Zurueck
Start Mensch Buch Prosa Bilder Lyrik Blog Mehr
Vorwaerts
Deko Blog


Plakat




Tacky's Support

Archiv für September, 2009

Reflexhafter Blackout

Geschrieben von Johannis am 16. September 2009 um 14:53 Uhr

Erneut wurde in München ein Mann von Jugendlichen totgeprügelt, diesmal auf dem Bahnsteig der S-Bahn. Einer der Täter hat sich flink bei der Familie des Opfers entschuldigt. Dass der Mann stirbt, das hätte er nicht gewollt. Wahrscheinlich sollte der nur ins Wachkoma getreten werden oder mit einem vierfachen Schädelbasisbruch glimpflich davonkommen. Der Siebzehnjährige machte einen Blackout gelten. Helmut Kohl sei Dank.

Dessen Parteifreunde kaufen jetzt tubenweise Brandsalbe, weil sie vor lauter Händereiben Blasen an ihren schmierigen Flossen haben. Wahlkampftechnisch hätte es für sie kaum besser laufen können. Endlich ein Thema, das sie populistisch ausschlachten können und über dem die dämlichen Wähler unseren unfähigen Verteidigungsminister, das gefälschte Gutachten fürs Endlager Gorleben, die krisenhaft verplemperten Milliarden und alle andere Skandale vergessen.

Nun schreien die Konservativen wieder aus vollem Hals nach schärferem Jugendstrafrecht, Höchststrafe mindestens 15 Jahre. Warum eigentlich nicht mehr? Oder gleich die Sharia, das gute islamische Recht. Strafandrohung hilft garantiert gegen Blackouts, da zuckt dem blutrauschgetriebenen Rüpel vor dem finalen Tötungskick folgender Gedanke durchs Resthirn: „Oh Mann, für Totschlag muss ich ja fuffzehn Jahre brummen. Kacke, das is’ echt ’ne lange Zeit. Na gut, lass ich die winselnde Sau eben am Leben.“ Dreht sich um und geht brav nach Hause.

Justizministerium und Richterschaft halten dagegen, die geltenden Gesetze reichten völlig aus. Schließlich weiß jeder, der mehr als die BILD lesen kann, dass Strafen nicht abschrecken, auch die Todesstrafe nicht. Sonst wäre die USA wohl das Land der Gesetzestreuen, anstatt Rekordhalter in Mord und Knastbelegung. Die deutsche Polizei fordert nun flächendeckende Video-Überwachung und mehr uniformierte Gesetzeshüter – Wolfgang Schäuble hat seine Assistentin schon zur Apotheke geschickt. Brandsalbe kaufen.

Ja, wir erleben eine Verrohung ganzer Bevölkerungsschichten. Asoziales und antisoziales Verhalten sind in manchen Kreisen längst die Regel. Wer nicht mitmacht oder womöglich dagegen eintritt, wird aus dem Weg geräumt. Egal ob Konservative, Innenminister oder Polizei – alle doktern nur an den Folgen herum. Keiner hat den Mut, die Ursachen zu benennen, an der Wurzel anzusetzen, es werden nur die immergleichen kosmetischen Lösungen gefordert.

Ursache von Verrohung und Entsolidarisierung sind unter anderem der Medienkonsum. Wer sich bereits als Kind tagtäglich die Darstellungen von Mord und Brutalität als lustige Unterhaltung zu Gemüte führt, wer das Töten dann später stundenlang mit Ballerspielen übt, wird zwangsläufig enthemmt. Er will irgendwann mal wirklich draufhauen, will Macht spüren, echtes Blut sehen – sich nicht immer nur virtuell aufgeilen. Um das zu kapieren, muss man weder Verhaltensforscher sein noch in Sozialwissenschaften promoviert haben. Etwas gesunder Menschenverstand genügt vollkommen.

Dominik Brunner, zufällig genauso alt wie ich, hatte gesunden Menschenverstand und Zivilcourage. Er hat sich ein paar üblen Kerlen in den Weg gestellt, die Kinder erpresst und sie geschlagen haben. Dafür hat er mit dem Leben bezahlt. Das ist tragisch.

Aber noch tragischer ist, dass wir auch in Zukunft ähnliche Gräueltaten erleben werden, dass niemand den Mund aufmacht und fordert, dass wir endlich unsere Lebensweise ändern. Wir pflegen einen Lebensstil, der Erwachsene und Kinder gleichermaßen krank macht. Wir konsumieren ständig Dreck. Wir mästen uns mit Junkfood und anderem Billiggammelzeug, lesen schundige Zeitungen, glotzen stundenlang Verblödungsfernsehen, lieben Horror-, Splatter-, Porno- und andere Ekelfilme und wundern uns am Ende, weshalb Menschen zu Monstern mutieren.

Warum versteht das keiner? Weil wir Ursache und Wirkung nicht zusammenbringen. Weil wir – wenn überhaupt – nur Symptome bekämpfen. Weil wir zu feige sind und den Dingen nicht auf den Grund gehen. Weil wir verblöden.

So, das soll für heute reichen. Ich muss jetzt dringend auf RTL 2 meine Lieblingsnachmittagstalkshow kucken. Bis bald.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »

Populäre Geschmacksverirrungen

Geschrieben von Johannis am 13. September 2009 um 11:27 Uhr

Am Grunde meines boshaften und verbitterten Herzens bin ich naiv. Ja, wirklich. Ich erinnere mich sogar noch vage an die Zeiten, als ich unverbrüchlich an das Gute im Menschen glaubte und dachte, dass wir alle wesensgleich, aufrichtig, liebevoll und treu sind. So wie ich eben. Dabei denke ich an den Sommer 1974, bevor meine erste große Liebe mich ohne Vorankündigung für einen vier Jahre älteren Zeitsoldaten mit rotem Golf GTI in die Wicken schickte. Ich selbst war damals noch per Mofa unterwegs, hatte die gesamten Sommerferien in der niedersächsischen Provinz auf einem Bauernhof geschuftet und war jeden Tag um den Briefkasten geschlichen wie ein Kater um den Milchtopf. Total verknallt.

Zwei dürre Postkarten durfte ich rausfischen, in sechs unendlich langen Wochen. Sie urlaubte mit ihren Eltern auf Rhodos und gestand mir nach der Rückkehr, dass sie dort mit ein oder zwei Typen gevögelt hatte. Oder drei, die genaue Zahl war mir dann aber unwichtig. Ich konnte sowieso nicht glauben, dass sie so eine miese Schlampe war und mich plötzlich nicht mehr wollte. Mein Gefühl für sie überstrahlte alles, wir hatten uns ganz dolle geliebt – wie konnte sie plötzlich so völlig anders fühlen? Absolut unerklärlich. Es dauerte etwa zwei Jahre, bis ich mich von diesem Schicksalsschlag erholte und langsam wieder Interesse am weiblichen Geschlecht fand.

Soweit der Abschnitt für unnötige Bekenntnisse. Jetzt muss ich die Kurve zur aktuellen Politik und den bevorstehenden Wahlen kriegen. Das wird etwas knirschen, aber sei’s drum. Jeder hat wohl schon mal erlebt, dass Leute Dinge zu sich nehmen, die unappetitlich oder richtig widerlich sind. Und sich gewundert, womöglich fassungslos zugeschaut und es nicht verstehen können. Wie ich damals meine treulose Flamme nicht verstehen konnte. Rohe Austern, Weinbergschnecken, Käsebrot mit Honig oder Marmelade sowie Brötchen mit dick Schweinemett und reichlich gehackten Zwiebeln sind wenig spektakulär. Weizenbier mit Bananensaft oder alter Harzer, stinkig wie eine tote Katze nach drei Wochen im verriegelten Gartenhäuschen, kommen der allgemeinen Geschmackstoleranzgrenze schon etwas näher. Geröstete Schafsaugen, chinesisches Ragout aus dreierlei Schlangen, rosig gebratenen Stierhoden oder fingerdicke lebendige Insektenlarven sind eindeutig nicht jedermanns Sache und höchstens als regionale Spezialität vertretbar.

Aber was würden wir über einen Menschen sagen, der mit Bäckertüte und Besteck durch den Stadtpark streift, sich hier und dort wie ein Pilzsammler bückt, etwas frischen Hundekot aufs knusprige Brötchen schmiert und es dann mit großem Behagen verzehrt? Grässlich, abartig, voll daneben, pervers oder Vergleichbares. Nein, ich werbe nicht für Koprophagie. Wann denn nun die Kurve zur aktuellen Politik kommt? Jetzt.

In zwei Wochen traben wir – falls wir es nicht vorziehen, zuhause auf dem Sofa zu bleiben und dieses Land ohne unsere Zustimmung vor die Hunde gehen zu lassen – wieder ins Wahllokal, studieren dort die dürftige Speisekarte und werden uns zähneknirschend etwas aussuchen. Dieses Lokal hat nur ein virtuelles Buffet, wo das Volk sich eine Suppe einbrockt, die dann mindestens vier Jahre ausgelöffelt werden muss. Soweit nichts Neues.

Dann stehe auch ich in der Kabine und denke wieder mal mit Grausen an jene Mitmenschen, die irgendetwas rechts von der SPD wählen. Womöglich FDP, CSU oder gar die NPD. Und kapiere es nicht. Kann auch jene fünfzig Millionen Amerikaner nicht verstehen, die immer wieder für die Republikaner stimmen, oder Leute, die vehement gegen eine Krankenversicherung für alle Bürger protestieren. Gut, links sein allein ist keine Lösung. Aber rechts sein ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Rechte, das sind Leute, die immer wieder dieselben falschen Ideen haben und ständig auf der verkehrten Seite stehen. Rechts wählen bedeutet mehr Ungleichheit und weniger Gerechtigkeit, man ist prinzipiell für Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Umweltschutz und für Atomkraft, für mehr Unternehmensprofite und gegen die Vermögenssteuer, für dreist gefälschte Gorleben-Gutachten und gegen die Herausgabe von Verfassungsschutzakten an die Staatsanwaltschaft. Aktuell genug?

Wie kann man bei Verstand sein und so etwas wollen? Entspricht das nicht einem Menü, bei dem Pumpernickel mit Hundekacke als Vorspeise, dann ausgerupfte Babyfledermausflügel geschmort in sauer vergorener Eselsmilch und als Dessert kandiertes Spatzenhirn an einer Soße aus Fußschweiß und Menstruationsblut serviert werden? Ich finde schon.

Mahlzeit!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 9 Kommentare »

Freemium

Geschrieben von Johannis am 11. September 2009 um 14:45 Uhr

Das Ohr immer am Puls der Zeit habe ich eine minimale Veränderung für diesen Blog eingeführt. Ab sofort werden einige Inhalte nur noch gegen Gebühr beziehungsweise bei erwiesener Gegenleistung abrufbar sein. Hintergrund sind die inflationär gestiegenen Besucherzahlen für die alten Beiträge Platonnische Libe, Diagnose: Akute Marlenitis und Marlenitis chronifiziert. Dort tummeln sich die User täglich dutzendweise, verfälschen mir dabei die Statistik und machen sich nicht mal anstandshalber die Mühe, auch einen der neuen und durchaus geistreichen Texte zu lesen.

Deshalb sind diese Beiträge ab sofort nur noch für Menschen lesbar, die entweder per PayPal mindestens zwei Euro an den gemeinnützigen Verein HOPE e.V. spenden oder drei Kommentare nicht unter sechs Zeilen in einem der zehn aktuellen Beiträge verfassen. In ordentlichem Deutsch, korrekter Rechtschreibung und bitte nicht nur Blödsinn. Alles klar? Gut.

Wer gespendet oder brav kommentiert hat, bekommt eine Nachricht an die eigene Mail-Adresse und kann dann den Premium-Bereich mit den meistgesuchten Beiträgen nutzen.

Ansonsten bleibt alles wie gehabt, also free. Ihr dürft aber trotzdem gerne spenden, wenn euch zuviel Geld oder das schlechte Gewissen drückt. Ist ja für einen guten Zweck.

Online-Spenden via Paypal:

PS: Am 06.04.2010 musste die Premium-Lounge leider unwiderruflich geschlossen werden, weil sich Bezahl-Content im Moment nur schwer durchsetzen lässt. Auch wegen der blöden Wirtschaftskrise. Sorry.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »

Gebt mir die Spritze!

Geschrieben von Johannis am 10. September 2009 um 20:27 Uhr

Knapp drei Wochen bevor die Rheinländische Näselkönigin voraussichtlich für immer von der politischen Bühne abtritt, hat Ulla Schmidt zusammen mit ihren Landesministerkollegen beschlossen, dass unbedingt noch 18 Millionen Impfdosen bestellt werden müssen. Zusätzlich zu den fuffzich Millionen Spritzen, die der Bund bereits geordert hat. Jawoll. Gesamtkosten rund eine Milliarde Euro – die Pharmalobbyisten können den Schampus gar nicht so schnell saufen, wie ihre Auftraggeber die Korken knallen lassen.

Der Deutsche mag den riskanten Lebensstil bekanntlich eher nicht. Er sorgt gründlich vor, wägt alles gern dreifach ab und baut sich im Garten schon mal einen gemütlichen Strahlenschutzbunker. Aber auch dem weltfremdesten Hallo-Herr-Kaiser-Fan mit fünf Risikolebens- und zwei Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen muss klar sein, dass die Schweinegrippe nicht die Neuauflage der mittelalterlichen Pest ist. 68 Millionen Impfungen gegen H1N1 – wer soll sich die denn bitte spritzen lassen? Wo doch mittlerweile amtlich ist, dass die stinknormale Allejahrewiedergrippe deutlich mehr Rotznasenträger tötet als dieser neue Virus. Selbst als noch ansatzweise Schweineinfluenzapanik herrschte, wollten höchstens ein Drittel der Deutschen den rettenden Pieks. Aberwitziger Irrsinn, sauteurer!

Wenn wir mit jedem Risiko so umgehen wollten wie mit der Schweinegrippe, wären Autofahren, ungeschützter Sex mit Zufallsbekanntschaften und Inline-Skating längst verboten. Alles lebensgefährlich! Wann wird eigentlich endlich verboten, dass verantwortungslose und rückgratschwache Politiker jene Kohle verschleudern, die dieses Volk mühsam erwirtschaftet? Wenn es einen Impfstoff gäbe, der ratzfatz den Leuten die Schuppen vor ihren müden Augen weghaut – ich würde sofort für eine Massenimpfung stimmen. Aber bisher gibt es nur eine Verblödungspandemie, die leider auch noch mit Steuergeldern angeheizt wird.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »

Wir sind Amerikaner

Geschrieben von Johannis am 7. September 2009 um 13:44 Uhr

Über die US-Außenpolitik wird gespottet, dass sie für jedes Problem grundsätzlich die optimale Lösung findet – allerdings erst, nachdem sämtliche Alternativen ausprobiert wurden. Mittlerweile kopiert man diese Taktik in vielen anderen Ländern, so auch bei uns.

In der neuzeitlichen Politik gibt es viele verabscheuungswürdige Mechanismen. Dazu gehört auch das zwanghafte Leugnen offenkundiger Wahrheiten, solange kein aktenkundiger Beweis erbracht wurde. Diese hartnäckige Weigerung, der offenkundigen Realität ins Auge zu sehen, nenne ich das Galileo-Syndrom. Verteidigungsminister Jung lebt demzufolge auf einer Scheibe, die unverrückbar mitten im samtschwarzen Weltenraum ruht und hurtig von Sonne, Mond und Sternen umkreist wird.

Sein Mantra lautet: Bisher keine Beweise ziviler Opfer durch das Bombardement beim Dorf Hadschi Amanullah. Als Zweijähriger hielt ich mir die Augen zu und rief „Sucht mich!“. Das war kindisch. Franz Josef Jung, der sich bereits mit seiner störrischen Weigerung, die Vorgänge in Afghanistan beim Namen und einen Krieg zu nennen, lächerlich machte, hat das Vorschulalter anscheinend noch nicht erreicht und verhält sich ebenso kindisch. Man muss nicht einmal die Bilder verletzter Frauen und Kinder aus den Krankenhäusern bei Kundus anschauen, um die Tatsachen zu erkennen – etwas gesunder Menschenverstand reicht vollkommen. Aber den darf ein Politiker im Wahlkampf offenbar nicht einsetzen, oder ist der Mann wirklich so minderbemittelt, wie er tut?

Wenn in einem Dorf irgendwo in der Pampa – und dabei ist es völlig egal, ob in Spanien, Tunesien, Afghanistan oder Nepal – mitten in der Nacht zwei Tanklaster und diverse Begleitfahrzeuge auftauchen, kläffen sofort sämtliche Hunde in heiserem Chor und die ersten Dorfbewohner erwachen aus ihrem leichten Schlaf. Wenn diese Lastwagen sich dann in einem Flussbett festfahren, wenn schwere Dieselmotoren durch die nächtliche Stille dröhnen, wütende Stimmen gellen und schließlich ein paar Männer auftauchen, um einen Traktor auszuleihen, sind in jenem Dorf bis auf ein paar Säuglinge und stocktaube Greise garantiert alle wach. Spätestens nach einer Viertelstunde versammelt sich die halbe Gemeinde am Flussufer, auch wenn es ein Uhr morgens ist, denn in der Pampa gibt es nicht viel Aufregung. Dort passiert selten etwas, da will man eben dabei sein, sogar wenn kein kostenloses Benzin zu ergattern ist.

Wenn dann eine halbe Stunde später Kampfbomber am Nachthimmel erscheinen und ihre tödliche Fracht abwerfen, können die Bomben logischerweise nicht nur die bösen Taliban treffen, dann werden ganz selbstverständlich auch Dorfbewohner getroffen, verletzt, getötet. Das ist normal. Nicht normal ist es, wenn ein Mann im Alter von sechzig Jahren das nicht versteht. Skandalös wird es, wenn dieser Mann auch noch Verteidigungsminister eines Landes ist, das seine Truppen nicht weit von dem bombardierten Dorf stationiert hat. Hohl und verlogen klingen alle Beteuerungen, man würde zivile Opfer – so es sie denn gegeben habe, was aber noch untersucht werden müsse – bedauern und den Familien volle Sympathie zusichern.

Wenn der Einsatz gesunden Menschenverstandes in der Weltpolitik nicht bei Strafe verboten wäre, würde die NATO nicht in Afghanistan kämpfen, dann müssten dort weder Soldaten noch Zivilisten sterben oder mit verbrannter Haut in überfüllten Hospitälern liegen. Ich wiederhole mich ungern (sechster Absatz), aber man muss nur den afghanischen Bauern das Rohopium zu einem fairen Preis abkaufen und so den Taliban den Geldhahn abdrehen. Man könnte, wie es seit Jahrzehnten mit türkischem Opium geschieht, Morphium daraus machen oder es in Gottes Namen eben vernichten, selbst das wäre garantiert billiger als dieser vollkommen idiotische Krieg, den keine Armee der Welt gewinnen kann. Fragt die Russen, die haben es versucht.

Aber weil wir so gern Amerikaner sein wollen, werden wir es weiter mit Waffengewalt versuchen. Und die Erde ist eine Scheibe, um die unsere Sonne fleißig kreist.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 2 Kommentare »