Zurueck
Start Mensch Buch Prosa Bilder Lyrik Blog Mehr
Vorwaerts
Deko Blog


Plakat




Tacky's Support

Archiv für Januar, 2010

Peinlich: Billigspende für die CSU

Geschrieben von Johannis am 22. Januar 2010 um 09:49 Uhr

Endlich versteht man das wochenlange verbiesterte Hickhack zwischen Horst und Guido, die nach dem Signieren des Koalitionsvertrages im letzten Herbst noch fröhlich Brüderschaft tranken. Eifersucht ist der Grund, denn die CSU bekam vom Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe nur 820.000 Euro als Vorleistung zum Steuergeschenk für Hotelbesitzer. Statt halbe-halbe zu machen, kriegen die korrupten Schlipsträger von der FDP fast 300.000 Euro mehr. Das ist wirklich unfair!

Armer Seehofer. Erst fremdgevögelt und ein uneheliches Kind gezeugt, dann laufen ihm die Wähler weg, jetzt der Ärger mit den versenkten Landesbankmilliarden und nun klappt’s auch mit dem Schmiergeld nicht mehr. Was kommt als nächstes? Gibt’s Zoff mit einem Niedriglohnwachmann an der Ausweiskontrolle im Kanzleramt, wird ihm wie Ulla der schnittige Dienstwagen geklaut oder verfügt der europäische Gerichtshof womöglich, dass in ganz Bayern rund um die Uhr Hochdeutsch gesprochen werden muss? Vielleicht fällt ihm sogar ein handgeschnitzt-eichenes Kruzifix auf den Kopf, während er die junge Elite des Alpenvorlands in einem bajuwarischen Gymnasium besucht.

Wie sagte meine Oma immer: Die kleinen Sünden bestraft der liebe Gott sofort!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Kurz & Knapp | 2 Kommentare »

Bitte mehr Erdbeben

Geschrieben von Johannis am 21. Januar 2010 um 09:13 Uhr

Lieber Gott,
mit einer Mischung aus Freude und Verwunderung beobachte ich, wie das Volk plötzlich von einer Welle des Mitgefühls und der Großzügigkeit getragen wird. Viele sind schockiert vom Elend in der Karibik, dabei war doch bekannt, dass die Menschen in Haiti seit Jahrzehnten hungern und im Dreck leben. Nur eben nicht ganz so sichtbar wie jetzt, mit all den Kamerateams. Konnte man aber eigentlich wissen, das Land liegt schließlich direkt nebenan von Domrep, wo wir gern für Sonne-Saufen-Sex-Allinclusive hinfliegen. Egal.

Weil in der Welt offenbar immer erst was ganz Schlimmes passieren muss, bevor es irgendwo besser wird, hätte ich folgende Bitte: Könntest du wohl für die ärmsten Länder der Erde in regelmäßigen Abständen Naturkatastrophen einplanen? Wegen des Wiederaufbaus, ist doch praktisch. Muss ja nicht immer so viele Tote geben, wie diesmal oder vor 5 Jahren beim Tsunami. Aber die Richtung stimmt schon. Vielen Dank.

PS: Noch was. Erinnere die UN doch bitte mal daran, dass sie nach dem Tsunami ein internationales Katastrophenteam aufbauen wollten, damit es nicht immer so ein Chaos mit den Helfern gibt. Und pass auf, dass die ganzen Spenden nicht wie damals jahrelang auf den Konten der Hilfsorganisationen liegen und Zinsen ansetzen.

PPS: Aber bitte keine Nachbeben, die bringen nix. Völkermord ist auch blöd, interessiert niemanden und keiner spendet.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Kurz & Knapp | 3 Kommentare »

Radelnde Untermenschen

Geschrieben von Johannis am 20. Januar 2010 um 09:08 Uhr

Eine Rundfunktante spottete letzte Woche über nörgelnde Radfahrer und ihr Gejammer wegen der verschneiten Radwege. Im hach-ist-das-alles-lustig-Tonfall fragte sie: „Wieso muss man denn eigentlich im Winter überhaupt Radfahren?“ Die Antwort lautet: „Weil der BMW X5 zur Inspektion ist, meine Frau den Mini fährt, und unser Sohn den Golf für sich und seine Kumpels braucht.“ Man könnte natürlich auch erwidern: „Weil ich in der Stadt fast immer das Rad nehme, denn es geht schneller, ist umweltfreundlich und ich hab keinen Stress mit geldgierigen Politessen.“ Oder: „Weil manche Leute eben kein anderes Fahrzeug haben und auch bei Schnee irgendwie vorankommen müssen.“

Neulich, kurz nachdem das Monstertief Daisy endlich abgezogen war, kam ich aus dem Supermarkt, als es schepperte und eine junge Frau samt Rad vor meinen Füßen landete. Der vereiste Radweg vor dem REWE war mit Rollcontainern zugestellt und der Auslieferungsfahrer hatte ihr eine weitere Gitterbox schwungvoll in den Weg geschoben. Worauf sie beim Ausweichmanöver ins Schlingern kam und sich ebenso schwungvoll auf die Schnauze legte. Genauer gesagt aufs rechte Knie. Spontan setzte mein krankhafter Samariter-Reflex ein, drum half ich ihr auf und beim an-die-Seite-Humpeln, stellte ihr leicht lädiertes Rad neben meins an die Hauswand und befragte sie nach ihrem Befinden. Der Lieferfritze schob weiter eifrig sein Zeug durch die Gegend, bewahrte damit unser Volk vor dem unmittelbar bevorstehenden Hungertod, sagte aber keinen Ton. Als geklärt war, dass weder Krankenwagen noch Polizei alarmiert werden mussten, wendete ich mich an den Auslieferungsfahrer. Es entspann sich folgender, leicht gekürzter Dialog:

„Sagen Sie mal, haben sie eigentlich mitbekommen, dass Sie eben die Frau mit Ihrer Gitterbox vom Rad geholt haben?“

„Ich hab ja hinten keine Augen.“

„Genau deshalb sind die Halswirbel beweglich, damit Sie den Kopp drehen können.“

Er zuckt die Schultern und schiebt leere Rollcontainer auf die Ladebordwand. Die Hydraulik heult, der Typ verschwindet im Inneren seines Lastwagens und ich frage die Havaristin, ob er sich eigentlich schon entschuldigt hat. Sie schüttelt den Kopf und reibt sich das geprellte Knie, Tränen in den Augen.

Als der Kerl wieder auftaucht, versuche ich’s auf die pädagogische Tour: „Wie wär’s denn, wenn Sie sich wenigstens entschuldigen würden?“

Der Auslieferungsfahrer schiebt mit mürrischer Miene Gitterboxen durch den Schnee und sächselt: „Genauso gut hätte es auch mich treffen können.“

Mein Blutdruck steigt leicht an und ich kontere: „Es hat Sie aber nicht getroffen, und genau um das zu vermeiden, ist die junge Dame ausgewichen und im Dreck gelandet.“

Im Vorbeigehen nuschelt er „Tschuldigung“ und ich kann mich nur mit Mühe zurückhalten, ihm den Kiefer zu brechen. Aber erstmal ist er älter als ich, zweitens hält das tagtägliche Rumschieben von etlichen Tonnen Volksversorgungsgütern wahrscheinlich fitter als meine Tipperei, und drittens schlage ich nie Menschen, die älter, kräftiger oder mir geistig unterlegen sind. Anzeigen wegen Körperverletzung vermeide ich durch diesen Grundsatz seit vielen Jahren zuverlässig.

Mittlerweile ist eine Kassiererin aus dem REWE gekommen, tröstet die Gestürzte und fragt: „Hat er sich wenigstens bei Ihnen entschuldigt?“ Sie nickt.

„Halbherzig und erst nach erbitterter Gegenwehr“ setze ich der Wahrheit halber hinzu, und verabschiede mich, um durch Eis und Schnee nachhause zu radeln.

Braucht dieser Text noch eine Abschlussbemerkung? Muss ich erwähnen, dass ich im Sommer an exakt derselben Stelle auch schon um Haaresbreite der Kollision mit einem dieser rollenden Käfige für Fresspakete entgangen bin? Aufzählen, wie oft mich Autofahrer beim Einparken fast umgenagelt haben, weil auch sie hinten keine Augen haben und mit der neumodischen Erfindung des Rückspiegels nur ungenügend vertraut sind?

Soll ich zumindest im Winter das Rad im Keller lassen und mit dem Auto in der Stadt rumgondeln? Oder mich einfach still und leise in mein Schicksal fügen, wohlwissend, dass Millionen zweirädriger Untermenschen genau wie ich leiden? Wir haben ja Glück, dass man uns rollende Verkehrshindernisse nicht für vogelfrei erklärt, tausendfach umnietet oder gleich mit dem rostigen Schneeschieber erschlägt. Gerecht wär’s ja, schließlich zahlen wir radelnden Schmarotzer nicht mal für die Benutzung jener kostbaren Straßen, die mit KFZ- und Mineralölsteuer finanziert wurden. Früher hieß es bei unverbesserlichen Nörglern: „Geh doch nach drüben!“ Vielleicht sollte ich nach Holland auswandern, da stehen Radfahrer unter Naturschutz.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 6 Kommentare »

Ausgegrenzt

Geschrieben von Johannis am 19. Januar 2010 um 18:10 Uhr

Mir ist ja einiges an Schlechtigkeiten zuzutrauen, aber soweit ist es noch nicht. Leserin Jutta schrieb heute:

Hallo, Johannis,
hat wer Deinen Blog gesperrt? Ich komm nicht mehr drauf – leider!
Anzeige: Forbidden! You don’t have permission to access /blog/blog on this server

Oder hast Du nur mich ausgesperrt? Wenn ja, warum? ;-)
Liebe Grüße, Jutta

Weder hat die FDP mich mit einer Unterlassungsklage mundtot gemacht, noch hab ich wegen zuviel Traffic die Hütte zugeschlossen – es war nur der Providerwechsel. Und nachdem kassandrus.de heut früh mit Sack und Pack umgezogen war, zickte die Datenbank. Die hab ich nun aber mal ein bisschen gekrault, ihr ganz sanft am Ohrläppchen geknabbert, und schon ist sie wieder lieb.

Sorry an alle, die wie Jutta vor verschlossenem Bildschirm saßen. Kommt – hoffentlich – nicht wieder vor.

Beste Grüße, Johannis

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »

Fies: FDP am Pranger!

Geschrieben von Johannis am 18. Januar 2010 um 15:32 Uhr

Noch keine 100 Tage im Amt, schon müssen sich die gelben Guidonisten den Vorwurf der Bestechlichkeit gefallen lassen. Wieso? Weil August Baron von Finck, Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe, den Liberalen kürzlich läppische 1,1 Millionen Euro gespendet hat. Bevor die FDP für ihn und seinesgleichen die Mehrwertsteuersenkung für Hotelbesitzer durchgeboxt hat. Na und?

Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger, die es an Pitbulligkeit locker mit Sarah Palin aufnehmen kann, aber nicht halb so gut aussieht, dementierte sofort mit unnachahmlicher Logik. Die Forderung der FDP nach einer Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers sei älter als die Spende, daher gebe es keinen Zusammenhang. Hat sie etwa eines der marktwirtschaftlichen Grundprinzipien nicht verstanden? Üblicherweise kommt erst das Angebot einer Ware oder Dienstleistung, dann zahlt der Kunde und wird beliefert. Simpel ausgedrückt schafft das Angebot die Nachfrage, die dann gestillt wird. Noch einfacher: Erst das Geld und dann die Ware.

Die Argumentation von Pitbullbiggi ähnelt der einer Frau, die von der Polizei am helllichten Tage auf einem öffentlichen Parkplatz dabei ertappt wird, wie sie ’nem Mann im Auto einen bläst. Der Mann hat ihr vorher 50 Euro gegeben, aber die Frau behauptet, das sei reiner Zufall und sie sei keine Nutte. Überzeugt irgendwie nicht.

Die Freie Demokratische Partei als Hure der Wirtschaft und des Kapitals zu bezeichnen, ihre Gefälligkeiten an der eigenen Klientel als Prostitution darzustellen, ist beleidigend. Und zwar für alle Prostituierten. Die leisten nämlich der Gesellschaft wertvolle Dienste und befriedigen auf rechtschaffene Art und Weise echte Bedürfnisse. Beides kann man von der FDP nicht behaupten.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 1 Kommentar »