Nein, heute soll es nicht um die Erfolge des Klonens gehen, sondern um Europa. In der griechischen Mythologie ritt die schöne Königstochter auf dem Gotte Zeus, der sich hinterlistig in einen Stier verwandelt hatte, um der Schönen zwischen die Beine zu gelangen. Wahrscheinlich ebenso schlau verhalten sich die Bauern der EU, wenn es um die Verteidigung ihrer vielfältigen Privilegien geht. Hilfe bekommen sie dabei von Ilse Aigner, CSU-Ministerin für Fressen und Verwandtes, die gern gelangweilt in modischem Lederblouson im Parlament rumsitzt und sich als gelernte Radio- und Fernsehtechnikerin bestimmt supergut mit Landwirtschaft und Verbraucherschutz auskennt.
Ähnlich wie einstmals die Buben Romulus und Remus ihre Milch aus den Hängezitzen der kapitolinischen Wölfin saugten, hängen heute die Lobbyisten von Bauernschaft und Lebensmittelindustrie am europäischen Euter und pumpen für ihre Klientel die Milliarden heraus. Man muss sich das nur in größerem Maßstab vorstellen, denn in Brüssel steht eine gigantische Melkkuh mit tausenden von Saugwarzen. Erinnert sich noch jemand an Butterberge und Milchseen? Die sollen nach neuester Entscheidung der EU-Kommission wiederkommen, sozusagen renaturiert werden. Billigdiesel bekommen die Bauern natürlich auch, plus Flächenprämie und tausenderlei anderer Geschenke. Wunderbar, speziell für Großbetriebe!
Also kann auch in Zukunft subventioniertes Milchpulver aus Europa in die Dritte Welt exportiert werden, wo es jungen Müttern als moderne Alternative zum Stillen aufgedrängt wird. Manchmal bekommen sie gleich ein, zwei Dosen davon geschenkt, wenn sie mit dem Neugeborenen die Klinik verlassen. Das Pulver wird dann zuhause mit Wasser angerührt und die Kinder bekommen die Pulle statt der Brust. Und dann oft sehr bald schwere Durchfälle, die vielfach tödlich verlaufen. Warum? Weil das Wasser zum Anrühren der Milchpulle verdreckt war, denn weltweit haben zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Die Frauen bekommen erst umsatzförderliches Gratis-Milchpulver und wenn das aufgebraucht ist, fehlt meist nicht nur das Geld, um Nachschub zu kaufen, sondern sie selbst produzieren leider auch keine Muttermilch mehr, weil sie ihre Babies nie gestillt haben. Mangelernährung und Kindstod sind vielfach die Folgen. Aber zum Glück werden wir unsere subventionierten Agrar-Überschüsse los, ob deswegen ein paar Negerkinder sterben müssen, ist ja wohl unwichtig. Gibt doch eh zu viele davon – ruckzuck sind sie groß, sitzen erst im Boot und dann auf Lampedusa.
Ich möchte jetzt nicht noch von Billigfleisch, schimmeligem Getreide, Uralt-Käse und anderen unappetitlichen Exporten anfangen, die überall in der Dritten Welt lokale Produzenten in den Ruin treiben. Mit unseren Steuern subventioniert. Will man übrigens – wie es neuestens Vorschrift ist, nur die Bayern sperren sich noch – nachlesen, wer denn nun wie viel aus dem Subventionstopf schöpft, scheitert der Laie schnell. Zumindest finde ich die Suche hier fast unmöglich, weil mir weder Namen noch Adressen der Empfänger bekannt sind. Mehr Infos findet man hingegen auf der Seite von farmsubsidy.org und sicher auch anderswo.
Glückwunsch an alle, die sich erfolgreich an Europas Rieseneuter festgesaugt haben, egal ob EDEKA oder Südzucker, Großbauer oder Lufthansa. Ilse Aigner und ihre Kollegen in Brüssel und Strasbourg lassen euch nicht im Stich, deshalb können Millionen Rinder auch zukünftig das Klima mit ihren Methanfürzen aufheizen.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«