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Archiv für Februar, 2010

Westerwelle tritt zurück

Geschrieben von Johannis am 28. Februar 2010 um 09:18 Uhr

Nach peinlichen Enthüllungen über seine Kontakte zu Banken in Liechtenstein und der Schweiz, wo der jetzige Außenminister wiederholt Vorträge gegen Stundenhonorare von umgerechnet rund 20.000 Euro gehalten hatte, wird Guido Westerwelle am Montag sämtliche Ämter niederlegen und aus der aktiven Politik ausscheiden. Nicht zuletzt diese Online-Petition mit weit über 200.000 Unterzeichnern erhöhte am Schluss den Druck auf den FDP-Parteichef offenbar bis ins Unerträgliche.

Westerwelle hat in den letzten vier Jahren mindestens 35 bezahlte Vorträge gehalten und dafür Nebeneinkünfte in Höhe von 245.000 Euro angegeben. Meist wurde er von ausländischen Banken und Finanzfonds gebucht, die unmittelbar von deutscher Steuerflucht profitieren, darunter auch die Liechtensteiner LGT Group (wir berichteten).

Er sagte gestern gegenüber dem WDR: „Ich sehe ein, dass die Vorträge ein Fehler waren, und möchte mir ein Beispiel an Margot Käßmann nehmen. Um im Politbusiness bestehen zu können, braucht man große Charakterfestigkeit. Ich bedaure mein Verhalten und ziehe die nötigen Konsequenzen.“ Auf die Frage nach seiner beruflichen Zukunft sagte Westerwelle: „Ich werde gemeinsam mit Jürgen Rüttgers eine Unternehmensberatung eröffnen, wobei der Schwerpunkt auf steuerrechtlichen Fragen liegen wird.“

Wir begrüßen den mutigen Schritt des Außenministers und wünschen beiden Spitzenpolitikern alles Gute auf ihrem gemeinsamen Weg.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Sozialtransfers sind Schutzgeldzahlungen

Geschrieben von Johannis am 26. Februar 2010 um 08:47 Uhr

Viele Leute klicken mittlerweile automatisch weg, wenn sie irgendwo Hartz-IV lesen. Verständlich. Die einen leben wie Maden im Speck von Sozialtransfers und interessieren sich einen Scheißdreck für den Staat, die anderen finanzieren das feiste Wohlleben der Sozialschmarotzer mit empörend hohen Steuern aufs ebenso magere wie sauer verdiente Einkommen und ärgern sich deshalb schon mehr als genug. Schön ist das alles nicht.

Und jetzt noch dieser Wahnsinn mit den Sonderleistungen für Härtefälle. Ab sofort bekommen Hartz-Vierer auch noch Geld für Nachhilfeunterricht. Dabei weiß doch jeder, dass die meisten Arbeitslosen erst mittags aus dem Bett kriechen und dann überrascht feststellen, dass die Blagen im Kinderzimmer Ballerspiele zocken, statt brav im Klassenzimmer zu lernen. Der Unterschichtnachwuchs weiß genau, wie’s bei World Of Warcraft zum schwierigsten Level geht, aber den Weg zur Schule finden die Kiddies ohne Eskorte oder Navigationsgerät leider nicht. Vor lauter Frust muss der Hartz-Vierer dann bereits zum Frühstück Billigpils trinken, macht sich aber immerhin eine Notiz, beim nächsten ARGE-Besuch Sonderkohle für Nachhilfestunden zu beantragen. Und zu fragen, ob Vater Staat wohl auch ein GPS-Handy mit Navi zahlt, für den Schulweg der orientierungsschwachen Kids.

Neulich war ich beim Discounter und mir fielen zwei Typen auf, die ihren Einkaufswagen mit ungewöhnlich guter Laune durch die Gänge schoben. Sie waren so Anfang zwanzig, trendige Frisuren, multiple Augenbrauenpiercings und auch sonst reichlich Blech im Gesicht. Mit Elan luden sie Waren aller Art in den Einkaufswagen, rissen lautstark mittelblöde Witze, und schoben irgendwann zur Kasse. Der Zufall wollte, dass ich mich dort hinter ihnen einreihte. Die Kassiererin zog das bunte Allerlei über den Scanner und gab mit freundlicher Stimme die Endsumme von 76,84 Euro bekannt. „Darf ich ma’ ehm“, drängelte sich einer der Gepiercten an mir vorbei und warf kurz darauf fünf Überraschungseier aufs Band. „Die nehmwa auch noch“ informierte er die Kassiererin, die kurz darauf den Endstand von achtundsiebzignochwas ansagte. Mit den Worten „Rest is’ Trinkgeld“ reichte der junge Shopper ihr einen amtlichen Wisch und stopfte gemeinsam mit seinem Kollegen den Einkauf in etliche neongelbe Plastikbeutel.

Neugierig, wie es sich für einen Menschen mit Schreibwut und journalistischen Ambitionen gehört, befragte ich kurz darauf die Dame an der Kasse – natürlich mit der gebotenen Diskretion – über die rätselhaften Vorgänge. Sie verriet mir, das sei alles ganz normal. Die Arbeitsämter würden eben Einkaufsgutscheine ausstellen, in diesem Fall für 80 Euro. Bis auf Alkohol und Zigaretten gibt’s dafür alles, auch Überraschungseier. Offenbar kann man bestimmten Leuten kein Bargeld anvertrauen und auch Überweisungen machen wenig Sinn. Typische Hartz-IVer eben.

So, spätestens jetzt müsste die Leserschaft in zwei Lager gespalten sein. Den einen ist vom ständigen Kopfnicken schon ganz schwindelig, die anderen stehen wegen der üblen Polemik kurz vorm Herzinfarkt. Um beide Gruppen vor ernsthaften Gesundheitsschäden zu bewahren und auf die These in der Überschrift zurückzukommen, möchte ich folgendes anmerken: Ja, es gibt faules, arbeitsscheues Pack, das den Sozialstaat dreist ausnutzt, aber sie sind klar in der Minderheit. Noch. Und ja, es gibt Leute, die rund um die Uhr mit Unterschichtenfernsehen, Rauchen und Bierholen ausgelastet sind und sich deshalb nicht um Jobsuche oder den Schulabschluss ihrer Kinder kümmern können. Auch sie dürften unter den Hartz-IV-Empfängern deutlich in der Minderheit sein.

Und ja, Migranten leben doppelt so oft von Sozialtransfers wie Leute ohne Migrationshintergrund. Zum Teil, weil Ausländer vom deutschen Bildungssystem benachteiligt werden, teils aber sicherlich auch, weil Qualifikationen und Jobs ohne ordentliche Deutschkenntnisse schwer zu kriegen sind. Und nicht jeder Fremde hat Lust, die hiesige Landessprache zu erlernen. Es ist sogar nicht vollkommen auszuschließen, dass manch Einwanderer sich sagt: „Deutschland? Eyh, voll gut, Alter. Krissu immer Kohle, auch wenn nix Arbeit. Nur Deutsche sind nix gut, voll Scheiße.“

Trotzdem glaube ich, dass die Mehrheit aller Hartz-IV-Empfänger lieber einen Job hätte und sich auch um Arbeit bemüht. Auf der andere Seite ist es natürlich doof, wenn man Arbeit hat, beispielsweise 4700 brutto verdient, und davon geht eine Menge für Steuern drauf. Verstehe ich. Liebe noch-in-Lohn-und-Brot-Stehende, betrachtet es aber bitte mal folgendermaßen: Wenn pro Jahr rund 50 Milliarden nur für die Grundsicherung ausgegeben werden, ist das klug investiertes Geld. Sogar wenn es komplett in die schmierigen Finger stinkfauler Sozialschmarotzer gelangen würde, ist die Kohle gut angelegt. Warum? Weil es für genau den satten, dumpfen Frieden sorgt, an den wir uns in diesem Land gewöhnt haben. Man stelle sich nur einmal vor, all die arbeitslosen, frustrierten und ins Abseits gedrängten Verlierer unserer heißgeliebten Ellenbogengesellschaft bekämen nicht genug Geld, um unauffällig vor sich hin zu vegetieren – Aufruhr, Mord und Totschlag, Vergewaltigung und fröhliches Brandschatzen wären unausweichlich die Folge.

Darum mein Rat an alle Steuerzahler, Gut- und Besserverdiener und vor allem an die Reichen: Seid froh, dass der soziale Friede so billig zu kaufen ist, und zahlt freudig Schutzgeld, damit eure Autos und Häuser nicht brennen und man eure wohlerzogenen Kinder nicht entführt, um euch das Bare abzupressen. Denn noch ist alles ruhig im Land. Zahlt weiter brav eure Steuern und es bleibt friedlich in Germanien.

Jedes Chinarestaurant hat ein Aquarium, meist am Eingang. Viele bunte Fische hinter Glas garantieren, dass regelmäßig Schutzgeld an die chinesische Mafia gezahlt wurde, und der schlitzäugige Mob nicht mit Brandbomben und Maschinenpistolen hereinstürmen wird, während die Gäste Frühlingsrollen knabbern. Lange Warteschlangen im örtlichen Arbeitsamt sind deshalb ebenso beruhigend wie reichlich Zierfische im Aquarium beim Chinesen. Stimmt’s oder hab ich Recht?

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Fuck Global Warming!!!

Geschrieben von Johannis am 24. Februar 2010 um 10:47 Uhr

Während die halbmeterdicken Eiskrusten auf deutschen Bürgersteigen gletschergleich schmelzen und eine ungewohnte Helligkeit das Ende der Polarnacht ankündigt (Optimisten behaupten, es sei Sonnenschein), ist endlich unstrittig: Es wird keinen Klimawandel geben, die Erderwärmung fällt aus. Die New York Times hat ermittelt, dass es in Amerika im ganzen Jahr 2009 trotz Kopenhagen weniger Medienberichte über Global Warming gab als in 2008. Wohin die Tendenz in diesem Jahr gehen wird, ist wohl kloßbrühenklar.

Wer trotzdem noch pseudowissenschaftliche Zweifel oder gar alberne Zukunftsängste haben sollte, schaut sich bitte die umfangreiche Sammlung bitterböser Cartoons auf der Seite http://ifglobalwarmingisrealthenwhyisitcold.blogspot.com/ an. It’s depressing, but that’s life and as real as it gets.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Prost, Frau Käßmann!

Geschrieben von Johannis am 23. Februar 2010 um 15:29 Uhr

Ein Jahr Pappe weg, heißt es für die Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, weil sie mit gut anderthalb Promille ihren Dienstwagen durch die Gegend kutschierte. Gerüchte, sie hätte sich literweise Messwein hinter die Binde gekippt, sind falsch, schließlich gibt es bei den Protestanten kein Abendmahl. Wahrscheinlich wurde nur ein bisschen gefeiert, weil der katholische Mitbewerber auf dem Heilsmarkt gerade diese unappetitliche Missbrauchsgeschichte am Hals hat. Oder es hagelt bald neue Enthüllungen, diesmal auch bei den Evangelen. Warten wir’s ab.

Gleich noch ein Dementi: Es wird keine Abwrackprämie für Politiker geben. Nachdem man bereits ganze Parteien mieten (Möwenpick-Affäre) und Ministerpräsidenten stundenweise buchen kann, hieß es kürzlich, dass einzelne Politiker gegen eine entsprechende Summe sogar in Rente gehen würden. Für Brüderle waren 35.000 Euro im Gespräch, Westerwelle sollte etwas mehr als eine halbe Million kosten. Leider ist nichts davon wahr. Vorsicht bei unseriösen Sammelaktionen in Fußgängerzonen und an der Haustür!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Dumm fickt gut

Geschrieben von Johannis am 22. Februar 2010 um 15:41 Uhr

Nein, dies ist natürlich keine plump-reißerische Überschrift, sondern eine jener kostbaren Lebensweisheiten, die dem modernen Menschen im hyperkomplizierten Dasein als Leitplanken dienen. Überprüft habe ich dieses eherne Gesetz – weil ich ein klugscheißerischer Snob voller Dünkel und Überheblichkeit bin, und außerdem an einer schweren Allergie gegen Mentalblondinen leide – ehrlich gesagt nie, angeblich ist es aber die reine Wahrheit.

Der Umkehrschluss stimmt jedoch nicht, denn ausgestattet mit einem IQ von deutlich über Raumtemperatur, bin ich im Bett beileibe kein Totalversager. Eher im Gegenteil. Räusper. Wie auch immer, Klagen waren jedenfalls selten und schriftliche Referenzen können auf Wunsch vorgelegt werden. (Bei Interesse schreiben Damen mit ausreichend Grips, Liebreiz und kompatiblem Alter bitte eine aussagefähig bebilderte Mail an info(ätt)kassandrus.de. Nach Sichtung aller Zuschriften verbringe ich mit geeigneten Kandidatinnen gern ein romantisches Schäferstündchen, um den Beweis für meine Behauptungen anzutreten. Bezüglich der Reihenfolge gilt das Eingangsdatum der Mail.*)

Wie ich jetzt auf diese Perle der Volksweisheit komme? Weil ich überzeugt bin, dass ausreichend Grips in diesen Zeiten ein echtes Glückshindernis ist. Wer denken kann, ist klar im Nachteil. Doof, aber zufrieden – das isses doch! Schaut man sich heutzutage in einer durchschnittlichen deutschen Fußgängerzone um, dann sieht man allenthalben zufriedene Mienen. Zwar kommt aus der größten Öffnung dieser Gesichter – wenn  nicht gerade Bratwürste hineingestopft werden – meist nur verbaler Kernschrott und Dummzeug, das nicht mal im Nachmittagsprogramm von RTL II sendefähig wäre, aber die Leute sind gut drauf. Ich aber nicht. Wahrscheinlich, weil ich einfach nicht doof genug bin.

Daher spare ich jetzt auf eine Lobotomie, die hilft gegen schlechte Stimmung. Etwas von der hinderlichen grauen Masse raus und gute Laune rein, so einfach ist das. Falls das nicht reichen sollte, versuche ich es mit einer Amygdalektomie. Die ist zwar nicht sehr verbreitet (sogar Wikipedia hat noch nie davon gehört), bremst aber den Drang zu Gewalttätigkeiten und sediert. Dann hat das elend-frustige Genörgel hier im Blog ein Ende und ihr müsst mich nicht irgendwann in den Abendnachrichten bestaunen. Als Amokläufer.

Falls unter den Damen, die meine libidinöse Leistungsfähigkeit überprüfen möchten, vielleicht eine Medizinstudentin ist (mindestens drittes Semester), könnten wir die nötigen Eingriffe gern bei dir zuhause durchführen. Küchentisch kräftig schrubben, die alte Bügelsäge mit Schnaps desinfizieren und genug für den Patienten übrig lassen, ein Stück Holz zum Draufbeißen und los geht’s. Bloß nicht lange grübeln, ist doch nur ein kleiner Eingriff und schnell gemacht. Ich freu mich drauf!

* Durch Ihre Zuschrift entsteht kein Rechtsanspruch.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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