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Archiv für August, 2009

Bombenstimmung am Ballermann

Geschrieben von Johannis am 9. August 2009 um 20:42 Uhr

Ich wette, dass BILD diese Schlagzeile nicht riskiert, auch wenn Kai Diekmann und Konsorten darüber garantiert betrübt sind. Das Leitmedium der gedruckten Geschmacklosigkeiten muss seine Montagsausgabe leider mit einer faderen Headline aufmachen, ich hingegen darf so titeln.

Das Auswärtige Amt weigert sich übrigens weiterhin, die überfällige Reisewarnung auszusprechen, denn dann dürften Mallorca-Touristen geplante Reisen ab sofort kostenlos stornieren. Wahrscheinlich liefen heute in Berlin die Telefone heiß, denn für TUI, Thomas Cook und Co. wäre eine Reisewarnung der Mega-GAU. Fürsorglich raten die Volksbetreuer des Auswärtigen Amts allerdings dazu, jegliche Menschenansammlungen zu meiden. Auf Mallorca ist das bekanntlich kein Problem, ist die Insel doch für ihre kilometerlangen einsamen Strände, das intime Ambiente der lauschigen Tavernen und die kleinen Pensionen bekannt, in denen es erfrischend familiär zugeht. Kein Grund zur Besorgnis also.

Das aktuelle Motto für die schönsten Wochen des Jahres: Wer die Schweinegrippe überlebt, um den kümmert sich die ETA. Darauf trinke ich jetzt erst mal einen Eimer Sangria, selbstverständlich ganz allein.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Satireschutzimpfung

Geschrieben von Johannis am 9. August 2009 um 00:12 Uhr

Es gibt deutlich mehr Gründe gegen das Bloggen als Gründe dafür. Hauptgrund sind die Leser. Erst hat man keine und Frust, weil man von der überragend originellen Qualität seiner eigenen Texte überzeugt ist und absolut nicht versteht, warum die Leute unbedingt das langweilige Zeug der anderen Blogger lesen wollen. Ambitionierte Neulinge strengen sich dann doppelt an, kitzeln für jeden Beitrag die ganze Genialität aus sich heraus und werden weiter konsequent ignoriert. Schließlich haben sie ein bis sieben Schaffenskrisen und beginnen, auf anderen Blogs zu kommentieren, bloß damit sich vielleicht ein paar beschäftigungslose Internet-Junkies aus purer Langeweile zur Novizenseite verklicken. So geht es weltweit vielen Bloggern, sie fluchen vorm Bildschirm auf die Ignoranz der Ignoranten und weinen nachts bittere Tränen in ihre verknautschten Kissen.

Irgendwann geben sie entmutigt auf und suchen sich ein richtiges Hobby. Oder eben nicht. Sturköpfe wie ich halten verbissen durch und haben im zweiten Jahr das unverschämte Glück, dass sich tatsächlich so etwas wie eine Minifangemeinde bildet. Die Statistik verzeichnet täglich ein paar Dutzend Leser und einmal pro Quartal sogar dreistellige Besucherzahlen. 104 zum Beispiel. Hosianna, frohlocket! Damit beginnt das nächste Drama, denn nun tummeln sich häufig die falschen Leute auf der unter Blut, Schweiß und Tränen handgeschmiedeten Webseite. Okay, vielleicht kein Blut. Trotzdem, man produziert an der Zielgruppe vorbei oder die Zielgruppe liest weiterhin unverdrossen am Blog vorbei.

Schönes Beispiel war der letzte Text. Mit etwas gutem Willen hätten durchschnittlich vernunftbegabte Leser erkennen können, dass es sich dabei eindeutig um eine Satire handelt und ich mitnichten ein dumpfer Schwulenhasser bin. Das war aber offenbar zuviel verlangt, wie man am Userhickhack unter diesem (nicht besonders witzigen) Beitrag eines bloggenden Kollegen erkennen kann. Die Kommentare 31 bis 37 befassen sich mit dem Thema: Ist das Satire? Tja, die korrekte Beantwortung dieser Frage überforderte einige Zeitgenossen.

Um ähnlichen Irritationen zukünftig vorzubeugen, werden satirische Texte zukünftig mit diesem deutlichen Warnhinweis versehen, genau wie auf Zigarettenschachteln. Ich hoffe, es hilft.


achtung-satire

 

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Lesbenkids und Schwuchtelblagen

Geschrieben von Johannis am 6. August 2009 um 11:36 Uhr

Tausendstimmig gellt ein Aufschrei durchs Land, christlich-soziale Sittenwächter raufen sich verzweifelt die Haare, während katholisch-konservative Biedermänner wüten, bis ihnen der Geifer auf die prallen Bäuche tropft. Der Grund? Unsere Justizministerin will ein Adoptionsrecht für Lesben und Schwule durchsetzen. Also nicht, dass man seinen schwulen Friseur adoptiert, damit der einem zuhause gratis die Haare machen kann, sondern Homos sollen Kinder adoptieren und dann sogar großziehen dürfen. Dies ist der volle Ernst von Frau Zypries und stinkt doch wohl wahrhaftig zum Himmel!

Als wäre das mit der Homoehe nicht schon empörend genug, nein, nun sollen die Perversen auch noch richtige Familien gründen dürfen. Gut, bei den Ladyloverladies ist das bereits jetzt nicht zuverlässig ausgeschlossen (Stichworte in vitro, künstliche Befruchtung, Samenraub), aber dass zwei verheiratete Männer gemeinsam Kinder erziehen, muss doch nun wirklich nicht sein. Gott, der bekanntlich nur die Ehe zwischen Mann und Frau duldet und den Beischlaf einzig zur Fortpflanzung erfunden hat, macht entweder Urlaub oder ist neuerdings an Demenz erkrankt, denn sonst müsste er Brigitte Zypries mit wohlgezieltem Blitzschlag in ein trauriges Häufchen Asche verwandeln. Schließlich wächst heute schon in jedem tausendsten kinderhaltigen deutschen Haushalt der unschuldige Nachwuchs unter der Fuchtel von Homosexuellen heran – das ist bereits ein volles Promille so genannter Regenbogenfamilien und es sollen noch mehr werden. Unhaltbare Zustände, wehret den Anfängen!

Sollte ich (statt für all meine verzapften Gemeinheiten verdientermaßen auf ewig in der Hölle zu schmoren) durch eine glückliche Fügung wiedergeboren werden, möge dies auf keinen Fall in einem von zwei männlichen Akademikern pingelig aufgeräumten Upperclasshaushalt oder unter den Fittichen von zwei knutschenden kulturschaffenden Kurzhaarfrisurenträgerinnen geschehen. Stattdessen wünsche ich mir eine Reinkarnation in einer bibelfesten oberbayerischen Heterogroßfamilie, wo ich frühzeitig mit dem Konzept der Erbsünde vertraut gemacht und spätestens ab der Erstkommunion regelmäßig vom örtlichen Kirchenpersonal sexuell missbraucht werde. Alternativ ginge auch ein arbeitsloses Alkoholikerpärchen in Mecklenburg-Vorpommern, das mich wegen kleiner Verhaltensauffälligkeiten lebenslang im Hinterzimmer einsperrt oder mich bereits im Kindergartenalter verhungern lässt.

So, das musste nun wirklich mal gesagt werden.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Homo imbecillus

Geschrieben von Johannis am 5. August 2009 um 12:09 Uhr

Manche Dinge schockieren mich derart, das ich etwas Zeit vergehen lassen muss, bevor ich sie hier zur Sprache bringen kann. So zum Beispiel die Sache mit dem sozialen Zwang zur Intimrasur und der sprunghaft zunehmenden Neigung von Mann und Frau, sich auch zwischen den Beinen chirurgisch verschönern zu lassen.

Diese hochinteressante Studie der Uni Leipzig gibt Auskunft über Trends bei Tatoos, Piercings und Körperenthaarung. Obwohl mir altem Sack (Schädelhaar schwindend, Skrotum naturbelassen) kaum jemand Kontakt mit der holden Weiblichkeit zutraut (aktuell leider nicht ganz unberechtigt, das kann aber wieder werden), habe ich nichts gegen enthaarte Achseln und seidenweich epilierte Beine. Auch muss ich meine zarten Lippen auf der Suche nach einer feucht glänzenden Klitoris (wenn es dazu kommt) auch nicht unbedingt in etwas vergraben, was der fusseligen Bärenfellmütze britischer Palastwachen ähnelt. Ich bin also halbwegs fortschrittlich eingestellt, bilde ich mir jedenfalls ein.

Heftiges Unverständnis überkommt mich hingegen, wenn ich lese, dass bereits Dreizehnjährige sich zwischen den Beinen rasieren und der Intimbereich immer mehr zum Gegenstand modischer Gestaltungswut wird. Über zwei Drittel aller Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 25 bekämpfen den Wildwuchs um Pimmel und Möse regelmäßig mit der Klinge. Begriffe wie »Brazilian Hollywood Cut« (Komplettentfernung der Schambehaarung) oder »Brazilian Landing Strip« (Intimfrisur, bei der nur ein schmaler Streifen auf dem Schambein stehen bleibt) sind längst Teil der Alltagskultur, doch mittlerweile wird nicht nur überall gewachst und rasiert, sondern auch tüchtig geschnippelt.

Der Durchschnittsmann macht sich unendlich viele Gedanken über Größe, Form und Krümmungsgrad seines Pimmels, das ist seit Ewigkeiten bekannt. Eine zeitlich oder in Zentimetern messbar verlängerte Erektion zählt oftmals mehr als die Steigerung der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Nun hat dieser zweifelhafte Trend auch das weibliche Geschlecht erreicht. Das Fachmagazin Contraception veröffentlichte im Jahr 2005 eine Studie, für die 9441 Frauen im Alter zwischen 18 und 44 Jahren aus insgesamt 13 Ländern interviewt wurden. 61 Prozent äußerten Bedenken bezüglich des Aussehens und 47 Prozent wegen der Größe der eigenen Vagina (obwohl sie eigentlich ihre Vulva meinten, aber das nur als Randbemerkung).

Im selben Jahr verzeichnete unser schönes Land rund tausend Schamlippenstraffungen, die jährliche Wachstumsrate für diese wichtige Dienstleistung liegt bei etwa 30%. Hier ein Auszug aus dem Repertoire der plastischen Chirurgie für Verschönerungen unterhalb des Bauchnabels: Schamlippenverkleinerung oder -vergrößerung, Absaugen des Fetts am Schamhügel, Reduzierung der Klitorisvorhaut, Kollagenspritzen unter den G-Punkt (wenn der Operateur ihn denn findet) oder gleich eine Scheidenverengung. Männern werden bisher leider nur operative Penisverlängerungen angeboten, da hat die Branche also noch ’ne Menge Spielraum.

Breits im März 2008 ließ ich mich im Beitrag Cremeschnitte und Saftspritze über den Begriff ‚buttercunt’ aus, ohne dabei ernsthaft anzunehmen, dass die Mösenoptik wirklich so große Bedeutung im Leben des modernen Menschen haben könnte. Ungleich mehr irritiert mich nun die Tatsache, dass die Leute immer mehr verblöden und sich offenbar kaum jemand über Größe oder Potenz seines Gehirns zu sorgen scheint. It’s all about sex. Dabei befindet sich die wichtigste erogene Zone jenes Tieres, das bisher noch unter dem Namen Homo sapiens firmiert, zwischen den Ohren. Nein, nicht die Nase.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Kicken für Allah

Geschrieben von Johannis am 3. August 2009 um 17:07 Uhr

Immer wieder fasziniert mich der intellektuelle Scharfblick und das untrügliche Gespür für Zeitgeist, mit denen sich religiöse Menschen jeglicher Couleur für die wirklich relevanten Themen unserer Welt engagieren. Aktuell sind es erboste Muslime, die zu Tausenden gegen den Ruhrgebietsverein FC Schalke 04 ins Feld ziehen. Vollkommen zu Recht empören sie sich, denn im Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ (Text von Hans J. König, in der taufrischen Fassung von 1963) wird unter grober Missachtung des Versmaßes gereimt:

Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußballspielen nichts versteht

Bis zur Fatwa gegen Schalke ist es nun nicht mehr weit, wahrscheinlich sprengen sich fanatische Selbstmordattentäter schon beim ersten Heimspiel der neuen Bundesligasaison auf dem Rasen der Gelsenkirchener Veltins-Arena medienwirksam in blutige Stücke.

Auch deshalb müssen die Geschichtsbücher des Sports schleunigst umgeschrieben werden, denn das populäre Ballspiel ist nicht etwa wie bisher geglaubt im mittelalterlichen England entstanden, sondern bereits 1200 Jahre früher im heutigen Saudi-Arabien. Bei Ausgrabungen nahe Medina wurden kürzlich Steinplatten mit der eingeritzten Vereinschronik des FC Mekka aus dem Jahre 586 gefunden. Sie nennt, wenig überraschend, als Rechtsaußen der B-Jugend einen gewissen Mohammed P. Kulturhistorische Nachforschungen ergaben nun, dass es sich bei dem damals fünfzehnjährigen Stürmer mit hoher Wahrscheinlichkeit um den späteren Religionsstifter handelte.

Ich schlage daher dem FC Schalke 04 nachdrücklich folgende Änderung der dritten Strophe ihres unschönen Vereinsliedes vor:

Mohammed, Mann, der konnte kicken
Und Pässe durch die Wüste schicken.

In der Hoffnung, hiermit für diese Woche meinen Beitrag zum Weltfrieden geleistet zu haben, grüße ich alle Fußballfreunde und natürlich auch jene, denen das Spiel total am Arsch vorbeigeht.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

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