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Archiv für November, 2009

Ach Gottchen

Geschrieben von Johannis am 22. November 2009 um 11:07 Uhr

Brutalstmögliche Attacke einer weltumspannenden Bande von skrupellosen Kriminellen auf zentrale Werte des Abendlandes und die letzte Bastion von Fairness und aufrechter Männlichkeit – den Fußball. Ein Tsunami der Empörung schwappt durch alle Kanäle, überall in Europa gellen entrüstete Rufe nach hartem Durchgreifen, Null Toleranz und moralischer Erneuerung. Recht so, denn schließlich wurden im letzten Jahr europaweit rund 200 Spiele in allen Ligen und Lagen verkauft, verkungelt und verschoben. Skandalös, deshalb ermittelt die Bochumer Staatsanwaltschaft gegen mehr als hundert Verdächtige und beziffert den Schaden auf zehn Millionen Euro.

Stopp! Haben wir keine anderen Themen? Läppische zehn Millionen Euro, erzielt durch Wettbetrug bei Drittligakicks, ausgezahlt von Buchmachern zwischen Hongkong, Helsinki und Honolulu. Organisiertes Verbrechen, Teufel und Beelzebub, wehret den Anfängen! Leute, das ist doch Kinderkacke – Siemens allein hatte 1,4 Milliarden in den schwarzen Schmiergeldkassen. Die Mafiaclans der Cosa Nostra, Camorra, ‘ndrangheta und Sacra Corona Unita erwirtschaften gemeinsam etwa 90 Milliarden Euro. Nur in Italien und jedes Jahr, das sind 7% des italienischen Bruttosozialprodukts. Gibt es deswegen Aufruhr und Entrüstung? Fehlanzeige. Die popeligen Wettbetrugserlöse sind gegen den Umsatz der Mafia noch nicht mal Peanuts, selbst Pinienkerne sind im Vergleich zu groß.

Diese alberne Hatz auf die Hoyzers und Konsorten wird nur deshalb mit soviel Energie betrieben, weil drittklassige kroatische Wettschieber nicht dazu neigen, neugierige Staatsanwälte mit Sprengstoff und gezielten Kopfschüssen in ihrem Arbeitseifer zu bremsen, wie es in Italien Brauch ist. Hallo Deutschland, bitte aufwachen: Sport ist ein Geschäft, genauso wie Waffen-, Menschen- und Drogenhandel. Geld regiert die Welt, und das nicht nur auf der Tour de France.

Der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball je gegeben hat, ist eine Banalität, verglichen mit den Verbrechen, die tagtäglich und vor unseren Augen geschehen. Zum Beispiel die beschämend-lachhafte Ergebnislosigkeit der Welternährungskonferenz von Rom vergangene Woche. Kein europäischer Staatschef war dort, wenn man von Gastgeber Berlusconi absieht, und der wollte nur ein Gerichtsverfahren schwänzen. Drei Tage teures Gelaber und als Resultat werden über eine Milliarde Menschen auch zukünftig Hunger leiden und schlimmstenfalls dran krepieren. Oder die verlogene Untätigkeit beim Klimaschutz, wo die Verantwortlichen schon Wochen vor Kopenhagen die Schwänze einkneifen. Das sind Verbrechen, über die man sich zu recht empörend könnte. Aber der Wettskandal? Pipifax, heiße Luft, lächerliche Kleinigkeiten. Künstlich aufgebauscht, medienwirksam ausgeschlachtet und ruckzuck wieder vergessen. Dreck.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Neonazis terrorisieren Dortmund – Polizei kuckt weg

Geschrieben von Johannis am 20. November 2009 um 16:51 Uhr

Dorstfeld ist ein Stadtteil, wo man nicht tot auf dem Zaun hängen möchte. Graue Häuser, grauer Himmel und an jeder dritten Ecke trifft man auf grauenhafte Schwachköppe, die unter ihren Glatzen nicht etwa graue, sondern nur kackbraune Masse spazieren tragen. Die Jungs und Mädels mit ihren Lonsdale-Jacken und dem schwarzen Einheitsoutfit haben Dortmund-Dorstfeld zur National Befreiten Zone erklärt und tyrannisieren systematisch all jene, die genügend Zivilcourage haben, um den rechten Terror nicht einfach zu schlucken und sich wegzuducken.

Die Monitor-Sendung von gestern berichtet anschaulich über die völkischen Umtriebe, Einschüchterungskampagnen und Hetzjagden der Neofaschisten, und belegt dabei die bizarre Toleranz der hiesigen Polizei. Von wegen Freund und Helfer, zumindest nicht für Linke und mutige Antifaschisten. Sehenswerter Beitrag, abrufbar hier in der ARD-Mediathek (Nazis ab 12:20 Minuten, vorher z.B. Schweinegrippenentwarnung).

Jetzt verstehe ich endlich die seltsam-fürsorgliche Haltung der Polizeikräfte am 5. September bei einer Großkundgebung der Nazis (ich berichtete). Damals wurde vor allem dafür gesorgt, dass die Faschisten unbehelligt dumpfe Parolen brüllen und ihr braunes Hirnlosentum pflegen konnten, und sich dabei wie Promis mit Personenschutz fühlen durften. Nur mit äußerster Hartnäckigkeit gelang es mir überhaupt, durch etliche Polizeiketten bis zum Veranstaltungsort vorzudringen und einige Fotos zu schießen. Das uniformierte Aufgebot war offenbar eine Maßnahme zum Schutze bedrohter Minderheiten, und da es genug Linke gibt, braucht man die in Dorstfeld nun auch nicht zu schützen.

Aus dem Monitor-Beitrag erfuhr ich, dass die Nationalidioten ihren Kritikern gern mal einen nächtlichen Backsteingruß zukommen lassen. Nun möchte ich aber nicht, dass der Ziegel beim netten Nachbarn durch die Scheibe knallt, und habe mich daher für ein paar sachdienliche Hinweise entschieden. Weil ich immer gern helfe, aber natürlich auch, weil sich völkische Gesinnung und überdurchschnittliche Intelligenz zueinander ungefähr so verhalten wie Schelfeisvorkommen und die Zentralsahara. Darum liefere ich neben einem Bild der Zielgruppe noch zwei herbstlich-bunte Fotos (aufgenommen aus meinen Schlafzimmer), mithilfe derer es ein Kinderspiel sein müsste, das richtige Fenster zu lokalisieren. Geradeaus hab ich den Blick auf den aus diesem Beitrag bereits berühmten Ahorn, und nach Südwesten genieße ich eine Aussicht wie auf dem dritten Bild. Draufklicken hilft.

Das sind hoffentlich genug Tipps sein, schließlich können die Glatzen sich nicht darauf verlassen, dass die Dortmunder Polizei ihnen auch außerhalb der National Befreiten Zone beim Zurechtfinden hilft. Obwohl, wer weiß, Polizisten sind ja meist nett zu Behinderten. Und Blätter bleiben auch nicht ewig an den Bäumen, das kann dann schon verwirren. Unser Polizeipräsident wirkt in dem Interview übrigens so, als würde er irgendetwas rechts von der CDU wählen. Vielleicht sympathisiert er mit den Glatzen und lässt seine Beamten in Dorstfeld deshalb Daumen drehen. Manche Leute finden Braun ja chic, besonders wenn sie das ganze Jahr auf grüne Uniformen kucken müssen.

So, genug für heute, wenn der Backstein kommt, erfahrt ihr es zuerst.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Das Universum antwortet nicht

Geschrieben von Johannis am 19. November 2009 um 09:31 Uhr

Leute verarschen ist okay, solange es mit Stil betrieben wird und die Zielgruppe nicht absolut schmerzfrei ist. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass sich der Intelligenzquotient des durchschnittlichen Internetusers rechnerisch im freien Fall befindet? Erst einhundertsiebenundvierzigmal? Na gut, dann kommt’s ja wohl auf einmal mehr nicht an. Also: Die Leute verblöden rapide, was wohl auch daran liegt, dass heutzutage jeder Dussel einen Computer hat und mit drei Klicks im Netz rumlungern kann.

Du glaubst mir nicht und findest meine Sichtweise menschenverachtend? Dann besuche bitte www.sheng-fui und schau dir den Beitrag „Bestellungen beim Universum aufgeben“ an. Im Grunde müsste bereits beim Namen des Leitmediums für Esoterikbespöttelung auffallen, dass hier Feng Shui schlitzäugig durch den Kakao gezogen wird, jene asiatische Methode zur architektonischen Drachenzähmung und esoterisch korrekten Kellerentrümpelung. Aber der surfende Mensch ist immer in Eile und ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Oder waren es hunderttausend? Egal.

Das Motto von Sheng Fui lautet „Ein erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere“. Da könnte man eigentlich schon stutzig werden, aber nicht jeder kann zwischen Lehre und Leere unterscheiden. Ob der Blogbetreiber wirklich die universelle Wunscherfüllung seiner Besucher im Sinn hat, ist mehr als fraglich, denn es heißt im Beitrag: „Schreiben Sie uns Ihre Wünsche in die Kommentare, wir machen daraus eine kostengünstige Sammelbestellung. Aber spätestens beim flüchtigen Lesen der mittlerweile gut achtzig Kommentare sollten doch ernsthafte Zweifel aufkommen. Man lacht sich entweder schlapp oder vergießt Tränen der Verzweiflung, denn seit August schreiben dort Leute ganz ernsthaft ihre Wünsche und Bestellungen ans Universum auf. Nachfolgend drei repräsentative Beispiele.

Marli schreibt: Ich wünsche mir bis zum 12.09.09 einen positiven Bescheid des hessischen Versorgungsamtes.

Britta wünscht: Liebes Universum, ich bestelle, dass meine Krise (Scheidung) bald vorbei ist, meine Kinder glücklich sind, hauptsächlich bei mir leben und dass der Ehevertrag noch vor Ende 2009 als sittenwidrig erklärt wird. Bitte schenke meiner Familie Glück, Gesundheit Zufriedenheit und finanzielle Sicherheit. Obendrauf bestelle ich einen Job der mir Spaß macht und mich erfüllt. Außerdem bestelle ich für meine Freundin Pina alles Glück der Welt…. DANKE!

Beatrice tippte etwas hastig: Grosses mächtiges unviversum ich wünsche mir von ganzen herzen das mein lebensgefährte und ich bis 1.01.2010 keine schulden und geldsorgen mehr haben werden udn das all unsere momentanen probleme sich somit auflösen werden um wieder glücklich und zufrieden sein zu können um eine familie gründen zu können. Und ich wünsche mir für meinen freund einen sehr gut bezahlten jop mit viel lebensfreude die er dann erhalten soll damit es ihm wieder besser geht und er sich wohl fühlen kann . Ich bedanke mich dieses zu erhalten .

In den Kommentaren finden sich wundervolle Beweise des tiefen Vertrauens in die Allmacht und Großzügigkeit des Universums gleich dutzendweise, wobei gelegentlich auch ein gewisses Perlenschwein auftaucht. Das hat aber nichts zu bedeuten und vor allem keine abschreckende Wirkung auf die Besteller. So oder so wird der Beitrag von Lorenz Meyer – den ich entgegen anderslautenden und manchmal recht hartnäckigen Gerüchten durchaus schätze –  den Umsatz des Buches „Reklamationen beim Universum“ garantiert kräftig steigern. Der Glaube stirbt zuletzt. Oder war’s die Hoffnung? Auch egal.

Übrigens, mein Liebling unter den Wünschdirwasträumern ist ganz klar der Artur. Bei Kommentar 37 steigt er ein und lässt bis Nr. 84 nicht wieder los. Selig sind die geistig Armen, aber bei manchen besteht offenbar der Verdacht auf drohende Mentalinsolvenz. Die lässt sich allerdings, anders als bei der Privatpleite, nicht durch sechs Jahre gute Führung überwinden.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Herzlichen Dank an den Amokläufer von Winnenden

Geschrieben von Johannis am 17. November 2009 um 15:29 Uhr

Ist zwar ’ne fiese Überschrift, aber beim Kampf um neue Leser ist mir jedes Mittel recht. Und weil das freche Perlenschwein in Windeseile die Schwelle zum zweihundertsten Twitter-Follower übersprungen hat, und vor Winnenden keine Sau wusste, was Twitter eigentlich ist, kommt heute diese etwas zusammengewürgte Kausalkette nebst meinem Dank an einen Toten. Punkt.

Ach ja, und natürlich mein ergebenster Dank an all die klugen, toleranten und geistvollen Menschen, die diesen Blog lesen und bei @Perlenschwein verfolgen, was ich wieder für Verbalsauereien verzapft habe. Bis zum 500sten Follower ist es nun nur noch ein KatzenSchweinesprung.

Euphorische Grüße vom Scheffredacktör.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Deutschland komplett unterwandert

Geschrieben von Johannis am 17. November 2009 um 11:57 Uhr

Das Wort Schläfer hat spätestens seit dem 11. September 2001 den bösen Beiklang von Terrorzelle. Es ruft schmerzliche Bilder der brennenden Türme des World Trade Centers ins Gedächtnis und erinnert an arabische Studenten in Hamburg-Harburg, an mehr oder weniger begabte Bombenbastler im Sauerland und letzte Videobotschaften für ferne Mütter, aufgezeichnet unterwegs zu den sprichwörtlichen Jungfrauen im Paradies, Abteilung für pflichtbewusste Märtyrer.

Umso überraschter war ich gestern bei einem lang aufgeschobenen Besuch im gelbblauen Möbelhaus der flachen Pakete. In der Abteilung für Bettwäsche, Kissen und Decken stolperte ich andauernd über Schläfer, zum Glück nur im übertragenen Sinne. Es gibt bei IKEA nämlich Kopfkissen für Bauchschläfer und Rückenschläfer, wie ich auf großen Plakaten las. Randgruppen werden leider auch im Reich von Knut und Köttbullar diskriminiert, denn für Seitlagenschläfer wie mich gibt es keine speziellen Kissen. Mist. Ich probiere jetzt ein Rückenschläferkissen, und gebe es zur Not zurück. Drei Monate Rückgaberecht, gilt hoffentlich auch für Horizontalkopfstützen. Was empfiehlt der Elch eigentlich, wenn man seine Schlafgewohnheiten ändert, zum Beispiel nach Einzug eines schnarchenden Lovers, bei akutem Bandscheibenvorfall oder wegen eines fiesen Sonnenbrands? Kissen wegschmeißen? Hab leider vergessen, eine der freundlich-fachkundigen Möbelhaushostessen zu diesem Thema zu befragen.

Wie lange ich schon nicht mehr zwischen Vänna, Stolmen und Vika Tore shoppen war, fiel mir auf, als ich vor einer der Selbstbedienungsscannerkassen stand (bis 15 Teile, Zahlen nur mit EC-Karte). Selberscannen war mir dann aber zu modern und ich bin wieder zurück in die Schlange für altmodische und faule Kunden. Dort stand ich hinter zwei Frauen, die mir schon unterwegs in der Markthalle durch ihre prall gefüllten Einkaufswagen und ein irres Glitzern in den Augen aufgefallen waren, so eine Art manischer Elsternblick. Als sie bei den Handtüchern stöberten, belauschte ich diesen Kurzdialog: „Kuck mal!“ „Brauchst du die?“ „Nöh. Sind aber billig.“ Ende, aus und eingepackt.

Zum Glück handelt es sich bei den meisten Schläfern in dieser Republik nur um Konsumterroristen

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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