Zurueck
Start Mensch Buch Prosa Bilder Lyrik Blog Mehr
Vorwaerts
Deko Blog

Archiv für August, 2009

Selbstverhindernde Prophezeiung

Geschrieben von Johannis am 30. August 2009 um 18:12 Uhr

Die Kraft menschlicher Gedanken ist unermesslich, insbesondere wenn diese laut ausgesprochen oder irgendwo niedergeschrieben werden. Ließe sich die Mentalenergie bündeln und zum Antrieb von Stromgeneratoren nutzen, könnten sämtliche Atommeiler, Kohlekraftwerke und Gasturbinen abgeschaltet werden. Bald würde keiner mehr über das nervige Wuschwuschwusch von Windkraftanlagen meckern und niemand müsste mehr lästige Vogelkacke von Solarpanelen schrubben – wir würden alle am kollektiven Hirnstrom hängen.

Wahrscheinlich würde es für die deutsche Energieversorgung sogar ausreichen, wenn nur jener Teil der maskulinen Gedankenkraft genutzt wird, der üblicherweise den Ausformungen der weiblichen Physis (speziell die Vorderseite des Oberkörpers) gewidmet wird und auf alkoholische Brauereierzeugnisse sowie Bundesliga und Formel 1 gerichtet ist. Frauen dürften bis zum Abschluss des Pilotprojekts energetisch ungenutzt denken, was sie wollen – vielleicht würde die bessere Hälfte der Menschheit jedoch in ein paar Jahren zur Erzwingung des Weltfriedens herangezogen. Traditionelle Saftläden wie RWE, e.on und Vattenfall sollten sich auf jeden Fall schleunigst ein neues Geschäftsfeld suchen, denn bald ist Schluss mir Braunkohleverstromung und Urangebrutzel.

Welche Beweise ich für meine Mentalkrafttheorie habe? Ganz einfach. Am ersten August sagte ich in diesem Beitrag voraus, dass Michael Schumacher sein geplantes Comeback nicht überleben wird. Obwohl die Anzahl regelmäßiger Leser meines Blogs bekanntermaßen recht überschaubar ist, reichte die Vorhersage aus, um den Rennstar (oder seine Gattin) dahingehend zu beeinflussen, dass Schumis Rückkehr in den hochoktanig-hirnverbrannten Rennzirkus abgesagt wurde. Ganze zehn Tage waren nötig, um Fakten zu schaffen und die Welt des Rennsports zu erschüttern.

Ähnliches will ich jetzt noch einmal versuchen, damit das germanische Volk und unser aller Vaterland vor immensem Schaden bewahrt wird. Ich prophezeie also an dieser Stelle und im weitgehenden Besitz meiner geistigen Kräfte, dass CDU, CSU und FDP die Wahlen zum deutschen Bundestag gewinnen und die nächste Regierung stellen werden. In Summe erringen sie am 27. September exakt 50,4 Prozent aller Stimmen bei einer erschütternd geringen Wahlbeteiligung von bundesweit 61,8 %. Die FDP wird die Ressorts Gesundheit und Finanzen besetzen und den unsympathischsten Außenminister aller Zeiten stellen. Mindestlöhne, soweit bereits beschlossen, werden umgehend abgeschafft, der Spitzensteuersatz wird auf 30% gesenkt und wer nicht privat versichert ist, sollte zukünftig bei ernsthaften Erkrankungen umgehend Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Die wird allerdings kostenfrei sein, für Rentner gibt es beim freiwilligen Abtritt einen Sargzuschuss in Höhe von 1250,- Euro.

So, jetzt heißt es Daumen drücken. Es bleiben uns knapp vier Wochen, aber ich bin zuversichtlich, dass die geballte Kraft destruktiver Gedanken auch diesmal ein Wunder vollbringen und regierungstechnisch das Schlimmste verhindern kann. Leider hab ich im Juli nicht dran gedacht, euch mitzuteilen, dass Athen von Waldbränden eingekreist wird – so hätte viel Kummer vermieden werden können. Man kann sich aber auch nicht um alles kümmern.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 4 Kommentare »

Freude am Scheitern

Geschrieben von Johannis am 27. August 2009 um 20:05 Uhr

Als kleine Aufmunterung für alle, die weiterhin die Sozis wählen wollen oder sogar SPD-Mitglied sind, kommt heute ein witziges Video von Nico Semsrott. Er hat damit vor einigen Wochen den NRD-Comedy-Contest gewonnen, obwohl er das angeblich gar nicht anstrebte. Vielleicht gelingt Münte und den beiden Steinis ja dasselbe, sie müssten bei der Wahl bloß aus ganzem Herzen scheitern wollen und vor allem mit den dicken Sprüchen aufhören. Von wegen Angie kann schon mal die Möbelpacker bestellen, haha! Wie auch immer, die Hoffnung stirbt zuletzt. Obwohl, wenn ich’s recht bedenke liegt sie da schon ganz schön lange ausgestreckt auf dem Rücken, Augen offen, zwinkert nicht. Sieht irgendwie steif aus, und sie riecht ziemlich streng.

 

 

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Kurz & Knapp | Kommentar schreiben »

Avaaz in Dortmund

Geschrieben von Johannis am 25. August 2009 um 22:14 Uhr

Nein, der Karneval ist nicht verfrüht ausgebrochen und dies ist nicht die Ruhrpottalternative zum rheinischen Helau und Alaaf, aber es geht trotzdem um närrisches Treiben. Sehr kurzfristig wurde ich gestern zu einer klimapolitischen Podiumsdiskussion eingeladen, deren Highlight die Übergabe einer Petition war, an der sich weltweit 146.275 Menschen beteiligten. Also ihren Namen und Mailadresse eingegeben und einen Button beklickt haben, genau wie ich, und zwar auf der besuchenswerten Webseite von Avaaz.org.

Da ich vorm Veranstaltungsort semiprofessionell mit meiner Kamera rumfuchtelte, brauchte ich als Halbaktivist weder weißen Overall noch grünen Helm tragen, was bei dem schwülwarmen Mikroklima des gestrigen Abends durchaus erfreulich war. Die Diskussion sollte von zwei Bundestagsabgeordneten und zwei Männern aus der alternativen Umweltszene (Frauen kümmern sich wohl nicht so ums Klima, außer daheim) bestritten werden, denen rund fünfzig überwiegend männliche Zuschauer gegenübersaßen. Erst bekamen die Abgeordneten jedoch grüne Petionspappen in die Hand gedrückt, wofür Julius von Avaaz sich extra in einen dunklen Anzug schmiss, dann legte der Moderator los.

Nachdem er alle vier Mann auf dem Podium ausgiebig vorgestellt hatte, wurde dem SPD-Mann die erste Frage gestellt. Klimatechnischer Relevanzfaktor niedrig, denn er sollte erklären, warum die Sozis derzeit bei rund 20 Prozent Wählersympathie dümpeln. Nicht nett. Er schaffte dann aber halbwegs elegant die Kurve zur Kohlendioxidabspaltung, mit deren Hilfe unser Land eines schönen Tages wie eine explodierende Selterspulle hochgehen wird, weil die störrische Teutonenscholle das verpresste CO² nicht dauerhaft bei sich behalten kann und in donnernden Rülpsern wieder von sich gibt. Ja, ein recht langer Satz. Auf jeden Fall will die SPD sofort aus der Kernkraft raus und dafür noch 40 Jahre lang Kohle verheizen. Fortschrittliches Konzept.

Der FDPler feixte natürlich schon deshalb, weil die aktuellen Umfragewerte seiner Partei fast die der SPD erreichen. Er laberte uns dann aber derart mit Allgemeinplätzchen zu, dass ich unwirsch meinen Krempel packte und mich radelnd nachhause trollte, wo auf dem Herd ein köstliches Chicken-Curry wartete. Solange meine mobilen Mitmenschen zu doof oder zu faul sind, um die Motoren ihrer Dreckskisten abzuschalten, während sie körbeweise leere Pullen in den Glascontainer scheppern lassen oder das neue, aber leider saukomplizierte Navi programmieren, höre ich mir kein Politikergeschwafel übers Klima an. Basta.

Das gemeine Volk ist für die Probleme unserer Zeit nicht sensibilisiert und der gegenwärtige schwammig-kuschelige Farbloswahlkampf trägt absolut nix dazu bei, dies zu ändern. Politiker mit Rückgrat würden uns sagen, dass wir sofort und umfassend unseren Lebensstil ändern müssen, wenn wir überleben wollen – obwohl das eventuell ihre Chancen auf Wiederwahl schmälert. Stattdessen führen sie, lautstarke Hohlköpfigkeiten von sich gebend, die Prozession der Lemminge auf dem Weg zur finalen Klippe an und beschwichtigen uns, ihre Arbeitgeber, dass sie a) die Lage voll im Griff haben und b) sowieso alles nur halb so schlimm wird.

Kann man es mir verdenken, dass ich zu eigenhändig gekochten Asiaköstlichkeiten fliehe, statt mir den Kopp mit dämlichen Sprüchen verkleistern zu lassen? Wohl kaum. Wie auch immer, ich danke den sympathischen Freiwilligen von Avaaz, die von Berlin nach Dortmund kamen, um für ihre Überzeugungen einzutreten und auch allen anderen, z.B. den Leuten von der Klimaallianz. Verwirrend finde ich nur, dass es mindestens zwei davon gibt, nämlich hier die echte und hier einen Trittbrettfahrer, der nach seinem Foto zu schließen eigentlich lieber Sektenguru wäre. Egal, Klima ist ein großes Thema, da kann ein zusätzlicher Koch den Brei unmöglich verderben. Nein, nicht der aus Hessen, Gott bewahre!

Schluss für heute, es reicht.

avaaz11

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »

Papst ist schuld am Klimawandel

Geschrieben von Johannis am 21. August 2009 um 16:03 Uhr

Von allen Vertiefungen des Jahres ist mir das Sommerloch am liebsten. Na gut, fast es kommt im Ranking direkt nach dem Adventsteller, weil ich ziemlich scharf auf Marzipan und Nougat bin. [Sollten Fans und Verehrerinnen sich bitte notieren, besonders die Produkte des Hauses Niederegger kommen hier gut an. Nein, Süßes macht mich nicht scharf, Sweetie, das war ein Missverständnis.]

Im diesjährigen und sehr ergiebigen Sommerloch fanden sich übrigens Preziosen, nach denen sich jeder inspirationshungrige Schreiberling die Finger leckt, bis der Knochen bloßliegt. Allerdings ist der saisonbedingte Themenundfaktenmangel pünktlich zum Schulbeginn vorbei – plötzlich laufen Opis Amok, ein braver Elektriker mutiert zum Bombenleger, Bankräuber werden von verärgerten Polizisten verfolgt und auf der Flucht erschossen. Recht so!

Trotzdem muss ich unbedingt noch über die Bewohner der Dörfer Fieschertal und Fiesch berichten, die im schönen Wallis kollektiv gegen Klimawandel und den Schwund des Aletschgletschers beten wollen. Dafür brauchen sie jedoch eine Genehmigung und den Segen des Papstes, aber beides erteilte er ihnen bisher nicht. Kein Wunder also, wenn wir von tropischen Hitzewellen geplagt werden und Kinder heutzutage Gletschereis nur noch als Bonbons kennen.

Hier kurz der Hintergrund der Story: Im schönen Jahr 1678 legten die Fiescher und Fieschertaler das Gelübde ab, stets tugendhaft zu leben und täglich gegen das Wachstum des Aletschgletschers zu beten. Grund dafür waren das bedrohliche Vorrücken des Gletschers und die Ausbrüche des über dem Dorf gelegenen Märjelensees. Als die Eismuräne ihren bisherigen Höchststandes erreichte, gab’s zur Steigerung der Gebetswirkung zusätzlich eine fromme Prozession. Die wird seit 1862 jährlich wiederholt.

Und siehe da, fleißiges Beten und der unverbrüchliche Christenglaube haben geholfen! Kaum 100 Jahre später begannen die Temperaturen weltweit zu steigen und heute stellen die Walliser – nicht unbedingt als besonders helle Köpfe verschrien – fest, dass sich die Zeiten geändert haben und viel Eis geschmolzen ist. Folglich soll jetzt andersrum gebetet werden, der Gletscher soll wieder wachsen und die Bergbauern und Skiliftbetreiber wollen ihr altes Gelübde stornieren lassen. Das geht natürlich nur mit Gottes Segen oder zumindest einem Okay seines Stellvertreters, dem Benny.

Die Klimagesundbeter hoffen nun auf eine Audienz im September oder Oktober und sind zuversichtlich, dass der Heilige Vater in ihrem Sinne entscheiden wird. Wenn wir also im November eine Schneekatastrophe wie weiland 1978/79 bekommen, wisst ihr, dass die gottesfürchtigen Schweizer schuld sind. Falls unser schönes Land jedoch demnächst von den ersten atlantischen Wirbelstürmen verwüstet wird und Flüchtlinge von den Seychellen unsere Grenzen belagern, ist klar, dass Benedikt auf Erfüllung des alten Gelübdes bestanden hat. Die römisch-katholische Kurie hatte es schließlich noch nie so mit modischem Hin und Her, da steht man zu Tradition und überlieferten Werten. Deshalb sollen die Mohren auch gummifrei schnackseln, aber das ist ein anderes Thema.

Warten wir’s ab, der nächste Winter kommt bestimmt, was man am Auftauchen der Adventssüßigkeiten erkennt. Spätestens ab Mitte September stapeln die sich zuverlässig in den Gängen von Penny, Plus und Lidl. Ein Glück, denn meine Marzipanvorräte sind am Ende. Ich für heute auch.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »

5UCK MY D1.CK

Geschrieben von Johannis am 19. August 2009 um 16:01 Uhr

Kommunikation ist heutzutage alles, klare Botschaften sind gefragt. Aufrichtigkeit fehlt fast überall, es wird gelogen, getrickst, gekungelt und getäuscht, dass die Schwarte knusprig kracht. Die Wahrheit ist heute etwa so populär wie eine Kombination aus Genitalherpes, Schweinepest und Privatinsolvenz, aber wir haben uns dran gewöhnt. Deshalb jubeln wir gedopten Sportlern zu und haben den schönen Brauch des Teerens und Federns abgeschafft. Auch für Politiker.

Von Ulla Ich-krieg-die-SPD-schon-noch-unter-20-Prozent hätte man gern eine ehrliche Botschaft gehört, ohne jedes Wischiwaschi. Sie hätte beispielsweise Folgendes sagen können: „Ja, ich nehme meinen Dienstwagen schon seit Jahren mit nach Spanien. Das ist zwar legal, war aber nicht besonders klug von mir. Ich bedauere mein Verhalten, werde die Summe X für einen wohltätigen Zweck spenden (z.B. Fahrdienst für Blinde und Behinderte) und in Zukunft mehr Feingefühl zeigen.“ Schluss aus, Vorhang, leises Raunen im Parkett.

Stattdessen das würdelose Geeiere um angeblich hochwichtige berufliche Termine, dieses Leerfahrtengeschwafel und bescheuerte Personenschutztralala. Bestimmt setzt sich die unerschrockene Ulla Schmidt im Urlaub an der Costa Blanca Gefahren aus, bei denen die Salman Rushdies und Anna Politkowskajas dieser Welt vor Schreck erbleichen und nie wieder vor die Tür gehen würden. Man denke nur an die überall lauernden Killer der blutgierigen deutschen Pharmamafia und die Bombenleger der Kassenärztlichen Vereinigung. Scheiße, ist das traurig.

Frau Schmidt, ich weiß, Sie lesen dies nicht, aber nehmen Sie sich trotzdem ein Beispiel an dem jungen Araber, dem ich gestern begegnete. Auf seinen T-Shirt stand klipp und klar „SUCK MY DICK“, die eingebaute 5 und 1. lenken kaum ab. Das ist aufrichtig, eine klare Botschaft. Der Kerl träumt davon, dass sich Blondinen dutzendweise und mit bebenden Silikonbrüsten vor ihm in den Staub werfen und auf Knien um die Wette kreischen „Ich zuerst, ich zuerst!“

Die Wahrscheinlichkeit, dass sein geiler Wunsch in Erfüllung geht, ist etwa so hoch wie die einer Fortsetzung Ihrer Karriere als Gesundheitsministerin. Der junge Mann mit dem provokanten Hemd kann sich allerdings immer noch als Attentäter in die Luft sprengen und drauf hoffen, dass die Jungfrauen im Jenseits die schöne Kunst des Fellatio beherrschen. Sie hingegen, Frau Schmidt, kann man nur abhaken und weder Ihre selbstgerechte Visage noch Ihr penetrantes Näseln werden mir fehlen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »