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Archiv für Mai, 2010

Margot for President

Geschrieben von Johannis am 31. Mai 2010 um 19:31 Uhr

Deutschland ist kopflos, die Eliten verlassen das sinkende Schiff. Letzte Woche der Hetzer aus Hessen, nun der Bundeshorst – wird die Westerwelle uns als nächstes die Brocken vor die Füße schmeißen? Ist das schon der Anfang vom Ende? Georg Schramm, von mir sehr geschätzter Kabarettist, schlug vorhin im Radiointerview Margot Käßmann als Nachfolgerin für Horst Köhler vor. Obwohl ich als bekennender Macho es eigentlich nicht gutheißen kann, wenn die beiden höchsten Ämter dieses Landes von Menschen bekleidet werden, die keine Eier sondern Falten in der Hose haben, stimme ich Herrn Schramm zu. Die evangelische Maggie hat Grips und Charakter, sie könnte es.

Aber ich befürchte das Schlimmste. Ähnlich wie das Europa-Parlament zum Abklingbecken für verstrahlte Politiker vom Kaliber Koch-Mehrin oder Oettinger verkommt, ist das Amt des Bundespräsidenten die Auslaufzone für stotternde Politboliden, die im Rennzirkus nicht mehr recht mithalten können. Daher wird wohl Jürgen Rüttgers demnächst ins Schloss Bellevue einziehen. Besonders jetzt, wo die Westerwelle am Wochenende der NRW-FDP bereits seine Erlaubnis zum Umfallen gegeben hat, und wir in Düsseldorf sicher bald eine Ampelkoalition bekommen. Warten wir’s ab.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Lena ist nicht Gott

Geschrieben von Johannis am 30. Mai 2010 um 10:11 Uhr

Erst waren wir Papst (peinlich), jetzt sind wir Eurovisionssongcontestgewinner. Wir alle. Toll!  Selbsterkenntnis ist wichtig, etwas ironische Distanz zum Ego sympathisch. Das gilt auch für jene junge Gymnasiastin, die uns gestern Abend mit 246 Punkten zum kollektiven Ruhm verhalf. Als sie zur After-Show-Party (Nein, da soll man nicht in erster Linie seinen Hintern zeigen) ins Hotel wollte und auf dem roten Teppich im Journalistenstau festsaß, rief sie den hypererregten Medienfritzen zu (O-Ton, heute früh auf WDR2 gehört): „Ihr müsst nicht so drängeln. Ich bin auch nur ein Mensch, ich bin nicht Gott.“ Soviel kritische Distanz zur eigenen Rolle lässt hoffen. Oder das Schlimmste befürchten.

Egal, ich finde den Song nett, ihren britischen Mittelschicht-Akzent angenehm und freue mich fast immer für erfolgreiche Künstler. Lenas PR-Berater sollten ihr aber unbedingt schnellstens den Wahnsinn austreiben. Ganz egal was ihr Wundervolles widerfahren ist, immer ist es der Wahnsinn und echt crazy. Steigerungsfähig nur als der absolute Wahnsinn. Ist das nicht irre? Schickt Kids wie sie doch mal für eine Stunde auf Besuch in die geschlossene Psychiatrie, damit sie kapieren, dass Wahnsinn eigentlich gar nicht so toll ist. Dann doch lieber Lenas zweitliebste Formulierung, wenn sie mitten im Begeisterungs- und Freudentaumel steckt: Ich kann es gar nicht sagen. Auch noch verbesserungswürdig, aber immerhin die Wahrheit. Trotzdem – Glückwunsch an Lena Meyer-Landrut.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Wie sag ich’s meinen Liebsten?

Geschrieben von Johannis am 29. Mai 2010 um 09:57 Uhr

Selbstmord ist, wie Schwulenehe und Botoxspritzen, ein alltäglicher Aspekt des modernen Lifestyles und wird in der Gesellschaft längst voll akzeptiert. Doch obwohl eine Übersiedlung in die ewigen Jagdgründe trotz der restriktiven deutschen Waffengesetzgebung recht einfach erscheint, gibt es viele Fußangeln. Leider wurde bis heute nirgendwo mein Konzept des Servicepoints für Selbstmörder umgesetzt, was sicher eine Folge der Steuermindereinnahmen ist, die Städte und Gemeinden unter der schwarzgelben Regierung hinnehmen müssen. Aber es gibt zum Glück viele Wege, um dem eigenen Leben ein Ende zu setzen.

Wichtig ist in jedem Fall, sich so nachhaltig und sozialverträglich umzubringen wie irgend möglich. Aus etlichen Leseranfragen weiß ich, dass dabei oftmals große Unsicherheit besteht und immer wieder dumme Fehler gemacht werden. Das gilt nicht nur für das wie, wo und wann, sondern auch für die Kommunikationsstrategie in Bezug auf Nachbarn, Freunde und Familie. Natürlich können und sollen meine dürren Texte kein vollständiges Handbuch für den erfolgreichen Suizid ersetzen, ich möchte aber dennoch an drei exemplarischen Fällen zeigen, was zu tun ist und welche Patzer Sie als SelbstmörderIn zukünftig unbedingt vermeiden sollten.

Vorab nochmals die eindringliche Bitte um Rücksichtnahme. Vollkommen inakzeptabel ist es, wenn Lebensmüde sich auf das öffentliche Schienennetz legen, denn damit sorgen sie für reichlich Verdruss und zwingen Reisenden sowie dem Bahnpersonal manch unangenehmen Anblick, unbezahlte Mehrarbeit und lästige Verspätungen auf. Noch schlimmer ist die asoziale Angewohnheit mancher Menschen, als Geisterfahrer – oftmals sogar alkoholisiert – entgegenkommende Fahrzeuge oder Teile unserer von Steuergeldern finanzierten Infrastruktur (Brückenpfeiler etc.) zu rammen. Dann doch bitte lieber von einer Talbrücke springen, auch wenn dabei gelegentlich Wanderer in Mitleidenschaft gezogen werden.

Vergessen Sie auch den Suizid mithilfe frei verkäuflicher Schlaftabletten – die bringen Sie sogar dann nicht um, wenn man sie mit einer halben Flasche Cognac runterspült. Ebenso bitte nicht die Pulsadern aufschneiden – meist schließen sich diese Wunden, wenn der Blutdruck weit genug abgesunken ist, und man wacht im Krankenhaus auf, reicher um einzigartige Erfahrungen und den Grundstoff für ein paar hässliche Narben. Und oft mit einigen unbeweglichen Fingern, weil man beim stümperhaften Schnitt mit dem Teppichmesser die eigenen Handsehnen durchgesäbelt hat. Nachfolgend möchte ich drei Szenarien vorstellen, die sich relativ leicht und vor allem rücksichtsvoll umsetzen lassen: Schießen, springen oder der Strick.

Wer mit einem Knall abtreten will und weder Waffenbesitzer noch Mitglied in einem Schützenverein ist, hat erstmal ein Problem: Keine Waffe. In Großstädten kann Ihnen vielleicht ein erfahrener Taxifahrer sagen, wo im Rocker-, Rotlicht- oder Bahnhofsmilieu Sie illegal eine Pistole kaufen können, aber rechnen Sie mit Enttäuschungen und überhöhten Preisen. Vorsicht: Geben Sie dem zwielichtigen Fremden kein Bargeld als Vorauszahlung, Sie sehen ihn und die Kohle nie wieder. In Ländern mit Ostblocktradition wie Polen, Tschechien oder der Ukraine kann man oftmals preiswerte und voll funktionstüchtige Handfeuerwaffen aus Armeebeständen erwerben, man sollte aber nur auf dem Landweg reisen und die Zollkontrollen nicht unterschätzen. In jedem Fall, egal ob daheim oder im Ausland, müssen Sie beim Waffenkauf auf passende Munition in ausreichender Menge achten.

Für den finalen Selbstschuss empfehle ich Hotels der gehobene Mittelklasse. Dort gibt es am Wochenende oft Discount-Angebote, das schont den Geldbeutel und freut die Erben. Wichtig: Das Bitte-nicht-stören-Schild an die Tür hängen und abschließen. Ganz falsch: Sich mitten im Zimmer oder auf dem Bett erschießen. Warum das Mobiliar unnötig in Mitleidenschaft ziehen oder die Tapeten versauen? Rücksichtsvolle Selbstmörder geben sich die Kugel in der Badewanne, am besten in Rückenlage und mit einem untergelegten Kissen. Dadurch werden Beschädigungen an der Emaille vermieden (wenn Sie keinen historischen Vorderlader benutzen, durchschlägt das Projektil locker Ihren Schädel oder Brustkorb!), und vor allem bleiben die Putzarbeiten der Zimmermädchen in überschaubarem Rahmen.

Bei Kopfschüssen bitte vorher im Spiegel den richtigen Winkel einüben und das Kissen in der Wanne entsprechend positionieren. Wer sich ins Herz schießen will, sollte sich darüber klar sein, dass dies zwar eine recht sichere Methode ist, man aber nach dem Abdrücken noch ein paar unangenehme Momente bei Bewusstsein ist und womöglich bohrende Zweifel aushalten muss. Vorsicht: Bei manchen Menschen liegt das Herz rechts (biologische Links-Rechts-Asymmetrie)! Ein Lungendurchschuss ist nicht unbedingt tödlich, aber in jedem Fall sehr störend.

Zum guten Ton beim kugeligen Ausstand im Hotel gehört immer ein entsprechendes Trinkgeld. Ich empfehle, je nach Ausmaß des Schadens an der Zimmereinrichtung und der Gesamtverschmutzung, einen Betrag von 300 Euro aufwärts. Am besten hinterlässt man gut sichtbar einen Umschlag mit ein paar Scheinen und einem vorformulierten höflichen Entschuldigungsschreiben, das an die Direktion und das Personal gerichtet ist. Man wird Sie deshalb zwar beim nächsten Besuch nicht als VIP behandeln, aber in freundlicher Erinnerung behalten. Nicht vergessen: Zimmerpreis möglichst im Voraus bezahlen und Abschiedsbriefe an die Angehörigen rechtzeitig in die Post geben.

Für Selbstmörder mit kleinem Geldbeutel bietet sich der Sprung in die Tiefe geradezu an. Bitte beachten: Egal, ob Hausdach, Brücke oder im Gebirge – mindestens zwanzig Meter freier Fall und eine unnachgiebige Landezone sind ein absolutes Muss. Unterschätzen Sie nicht die dämpfende Wirkung von Baumkronen oder Autodächern, speziell Cabrios haben schon so manchen Lebensmüden um den Verstand und direkt in den Rollstuhl gebracht. Ich empfehle den Sprung von Talbrücken ab 30 Meter lichte Höhe über Grund, dabei aber bitte immer auf versteckte Teiche und schlammige Tümpel (Wasser hat keine Balken), Wanderwege und frei laufendes Nutzvieh achten. Denken Sie dran – nur wenige Menschen finden gern eine zerschmetterte Leiche auf dem beschaulichen Sonntagsspaziergang, und Bauern zeigen verständlicherweise wenig Toleranz, wenn Milchkuh oder Zuchtstier von einem herabstürzenden Körper getroffen wurden. Obwohl Ihnen persönlich das dann wahrscheinlich schnurz ist.

Sollten Sie sich für eine Autobahnbrücke entscheiden – hier in NRW bietet sich die Sauerlandlinie an – bitte Warndreieck in vorschriftsmäßigem Abstand aufstellen, Fahrzeug nicht abschließen und Zündschlüssel auf den Fahrersitz legen. Zwingen Sie die Beamten von der Autobahnpolizei nicht dazu, Ihnen ins Tal nachzusteigen und dann die Jackentaschen Ihrer sterblichen Überreste zu durchwühlen, nur um Ihr blödes Auto vom Standstreifen fahren zu können. Abschiedsbriefe, sofern nicht vorab per Post aufgegeben, sollten gut sichtbar und frankiert im Wagen liegen. Zum guten Ton gehören auch hier ein paar freundliche Zeilen an die Polizisten und alle anderen, die sich mit Ihrer unappetitlichen Leiche abmühen müssen. Bitte kein Trinkgeld hinterlassen, das dürfen Beamte leider nicht annehmen.

Wer kein Auto hat oder ungern aus dem Haus geht, greift bevorzugt zum Strick. Bitte treffen Sie Vorsorge gegen ungewollte Begegnungen und denken Sie zuerst an Nachbarn oder Angehörige, denn aufgehängt sind Sie mit Sicherheit kein schöner Anblick. Dachböden und Trockenräume eignen sich gut zum finalen Absprung, vorausgesetzt Sie benutzen ein robustes Seil und haben eine stabile Aufhängung gefunden. Vorsicht in Altbauten, oft sind Dachlatten morsch und halten die Last eines fallenden Körpers, speziell bei Übergewicht, nicht aus. Hilfreich: Internetseiten für Segler und Bergsteiger. Dort finden Sie Abbildungen für fachmännische Knoten und leicht gleitende Seilschlaufen.

Bedenken Sie, dass Sie fast immer eine ausreichend hohe Trittleiter benötigen, um sich herunterzustürzen. Genau bemessene Fallhöhe und Seillänge schützen vor lästigen Fehlschlägen, schmerzhaften Prellungen und unschönen Abschürfungen im Halsbereich. Folgen Sie unbedingt meinem Rat: Dachbodentür abschließen, Schlüssel von innen stecken lassen. Vorher von außen eine gut lesbare Notiz anbringen, zum Beispiel mit folgendem Text: „Besetzt. Bitte warten Sie jetzt noch mindestens 15 Minuten, bevor Sie die Polizei rufen. Ein Krankenwagen ist hoffentlich nicht mehr nötig. Tut mir leid, dass Sie jetzt Ihre Wäsche nicht aufhängen können.“

Ganz egal, für welche Methode Sie sich bei Ihrem Selbstmord entscheiden – hinterlassen Sie Ihre Wohnung bitte sauber und aufgeräumt. Papiere, Sparbücher, Versicherungspolicen sollten vorsortiert auf einem Tisch liegen, dazu ein notariell beglaubigtes Testament, um Streitigkeiten unter den Hinterbliebenen zu vermeiden. Persönlich gehaltene Abschiedsbriefe können die Trauer lindern und helfen über den ersten Schmerz hinweg. Eine heiter-ironische Tonart kann Witwen und Waisen manchmal sogar ein Schmunzeln ins tränenfeuchte Gesicht zaubern, man sollte es damit aber nicht übertreiben. Bei Formulierungsschwierigkeiten können Sie sich im Moment noch an mich wenden, solange ich es hier auf Erden aushalte helfe ich Ihnen gern.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Wichsen im Dienst

Geschrieben von Johannis am 28. Mai 2010 um 13:54 Uhr

Billig davongekommen ist der ehemalige SPD-Medienexperte Jörg Tauss, heute Mitglied der Piraten-Partei, beim Urteil wegen des Besitzes von Kinderpornographie. 15 Monate auf Bewährung sind doch ein Klacks gegen das, was ihm im Knast geblüht hätte. Pädophile und verwandte Schmutzfinken sind dort ziemlich unpopulär, sie bekommen in der Gemeinschaftsdusche schon mal eine heilsame Sonderbehandlung. Diese spezielle Form des Strafvollzugs finde ich eigentlich sogar ganz okay. Abschreckend eben. Jetzt muss Herr Tauss nur eine Weile die Finger von den Maustasten und seiner Kinderporno-Sammlung lassen. Wegen der Bewährung. Er hat schlecht gelogen und trotzdem Glück gehabt.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Koch gibt den Löffel ab

Geschrieben von Johannis am 27. Mai 2010 um 09:37 Uhr

Während Mutti Merkel mit bärtigen Scheichs schmust, unseren Erdölnachschub sichert und wertvolle deutsche Industrieprodukte verkauft, geht zuhause mal wieder alles drunter und drüber. Kaum waren die Aufträge für feuerfeste Burkas und fest am Schädel verwachsende Kopftücher unterschrieben – in Saudi-Arabien treiben die Religions- und Sittenwächter gern mal unbekopftuchte Mädchen zurück in brennende Schulen oder verweigern männlichen Rettungssanitätern im Namen Allahs den Zugang zu sterbenden Frauen – da schmeißt unser Hessenroland alle Ämter hin. Wie sagt man: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Gut, Koch ist charakterlich eher eine fette Ratte, aber egal.

Gerade wollte Angie sich freuen, dass BMW, Mercedes & Co. auch in Zukunft dicke durstige Autos bauen können, weil die Saudis uns noch in hundert Jahren jenen schwarz-klebrigen Saft verkaufen werden, der seit Wochen den Golf von Mexiko verseucht, da tritt der Koch zurück. Frech. Das war angeblich schon vor einem Jahr mit Mutti Merkel abgesprochen, aber wer glaubt dem Mann noch? Würden Sie von dem einen Gebrauchtwagen kaufen? Na also. Jetzt legt er alle Ämter nieder und geht in die Wirtschaft. Wahrscheinlich kann er als Anwalt – seit dem ständigen Auftauchen lästiger CDs mit Bankdaten und dem sprunghaften Ansteigen der Selbstanzeigen von reuigen Steuersündern – pro Woche ungefähr soviel verdienen, wie ein armer Ministerpräsident im Jahr einsackt. Versteht doch jeder, dass er da nicht länger in der Politik rumkrebsen und Leute aufhetzen will.

Bekanntlich hat alles mindestens zwei Seiten, liegt in jedem Nachteil auch ein Vorteil. Ein Konkurrent der Kanzlerin verschwindet, mancher trauert. Kristina Schröder zum Beispiel, unsere neue Familientussi. Sie bewundert Herrn Koch wegen seiner Fähigkeit zur glasklaren Analyse. Welche Drogen nimmt sie wohl? Und woher bekommt sie die? Aber viele freuen sich darauf, dass der hessische Fiesling bald weg ist, und sie freuen sich alles andere als klammheimlich. Kann es sein, dass unsere seit 5 Monaten andauernde globale Pechsträhne nun ein Ende hat? Pfingsten schönes Wetter, der Euro noch deutlich über 1 Dollar und die Spanier führen eine Millionärssteuer ein – wird mit 2010 womöglich doch noch alles gut?

Sogar die Westerwelle hält seit ein paar Wochen meistens die Schnauze und die Füße verdächtig still. Oder ist das alles nur ein flüchtiges Zwischenhoch, bevor die Apokalypse richtig durchstartet? Hat BP auch heute keinen Erfolg bei der Bohrlochverpümpelung, diesmal mit der Schlammpumpe Topkill, vergiftet weiter wacker das Meer mit tonnenweise Chemie aus eigener Produktion, und amerikanisches Rohöl treibt bald an unsere Wattenküste? Wird übermorgen ein vom Hunger geschwächter nordkoreanischer Soldat versehentlich auf den falschen Knopf drücken und Kim Jong Ils Atomraketen machen sich flugs auf den Weg nach Seoul?

Mittlerweile regnet es vorm Fenster schon wieder und ist saukalt. Ich stell gleich die Heizung an, leg mich aufs Sofa und lese in der Bibel. Die Offenbarung des Johannes. Spätestens wenn ich bei der sechzehnten Vision angekommen bin, wissen wir Bescheid, ob dieses vermaledeite Jahr noch Anlass zu Hoffnung gibt. Im Radio berichten sie von einer Froschinvasion bei Thessaloniki, sogar die Autobahn musste gesperrt werden. Die Griechen wieder. Was ist mit Heuschrecken, wann wird es endlich Blut vom Himmel regnen? War das grad ein Komet, der über die Dächer zog? Oder ist wieder ein Flieger abgestürzt? Hatten wir diese Woche eigentlich schon ein anständiges Erdbeben?

Schluss jetzt.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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