Euthanasie ist harte Arbeit
Geschrieben von Johannis am 30. Juli 2010 um 08:57 Uhr
Früher, als ich kaum Leser hatte, hab ich sie gern mal beschimpft oder verspottet. Einfach um die Zahl überschaubar und den Durchschnittsleserdurchschnitts-IQ hoch zu halten. Hat nicht funktioniert. Heute setze ich eine andere Taktik ein und schreibe meist so übel moralisierendes und total unlustiges Zeug, dass Verweildauer und Besucherzahlen verlässlich im Bereich untere Knöchelhöhe bleiben. Klappt eigentlich prima.
Wenn da nicht dieses blöde Twitterdingens wäre. Schuld ist mal wieder Lorenz Meyer, weltbekannter Esoterikdemagoge, der die gemeingefährliche Irrlehre des Sheng Fui erfand und sie nun auch noch mit einem menschenfängerischen Buch in die Welt trägt. Hat er nichts Besseres zu tun, gibt es da draußen etwa noch nicht genug Verwirrung? Soll er sich doch stattdessen um Frau und Kinder kümmern. Egal. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich letzten Herbst die Twitterei begann und nun an manchen Tagen dreißig neue Follower habe. Die ich natürlich alle ausgiebig auf persönliche Eignung, moralische Würdigkeit und generellen Geisteszustand überprüfen und dann zum Teil von Hand blocken oder wenigstens unfollowen muss. Annfollohn, was ist das für’n Lohn? Lohn der Angst, Lohn der Dusseligkeit, Iserlohn? Keine Ahnung, was ich hier schreibe, bin aber stocknüchtern.
Auf jeden Fall muss ich nun jeden Morgen wie der leibhaftige Dr. Mengele durch die Reihen meiner virtuellen Jüngerschaft schreiten und mit spitzem Mausfinger hierhin oder dorthin zeigen, um täglich möglichst viele der offenkundig unwürdigen Subjekte ins Eiswasserbad oder direkt in den Krematoriumsbereich zu schicken. Nur so kann ich den schrecklichen Tag noch etwas hinauszögern, an dem die Zahl im Twittercounter (rechts oben im Sidebar, du Dussel!) erstmals vierstellig sein wird. Seid also froh, wenn ihr noch zu meinen Followern gehört oder ich euch sogar selbst folge. Dann habt ihr Gnade gefunden vor den unerbittlichen Augen des Richters und seid es offenbar wert, meine Botschaften zu empfangen. Und ihr habt jene rigorose Auslese überstanden, die mich viel Kraft kostet. Gut, eine gewisse perverse Lust bereitet es mir schon, dümmlich-dreiste Direktvermarkter und Leute, denen die Hirnlosigkeit wie ein Dutzend entzündeter Eiterpickel aus dem Gesicht springt, mit einer winzigen Bewegung in den sozialen Tod, direkt in die virtuelle Gaskammer zu schicken. Aber diese Auslese ist mühsam, wirklich harte und entbehrungsreiche Arbeit, die mich von Wissenschaft und Lehre und vor allem von der Jagd nach paarungswilligen Frauen abhält. Bin zwar nicht blond und blauäugig, habe aber ganz ordentliche Gene. Das nur nebenbei.
Zum Glück gibt es immer ein paar kleine Lichtblicke und Momente, in denen ich die Freuden der Pflicht genießen kann. Ja, ganz besonders aufmerksame und gebildete Leser erinnern sich nun an den Roman Deutschstunde von Siegfried Lenz. Gibt es auch als Film, für die Nichtleser unter euch. Da musste Siggi Jepsen, Insasse einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche, in der Deutschstunde einen Aufsatz zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben, gab aber ein leeres Heft ab. Möchte ich auch manchmal, wenn ich hier sitze und mir wieder irgendwelches Zeug für euch abringen muss.
Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja, während Dr. Johannis Mengele über Tod oder Weiterleben manches nichtswürdigen Followers entscheidet, findet er gelegentlich ein paar Nichtigkeiten, die ihn trotz aller Entbehrungen und der schweren Bürde seiner Verantwortung sekundenlang zum Schmunzeln bringen. Nachstehend eine kleine Auswahl der gestrigen Ernte fremder Tweets, und damit ist Schluss für heute. Ich hab schließlich noch mehr zu tun, als euch hier vollzuschwurbeln. Tschüss.
Eva Herman bringt sich mit Nazis und Gott in die Tagespresse und wir müssen unsere Verschwörungskacke auf 140 Zeichen unterbringen.
Speckbarbie ist Kandidat für das Jugendwort des Jahres. Es bedeutet aufgetakeltes Mädchen in viel zu enger Kleidung.
Kommt Theo Albrecht eigentlich in den Himmel Nord oder in den Himmel Süd?
A project manager is a person who thinks nine women can deliver a baby in one month.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
Veröffentlicht in Perlenschwein | 7 Kommentare »





















