nun an verhalten soll.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
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