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Archiv für November, 2009

Klimawandel fällt aus!

Geschrieben von Johannis am 15. November 2009 um 14:42 Uhr

Gute Nachricht am Volkstrauertag: Wahrscheinlich unter dem Eindruck der Schneekatastrophe in China haben die Verantwortlichen auf dem APEC-Gipfel in Singapur beschlossen, dass verbindliche Vereinbarungen zum lästigen Thema Erderwärmung überflüssig sind (Info hier). Oberste Priorität hat stattdessen die Steigerung der Produktion von Schafwolle, um die Menschen weltweit und rechtzeitig zum bevorstehenden Beginn der neuen Zwischeneiszeit mit Handschuhen, Schals und anderen Strickwaren versorgen zu können. Darüber wird im Dezember in Kopenhagen beraten.

Tipps für nächste Woche: Winterreifen montieren lassen und Schneeketten bereitlegen. Kaminholz ist noch ausreichend im Handel, Engpässe bei Glühwein, Streusalz und stabilen Schneeschiebern sind allerdings bereits absehbar. Warme Gedanken helfen. Nicht vergessen: Volkshochschulkurs „Eisangeln auf dem Rhein“ belegen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Radikal vernünftig

Geschrieben von Johannis am 14. November 2009 um 13:36 Uhr

Meine ständigen Gebete, es möge weltweit Hirn vom Himmel regnen, wurden offenbar erhört. Gut, die göttliche Erleuchtung widerfuhr leider nicht dem gesamten Menschenschlecht, aber zumindest der Plesmanweg in Den Haag verzeichnete deutlich erhöhte Niederschlagsmengen. Dort residiert das Ministerie van Verkeer en Waterstaat, welches nun radikale Veränderungen bei der holländischen KFZ-Steuer verkündete.

Unsere deichbauenden Nachbarn im Westen sind Resteuropa nicht nur in puncto Kifferfreundlichkeit um Jahrzehnte voraus, sondern bald auch auf den Straßen. Leider erst ab 2012, denn dann wird die Kraftfahrzeugsteuer nach Fahrtstrecke erhoben. Bravo! Zu Anfang kostet es mindestens 3 Cent pro Kilometer, das wird aber auf gut das Doppelte steigen. Besonders sinnvoll finde ich die Strafzuschläge für Spritfresser und schwere Kisten. Im Moment sorgen die Besitzer dicker Limousinen und aufgemotzter Geländewagen neben viel Abgas vor allem für einen hohen Fremdschämfaktor und zeigen außer Chrom, Doppelauspuff und Breitreifen höchstens, dass sie zuviel Kohle und zuwenig gesunden Menschenverstand haben. Doch bald werden gebrauchte SUVs wohl unverkäuflich sein, zumindest in Holland.

Aber man kann bei einem BMW X5, Audi Q7, Porsche Cayenne, VW Touareg oder wie sie alle heißen, immer noch das Dach abflexen, den Innenraum mit Blumenerde auffüllen und Stiefmütterchen reinpflanzen. Oder Tulpen. Sieht schön aus und reduziert die CO²-Belastung.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Servicepoint für Selbstmörder

Geschrieben von Johannis am 13. November 2009 um 14:14 Uhr

In den Chor der Betroffenheit anlässlich des Freitodes von Robert Enke mischen sich nur vereinzelt kritische Töne. Eine WDR-Hörerin sagte am Donnerstag, es sei doch ganz schön egoistisch, sich vor einen Zug zu schmeißen und dabei einem nichtsahnenden Lokführer ein Trauma zu verpassen. Stimmt, aber so denkt der Sterbewillige wohl eher selten. Und wenn doch, dann fehlen ihm Alternativen. Nicht jeder potentielle Selbstmörder hat schließlich Zeit und Lust, sich erst beim örtlichen Schützenverein anzumelden und das Schießen zu erlernen, um dann Monate später eine Pistole nach Hause zu schmuggeln und sich wegen der unappetitlichen Blutflecken entsorgungsfreundlich in seiner leeren Badewanne zu erschießen. Manch einer entdeckt – bewaffnet und mit Munition versorgt – womöglich kurz vor Schluss noch den Amokläufer in sich, und das ist weiß Gott nicht wünschenswert.

Da ich bekanntlich stets praktisch denke und immer einen Lösungsvorschlag im Ärmel habe, kommt hier eine hilfreiche Idee. Analog zur Babyklappe, in der man unerwünschte Säuglinge verklappen kann, sollten Suizidcontainer aufgestellt werden. Am besten bundesweit, Tag und Nacht geöffnet, fensterlos und vandalismussicher. Wie diese automatischen Hightech-Toiletten, nur eben für den allerletzten Gang, wenn man aufs Leben scheißen will. Gegen eine kleine Reinigungsgebühr können sich Selbstmörder dort unbehelligt um die Ecke bringen und sogar zwischen verschiedenen Todesarten wählen. Beispielsweise Bolzenschuss in der ergonomisch geformten Stirnablagemulde, Kohlenmonoxidvergiftung mit anschließender Stoßlüftung des Containers oder die Einnahme eines tödlichen Barbituratcocktails in den Geschmacksrichtungen Tropischer Frühling Maracuja oder Festlicher Advent mit Zimtaroma.

Man hat eine Stunde Zeit zum finalen Abtritt, währenddessen draußen über der Tür eine rote LED-Anzeige die Minuten runterzählt. Dadurch sollen unnötig lange Warteschlangen vermieden werden, schließlich gehören schwere Depressionen zu den Volkskrankheiten. Ich weiß übrigens auch diesmal, wovon ich rede und habe vorgesorgt. Falls dieser nützliche Vorschlag nicht verwirklicht wird und es am Tage X immer noch keine Suizidcontainer gibt, liegt meine persönliche Exit-Strategie bereits griffbereit in der Schublade. Deprimierend genug für dumme Gedanken ist diese Zeit allemal.

Doch zurück zum innovativen Service-Point. Die neuartigen Container sollten möglichst direkt an fortschrittliche Beerdigungsinstitute angegliedert werden, die dann alle Kosten des laufenden Betriebs übernehmen, dafür aber auch die Vorteile des umsatzförderlichen Neukundengeschäfts verbuchen dürfen. Ich denke mir das Ganze als eine Mischung aus münzbetriebenem Toilettenhäuschen und automatisierter Fixerstube, nur eben für den goldenen Schuss. Vielleicht mit Musik und indirekter Beleuchtung. Bitte nicht alles mit Edelstahl ausgekleidet, das wirkt so kalt, lieber friedliche Pastelltöne. Solche Suizidcontainer wären eine rundum praktische Lösung und würden nebenbei noch lästige Verspätungen im Zugverkehr vermeiden helfen. Als Name schwebt mir Last Exit vor, aber vielleicht hat jemand eine bessere Idee?

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Muss man Muslime mögen?

Geschrieben von Johannis am 12. November 2009 um 12:55 Uhr

Ich will jetzt keine Fatwa gegen mich herbeischreiben, um die Leserzahlen nach oben zu drücken, aber ein paar kritische Zeilen müssen sein. Allenthalben wird das Urteil gegen den Mörder von Marwa el-Scherbini diskutiert, so auch hier. Das Urteil ist völlig okay. Punkt. Nicht okay fand ich aber den Kommentar von Esther Saoub heute früh bei Funkhaus Europa. Das ist ein Spartensender des WDR, der sich gern durch positive Verklärung des Migrantentums hervortut und gelegentlich den Anschein erweckt, als seien mangelnde Sprachkenntnisse, das Tragen eines Kopftuchs oder ein ausländischer Pass bereits Grund genug für umfassende Sonderrechte und einen Toleranzbonus.

Esther Saoub studierte Islamwissenschaft, Literaturwissenschaft und Judaistik, spricht fließend Arabisch und ist ARD-Hörfunkkorrespondentin in Kairo. In ihrem Kommentar (der laut Nachfrage bei der Hotline von Funkhaus Europa weder als Text noch als Podcast verfügbar ist) beklagte sie vor allem den Einbau einer Panzerglasscheibe zum Schutz des Angeklagten sowie die Anwesenheit von 200 Polizisten. Den Aufruf von Sheikh Ihab Adli Abu al-Majid zum Mord an Alex W. verwies sie ins Reich der Fabel und beendete ihr emotionales Statement mit dem Satz: „Wer sich in Deutschland negativ über Kopftücher und Minarette äußert, muss damit rechnen, dass darauf Taten folgen.“ Das ist eine unverhüllte Drohung.

Und genau diese Tonart ist es, die antiislamische Ressentiments schürt. Der Islam gehört zu den fünf Weltreligionen und ist damit nicht wichtiger oder überflüssiger als jeder andere Glaube. Muslime sind nicht automatisch Islamisten, aber leider werden im Namen Allahs jeden Tag Menschen erschossen oder in Stücke gesprengt. Der Islam tut sich durch eine radikale Frauenfeindlichkeit hervor und hält an barbarischen Sitten fest, die in anderen Kulturen spätestens im Mittelalter aus der Mode gekommen sind. Zum Beispiel wenn eine kranke Afghanin nach ärztlicher Behandlung im Bundeswehrcamp von Masar-i-Scharif von zwei Soldaten in ihr Dorf zurückgebracht wird, und man die Frau dort steinigt, weil sie sich in die Hände fremder Männer begeben hat. (DIE ZEIT, 46-2009)

In den späten Siebzigern führten mich zwei ausgedehnte Reisen nach Marokko. Ich war jung und naiv, glaubte an das Gute im Menschen. Das war dumm. Nirgendwo sonst bin ich – damals und auch später – mit mehr Verachtung behandelt worden als in arabischen Ländern. Einfach nur, weil ich ein Ungläubiger und damit in den Augen vieler Muslime ein wertloser Mensch bin. In Marokko wurde ich ständig betrogen und beklaut, auf der zweiten Reise brach man unser Auto sechsmal auf und meine Freundin entging mit knapper Not einer Vergewaltigung durch junge Araber. In kaum einem anderen Kulturkreis gibt es diese Arroganz und Geringschätzung für Andersgläubige, nur bei Muslimen. Ist es ein verborgener Minderwertigkeitskomplex oder schlichte Überheblichkeit? Beides?

Das störrische Beharren auf sichtbaren Symbolen ihres Glaubens macht Muslime nicht eben sympathischer. Glauben ist Privatsache – ich laufe auch nicht durch die Stadt mit einem Schild vor dem Bauch, auf dem „Religion ist Wahnsinn“ steht. Es geht niemanden etwas an, ob und wenn woran ich glaube, und sei es der fliegende Riesenkürbis oder die bevorstehende Rettung der Menschheit durch ein sprechendes rosa Kaninchen. Sehe ich auf der Straße deutsche Konvertiten und ihre islamisierten Kinder, reagiere ich beinahe so fassungslos, als würde sich jemand freiwillig den Arm abhacken und seinen Nachwuchs mit Lepra infizieren. Der Islam ist mit Abstand die unattraktivste der fünf Hauptreligionen und vermarktet sich sehr ungeschickt, aber das ist nicht mein Problem.

Muss man Muslime mögen? Nein. Muss man sie tolerieren? Ja. Aber Verständnis für Andersdenkende fällt deutlich leichter, wenn sie sich selbst vorurteilsfrei verhalten. In diesem Sinne: Toleranz den Toleranten!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Das FC-Bayern-Syndrom

Geschrieben von Johannis am 10. November 2009 um 10:22 Uhr

Die Wahrheit ist kostbar und kann befreien, egal ob man sie hört oder ausspricht. Den Verteidiger mit den schönsten Augenbrauen der Bundesliga hat sie nun von mindestens 50.000 Euro befreit, aber das ist wohl nur ein Wochenlohn. Würde es hier im Blog auch so gehandhabt, wäre ich schon verhungert, aber zum Glück leben Chefredakteur und nichtswürdiger Schreiberling in halbwegs harmonischer Personalunion.

Was wollte ich sagen? Ach ja. Fünf bittere Wochen liegen hinter uns dusseligen SPD-Wählern, in denen aus Schockstarre erst verstörtes Wundenlecken und schließlich der kollektive Erklärungsversuch wurde. Etliche Quadratkilometer allerbesten Zeitungspapiers wurden mit mehr oder weniger schlüssigen Analysen bedruckt, um zu erklären, warum gut die Hälfte jener 20,2 Millionen Menschen, die 1998 für Schröder und die Sozis stimmten, nun stattdessen das Doppelpack Angie & Guido wählten. Es bleibt komplett unerklärlich, aber wenigstens das allgemeine Grundgefühl hat sich geändert.

In der großen Koalition musst man sich für jeden Dreck mitschämen, jetzt stehe ich empört auf der richtigen Seite. Machtlos, selbstgerecht und mental in der Opposition. Händereibend warte ich darauf, dass die Guidonisten in Heulen und Zähneklappern ausbrechen, wenn sie endlich merken, woran sie mit der neuen Regierung sind und die flinken Finger der Steuerversenker schmerzhaft in ihren Taschen spüren. Zumindest das untere Gesellschaftsdrittel wird bluten und sich schon bald verzweifelt sie Haare raufen, aber viele wollten es offenbar nicht anders. Doch zurück zum fast vergessenen Wahlausgang.

Schuld sind die Prognosen, die ewige allwöchentliche Sonntagsfragerei. Wieso? Weil der Durchschnittswähler sich in puncto Verlässlichkeit und Rückgratschwäche chamäleongleich den Volksvertretern angepasst hat. Er ist charakterlich eine Mischung aus FC-Bayern-Fan und Insasse eines Big-Brother-Camps. Dieses Land leidet unter der Diktatur von Millionen drittklassigen Dieter-Bohlen-Klons und Typen, deren Intelligenz gerade zur Abstimmung in der Endrunde einer DSDS-Staffel ausreicht. Papier nehmen die doch nur in die Hand, wenn es dreilagig und perforiert ist oder vorne BILD draufsteht. Die wenigsten Leute wählen aus Überzeugung oder unter Einfluss einer nachweisbaren Dosis von Sachverstand, das Hauptmotiv für die lumpigen Bleistiftkreuze im Wahllokal ist nur ein Wunsch: Man will auf jeden Fall zu den Gewinnern zählen. Egal, wie beschissen jemand singt/tanzt/aussieht/Politik macht – I vote for the winner! Sogar wenn’s die FDP ist – man will unbedingt dazugehören.

Weil sie sich gern als Sieger fühlen wollen und der FC eben leider viel zu oft Meister wird, laufen in der ganzen Bundesrepublik Leute in überteuerten Fan-Trikots der Bayernkicker rum, ein Verein, für den anständige und intelligente Leute nur Verachtung empfinden können. Menschen mit schwachem Selbstwert wollen auf keinen Fall einer Minderheit angehören, schon gar nicht zu den Verlierern. Oder zu denen, die Verlierer gewählt haben. Amazon verkauft tonnenweise Zeug nur deshalb, weil sie immer die Empfehlung „Wird oft zusammen gekauft mit:“ einblenden. Börsencrash, Markenhype, Gruppensuizid und Wahlsieg sind Massenphänomene, getragen von Menschen, die keine Chance verpassen und unbedingt auf der richtigen Seite stehen wollen.

Wenn Wahlprognosen zukünftig verboten werden, garantiere ich, dass die Wahlbeteiligung unter 50 % sinkt. Weil die Leute schlicht überfordert sind. Weil sie plötzlich selbst entscheiden müssen und nicht mehr abschätzen können, wer denn wohl gewinnt. Weil ihnen niemand sagt, was sie kaufen sollen. Dafür sind die Ergebnisse dann ausgewogener, was der SPD aber kaum helfen wird. Trotzdem sollte man es mal ausprobieren, meinetwegen im Mai bei der Landtagswahl hier in NRW.

Ansonsten stehen die Chancen der Bayern auf einen Titelgewinn glücklicherweise ziemlich schlecht. Möge dem so bleiben. Nach dem im buddhistischen Königreich Bhutan herrschenden Prinzip des Bruttosozialglücks ist alles gut, solange die Bayern verlieren. Selbst als Bochumer wird man nach dem Abstieg in die 2. Liga noch etwas Trost finden, solange der FC oft genug verliert und auf die Meisterschale verzichten muss. Niedere Instinkte, allzu menschlich. So wie ich mich über jeden Patzer von Brüderle, Niebel und den anderen pseudoliberalen Knallchargen freue. Bin eben auch nur ein Mensch.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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