Mutti & Gutti – Die rechte und die linke Hand des Teufels
Geschrieben von Johannis am 28. Februar 2011 um 09:33 Uhr
Wenn es doch alles bloß ein Film wäre, am besten sogar eine Western-Komödie, wo wir uns beim Abspann verkrümeltes Popcorn vom Schoß schütteln und dann gutgelaunt das Kino verlassen könnten, um draußen in lauer Abendluft eine Welt vorzufinden, die der von 1970 gleicht. Wir würden mit Freunden noch ein Bierchen trinken gehen, die schönsten Szenen Revue passieren lassen und über die besten Gags erneut lachen. Aber es ist kein Film, wir leben nicht mehr vergleichsweise unbeschwert in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts, und die Hauptdarsteller sind nicht Terence Hill und Bud Spencer.
Gut, gewisse Ähnlichkeiten sind vorhanden. Angie wiegt fast so viel wie Bud Spencer und ist genauso mürrisch, trägt aber keinen Vollbart. Und unser adeliger Überflieger und Liebling der minderbemittelten Massen hat zwar nicht die blitzblauen Augen von Terence Hill, ist aber genauso zungenfertig und lügt mindestens ebenso oft. Was Mutti und Gutti aber total abgeht, ist Liebenswürdigkeit, im wahren Wortsinn. Genau wie Terence und Bud sind auch Gutti und Mutti ausgekochte Halunken, aber man mag sie nicht. Wer ein Herz in der Brust und nennenswert Hirn im Schädel hat, muss sie sogar verabscheuen, denn Politiker wie sie sind die deutsche Light-Version von Muammar al-Gaddafi.
Ja, ich weiß, ihr habt die Schnauze voll von der Plagiatsaffäre um den überreich mit Vornamen ausgestatteten Freiherrn. Ach, wenn er nur ähnlich reich mit Integrität ausgestattet wäre, altmodisch auch Rückgrat genannt. Etwas weniger Supermann und dafür mehr Kässmann im Genpool, das würde man ihm wünschen. Aber in moralischer Hinsicht entstammt er offenbar nicht einem ehrwürdigen Adelsgeschlecht, sondern dem Fähnlein Fieselschweif, obwohl ich damit der Entenhausener Pfadfindertruppe bitter Unrecht tue. Schon bei Guttis erster Erklärung, derzufolge er seinen Doktortitel vorübergehend, und er betonte vorübergehend, nicht führen werde, war jedem Lebewesen mit dem Intelligenzgrad einer geschlechtsreifen Nacktschnecke klar, dass der Mann lügt. Und in seinem typisch wetterwendischen Stil, ganz Kundus- und Gorch-Fock-Affäre, kam sogleich die nächste verwirrende Pirouette, legte er mit einer 180-Grad-Wende flink den Titel ab, bevor die Uni Bayreuth diesen stornieren konnte.
Der Mann hat die Dissertation nicht selbst geschrieben. Wann denn auch? Schon am 17. Februar twitterte ich einem empörten Gutti-Fan, dass die 2006 eingereichte Doktorarbeit höchstwahrscheinlich zumindest teilweise von Mitarbeitern des Edelmanns geschrieben wurde. Gutti ist schließlich seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, war von 2005 bis 2008 Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss und Sprecher der Unions-Fraktion für Abrüstung, Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle. Zum zweiten Staatsexamen hat’s bei ihm nicht gereicht, aber er soll neben dem hektischen Politzirkus und seinem aufreibenden Privatleben noch Zeit für das Schreiben einer ordentlichen Doktorarbeit gefunden haben? Das glauben ihm nicht mal seine Fraktionskollegen, und der Nachfolger seines Doktorvaters an der Uni Bayreuth spricht von einem in Form und Umfang einzigartigen Täuschungsmanöver, von klarem Betrug. Wahrscheinlich war die Dissertation eine Co-Produktion von Bediensteten und Praktikanten, unter der laschen Oberaufsicht des umtriebigen Herrn von und zu. Und warum jenem Professor Dr. Dr. Häberle, der Guttis Schmierpapier prüfen und benoten durfte, bei über 120 geklauten Textabschnitten nichts, aber auch gar nichts Absonderliches aufgefallen ist, muss auch dringend geklärt werden, denn er vergab die Höchstnote summa cum laude. Vielleicht darf er jedes Jahr auf dem Anwesen des Barons einen kapitalen Hirsch schießen, zur Abwechslung aber mit Pulver und Blei.
Wirklich entlarvend fand ich die Szene am 23. Februar, als Gutti im Parlament von einem Abgeordneten gefragt wurde, ob er die Dissertation selbst verfasst hätte. Jedem mit gesunder Menschenkenntnis und rudimentärem Wissen über Körpersprache ausgestattetem Erdenbürger muss das kurze Zögern und nervöse Zwinkern aufgefallen sein, bevor Gutti theatralisch seine rechte Hand aufs Herz legte und wieder einen seiner und-ich-betone-nochmals-Sätze von sich gab. JA hat er nicht gesagt, obwohl ein einfaches JA sicherlich überzeugender gewesen wäre. Aber bis zum Meistertitel im Europapokal des Lügens ist es ein langer Weg, da gilt es manches Auswärtsspiel zu gewinnen und viele Blutgrätschen wegzustecken. Üben, Herr Verteidigungsminister, üben!
Und Mutti, unsere matronenhafte Kanzlerin, die ihrem Mäzen Dr. Helmut Kohl in Habitus und taktiererischer Verschlagenheit von Monat zu Monat ähnlicher wird – was macht Mutti? Sie bestellte Gutti mehrfach abends zu sich ins Kanzleramt. Doch nicht um ihm ins Gewissen zu reden, sondern um rauszufinden, ob die an der Plagiatsaffäre beteiligten Mitarbeitern und Praktikanten auch garantiert dichthalten werden. Offenbar besteht derzeit wenig Gefahr für ein verheerendes Gutti-Gate, hat man alle Mitwisser fest in der Hand, vorauseilend belohnt oder befördert, vielleicht sogar ins Jenseits. Wenn demnächst ehemalige Mitarbeiter des edlen Freiherrn ertrunken in der Badewanne aufgefunden werden oder mit 2,7 Promille aus der Kurve und gegen einen Brückenpfosten fliegen, wundert mich daran nichts.
So, nun das Ganze nochmals bündig zusammengefasst: Ein stinkreicher (geschätztes Familienvermögen 500 Millionen €) und blaublütiger CSU-Politiker (Christlich Soziale Union,) studiert Jura (Rechtswissenschaften) und reicht neben seiner Abgeordnetentätigkeit (vom Volk gewählt, vom Volk bezahlt) eine von vorn bis hinten gefälschte Doktorarbeit ein (für die er ohne Genehmigung sechs Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages benutzt). Als man ihm auf die Schliche kommt, streitet er zuerst alles ab (abstruse Vorwürfe!), gesteht dann in typischer Salamitaktik handwerkliche Fehler ein, und gibt dann plötzlich den Titel zurück, kurz bevor der ihm aberkannt wird. Und lügt als aufrechter Christ weiter wie gedruckt (8. Gebot: Du sollst kein falsches Zeugnis geben). So gesteht er zähneknirschend die Nutzung von vier Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes, nicht aber jener sechs, die man ihm nachweisen kann. Und er behauptet weiterhin frech, er selbst hätte die Doktorarbeit geschrieben. Dieser Mann ist unser Verteidigungsminister, ein Jurist, der dreist betrügt und ebenso dreist lügt, und darf dennoch seinen Posten behalten. Warum? Weil wir doch alle mal schummeln, weil er sich doch entschuldigt hat, weil er doch so beliebt ist. Weil Mutti ihn nicht als Wissenschaftler ins Kabinett geholt hat, sondern als Verteidigungsminister (wobei seine eigene Verteidigung zwischen peinlich und idiotisch changiert). Diese Affäre ist der bisherige Gipfel des Schwachsinns und ein ekelerregender Auswuchs jener Berlusconisierung unserer Politik, für deren Duldung und Förderung maßgeblich Angela Merkel verantwortlich ist. Um es mit den Worten des Antifaschisten Max Liebermann zu sagen: Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.
Der vollkommen durchgeknallte Gaddafi behauptete am letzten Donnerstag, Al-Qaida würde die Aufständischen in Libyen unterstützen. Al-Qaida hätte den Leuten Drogen gegeben, um sie gegen ihren treusorgenden Herrscher aufzuhetzen. Lieber Osama Bin Laden, falls Sie von diesen Drogen noch größere Mengen zur Verfügung haben, möchte ich Sie um einen Gefallen bitten. Könnten Sie diese Substanz bitte ins deutsche Trinkwasser mischen lassen und den Italienern ebenfalls eine großzügige Dosis zukommen lassen. Damit sich auch Deutsche und Italiener endlich gegen ihre Despoten erheben und dieses Pack samt der fadenscheinigen demokratischen Deckmäntelchen in die Wüste schicken. Vielen Dank im Voraus!
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
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