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Archiv für Juni, 2010

Fehlermaximierung

Geschrieben von Johannis am 30. Juni 2010 um 08:57 Uhr

Jeder macht mal was verkehrt, das ist normal. Man schießt den Bock des Gärtners tot, zäumt das Pferd beim falschen Schwanz auf, oder schüttet das Kind schwungvoll mitsamt dem Bade in den Brunnen und nagelt dann flink einen Deckel drauf. Kann passieren, irren ist menschlich. Aber weshalb machen Mutti, die Westerwelle und der forsche Horst fast alles falsch, was sie anpacken? Müssten wir vom Führungspersonal eines Landes nicht etwas mehr erwarten können? Schließlich tätschelt man morgens dem Busfahrer der Linie 32 auch nicht begütigend die Schulter und tröstet ihn, wenn er sein Fahrzeug zum dritten Mal innerhalb eines Monats mit Schmackes vor die Wand gefahren hat. Is doch so.

Beim Gipfel in Toronto kam nix heraus, schon gar keine Finanzmarktsteuer. Aber Mutti ist stolz und begeistert, weil jetzt weltweit angeblich alle sparen wollen. Gleichzeitig stecken die ersten Unionsheinis schon mal die Grenzen des Sommerlochs ab, indem sie Intelligenztests für Ausländer fordern. Die FDP will sich neues Vertrauen erwerben – hah, bitte helft mir, ich mach mir vor Lachen in die kurze Hose – indem sie so weitermacht wie bisher. Obwohl, nicht ganz – der kleine Patrick Lindner kassierte gestern einen deftigen Rüffel von Mutti, weil er laut denkt und nun plötzlich die Hotelgeschenksteuer in Frage stellt. So nicht, meine Herren, sagte die Kanzlerine, beschlossen ist beschlossen, auch wenn’s Blödsinn war. Liberale Dreifachspitze bleibt übrigens weiterhin der Mann mit dem fiesen, festgetackerten Dauergrinsen, weil die FDP ihren GröFaZ nicht an die Kandare nehmen will oder kann. Toller Plan, dieser popularitätstechnische Turnaround. Eher heirate ich am Sonntag meine Jugendliebe Sylvia aus Worpswede, die nun auch schon fast Mitte fuffzich ist, bevor die liberalen Idioten so aus dem Umfragetief kommen. In der Kirche, die Hochzeit, mit allem Gedöns und Zinnober. Aber egal.

Heute geht in Berlin wieder was schief, wahrscheinlich wenigstens. Die Bundesversammlung wird den schmierigen Wulff zum Präsidenten eines Volkes wählen, das sich mehrheitlich längst für den viel sympathischeren Pastor und Bürgerrechtler Gauck entschieden hat. Mutti hätte Gauck ja sogar selbst nominieren können. Offenbar gönnt sie uns den Mann aber nicht, wollte Wulff geschickt kaltstellen, und sich dadurch einen Konkurrenten um die Führungsnachfolge vom Hals schaffen. Könnte ja durchaus sein, dass der Niedersachse staatslenkungstechnisch ein besserer Busfahrer ist als unsere Königin der hängenden Mundwinkel.

Und die alberne Linke wird Joachim Gauck bis zum allerletzen Wahlgang die Stimmen verweigern und stattdessen für ihre zerzauste Gegenkandidatin votieren. Damit beweisen die Knallroten dann allen, dass ihre Stasipartei noch längst nicht in der deutschen Demokratie des 21ten Jahrhunderts angekommen ist, sondern heimlich der Mauerdiktatur nachtrauert. Bloß keine Kompromisse zum Wohle des Volkes. Jawoll, finde ich auch! Folgerichtig kriegen wir heute einen pflegeleicht-aalglatten CDU-Fritzen ins Schloss Bellevue gesetzt, obwohl der als Ministerpräsident in Hannover eigentlich einen ganz ordentlichen Job macht. Und der allseits beliebte Gauck wird abserviert. Wenn kein Wunder geschieht. Übrigens, wer dem Mann in den letzten Wochen mal zugehört hat, z.B. neulich im ZDF bei „Was nun…?“, wird mir wohl zustimmen: Joachim Gauck ist glaubwürdig, eloquent, wortgewandt, schlagfertig und hochintelligent. Wenn ich mit siebzig noch so fit im Kopp bin, danke ich auf Knien meinem Schöpfer. An den ich aber leider nicht glaube, aber das wisst ihr ja bereits.

Genuch für heute, muss jetzt mal was arbeiten.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Dumme Deutsche deportieren!

Geschrieben von Johannis am 28. Juni 2010 um 09:27 Uhr

Unionspolitiker verlangen einen Intelligenztest für Migranten. Gut so, aber warum halbe Sachen machen? Gibt es nicht auch unter den Volksdeutschen genug debile Deppen, dusselige Doofis und manch dämlichen Dorftrottel? Sollte man die nicht ebenfalls aussortieren, um unser Land fit für den internationalen Wettbewerb zu machen? In Kanada müssen Migrantenkinder einen höheren IQ nachweisen als die einheimischen Gören – wieso wollen wir da zurückstehen? Und weshalb bei den Migranten halt machen, anstatt das gesamte genetische Material der Republik konsequent zu optimieren?

Ich stelle mir das folgendermaßen vor: Angie kann doch gut mit Putin und Medwedew. Die Russen haben viel Platz und wenig Geld. Also kaufen wir ihnen ein Stück Land irgendwo in Sibirien ab, nennen es Dusseldeutschland, und schicken alle Bürger, die den Test nicht schaffen, ratzfatz dorthin. Sie bekommen auf Staatskosten ein praktisches Starterkit, wie Studenten es bei IKEA für die erste eigene Bude kaufen. Darin finden sie Blechgeschirr, Mehl, Salz, Streichhölzer und eine Axt, dazu ein Handbuch für Ferien in der Wildnis. Mutti und die Westerwelle sprechen ein paar warme Abschiedsworte, und dann geht’s mit der transsibirischen Eisenbahn ab in die Taiga.

So löst unser Staat seine Rentenprobleme, saniert die Sozialkassen und wird international konkurrenzfähig. Ich freue mich schon darauf, in diesem neuen Deutschland zu leben. Ohne die ganzen Idioten, die im September 2009 die FDP gewählt haben, ohne Parkplatznot und Schlangen vor den Supermarktkassen. Nie wieder Minderheitsregierung in NRW, stets leere Arbeitsämter und vor allem keine Autokorsos mehr. Lasst das Volk den Intelligenztest machen, dann kann ich meine Auswanderungspläne in die Tonne kloppen. Bittebittebitte!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Vilkomen in Doitschlant

Geschrieben von Johannis am 25. Juni 2010 um 08:57 Uhr

Ich gehöre zur aussterbenden Gattung der Deutschen mit soliden Kenntnissen der Landessprache, kann sie sprechen, lesen, schreiben und oftmals sogar verstehen. Nachweise sind hoffentlich nicht nötig, außerdem habe ich seit Geburt den deutschen Pass. Obwohl, früher wurden reisende Kleinkinder doch irgendwie in die Papiere der Eltern eingetragen, oder? Egal, tut nichts zur Sache. Sache ist, dass in diesem Land bald niemand mehr Deutsch spricht und versteht. Wie bald? Moment, das rechne ich gleich vor. Erst noch ein Exkurs.

Beim aktuellen bundesweiten Schulleistungsvergleich schnitt Bremen, wie alle Stadtstaaten mit ihrem hohen Migrantenanteil, superschlecht ab. Ich habe früher in Bremen gewohnt und kenne die Stadt gut, war dort unter anderem jahrelang als Taxifahrer unterwegs. Bestimmte Viertel wie Oslebshausen, Gröpelingen, Huchting oder die Grohner Düne kann man heute nur noch mit einem dreisprachigen Dolmetscher besuchen. Der muss Türkisch, Russisch und Arabisch können, praktisch sind außerdem einfache Deutschkenntnisse und eine geladene Faustfeuerwaffe.

Jetzt aber mal im Ernst: Seit 2005 müssen ausländische Neubürger einen Integrationskurs machen, wenn sie sich „nicht auf einfache Art in deutscher Sprache verständigen können“. Das gilt natürlich nicht für Alt-Immigranten wie Mahmud und seine Frau Ayshe, die 1967 für geplante zwei Jahre als Gastarbeiter ins Ruhrgebiet kamen, dann aber hier blieben und seitdem leider keine Gelegenheit zum Erlernen der Landessprache fanden. Schwamm drüber. Von 2005 bis 2008 haben insgesamt 484.322 Migranten den Integrationskurs begonnen, gut zwei Drittel derer, die gesetzlich dazu verpflichtet waren. 248.488 sind bis zum Ende des Kurses dabeigeblieben, 173.312 gingen zur Abschlussprüfung und 115.732 haben bestanden. Ein knappes Viertel aller, die den Kurs begonnen hatten. Tja. Übrigens, das zuständige Ministerium gibt in diesem Jahr mindestens 204 Millionen Euro für solche Kurse aus.

In Deutschland leben aktuell 15,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Ihnen sind gut ein Drittel aller Geburten zu verdanken, wobei Tilo Sarrazin folgender Behauptung wohl zustimmen würde: Je rückständiger und weniger integriert, desto fruchtbarer. Wenn man nun die aktuelle Sterblichkeit der Altdeutschen, das Vermehrungsverhalten deutschstämmiger Mitbürger bei allgemein nachlassender Zeugungswilligkeit und sinkender Spermienqualität, die Proliferationsrate integrationsunwilliger Migranten unter Einbeziehung der Ergebnisse des letzten Schulleistungsvergleichs und bei Berücksichtigung des Programmschemas der wichtigsten Privatsender in eine prognostische Formel einfließen lässt, lautet das Ergebnis: Am 27. März des Jahres 2063 stirbt der letzte Germane, der urdeutsches Kulturgut wie „Durchs wilde Kurdistan“ und „Winnetou“ (Bände 1 bis 3) noch im Original lesen konnte. Sorry, aber so isses eben.

Jetzt wird mancher Leser einwenden, dass dann bei uns sicher mehr Englisch gesprochen wird. Well, I wouldn’t mind that but trust me: The bloody ouslender speak only three words of Her Majesty’s fine language and they are fuck, fucking and motherfucker. Apart from this rock-solid fact waren die Ergebnisse des Schulleistungsvergleichs in Bezug auf die Englischkenntnisse der Neuntklässler mit Migrationshintergrund ein triftiger Grund, um sich sofort aus dem Fenster zu stürzen. From the top floor.

So, what to do? Auswandern vielleicht. Wohin bloß? Vielleicht zu den Amish nach Pennsylvania. Die sind mit ihren Pferdekutschen so angenehm klimafreundlich, Konsumterror kennen sie nicht, und außerdem sprechen sie meist noch ganz ordentlich Deutsch. So eyh, isch jetz Schluss habbe. Flasche leer.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Binnennachfrage stärken!

Geschrieben von Johannis am 23. Juni 2010 um 09:03 Uhr

Verflucht, schon wieder so ein ignoranter Volksschädling. Surft kackdreist durchs Netz, vollkommen unproduktiv, ohne einen Cent Umsatz zu machen und wahrscheinlich sogar während der bezahlten Arbeitszeit. Und falls zuhause, dann garantiert mit Flatrate. Wen ich meine? Dich, nichtsnutziger Leser egal welchen Geschlechts, der du dich vor deinem Monitor räkelst und das Internet nach Unterhaltsamen durchforstest. Schämst du dich eigentlich nicht? Wie soll die deutsche Wirtschaft wachsen, wie dieser Staat gesunden und seine gigantischen Schulden abtragen, wenn du kein Geld ausgibst? Na los, wie?

Lass das Gestammel und komm mir jetzt bloß nicht mit den üblichen Ausflüchten. Von wegen, du hast keine Zeit zum Shoppen, es ist schon spät und so weiter. Blödsinn! In jeder größeren Stadt gibt es heute Supermärkte, die von 7:00 bis 22:00 Uhr geöffnet sind, manche sogar bis Mitternacht. Du wohnst auf dem Land? Nimm dir frei und setz dich ins Auto, oder kauf eben bei Amazon, ebay oder den hunderttausend Online-Shops, die das Internet dir bietet. Und untersteh dich, auch nur einen Cent an ausländische Anbieter zu überweisen. Du hast kein Geld? Dann leih dir welches, entweder bei Freunden und Verwandten oder von der Bank, Blödmann/frau! Heutzutage lebt doch jeder auf Pump, das ist so normal wie vorehelicher Geschlechtsverkehr. Gib gefälligst Geld aus, auch wenn du keins hast, um Sachen zu kaufen, die du nicht brauchst, damit du Leute beeindrucken kannst, die du nicht magst! Ist doch wohl kinderleicht.

Du hast bereits alles? Achgottchen, wie oft muss ich mir diese blöde Ausrede anhören. Na und? Ich hab auch schon alles und kaufe trotzdem ein. Deine Einbauküche ist drei Jahre alt? Raus damit, bestell dir schleunigst ’ne neue. Die Klamotten in deinem Kleiderschrank passen noch und sind gut in Schuss? Weg damit, spende sie der Caritas, damit sie nach Afrika verdealt werden können. Ab in den Container mit dem Zeug, los, beweg dich! Du brauchst bestimmt ein neues Auto oder ein zweites Motorrad, ein Boot, noch ein Pferd oder wenigstens neue Skier. Die Skisaison ist vorbei, in den Läden stehen jetzt nur Auslaufmodelle? Umso besser, dann kannst du im Herbst noch mal zuschlagen und dir brandaktuelle Carvingski kaufen. Was dann mit den alten ist? Wegschmeißen, für Freiheit und Vaterland, Hauptsache das Bruttoinlandsprodukt steigt.

Fortwährender Konsum und ständiges Wirtschaftswachstum, das sich hauptsächlich auf den Absatz kurzlebiger Konsumgüter stützt, kann auf Dauer nicht die Antwort sein? Komm mir jetzt bloß nicht mit oberschlauen Thesen, du Klugscheißer/in. Die Binnennachfrage nach Waren und Dienstleistungen macht nur einen Teil der deutschen Wirtschaftskraft aus. Das meiste setzen wir nämlich mit Anlagen und Maschinen um, die ins Ausland exportiert werden. Damit dort Waren produziert werden können, die dann von verständigen Bürgern gekauft werden, wodurch ihre Wirtschaft wächst. Kapiert? Das kann nicht ewig gut gehen – es werden zu viele Rohstoffe und immense Mengen Energie vergeudet, um sinnloses oder sogar schädliches Zeug herzustellen, das eigentlich niemand braucht? Zerbrich dir darüber nicht deinen kleinen Kopf, sondern gib Geld aus. Los, du Dussel, Cash und keine Fragen.

Jetzt mal ganz im Ernst: Wer immer noch nicht begriffen hat, dass wir Bürger gemeinsam die Verantwortung für das Wohl und Wehe unseres Landes tragen, sollte dringend mal seine Schaltkreise überprüfen lassen. Wir stecken mitten in einer multiplen Krise, werden aber von genialen und hochintegren Persönlichkeiten wie Angela Merkel, Guido Westerwelle oder Horst Seehofer vor sämtlichen Bedrohungen behütet, und alsbald in eine massivgoldene Zukunft geleitet. So ähnlich wie die blühenden Landschaften, die Birne damals den Ossis versprach. Und wenn unsere göttergleiche Führerclique, die wie immer alles fest im Griff und den absoluten Durchblick hat, uns sagt, dass die Binnennachfrage gestärkt werden muss, dann ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, loszugehen und zu shoppen.

Erinnert euch doch bitte mal an die Zeit nach dem 11. September 2001. George W. Bush hat damals den Amerikanern das Einkaufen geradezu befohlen, und wo stehen sie heute? Als dynamische Wirtschaftsmacht mit blitzsauberer Umwelt an der Spitze aller Industrieländer. Ein Land voll kerngesunder und lebensfroher Menschen – glücklich und zufrieden fahren sie ihre brandneuen SUVs und Pickups zu gigantischen Supermärkten und packen dort alles, was sie in die Finger kriegen können, in riesige Einkaufswagen. Dann zahlen sie lächelnd mit einer ihrer vielen Kreditkarten und karren den ganzen Plunder nachhause. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Shop till you drop – that’s the spirit! So, und nun will ich kein Gemaule mehr hören, sondern entweder deine Haustür, wie sie hinter dir zufällt, oder wenigstens deine Fingerspitzen auf der Tastatur, während sie bei PayPal das Passwort eingeben.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Mixas neue Kleider

Geschrieben von Johannis am 21. Juni 2010 um 09:14 Uhr

Ein bisschen durchgedreht schien der Augsburger Exbischof ja schon immer, aber war er wirklich in der Klapse? Und muss er wieder rein, vielleicht sogar für immer? Erst hieß es, der schlagkräftige Walter erhole sich in einer Schweizer Klinik von einer Operation am entzündeten Schleimbeutel. Bestimmt weil er ständig auf dem kalten Kirchenboden gekniet und zum lieben Gott gebetet hat. Vielleicht nicht unbedingt um Vergebung, sondern dass seinen Widersachern die Zunge im Mund verdorren möge, aber das können wir nicht sicher wissen. Auf jeden Fall ist er plötzlich wieder ins Augsburger Bischofspalais eingezogen, macht einen auf Hausbesetzer und verlangt, dass unser Ratzischatzi in Rom ihn rehabilitiert. Das geht in Ordnung, dann fordere ich aber mein jugendlich-volles Haupthaar zurück und will immer mittwochs und freitags übers Wasser laufen können. Nur der Fairness halber.

Irgendwie niedlich, die klerikale Schlammschlacht. Fast schon Schlammcatchen, aber das sehe ich mir lieber an, wenn vollbusige Bikinischlampen im Dreck wühlen, und nicht alte Säcke im Bischofshabit. Wutentbrannt würgte Walter die Behauptung empor, man habe ihn zum Rücktritt gedrängt und gezwungen, eine vorgefertigte Resignation zu unterschreiben. Der arme Mann! Und jetzt kontert die Kirche in persona Bernhard Kellner, Sprecher des Erzbistums München und Freising, mit dem Hinweis, alles sei rechtmäßig abgelaufen. “Nicht zuletzt zum Schutz von Bischof Emeritus Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten”, sagt Kellner der Süddeutschen Zeitung. “Wir wünschen ihm gute Besserung. Sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt.”

Wow! War Walter wirklich in der Klapse? Und warum haben sie ihn wieder raus gelassen? So wie der Mann sich gebärdet, sollte er sich nicht wundern, wenn er bald wieder drin ist. Diesmal holen ihn aber ein paar stämmige Pfleger ab, und ziehen ihm die Jacke mit den langen Ärmeln an. Ja, sie wird auf dem Rücken zugemacht. Farblich ist es fast derselbe Cremeton wie die vertraute Bischofskutte, nur etwas weniger Verzierungen dran. Und den albernen Kaffeewärmer muss Mixa dann auch nicht mehr aufsetzen. Wir wünschen ihm sicher alle von ganzem Herzen gute Genesung, oder?

Bin mal gespannt, ob das jetzt zur Mode wird und der Bundeshorst nächste Woche ebenfalls behauptet, man hätte ihn aus dem Job gemobbt. Und dann zieht er mit Sack und Pack zurück ins Schloss Bellevue. Ob Mutti ihm vergeben würde? Könnte ihre letzte Amtshandlung vor den Neuwahlen sein, denn die schwarzgelbe Liebesheirat wird hoffentlich bald geschieden. Die Koalition ist zwar noch nicht begraben, aber sie riecht penetrant nach Verwesung.

PS: Heute heißt es in den Medien, der Vatikan hätte eine Geheimakte über den fixen Mixa. Demnach bestand der bischöfliche Lalltag vor allem aus Messwein saufen, Kinder prügeln und Nachwuchspriester befummeln. Wundert mich nicht wirklich – man musste den alten Zausel doch nur ein paar Minuten in der Glotze sehen, um zu erkennen, dass er ein schlimmer Finger ist. Ich frage mich nur, was das kirchliche Führungspersonal eigentlich verbrechen muss, bevor der Papst mal ’ne Kündigung schreibt. Rund um die Uhr Crack rauchen, einen kompletten Kirchenchor durchvögeln und dann noch den Osterhasen lebendig ans Kreuz nageln? Würde das schon ausreichen?

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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