Neuer Volkssport: Klimawandelleugnen
Geschrieben von Johannis am 30. Januar 2010 um 09:44 Uhr
Na, auch gerade Schnee geschippt oder auf dem Schwarzmarkt verzweifelt nach Streusalz gesucht? Kackwetter, oder? Jetzt wäre uns ein bisschen Treibhauseffekt echt willkommen, aber den haben die perfiden Wissenschaftler ja leider nur erfunden. Wahrscheinlich ist das mit der Kälte dieses Jahr nur der Anfang, und wir schliddern mit Vollgas in die nächste Zwischeneiszeit. Wetten?
Wetten kann man auch darauf, dass diese Schizothese im Netz schon reichlich Verbreitung gefunden hat. Zum Thema Klimawandel und warum es den nicht geben kann, findet man überall Blogs und pseudowissenschaftliche Seiten, die unterbelichteten Lesern beweisen wollen, dass wir alle einer megamonstermäßigen Verschwörung aufgesessen sind. Stichproben dieser Geisteshaltung findet man zum Beispiel im Beitrag Blogsphäre stoppt Klimawandel von Toms Wochenschau, aber vor allem die Kommentare der Leser sind entlarvend.
Speziell eine Person mit dem (garantiert ficktiefen, googelt das mal) Namen Sabrina Schwanczar tut sich da mit viel missionarischem Eifer hervor und konstruiert Kausalketten, dass einem die Ohren schmerzhaft klingeln. Was haben solche Klugscheißer, die offenbar den Unterschied zwischen Wetter und Klima nicht kapieren können, bloß davon? Geht es nur ums Rechthaben, um etwas Beachtung, ums Prinzip? Wie viel Sinn hat es, Gefahren kleinzureden, nur weil man seinen Hang zur Besserwisserei nicht zügeln kann? Würden solche Leute, wenn im Radio vor Blitzeis gewarnt wird, am Steuer eines vollbesetzten Reisebusses weiter Vollgas geben, solange man auf der Autobahn noch kein Eis sehen kann? Ist die Erde doch eine Scheibe? Und wenn ja, warum fallen die Idioten nicht runter?
Erinnert sich noch jemand an den Klimagipfel in Kopenhagen, der auch als FLOP15 bekannt wurde? Warum haben sich wohl 150.000 Leute dort eingefunden? Weil sie einer kollektiven Massenpsychose erlegen sind? Weil Dänemark im Winter so schön ist? Okay, es hat bei den Publikationen der Klimaforschung ein paar handwerkliche Fehler gegeben, aber das waren einige seltene Ausnahmen. Wenn beim Bäcker mal ein Blech mir Brötchen anbrennt, schließt die Gewerbeaufsicht dann etwa den ganzen Laden? Wohl kaum. Und ja, die Gletscher im Himalaya werden nicht 2035 verschwunden sein, aber dass sie bis 2350 durchhalten, glauben nur ultrahartgesottene Klimawandelleugner. Übrigens, wer sich zum Thema Gletscherschwund seine eigene Meinung bilden möchte, schaut sich diese drei bebilderten Beiträge der Nepali Times an, einer unabhängigen liberalen Wochenzeitung aus Kathmandu (Link1, Link2, Link3). Die haben die Gletscher nämlich vor der Haustür. Hatten, müsste es korrekt heißen, denn wo sich vor 50 Jahren gigantische Eismassen türmten, sind heute oftmals nur noch Seen zu sehn.
Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn die Menschheit auf fossile Energieträger verzichtet, und wir aus dem restlichen Erdöl Dämmstoffe, Dünger, Medikamente und Kunstfasern machen würden? Gut, die Aktienkurse jener Unternehmen, die mit Kohle und Erdöl fett Kohle machen, würden wohl sinken. Aber das trifft doch hauptsächlich Leute, die sowieso vor lauter Kies kaum noch laufen können. Außerdem wehrt sich diese Branche heftig und bisher erfolgreich gegen jede Änderung der Volksmeinung. Allein die amerikanischen Lobbyisten für Kohle und Erdöl haben ein Jahresbudget von 150 Millionen US$ und geben das Geld gern für gefälschte Gutachten und angeblich wissenschaftliche Publikationen aus. Die dann von den Sabrina Schwanczars dieser Welt eifrig zitiert werden.
Und wenn wir eines Tages tatsächlich alle mit Solarstrom kochen und die Batterien unseres Elektroautos mit Windkraft aufladen würden – ginge es uns dann schlechter? Vermutlich nicht. Dann kämen wir womöglich sogar auf die Idee, dass die Völker der Erde sich auch gegen Hunger und Armut in der Dritten Welt, gegen die Rodung der Regenwälder oder gegen die Verwüstung der Ozeane durch die industrielle Fischerei zur Wehr setzen können. Und dabei Erfolg hätten.
Nichts ist unmöglich, auch wenn Toyota grad mit Rückrufaktionen beschäftigt ist. Denkt mal drüber nach.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
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