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Archiv für September, 2011

Im Schatten des Kreuzes

Geschrieben von Johannis am 23. September 2011 um 09:47 Uhr

Massenpsychosen und individueller Irrsinn gedeihen in Krisenzeiten besonders gut, und ein dafür geeigneter Nährboden muss nicht unbedingt aus Pest, Cholera, brandschatzenden Horden und kollabierenden Weltreichen bestehen. Obwohl – bei Licht besehen erleben wir all dies gerade, nennen es nur EHEC (oder Vogelgrippe, Schweinepest etc.), Fukushima, Fußballfans, Schulden- und Eurokrise. Da passt es doch wunderbar, dass der höchste Vertreter Gottes in dieser Woche unser unwürdiges Land besucht und allerorten den verängstigten Massen seinen Segen spendet. Papa ist da! Unser Hirte und seelischer Fußpfleger, jener in Marktl am Inn gebürtige Mümmelgreis, der noch vor wenigen Jahren hauptsächlich damit beschäftigt war, pädophilen Prügelpriestern unauffällig neue Pfarrsprengel zuzuschanzen, damit sie dort auch weiterhin unbeirrt und unbehelligt ihren perversen Neigungen nachgehen und nebenbei milde lächeln konnten. Doch aus Kardinal Ratzinger wurde, oh Wunder des heiligen Geistes, Papst Benedikt der Sechzehnte, seither wohnhaft in Rom und mit dem direkten Draht nach oben ausgestattet.

Ich kann und will nicht verhehlen, dass ich den Glauben an ein höheres Wesen – insbesondere ein allmächtiges, allwissendes, liebendes und gnädiges höheres Wesen – etwa so albern und unsinnig finde wie die Hoffnung, Griechenland werde seine Staatsschulden in absehbarer Zeit vollständig zurückzahlen. Und falls es solch ein höheres Wesen tatsächlich gäbe, dann sähe es sicherlich nicht dem Menschen ähnlich und wir nicht ihm, sondern es hätte Gestalt und Charakter eines Buckelwals, Flaschennasendelfins oder Bonobos. Letztere haben allerdings schon eine derart frappierende Ähnlichkeit mit uns angeblich vernunftbegabten Zweibeinern, dass ich meine These wohl überdenken muss. Also bleibt es dabei – es gibt keinen Gott, gab keinen und wird nie einen geben. Punkt.

Nicht lange überlegen mussten die Offiziellen in Freiburg, Erfurt, Etzelsbach und Berlin, ob es denn angemessen sei, für die Abreise des Popen einen stillgelegten Militärflughafen wieder in Betrieb zu nehmen oder 50 Kilometer Autobahn in beiden Richtungen zu sperren, vorher eine Karawane aus 60 Limousinen und 15 Polizeimotorrädern durchs Land zu jagen oder den Mümmelgreis mit einem Schwarm aus dreizehn Hubschraubern einfliegen zu lassen. Nein, auch die Gesamtkosten von geschätzt 100 Millionen Euro für den affigen Besuchszirkus haben niemanden abschrecken und die peinliche Götzenanbetung (diesmal nicht der Tanz ums goldene Kalb, sondern um den näselnden Greis) verhindern können. Die Franziskanernonnen in Gengenbach stickten sich wochenlang die Finger blutig, damit der Papst und seine Betbrüder schicke (sieht schicke nicht fies aus? Total unchic. Aber chice ist auch nicht viel besser. Ich hasse die neue deutsche Rächtschraibunk!) Klamotten anziehen und nach einer Stunde, länger dauert die Messe nämlich nicht, wieder ausziehen können.

Allein für das flammende Kreuz auf des Popen Messgewand stichelten die braven Klosterfrauen (ganz ohne Melissengeist!) 90 Stunden lang japanische Blattgoldfäden in einen mit Synthetik verstärkten Baumwollstoff. Nein, kugelsicher ist die Kutte nicht, wandert dafür aber als quasiheilige Reliquie in die Sakristei des Freiburger Münsters, nachdem sie den päpstlichen Astralkörper volle sechzig Minuten lang verhüllt hat. Ob es auch um mich irgendwann solch albernen Personenkult geben wird und sich die Menschen darum drängeln werden, wenn schon nicht mein Leichentuch so doch wenigstens eine von mir getragene Unterhose berühren zu dürfen? Die Lebensabschnittsgefährtin meckerte übrigens neulich, dass ich meine Slips nicht täglich wechsele und so langweilige Ballerbuxen trage, statt schicker (wieder das fiese Wort) Retro-Slips. Mir doch egal. (Hab mir trotzdem Retro-Slips gekauft. Finde sie aber unbequem, weil mein bestes Stück beim Gehen so unkontrolliert im Unterhosenbein rumdengelt.)

Halb Germanien ist im Fieber, weil der Papst unser Land bereist. Komisch. Ich würde mich heutzutage heftigst schämen, wenn ich Mitglied der katholischen Kirche wäre, bin schließlich schon mit zarten 18 Jahren aus der evangelischen ausgetreten. Immerhin, gut 180.000 Katholiken haben diesen Schritt innerhalb der letzten 12 Monate vollzogen, und das aus guten Gründen. Denn trotz eines expliziten päpstlichen Versprechens aus dem Jahr 2007, demzufolge Pädophile nicht Priester sein können, deckt die Kurie Kinderschänder bis heute, darunter auch persönliche Bekannte des Papstes. Schade, offenbar haben die möchtegernheiligen Kuttenträger aus den vielen Skandalen nix gelernt. Mir hat übrigens das Titelbild der ZEIT Nr. 38 sehr gut gefallen, und weil ich es im Netz nicht finden konnte, habe ich es flugs eingescannt und etwas beschnitten. Ich hoffe, Giovanni di Lorenzo wird mir das verzeihen, aber ich finde die Bildaussage so schön, und sie bleibt ja unangetastet: Der silberhaarige Opa, um nicht wieder das Wort Mümmelgreis zu verwenden, und die zu Tränen gerührte Frau, der Ohnmacht nahe, weil der höchste Vertreter Gottes sie gleich auf die Wange küssen wird. So etwas widerfährt einem Handelsvertreter, der mit Vorwerk-Staubsaugern oder einem rheinhessischen Weinsortiment an deutschen Haustüren klingelt, nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen, zum Beispiel in Sketchen von Loriot (Friede seiner erkaltenden Asche!). Dort saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann. Oder war es blasen? Lassen wir das, denn die Lebensabschnittsgefährtin wirft mir oft genug vor, das meine Texte ständig ins Schlüpfrige abgleiten würden. Stimmt natürlich nicht.

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Als ich noch in die Grundschule ging, wurde in Deutschland erstmals ein Phänomen beobachtet, das später unter dem Namen Beatlemania weltweite Bekanntheit errang. Junge Frauen weinten, kreischten und rasteten beim Anblick einer knappen Handvoll schlecht gekleideter englischer Musiker derart aus, wie es der kundige Lover auch nach wiederholtem Herauszögern seiner Ejakulation bei endlos-variantenreichem Liebesspiel nur äußerst selten erleben darf, wenn die bessere Paarungshälfte schlussendlich den wohlverdienten intergalaktischen Höhepunkt erreicht (für diesen Satz gibt es wieder Mecker von der Lebensabschnittsgefährtin, wegen schlüpfrig und so). Ähnlich ekstatisch-orgiastisch wird es sicherlich vom 22. bis zum 25. September auf deutschen Straßen, Plätzen und in den Stadien zugehen, wenn der Papst sich den anbetungswilligen Massen zeigt. Dabei spielt er nicht mal Gitarre und singt auch nicht besonders gut.

Dennoch, von seliger Freude bis zu blanker Hysterie wird angesichts des frömmelnden alten Sackes alles rausgelassen, und manch freudig erregtes Gottesgroupie fällt wohl in Ohnmacht oder wird vielleicht sogar ein bisschen feucht im Schlüpfer. Nur potentielle Attentäter kommen nicht auf ihre Kosten, denn das vier Tonnen schwere Papamobil knackt man höchstens mit einer Panzerfaust, die allerdings nur mit extrem viel Glück unbemerkt zum Einsatzort transportiert werden kann, weil sperrig. Und weil mittlerweile jeder vierjährige Kindergartenbesucher, den Taliban und libyschen Rebellen sei Dank, diese Dinger zweifelsfrei erkennt und sofort Alarm schlagen würde. Alle Gullydeckel entlang der päpstlichen Fahrtroute versiegelt, die Papierkörbe abgeschraubt – wenn nicht jemand als Selbstmordattentäter aktiv werden möchte, wird nirgendwo der für Semtex typische bleigraue Rauchpilz aufsteigen. Also müssen wir warten, bis wieder mal weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle kommt, und können dann nur hoffen, dass der nächste Papst nicht ganz so reaktionär sein wird wie Benedikt der Sechzehnte. Unwahrscheinlich.

PS: Wirklich erschreckend fand ich den Film “Jesus Camp”, der noch eine Weile in der Mediathek von ARTE zu sehen ist. Er zeigt, wie radikale Christen in den USA ihre Kinder zu religiösen Fanatikern erziehen und dabei auch vor Gehirnwäsche nicht zurückschrecken. Etwa 80 Millionen Amerikaner sind Evangelikale, sie leugnen den Klimawandel ebenso wie die Evolution, und wollen mithilfe der Tea-Party-Bewegung ein neues Reich Jesu begründen. Spätestens nach der Dokumentation versteht man, warum fanatische Christen die USA als “God’s Own Country” bezeichnen, und weshalb viele aufgeklärte Menschen lieber im vergleichsweise gottlosen Europa leben, wo die Homoehe und das Recht auf Abtreibung häufig längst zu den bürgerlichen Grundrechten gehören. Zum Glück!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Schwarzgelbe Kernschmelze

Geschrieben von Johannis am 19. September 2011 um 09:52 Uhr

Seit dem multiplen GAU von Fukushima hängt Metaphern mit eindeutigem Atomkraftbezug leider ein gewisser Hautgout an. Man spricht nicht mehr von strahlendem Lächeln, benutzt das Adjektiv kernig nur noch selten und auch vom zarten Schmelz wird ungern geredet. Doch das aktuelle politische Geschehen zwingt mich geradezu, jedwedes Feingefühl fahren zu lassen und den nuklearen Meltdown zu thematisieren. Sorry.

Gut, im Grunde besteht keine inhaltliche Verbindung zwischen einem Atomreaktor und jener Gurkentruppe (ich muss mich an dieser Stelle bei allen Gewächsen aus der Familie der Kürbisgewächse, ihren Produzenten, Händlern, Weiterverarbeitern und Konsumenten für die ungewollte Beleidigung entschuldigen), die unser Land seit zwei Jahren angeblich regiert, denn Kernreaktoren produzieren Energie, haben Steuerstäbe oder andere Regelkreisläufe, und bei Gefahr für die Bevölkerung werden sie abgeschaltet. Der absolute Gegensatz zur schwarzgelben Chaoskoalition aus Verwirrten, Verblendeten und Verstrahlten, denn dort sind Beinahekatastrophen, Havarien und unkontrollierte Ausbrüche alltäglich, und wenn man denkt, schlimmer geht’s nimmer, wird man postwendend eines Besseren belehrt.

Die Produktivitäts- und Popularitätswerte dieser Regierung sinken seit jener bedauernswerten Bundestagswahl im September 2009 unaufhaltsam, befinden sich mittlerweile im freien Fall (wie der Aktienindex DAX letzte Woche, als Doktor Zappelphilipp Röslerschmösler sich jedes Denkverbot verbat – immerhin, in der FDP wird offenbar noch gedacht) und versuchen dabei, auf dem Weg abwärts möglichst noch das lädierte internationale Ansehen Deutschlands zu überholen, bevor ein hässlicher Aufprall auf den Boden der Tatsachen das Drama beendet. Wie weiland bei Herrn Möllemann. Batsch.

Kann sich eigentlich noch jemand erinnern, wie viele Minister Merkel & Co. bereits verschlissen haben, wie oft wir durch Instinktlosigkeiten (Hotelsteuergeschenk, AKW-Laufzeitverlängerung, Anhebung der Hartz-4-Sätze um 5 € etc.), panische Reaktionen (Atomausstieg sofort) und Peinlichkeiten (Stimmenthaltung bei der Libyen-Resolution) gezwungen wurden, uns für Leute zu schämen, die von nur knapp einem Drittel der Deutschen (exakt 20.974.595 der 62.168.489 wahlberechtigten Bürger) in Ämter gehievt wurde, denen sie offenkundig weder fachlich noch menschlich gewachsen sind? Ich nicht, aber wir hatten mehr Beschämendes zu erdulden als je zuvor in diesem Land, das mich bereits seit 1976 regelmäßig zu den Wahlurnen stiefeln sieht. Gurkentruppe ist eine unzulässige Verniedlichung und ich bezweifele, dass Flora und Fauna unseres geschundenen Planeten überhaupt passende Vergleiche für die schwarzgelbe Dauerkatastrophe bieten. Nein, auch eine genetisch modifizierte Synthese aus giftigen Schleimalgen, Lemmingen und Nacktmullen kommt bei weitem nicht an die abstoßend-deprimierende Wirklichkeit heran.

So, genug gejammert, nun wird es Zeit für den Blick auf das Positive. Denn anders als beim nuklearen Meltdown und seinen krankmachenden Folgen, wird die schwarzgelbe Kernschmelze nur Gutes bewirken. Vorausgesetzt, die Deutschen sind nicht wieder zu blöd oder zu faul, um ein Kreuz zu machen. An der richtigen Stelle. Denn Neuwahlen stehen uns bevor, vielleicht schon zu Weihnachten. Wäre das nicht ein schönes Geschenk? Ich jedenfalls freue mich, denn die Auflösungserscheinungen bei Schwarzgelb sind unübersehbar. Diese Koalition ist leichenblass, hat pergamentdünne Haut, tief eingefallene Augenhöhlen und eine erschreckend spitze Nase, sie riecht nach beginnender Verwesung und man kann im Hintergrund den Tod ungeduldig mit seiner Sense klappern hören.

Wie bei einem Gangrän frisst sich Fäulnis, meist von den Extremitäten her, durch den Körper und tötet den Organismus mit Leichengift. Wenn nicht rechtzeitig amputiert wird. Das Raucherbein des Berliner Kabinetts heißt FDP, jene Erfolgspartei, die seit Jahresbeginn bereits aus fünf Länderparlamenten geflogen ist und dabei von NPD sowie der Piratenpartei (beide gleich überflüssig und peinlich, aber die Piraten sind für mich als Schreiberling bedrohlicher, denn sie fordern die Abschaffung des Schutzes geistigen Eigentums – warum bitte sollte man dann eigentlich im Supermarkt noch für Brot, Käse und Bier bezahlen?) in der Wählergunst überflügelt wurde. Ich hatte übrigens schon völlig vergessen, dass der geschmeidig taktierende Rösibubi unser Wirtschaftsminister ist, und dachte irgendwie, er sei nur so eine Art liberaler Tanzbär, Ersatzguido, Strippenzieher und Cheflächler. Das mit dem Wirtschaftsministerium fiel mir erst wieder ein, als Doktor Grinsebacke neulich den Westerwelle zum Kniefall vor der NATO zwang. Hat Rösler überhaupt Ahnung von Wirtschaft, der ist doch Arzt? Ich gehe schließlich mit einer schweren Bronchitis auch nicht zu meinem Steuerberater. Egal.

Vor ein paar Tagen schwang der FDP-Parteivorsitzende in höchster Not die ganz dicke Populismuskeule, und zu meiner heftigen Überraschung empfand ich sogar Sympathie für unser vietnamesisches Wunderkind. Wir haben uns ja daran gewöhnt, dass bei Schwarzgelb mehr gestritten als gearbeitet wird, doch nun beginnt offensichtlich eine neue Ära der Zwietracht. Der Anfang vom Ende, hoffe ich. Vizekanzler Dr. Philipp Rösler bietet mit dem Todesmut der Verzweifelung einer schwer angeschlagenen Bundesmutti die Stirn und legt damit wohl den Brand, an dessen Rauch bald alle Kabinettsmitglieder ersticken. Das Wasser stand ihm und den Liberalen schon mindestens bis zum Kinn, als er mit großem Schwung sein Netz auswarf, um Stimmen für Berlin zu fischen. Der Versuch ging allerdings voll daneben, obwohl das Thema gut gewählt war, denn wer ist heutzutage nicht sauer auf die Griechen, und schimpft gegen Angie und ihre Milliardenversenkungsstrategie? Sogar ich bin davon überzeugt, dass nur eine geregelte Insolvenz samt Schuldenschnitt die Hellenen aus ihrem Schlamassel retten und den jahrzehntelangen Schlendrian am Peloponnes beenden kann. Wir sollten dem schlechten Geld kein gutes hinterherwerfen. Aber darum geht es unserem Wirtschaftsminister nicht, er will nur seine Partei und den eigenen Hals retten. Auch wenn dabei der DAX abstürzt, das ist ihm doch wurscht.

Horst Seehofer, der erstaunlich lange die Schnauze hielt, schießt sich nun auch auf die Kanzlerin ein und nimmt dabei den Wirtschaftsminister in Schutz. Ein Euro-Austritt der Griechen sei denkbar, sagte er am Freitag dem SPIEGEL, und man kann sich gut vorstellen, wie Mutti vor Wut schäumte. Nachdem Guido Westerwelle demontiert wurde und nur noch Mitleid erregt, ist jetzt offenbar Frau Merkel dran. Mir ist es recht. Hoffentlich haben Rösler und Seehofer bei ihrer Revolte dem schwarzgelben Kamel jenen finalen Strohhalm aufgeladen, unter dem es alsbald zusammenbricht. Neuwahlen – welch ein wundervolles Wort! Abgelöst wegen erwiesener Unfähigkeit, das sollte in den Entlassungsurkunden stehen, die Bundespräsident Wulff demnächst dieser Gurkentruppe aushändigt, wenn das Volk seine folgerichtige Entscheidung getroffen hat. (Nochmals bitte ich alle Vertreter und Freunde der Gattung Gurken (Cucumis) aufrichtig um Verzeihung!)

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Mogeluschis Rententricks

Geschrieben von Johannis am 13. September 2011 um 09:50 Uhr

Ursula von der Leyen, Kabinettsblondine mit dem klinisch reinen Sexappeal eines Fotomodels für Verkaufsprojekte von Seniorenresidenzen der gehobenen Mittelklasse, macht sich startklar. Spätestens in zwei Jahren will sie Angela Merkel beerben und uns Dummbürger als zweite deutsche Kanzlerin beglücken. Gut – optisch und akustisch würde das im Vergleich zum Status quo eine kleine Erleichterung bedeuten, aber charakterlich und in Bezug auf ihre politischen Überzeugungen kämen wir aus dem sauren Regen in die randvolle Traufe. Steckt man Uschi und Mutti zusammen in einen übergroßen Kartoffelsack und haut feste drauf – man träfe eigentlich bei jedem Schlag die Richtige. Doch so weit will ich heute die Politiker- und Frauenfeindlichkeit mal nicht treiben…

Trotz ihrer neunzehn leiblichen Kinder (oder waren es doch nur sieben?) und obwohl sie so zahm wirkt wie eine Sonderschulpädagogin mit langjähriger Erfahrung in Coaching, Yoga und buddhistischer Meditation, ist unsere Arbeitsministerin machtgeil und verschlagen – darin steht sie ihrem ebenso unsympathischen und mittlerweile dementen Vater Ernst Albrecht kein bisschen nach. Bereits im April stellte ich die beiden ausführlich vor und meine tiefe Abneigung hat inzwischen eher zugenommen. Übrigens, Populismus pur steckte neulich hinter der viel beachteten Forderung Uschis, als sie von den Griechen verlangte, die sollten Sicherheiten für ihre Kredite aus den diversen Rettungspaketen hinterlegen. Akropolis adieu? Nein, mit ihren Goldreserven müssten die offenkundig insolventen Hellenen bürgen. Blödsinn! Zwar laufen mittlerweile in Athen bereits die Druckmaschinen und der Grieche zahlt sein Schmiergeld (Fakelaki) bald wieder in Drachmen, aber Uschis Goldbarrenidee war ungefähr so schlau wie die vollumfängliche Gehaltspfändung bei jemand, der unverschuldet in die Privatinsolvenz gerutscht ist. Und der neueste Versuch, um sich gegen Mutti Merkel in Stellung zu bringen und das eigene, stets makellos geschminkte Profil zu schärfen, geht nun auch krachend in Frau von der Leyens maßgeschneiderte Hose.

Eigentlich keine schlechte Idee, die Mindestrente als Schutz gegen die verfluchte Altersarmut. Ein paar Scheinchen extra sollen die freudlosen Jahrzehnte zwischen Pensionierung und Beerdigung überbrücken helfen, so lautet Uschis Plan. Magere 850 Euro, wahrlich nicht viel, aber etwas mehr als Hartz-4 und immerhin ein großzügig gewährtes Gnadenbrot für die Träger von dritten Zähnen. Doch das erleichterte Aufatmen beim bundesdeutschen Prekariat und den Mitgliedern der Generation Fünfzig-plus (der auch ich angehöre) bleibt seltsamerweise aus. Offenbar haben doch zu viele Leute bemerkt, dass Uschi sie erst aufs Glatteis und dann auch noch hinters Licht führen will. Wie weiland ihr Parteifreund Norbert Blüm mit dem Versprechen, die Rente sei sicher. Ja, darüber lacht schon lange niemand mehr. Und nun kommt Uschi, nach dem peinlichen Flop beim Bildungspaket, mit ihrem wohlmeinenden Seniorenarmutsverhinderungsmasterplan. Doch auch diesmal muss man stundenlang durchs Kleingedruckte blättern, denn da steht: Rente erst mit 67 und dann für erwiesenermaßen Altersarme ein Zuschuss auf maximal 850 Euro – das gilt aber leider nur für Menschen, die 45 Jahre Mitglied in der Rentenversicherung waren, mindestens 35 Jahre Beiträge gezahlt haben und zusätzlich eine private Altersversorgung haben, vulgo Riesterrente. Somit für extrem wenige jener Zeitgenossen, die in den kommenden Jahrzehnten aufs Altenteil geschoben werden, auch für mich nicht.

Warum so verzagt, Frau von der Leyen? Sagen Sie doch gleich, dass der läppische Rentenzuschuss ausschließlich an mindestens Siebenundsechzigjährige ausgezahlt werden darf, die das achtzehnseitige Antragsformular handschriftlich in Devanagari ausfüllen können und im Beisein beider Elternteile einreichen. Den tatsächlich erforderlichen Betrag für die segensreichen Mindestrenten könnten Sie dann sicherlich ganz locker von jenem Budget bestreiten, das Sie jährlich für die Gartenpflege auf dem familieneigenen Landgut in Burgdorf-Beinhorn einplanen müssen. Man kann nur hoffen, dass die deutschen Wähler bis zum September 2013 nicht alle an Alzheimer erkranken. Damit Sie uns um Himmels Willen als Bundesmutti 2.0 erspart bleiben! Vielleicht wählen wir ja zur Abwechslung mal wieder Rot-Grün…

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Wir Lighttragenden

Geschrieben von Johannis am 9. September 2011 um 10:41 Uhr

Gibt es etwas Beglückenderes als die überbordende Fülle in den Regalen unserer heimischen Supermärkte? Wohl kaum. Obwohl, für Beinahesenioren wie mich, vom übellaunigen Herrgott gestraft mit einer lästigen Kombination aus Kurz- und Altersweitsichtigkeit, ist es oftmals recht anstrengend, sich im wild wuchernden Warendschungel zurechtzufinden. Vor allem, weil nicht nur Form, Farbe, Verpackung und Platzierung vieler Güter schneller wechseln als das Wetter im April, sondern weil man die Verbraucher ständig mit neuen Produkten behelligt, ohne die unsere fast perfekte Welt offenbar nicht länger fortbestehen könnte. Blöd nur, wenn ein Mann zwar recht passabel kochen kann und seinen Haushalt gut in Schuss hält, aber nicht gern durch die endlosen Korridore von REWE, Aldi, Netto, Lidl und Konsorten schlendert. Ich will dort einfach nur Lebensmittel kaufen, habe immer einen wohlstrukturierten Einkaufszettel dabei und weiß, was ich benötige. Allerdings finde ich, bedingt durch peinliche Fehlgriffe, zuhause häufig irgendeinen Mist in meinem Rucksack, der mir und dem Rest der Menschheit besser erspart geblieben wäre.

Light-Mozzarella ist solch ein Produkt. Der gummiartige Weißkäse mit Namen Mozzarella wurde ursprünglich aus der würzig-fetten Milch von Wasserbüffeln hergestellt, beispielsweise in der Poebene von Italien. Da jene robusten und schlammgrauen Tiere mit den ausladenden Hörnern unsere unterkühlten Breiten jedoch hassen wie die FDP den Mindestlohn, hat die Lebensmittelindustrie den germanischen Konsumenten an ein fades Surrogat gewöhnt. Es sieht aus wie mit Chlor gebleichter Büffelmozzarella und schmeckt absolut öde. Wie eingeschlafene Füße, gut gewässert. Nur durch großzügige Zugabe von würzigem Balsamico-Essig, feinem Olivenöl, reifen Tomaten, Pfeffer, Salz und Knoblauch sowie frischem Basilikum wird der gewürfelte weißliche Kuhkautschuk schließlich Teil einer saftigen Vorspeise, die mit krossem Ciabatta durchaus vor Pasta oder einem italienischen Hauptgericht verzehrt werden kann. (Manche Menschen essen sich sogar satt an dem rot-weiß-grünen Mix. Nein, ich nenne keine Namen.) Soweit die Theorie.

Nun zur Praxis. Der allgegenwärtige deutsche Billigmozzarella hat üblicherweise 45 Prozent Fett in der Trockenmasse, was aber nicht viel besagt, ist der Weichkäse doch nasser als ein in Buttermilch ersoffenes Brötchen. Leider haben arglistige Produktdesigner kürzlich den Light-Mozzarella erfunden, mit nur 8,5 Prozent Fettgehalt (verflucht seien die Adipösen dieser Republik!). Dieses Zeug schmeckt noch sterbenslangweiliger (ja, das geht tatsächlich!) als der deutsche Pseudooriginalmozzarella, hat aber die Konsistenz von fein geschredderten Latexhandschuhen, die formfleischgleich in einer vage an Molke erinnernden trüben Lake zu zähen Klumpen zusammengepresst wurden. Es ist frappierend – aber dieser laktovegetabilen Gaumenbeleidigung gelingt es trotz ihres hohen Wassergehalts, auf der Zunge des Essers einen staubigen Eindruck zu hinterlassen. Man hüte sich daher unbedingt vor Kauf und Verzehr von Light-Mozzarella, welcher sich perfiderweise mit exakt jenen täuschend echt aussehenden Schwabbelbeuteln tarnt (ich muss dabei immer an Silikonbrustvergrößerungsimplantate denken, die ein geldgieriger Pathologe weiblichen Todesopfern zur preiswerten Wiederverwendung entnommen hat), in denen sein vollfetter Bruder dem Verfallsdatum entgegendümpelt. Nur ein klitzekleiner Aufdruck weist den reizüberfluteten Verbraucher darauf hin, dass er ein vollkommen überflüssiges Lifestylemagermilchprodukt in Händen hält. Bah! Niemals wieder, ich schwöre, soll mir ein derartiger Fehlgriff unterlaufen.

Mindestens ebenso unschön und dramatisch wie die Episode mit dem Light-Mozzarella verlief meine erste und garantiert letzte Begegnung mit Aalrauch-Matjes. Warum verdirbt man ein seit Jahrhunderten bewährtes Produkt, nämlich junge Heringe mit Salz fermentiert, durch die Zugabe eines chemisch erzeugten künstlichen Raucharomas? Und wieso werden wir Bürger vor solchen Perversionen nicht gewarnt? Am besten mit Lautsprecherdurchsagen der Polizei, oder wenigstens als täglicher Hinweis im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wie bei Unwetterwarnungen durch die Meteorologen. Auf jeder blöden Plastiktüte steht, dass man sie sich zwecks Aufrechterhaltung der Sauerstoffaufnahme bitte nicht über den Kopf stülpen soll, und Außenspiegel an Autos erklären noch dem Dümmsten, dass Spiegelglas die Abbildung von Objekten verkleinert – aber keine Sau bewahrt mich davor, täuschend echt verpackte Aalrauch-Matjesfilets in meinen Einkaufswagen zu legen.

Besonders frustrierend war mein Erstkontakt mit dieser abscheulich-fischigen Perversität, weil ich die derzeitige Lebensabschnittsgefährtin und meine Wenigkeit neulich mit einem schmackhaften Matjessalat aus eigener Herstellung verköstigen wollte. Saure Sahne, ein rotes Zwiebelchen, knackige Äpfelschnitze, pikante Gewürzgurken, viel frischer Dill und noch ein paar andere Ingredienzien veredeln anständige Matjesfilets zu einem schmackhaften Salat, der vorzüglich zu Pellkartoffeln und einem trocken-fruchtigen Weißwein mundet. Sofern der Fisch nicht schmeckt, als hätte er sechs Wochen im Schornstein eines Mehrfamilienhauses mit Holzpelletheizung gehangen. Tragischerweise sollte die bodenständige Hausmannskost meine bereits erwähnte Liebste mit Omega-3-Fettsäuren versorgen (die sind bekanntlich gut für die Hirnfunktionen und es handelt sich bei ihr um eine echte Blondine) und gleichzeitig mich und meine Libido* (muss natürlich Manneskraft heißen, bitte den Nachtrag beachten) für die bevorstehende Liebesnacht stärken. Austern waren mir zu teuer. Der erwünschte beflügelnd-kräftigende Effekt blieb allerdings aus, stattdessen gab ich später beim Akt ständig peinliche Bäuerchen von mir, deren Odeur darauf hindeutete, dass ich wohl ein Viertelpfund Kautabak konsumiert und zum Nachtisch ein paar Zigarrenstummel verschluckt haben musste. Wahrlich ungünstige Voraussetzungen für multiple Orgasmen.

Fazit: Augen auf beim Lebensmittelkauf! Die profitgeile Industrie schreckt vor keiner Gemeinheit zurück und trachtet nicht nur nach unserem Geld, sondern will neben der Gesundheit des Konsumenten auch seine Geschmacksnerven ruinieren. Da ich mir keine Gleitsichtbrille kaufen möchte (die liebenswerte Lebensabschnittsgefährtin besitzt zwar eine Lesebrille, setzt diese aber in der Öffentlichkeit aus purer Eitelkeit nie auf ihr hübsches Näschen), heuere ich nun eine jugendliche Person mit tadellosem Sehvermögen an, die mich zukünftig beim Lebensmitteleinkauf begleitet und vor weiteren Fehlgriffen bewahrt. Nein, das mit den Fehlgriffen bezog sich nicht auf die Lebensabschnittsgefährtin. Die ist nämlich ganz in Ordnung.

*Eine Stunde nach Erscheinen dieses Beitrags belehrte mich besagte Lebensabschnittsgefährtin, dass mit dem Wort Libido gemeinhin Lust und sexuelles Begehren bezeichnet würden. Wenn ich also meine Libido stärken müsse, würfe das kein besonders schmeichelhaftes Licht auf sie als Frau. Und da sie sich nur mit Mühe meiner ständigen Zudringlichkeiten erwehren könne, sei meine irreführende Darstellung leider auch sachlich unrichtig. She was clearly not amused, aber ihre Synapsen haben offenbar von der segensreichen Wirkung der Omega-3-Fettsäuren profitiert. Bin gespannt, wie lange ich nun unter den Folgen meines peinlichen Lapsus (oder Lapsusses?) leiden muss, denn der Entzug sexueller Gefälligkeiten gehört ja schon seit Jahrtausenden zum Repertoire weiblicher Erziehungsmaßnahmen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Glatzenparade

Geschrieben von Johannis am 5. September 2011 um 09:39 Uhr

Am Samstag war in hier Dortmund wieder Naziaufmarsch. Immer Anfang September strömen Neofaschisten aus ganz Deutschland ins Ruhrgebiet, um den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zu verhöhnen (der ist am 1. September) und ihre braunen Parolen zu grölen. Im vergangenen Jahr habe ich mir den Glatzenauftrieb aus der Nähe angesehen und mit Text und Fotostrecke dokumentiert, dazu hatte ich diesmal jedoch wenig Lust.

Trotzdem muss ich nun ein paar Zeilen schreiben, denn vorgestern ging es in dieser Stadt hoch her. Parallel zu den pöbelnden Glatzen machte eine breite antifaschistische Gegenbewegung aufrechter Demokraten mobil, insgesamt 30 Veranstaltungen warben für kulturelle Vielfalt, Toleranz und ein friedliches Miteinander. Leider klappte Letzteres nicht immer, wie Berichte über sechzehn verletzte Polizisten und eine ganze Reihe von Verhaftungen belegen. Insbesondere die so genannten Autonomen – in meinen Augen auch nur fanatische Idioten, die sich über jede Gelegenheit für Zoff mit der Staatsmacht freuen und keinen Deut besser sind als die kackbraunen Faschos – lieferten sich Kämpfe mit der Polizei und trieben damit die unsäglichen Kosten des lästigen Megaeinsatzes weiter in die Höhe.

Sitzblockaden sind zwar wirksam, aber eben zu langweilig für den schwarzen Block, der geil auf Randale und mit dem nächtlichen Abfackeln von Autos offenbar nicht ausgelastet ist. Daher sollte die Obrigkeit ihre Strategie unbedingt schleunigst ändern, aber dazu komme ich gleich. Erst noch ein paar Fakten. Interessanterweise hatte sogar Oberbürgermeister Sierau zu Sitzblockaden aufgerufen, um den widerlichen Auftrieb der Neofaschisten zu stoppen, worauf die Polizeiführung umgehend betonte, dass Sitzblockaden den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit erfüllen und entsprechend geahndet würden. Dennoch entschied man sich für einen nachsichtigen Umgang mit den antifaschistischen Demonstranten und trug nur rund hundert Leute vom Asphalt. Der Tag war für die Ordnungshüter wohl auch ohne die Schlepperei anstrengend genug, denn es war ziemlich heiß und schwül. Und wurde leider auch sauteuer.

Basierend auf den Zahlen, die ich anlässlich meines Berichts über die Meisterfeier von Borussia Dortmund bei der Pressestelle der Dortmunder Polizei und dem Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste erfragte, habe ich die Kosten jenes Polizeieinsatzes berechnet, der angeblich zwingend notwendig war, um Faschisten vor krawallbereiten Autonomen, linken Aktivisten und empörten Bürgern zu schützen. Dabei kam ich auf die erstaunliche Summe von 1.350.000 Euro, aufgewandt für Löhne und Gehälter von 4000 Polizeibeamten plus Verpflegung, Fahrtkosten, Zuschläge für Nacht- und Feiertagsdienste, Betriebskosten der Fahrzeuge, Einrichtung einer Gefangenensammelstelle und die vielen Hubschrauberflugstunden. Das ist übrigens vorsichtig kalkuliert, wahrscheinlich kostete der Tag sogar erheblich mehr.

Bei rund 500 angereisten Naziglatzen betrugen die Kosten also mindestens 2700 Euro pro Hohlkopf – sicherlich mehr, als der Durchschnittsfascho am Monatsende auf sein Konto überwiesen bekommt, falls er denn überhaupt arbeitet und nicht nur Bier säuft und von der Wiedergeburt Adolf Hitlers träumt. Ich finde, man sollte sich diese ganzen Polizeiaktionen sparen und damit auch unsere Steuergelder sinnvoller verwenden. Warum nicht, ganz wie bei Börse und Banken, das freie Spiel der Märkte erlauben? Weniger Staat ist mehr!

Ich schlage also vor, sozusagen als Begründer der deutschen Tea-Party-Bewegung, dass Neonazis und Autonome sich zukünftig ohne Beschränkung frei begegnen dürfen. Das Kräfteverhältnis betrug gestern 1:3 für die Autonomen und ich bin sicher, dass die Chance für ungehemmte Randale noch mehr Ultralinke anziehen würde. Die Glatzen bekämen endlich was auf dieselben und so manche chromblitzende Mittelstandskutsche würde nicht zum nächtlichen Raub der Flammen, weil der schwarze Block auch ohne die unsinnige Zündelei seinen Spaß hat. Sollen Faschisten und Ultralinke doch ihre Kräfte messen und sich nach Herzenslust austoben! (In Momenten, wo mich der Hafer tüchtig sticht, würde ich sogar erheblich weiter gehen, verkneife mir das aber mit Rücksicht auf meine Leserschaft. Warum eigentlich nicht gleich die Vergasung jener Vollidioten einführen, die unbedingt das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen? Frei nach dem Grundsatz der Homöopathie „Similia similibus curantur“ sollte Gleiches mit Gleichem behandelt werden. Adolf und Dr. Mengele lassen grüßen!).

Nicht dass man den Glatzen Vernunft einprügeln könnte, aber billiger wäre mein Vorschlag zur liberalisierten Protestwirtschaft jedenfalls und für die meisten Bürger auch wohl angenehmer. Keine Straßensperren überall in der City, kein Hubschraubergedröhne am spätsommerlichen Himmel, und die Polizeibeamten könnten das Wochenende bei der Familie oder am Baggersee verbringen – alle wäre zufrieden! Daher plädiere ich für unbeschränkte Meinungs- und Versammlungsfreiheit und den Austausch schlagender Argumente. Gern auf einem extra dafür abgesperrten Areal, Dortmund hat schließlich genug verwaiste Industriebrachen. Und das Faschistenblut könnte dann ganz unauffällig in den mit Schwermetall und Chemierückständen verseuchten Böden versickern.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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