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Archiv für Juni, 2009

Information Overload Syndrom

Geschrieben von Johannis am 30. Juni 2009 um 13:33 Uhr

An BSE erinnert sich kaum noch jemand, Schweinegrippe war gestern und die neue Variante von Ebola kommt noch – kein Grund zur Unruhe, sollte man meinen. Doch weit gefehlt! Vollkommen unbemerkt von der Öffentlichkeit werden die Leistungsträger unserer schönen Republik von IOS dahingerafft. Aus vielen verbündeten Staaten des demokratischen Westens erreichen uns ebenso schockierende Nachrichten und verstörende Bilder von ganz normalen Menschen, die IOS in den Alltagswahnsinn treibt.

Bitte schauen Sie sich das eingefügte Video aufmerksam an, gern auch im Kreise von Kollegen oder Familienmitgliedern. Seien Sie nicht zu stolz oder ängstlich, stellen Sie hinterher unbedingt die nötigen Fragen. Zeige ich manchmal Symptome von IOS? Wenn ja, welche? Gefährde ich mich und meine Mitmenschen? Wenn ja, wie sehr?

Die internationale Pharmaindustrie sucht bereits mit Hochdruck nach Substanzen, um die neue Krankheit zu behandeln, es wird aber noch mindestens vier Jahre dauern, bis diese Medikamente auf dem Markt kommen. Aus dem Bundesgesundheitsministerium erfuhren wir, dass bereits in den nächsten Tagen eine deutsch synchronisierte Version des Films veröffentlicht wird. Trotzdem – auch wenn Ihre Englischkenntnisse eher schwach sind, sollten Sie nicht warten und das hier eingebaute Video unbedingt noch heute anschauen.

Ihrer Gesundheit zuliebe.

 

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Internationale Heuchelmeisterschaften

Geschrieben von Johannis am 27. Juni 2009 um 19:28 Uhr

Pünktlich zum Ableben von Jacko können plötzlich alle Latein. De mortuis nihil nisi bene – red’ nicht schlecht über Tote. Also wird geschwafelt und gejammert, was die Linsen und Mikrofone fassen und weltweit der einzige Sender, der gestern Abend kein Michael-Jackson-Special brachte, war das iranische Staatsfernsehen.

Es ist schon tragisch, wenn Stars und Sternchen sich peinlich verhalten und besonders, falls man diese Leute mal bewundert hat. Michael Jackson war der amerikanische Boris Becker, nur anders. Gut, er konnte singen und vor allem soooo toll tanzen, aber ganz dicht war er eben nicht. Trotzdem trauern alle Menschen reinen Herzens (ich deshalb auch nicht) um den King of Pop. Nur ganz am Rande werden kritische Zwischentöne eingestreut, wegen seiner vielen OPs und der albernen Hautbleicherei, einigen Vorwürfen des Kindesmissbrauchs und seinem seltsamen Lebensstil auf der Neverland Ranch.

Ein Junge, zusammen mit seinen neun Geschwistern vom hyperehrgeizigen Vater zum Showstar gedrillt und dabei um die Kindheit betrogen, wächst heran, hat irgendwann und zu früh Erfolg und macht zu viel Geld. Er kauft sich davon eine zweite Kindheit mit Abenteuerspielplatz und Kuschelzoo, benimmt sich wie ein Teenager und muss doch mit fünfzig Jahren erkennen, dass die sorglosen Kindertage nie wiederkommen. Tragisch. Ende.

Ich fand ihn immer etwas nervig, besonders der ständige Griff an die eigenen Eier. Vor allem, weil dort augenscheinlich erschreckend wenig Fleisch im engen Beinkleid hing. Ein Kinderschniedel eben. Seine albernen Outfits, die oft an Strampelanzüge für Babies erinnerten, die bescheuerte Frisur, zerbastelte Nase und seine Macken – alles nix für mich. Spätestens wenn das Autopsieergebnis bestätigt, dass er sich vor lauter Panik (die letzte Tournee sollte im Juli beginnen) selbst um die Ecke gebracht hat, wird der Tonfall anders. Dann werden all jene, die den armen Michael heute noch betrauern, ihn zu dem reduzieren, was er eigentlich war: Ein Mensch, dem Kindheit und Jugend gestohlen wurden und der sich später, als von den Massen angebeteter und leider hochneurotischer Erwachsener, göttergleich komplett neu erschaffen wollte, was voll daneben ging. Ein verschuldeter Popstar, der alt wird. Eigentlich eine arme Sau.

Als ich gestern Mitschnitte von Live-Konzerten sah, die hysterischen, weinenden oder sich in orgiastischen Zuckungen windenden Mädchen, ihre Anbetung, wie sie alle Texte auswendig mitsingen und in Ohnmacht fallen, dachte ich an einen Gottesdienst. Stadion statt Kirche, Thriller statt Gebetbuch, Michael statt Priester – fertig ist der Glaube der Neuzeit. Nicht King of Pop – God of Pop hätte er heißen müssen. Aber Gott ist bekanntlich tot, und das ist gut so.

Bye, Jacko! Please don’t come back.

Like Jesus, I mean.

He finally left too.

Got it?

Bye.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Rita & Anita im Himmel

Geschrieben von Johannis am 24. Juni 2009 um 17:44 Uhr

Nein, nicht auf ‚Lucy in the Sky with Diamonds’ wird hier angespielt, sondern es geht um die Risken und Nebenwirkungen des Gottglaubens. Welcher bekanntlich mindestens so rätselhaft ist wie Drogenerlebnisse nach Einnahme von LSD, und der einen vor allem ruckzuck unter die Erde bringen kann, wie gestern in Wolfsburg zu sehen war. Zwei brave Bibelschülerinnen aus dem Weserbergland, bis zur letzten Faser ihrer gläubigen und reinen Herzen vom Wunsch durchdrungen, GOTT zu dienen, Gutes zu tun und nebenbei freundlich über IHN zu reden, im Jemen von Kugeln aus feiger Mörderhand getroffen und alsbald in norddeutsche Muttererde gebettet – so schnell kann’s gehen.

Muslime zu missionieren ist albern, denn die dürfen nicht konvertieren. Den Muslimen im Norden Jemens jedoch unseren allmächtigen und liebenden Christengott nahe bringen zu wollen, ist ziemlich unklug und kann eben auch tödlich enden. Wenn man sich schon unbedingt mit dem heiklen Thema des Glaubens befassen will, sollte man es so handhaben wie Prinz Peinlich, der Ehemann der britischen Königin. Er führt seit Jahrzehnten ein meist unbeachtetes und bequemes Dasein neben Elisabeth und macht höchstens mal durch unpassende Bemerkungen und schlüpfrige Witze von sich reden. Und eben durch seine Karriere als Südseegottheit.

Einige hundert Tanna-Insulaner im Südpazifik-Archipel Vanuatu verehren den knarzigen Philip, seines Zeichens auch Duke of Edinburgh, nämlich als ihren Gott. In den seit Jahrhunderten überlieferten Vorhersagen des Stammes war stets die Rede vom Besuch einer berühmten weißen Frau und dem wackeren Mann an ihrer Seite, welcher hinfort der König der Eingeborenen auf Tanna sein solle. Als Lisbeth von Buckingham dann tatsächlich eines schönen Tages samt trinkfestem Gatten zum Staatsbesuch auf der Insel eintrudelte, war den bisher Gottlosen alles sonnenklar und flugs riefen sie Philip Mountbatten zum Gott aus.

Dieses schöne Amt darf Philip sogar an seinen Sohn vererben, er ist also Erbgott. Die vormals gottlosen Südseefidschis haben vielleicht sogar Glück gehabt bei der Wahl ihres Götzen. Hätte damals der königliche Besuch ausfallen müssen und wäre stattdessen irgendwann später Madonna oder Angelina zum Babybrowsing auf Tanna eingefallen (warum denn nicht mal ein Südseekind adoptieren?), würden die Insulaner heute vor Brad Pitt auf die Knie gehen. Oder eben vor Guy Ritchie.

Fazit: Sucht euch eure Götter sorgsam aus oder verzichtet besser ganz auf den Glauben. Das erspart manch herbe Enttäuschung und schützt vor einem allzu frühen Grab.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Demokratie? Na, besten Dank!

Geschrieben von Johannis am 20. Juni 2009 um 12:36 Uhr

Wer am gestrigen Abend in die wochenlang gehypte Sendung „Ich kann Kanzler“ reinzappte und noch Restzweifel an der gesunden Urteilsfähigkeit unserer Mitbürger hatte, kann diese Zweifel jetzt getrost abhaken. Sie sind leider voll begründet. Die Mehrheit besteht aus Idioten, die instinktlos genau jene Idioten wählt und wählen wird, die ihnen am lautesten nach dem Munde schreien. Diese wiederum werden, wenn sie dann nach endlosem Kriechen, Tricksen und Taktieren endlich an die Macht gekommen sind, das dumme Stimmvieh genauso dreist belügen, wie es viele Politiker schon immer taten und sicher auch zukünftig tun werden.

Innerhalb von drei Minuten riefen 180.000 Zuschauer für mindestens 14,1 Cent (Aus dem deutschen Festnetz, Mobiltarife evtl. abweichend. Zu Risken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!) beim ZDF an und stimmten in der Endrunde ab. Das Ergebnis: 72,6 Prozent für Jacob Schrot, einen achtzehnjährigen Arztsohn aus Brandenburg. Gratulation! Jacob ist ein richtiger kleiner Nachwuchskotzbrocken, dem ich einen unheilbaren Hirntumor wünsche, bevor der Spinner in irgendeinem politischen Amt ernsthaften Schaden anrichten kann.

Man brauchte am Bildschirm kein abgeschlossenes Psychologiestudium, um dem hyperaktiven Bengel eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung und ein extrem übersteigertes Geltungsbewusstsein zu attestieren. Sechzehn Ehrenämter plus CDU-Mitgliedschaft, dazu die in der Politik unabdingbare Fähigkeit vakuumierte Worthülsen sowie parteiprogrammatische Versatzstücke nahezu beliebig aneinanderzureihen, endbescheuert zu grinsen und vor allem in affenartiger Geschwindigkeit Blödsinniges daherzuplappern. Außerdem konnte er schleimen, was das Zeug hält, boxte schon mal Mitbewerber dezent aus dem Weg und kroch in jeden erreichbaren Jurorenarsch. Glückwunsch für die CDU, dass sie solch rückgradlose Nachkömmlinge in ihren Reihen hat, der FDP-Chef wird neidisch sein.

Nicht neidisch bin ich auf die 16.000 Euro, das einmalige Kanzlergehalt für Jacob. Ich hoffe nur, dass er sich davon ein schnelles Auto kauft und sehr bald eine hochenergetische Begegnung mit einem brandenburgischen Alleebaum (die gibt’s doch hoffentlich noch?) hat, damit zukünftig der Anblick seiner bescheuerten Fresse allen unbescholtenen Fernsehzuschauern und besonders den letzten vernunftbegabten Demokraten dieser Republik erspart bleibt.

Kopfschüttelnde Grüße aus dem Ruhrpott. Drückt den Iranern die Daumen, da geht es jetzt ums Ganze.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Es stinkt in Teheran

Geschrieben von Johannis am 15. Juni 2009 um 14:09 Uhr

Die Hoffnung auf Freiheit hat einen besonderen Duft, der die Menschen freudig aufatmen lässt, bei dem sich ganz von selbst der Rücken streckt und die Schultern straffen, es ist ein Duft, der die Augen leuchten lässt. Ab und an weht dieser Duft durch die Welt wie warmer Frühlingswind, trägt das süße Aroma weit übers Meer, durch die Lande und in jedes Tal. Als vor zwanzig Jahren chinesische Studenten ihre eigene Freiheitsstatue auf dem Tiananmen Platz errichteten oder, fünf Jahre später, die Wahl Nelson Mandelas zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, der Fall der Mauer oder, erst drei Jahre ist es her, der Moment, als der nepalesische König abdankte, elf Jahre Bürgerkrieg endeten und das Parlament wieder eingesetzt wurde – zu jenen Zeiten zog dieser wundervolle Duft durch die Welt.

Es ist ein warmer, süßer Wohlgeruch, wie von blühendem Jasmin, hereingeweht durchs offene Fenster an einem Sommermorgen. Im letzten Herbst war er überall zu riechen, die Wahl Barack Obamas ließ Hoffnung weltweit keimen. Und auch jene Bilder aus Teheran vom vergangenen Freitag – fröhliche Massen, begeisterte Gesichter, Frauen und Männer, alte und sehr viel junge Leute, im Gedrängel auf den Straßen vor oder nach der Stimmabgabe, die Finger zum Siegeszeichen gespreizt und in der Hoffnung auf bessere Zeiten grün gefärbt – trugen den Duft von Jasmin in die Welt.

Betrug hat einen salzig-rostigen Geruch, der sich hartnäckig im Hals festsetzt. Betrug stinkt nach Eisengittern und Handschellen, nach Panzerwagen und Stacheldraht, nach Tränengas und dem Rauch von Barrikaden. Die Brust wird eng, Blutgeschmack liegt im Mund, ängstlich sucht die Zunge im Mund nach ausgeschlagenen Zähnen. So riecht Betrug.

Mehr Rechte für Frauen, Pressefreiheit, wirtschaftliche Entwicklung, Arbeit und Brot für alle – das sind einige der Werte, für die Kandidat Moussavi und seine mutige Frau einstehen. Eindeutig zuviel sozialer Sprengstoff für ein Land, das von einem religiösen Wächterrat gelenkt wird und in dem der Präsident nur eine mächtige Marionette der Mullahs ist – wenn auch eine vom Volk gewählte Marionette. Doch auch um dieses Wahlrecht sind die Iraner betrogen worden, ihre Stimmen zählten nicht, der Urnengang war eine Farce.

Ein sympathischer und gebildeter Herausforderer Ahmadinedschads, ein Mann, der offenbar das Vertrauen des Volkes hat und sich gemeinsam mit seiner klugen Gattin glaubhaft für Menschenrechte einsetzt – das konnten die Islamofaschisten im Wächterrat nicht dulden. Sie halten an ihresgleichen, an Dogma, Atombombe und Judenhass fest, wollen weiterhin die alte Puppe an bekannten Schnüren tanzen lassen, das iranische Volk bevormunden. Ich bedauere die Menschen in Teheran, im ganzen Iran. Selbst wer am Freitag die Hoffnung in ihren Gesichtern leuchten sah, wird kaum ermessen können, wie tief ihr Schmerz, wie groß ihre Wut jetzt sein muss. Gedemütigt, belogen und betrogen – der dreizehnte Juni war ein Tag der Enttäuschung, ein Rückschlag für die Hoffnung auf Freiheit.

Vielleicht ist es Zeit für eine neue Revolution, eine friedliche und weltweite Revolution der Vernunft und Aufklärung. Barack Obama sagte neulich in Kairo: „Wir wissen, was zu tun ist, nun müssen wir handeln.“ Das gilt in fast allen Bereichen, egal ob Klima, Hunger, Wirtschaft. Noch scheint uns der Preis zu hoch, wollen wir wirkliche Veränderungen ungern zulassen, lieb gewonnene Gewohnheiten nicht ändern müssen. Hauptsache, wir warten nicht so lange, bis Diktatoren und Terrorherrscher die von ihnen geknechteten Völker derart gegen sich aufgehetzt haben, dass sich blutige Gewalt wie ein Flächenbrand über die Kontinente frisst.

Oder es anderweitig zu spät ist.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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