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Archiv für März, 2009

Die Qual der Wale

Geschrieben von Johannis am 14. März 2009 um 18:12 Uhr

Eigentlich wären jetzt wohl ein paar fassungslos-betroffene Zeilen über den Niedergang der menschlichen Rasse angebracht, schließlich hatten wir innerhalb einer Woche zwei tödliche Attentate in Nordirland, die nahezu zeitgleichen Amokläufe in Winnenden und Samson, Alabama, und dazu diverse Selbstmordattacken an den üblichen Brennpunkten des Wahnsinns wie Bagdad und Sri Lanka. Oder sollte ich gegen Gewaltverherrlichende Computerspiele hetzen und jene Gefahren benennen, die der Volksseele durch biedere Schützenvereine drohen, den heimlichen Brutstätten für siebzehnjährige Profibrandstifter und Blutbademeister? Muss ich über das bevorstehende Aussterben des Opels schreiben, weil ich in den späten Achtziger Jahren mit großer Zufriedenheit einen Rekord 1900 Coupé gefahren habe? Wohl eher nicht.

Lasst uns statt dessen gemeinsam den Blick weit in die Ferne richten, dorthin, wo die Dinge ebenso rätselhaft sind und manchmal zu viel, dann wieder nicht genug Tiefe haben. Nach Australien. Dort werfen sich seit einigen Jahren in zunehmender Heftigkeit jene Wesen an die Küsten, denen die volle Sympathie jedes guten Menschen gehört – unsere singende Freunde, die Meeressäuger. Im letzten November waren es 64 Grindwale, die in Tasmanien strandeten, eine Woche drauf scheiterten dort sogar 187 dieser klugen Tiere an der eher einfachen Aufgabe, im Wasser zu schwimmen und nicht an Land. Auf einer Sandbank bei den Perkins Islands segneten dann im Januar 48 Pottwale das Zeitliche und jetzt, vor knapp zwei Wochen, waren es wieder Grindwale, von den knapp zweihundert Tieren starben leider mehr als zwei Drittel.

Warum treibt es die friedlichen Flossenträger in Horden ans Ufer, wo sie zwar von Tierfreunden in Neoprenanzügen liebevoll betreut und schnellstmöglich wieder ins angestammte Element zugedrängelt werden, ihnen jedoch meist ein unerfreulicher und absolut sinnloser Tod droht? Wie kann es sein, dass ein Pottwal, der 3000 Meter tief tauchen und dort ganz ohne Stirnlampe tonnenweise Tintenfisch und lichtscheue Riesenkraken findet, zusammen mit seinen Kumpels plötzlich und starrsinnig ans Ufer, sozusagen vor die Wand schwimmt? Das ist doch ungefähr so, als würde ich morgens auf dem Weg zum Zeitungskiosk die Orientierung verlieren, im zweiten Stock das Treppenhausfenster eintreten und mich taumelnd in die Tiefe stürzen. Nur das ich das mit Glück und ein paar gebrochenen Knochen wohl überlebe.

Beim Versuch einer Erklärung stößt man im Netz auf verschiedenste Antworten. Einerseits sollen die Tiere durch den Lärm von U-Booten die Orientierung verlieren, was nicht sehr glaubhaft klingt, wenn man bedenkt, dass diese Fahrzeuge mittlerweile superleise sind und sich deshalb unter Wasser schon mal gegenseitig rammen. Eine Frau meinte, Schuld sei die globale Erwärmung. Die führe dazu, dass Meerwasser verdunstet und die Küsten entlang der Walwanderwege in die Antarktis zunehmend seichter würden. Ziemlich gewagte Theorie. Alternativ soll die NATO schuldig sein, denn sie experimentiert angeblich mit fiesen Sonaranlagen und stellt sich auch noch dumm. Okay, diese hochgezüchteten Unterwasserortungsdinger arbeiten mit Frequenzen, die den Walen wohl nicht besonders angenehm ins Ohr gehen, da könnte was dran sein. Und sich dumm stellen hilft heutzutage fast immer.

Meine Hypothese lautet aber anders. Den Walen ergeht es im Meer wie uns mit der modernen Welt, sie blicken nicht mehr durch und werden langsam aber sicher wahnsinnig. Da Wale nicht aus dem Fenster oder vom Dach springen können, und keine Hände haben, mit denen sie sich die Kugel geben könnten, machen sie’s eben am Strand. Was wir an den Küsten der Welt erleben, sind schlecht getarnte Gruppensuizide. Sinnkrise, fehlende soziale Integration, Zukunftssorgen, Angst vorm Alter, was auch immer – genügend Anlässe für ein Lemmingphänomen unter diesen hochintelligenten Meeressäugern. Achten Sie in den nächsten Wochen einmal drauf – das wird weiter um sich greifen, genau wie Hey!-wir-sind-aber-die-echt-wahre-IRA-Mordanschläge und die spätpubertäre Amokläuferei. Womit ich jetzt etwas knirschend den Bogen zum aktuellen Tagesgeschehen geschlagen habe.

Wer meine Theorie schon jetzt überprüfen möchte, schaut sich die beiden Videos aus Australien an. Wer dafür zu zart besaitet ist und sich nicht dem Leid der armen Tieren aussetzen will, kann sich das letzte, etwas lustigere Video ankucken. Dort wird die Sprengung eines angeschwemmten Walkadavers in Florence, Oregon, im Jahre 1970 gezeigt. Das ging allerdings ziemlich nach hinten los und wurde dort nicht wieder versucht. Mehr Hintergrundinfos, Videos ähnlicher Versuche und Infos über moderne Bestattungsalternativen findet man auf der Website www.theexplodingwhale.com.

Bleiben Sie gesund, alles andere wäre nämlich Mist. Und immer schön im Tiefen schwimmen!

 

 

 

 

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Endlich hart durchgreifen!

Geschrieben von Johannis am 12. März 2009 um 15:25 Uhr

Sicherlich geht es Ihnen wie mir und Sie sind schockiert, wie schnell nun auch in den gewerblichen Berufen hemmungslose Gier zur Regel wird. Noch sind es Einzelfälle, aber uns steht eine Flutwelle ähnlich dreister Gesetzlosigkeiten bevor, verlassen Sie sich drauf. In der vergangenen Woche erhielt die Kassiererin eines Kaiser’s-Supermarktes ihre gerechte Strafe und verlor hoffentlich endgültig ihren Job. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele von ehrlichen Kunden verschusselte Pfandbons sie während ihrer 31-jährigen Tätigkeit in die eigene Tasche gestopft hat. Rechnen Sie mal – jede Woche 1,30 Euro, da kommt schnell ein erkleckliches Sümmchen zusammen. Ich bedaure nur, dass die gute alte Sitte es Teerens und Federns aus der Mode gekommen ist und man Übeltäter auch nicht mehr aufs Rad flicht, aber dankenswerterweise gibt es heute den Medienpranger. In manchen islamischen Ländern wird zum Glück nach der Sharia verurteilt, dort wäre zumindest ein fettes Kassiererinnenhändchen fällig. Verteidigungsminister Jung war ja gerade auf Besuch in Afghanistan, ich hoffe nur, er hat dort Augen und Ohren aufgesperrt, damit er alsbald unsere Regierung vom ordentlichen Rechtssystem der Taliban überzeugen kann.

Hier in Europa sind die Richter oftmals zögerlich und liberal verblendet, immer häufiger lassen sie eine vollkommen unangebrachte Milde walten und setzen damit grundfalsche Signale. Eine Kassiererin in Versailles, die sich Rabattmarken für immerhin 60 Cent unter die lackierten Nägel krallte und folgerichtig den Arbeitsplatz einbüßte, muss nun wieder eingestellt werden und erhält auch noch eine Entschädigung von 17.380 Euro. Das ist doch wohl die Höhe! Genau so gut könnte man einen honorigen Mann wie den Herrn Funke von der Hypo Real Estate wieder engagieren. Und ihm gleich noch eine halbe Milliarde an Schmerzensgeld und Verdienstausfall zahlen. Doch der brave aber letztlich glücklose Banker weiß, wo sein Platz ist. Er bleibt zuhause und protestiert nicht, bittet nur ganz bescheiden um dreieinhalb Milliönchen und vielleicht noch etwas Rente. Völlig okay, denn Vertrag ist schließlich Vertrag.

Vorgestern erging dann das nächste beschämende Fehlurteil, dazu auch noch hier in Dortmund. Zwei untreue Bäcker wurden freigesprochen, obwohl sie erwiesenermaßen ihre Frühstücksbrötchen mit dem betriebseigenen Kräuter-Öl-Mix „Hirtenfladen“ – etwas erstaunlich, bei dem wenig appetitlichen Namen – bestrichen haben. Die fadenscheinige Urteilsbegründung lautete: Der eine Bäcker ist dort schon seit 24 Jahren angestellt und der andere im Betriebsrat. Na und? Raus mit den beiden Schurken und mindestens ein Jahr lang kein Arbeitslosengeld! Leider kann man Betriebsratsmitgliedern nur kündigen, wenn zuvor der Betriebsrat gehört wurde und zugestimmt hat. Die Einladung zu dieser Anhörung sei formal nicht richtig gewesen, entschied der Richter. Eine himmelschreiende Schande!

Wahrscheinlich hätte die Einladung an den Betriebsrat in Schönschrift mit königsblauer Tinte auf Büttenpapier kalligrafiert werden müssen, sie war aber wohl mit Bleistift auf eine leere Brötchentüte geschrieben. Shit happens – case dismissed. Was folgt daraus? Alle professionellen Betrüger werden nun sofort für den Betriebsrat kandidieren oder, wo es noch keinen gibt, rasch einen gründen. Dergestalt wird ehrbaren Unternehmern das Leben zur Hölle gemacht, sie werden durch solche Machenschaften aus dem Land oder gleich ins modrige Grab getrieben. Es ist wahrhaftig ein Trauerspiel.

So wird unsere darbende Volkswirtschaft nicht gesunden, so nicht! Wehret den Anfängen, obwohl es wohl schon zu spät ist. Wie tief sind wir Deutschen, einst ein stolzes und ehrbares Volk, bloß gesunken? Es muss endlich Schluss sein mit falsch verstandener Großzügigkeit nach dem Motto: Man soll dem Ochsen, der da drischt, das Maul nicht verbinden. Im Gegenteil – wenn man nicht aufpasst, werden einem die kackfrechen Ochsen ratzfatz die ganze Kornkammer leer fressen. Gerade in der jetzigen Krise stimmt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr! Zu guter Letzt muss jedem klar sein, dass gleiches Recht für alle gilt. Heute ein Pfandbon, morgen ein Hedgefond. Wenn man der Frau an der Supermarktkasse nicht mehr trauen kann, wie dann dem Bilanzbuchhalter einer Großbank? Da könnte ja jeder kommen und mildernde Umstände verlangen. Ist doch so.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Kein Spaß an der Schadenfreude

Geschrieben von Johannis am 9. März 2009 um 13:53 Uhr

Ein Unternehmensberater, dem ich neulich in der Kommentarspalte dieses Blogs begegnete, bezeichnete mich nach einer kleinen Verbalhakelei als redlichen Lästerer, was ich durchaus als Kompliment auffasse. Okay, er und seine Berufskollegen sind nicht unbedingt für Totaldurchblick und allerhöchste moralische Standards bekannt, aber man freut sich trotzdem. Allerdings muss ich bekennen, dass mich kürzlich eine gewisse Lästerhemmung befallen hat – erst noch akut, vielleicht bald chronisch, aber auf jeden Fall tragisch. Die Symptome sind ebenso eindeutig wie unangenehm.

Zum Beispiel macht mir der seitenhiebige Hinweis keine Freude, dass ein Großteil der beim sterbenskranken Modelleisenbahner Märklin angefallenen Verluste, Gesamthöhe 50 Millionen Euro, für Beraterhonorare draufgingen. In nur drei Jahren hat man den kommenden und gehenden Unternehmensberatern volle 40 Millionen in den Rachen geworfen. Zum Dank haben sie den Laden in die Pleite geführt. Großartig! Das Gras ausreißen, bis es grün wird.

Neulich musste unser NRW-Verkehrsminister abdanken, weil er nicht Auto fahren kann – zumindest nicht so, dass er seinen Führerschein behalten dürfte. Kurz drauf wird der SPD-Mediensprecher augenscheinlich beim Sammeln von Kinderpornos erwischt. Haben wir eigentlich noch einen Drogenbeauftragten im Kabinett? Und wenn ja, wann wird der mit drei Berliner Callgirls beim Koksen in einer Stretchlimousine erwischt? Oder verträgt Kokain sich nicht mit Viagra? Gottogottogott!

Wenig lustig finde ich auch die Tatsache, dass in Klüngelhausen das Stadtarchiv samt Nachbarhäusern und Teilen der Bewohnerschaft im Boden verschwunden ist. Besonders wenn man daran denkt, dass der U-Bahnbau dort vor ein paar Jahren beinah eine Kirche umgeworfen hätte. Gut, ich bin wahrlich kein Kirchenfreund, aber einfach umschmeißen geht doch auch nicht. Beschämend ist die Parallele der Firma Max Bögl, die beim Bau einer Amsterdamer U-Bahnlinie sowohl im Juli als auch im September 2008 insgesamt elf Grachtenhäuser im Matsch versinken oder umkippen ließ. In Köln bohren die Bögler angeblich nicht, aber dafür in Düsseldorf. Da kann also noch was kommen.

Versunken und nie wieder aufgetaucht ist übrigens auch eine amerikanische Wasserstoffbombe, und zwar schon vor 41 Jahren. Am 21. Januar 1968 schmierte eine B-52 der US-Luftwaffe mit vier Wasserstoffbomben an Bord in Grönland ab, nachdem im Cockpit Feuer ausbrach. Wahrscheinlich hatten die Piloten Langeweile und beim Kiffen versehentlich die Polster angekokelt, so was passiert schon mal. Wie auch immer, sie fanden wohl den Feuerlöscher nicht, mussten deshalb irgendwann die Schleudersitze nutzen und verabschiedeten sich von ihrem bombigen Arbeitsgerät, das sich dann elf Kilometer vorm US-Stützpunkt bei Thule in den vereisten Tundraboden bohrte. Zum Glück waren die Wasserstoffbomben nicht scharf gemacht, sonst hätte man die Sache wohl nicht so leicht unter den Teppich kehren können. Gerumst hat es dennoch mächtig, es gab reichlich Plutonium für alle und dann noch mehr Aufräum- und Vertuschungsarbeiten. Denn trotz intensiver Suche haben die Amis die H-Bombe mit der Seriennummer 78252 nicht wieder gefunden. Bis heute nicht. Mehr schlechte Nachrichten zum Thema Atomargemauschel liest man hier.

Der Vorschlag, die Firma Max Bögl könnte ja in Thule nachbohren und bei der Suche helfen, taugt wohl nix, oder? Egal, is’ eh alles so traurig. Echt!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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BallaBalla-Tours

Geschrieben von Johannis am 5. März 2009 um 18:41 Uhr

Bekanntlich lebe ich nahezu TV-abstinent und habe die Glotze schon 1996 aus meinem Haushalt verbannt. Gut, ab und zu spioniere ich im Hotel oder eben im Netz, aber nur um den Kontakt zu jener bunt schillernden Wirklichkeit nicht abreißen zu lassen, in der sich die Mitbürgermehrheit bewegt. Dabei stieß ich neulich auf den Beitrag Sommer im ewigen Eis, wobei schon der Titel idiotisch ist, wie man spätestens nach einer halben Stunde mitbekommt. Das olle Eis ist natürlich längst nicht mehr ewig, sondern verdammt flüchtig, weshalb einerseits solche Blödsinnstouren überhaupt erst möglich werden und andererseits die grönländischen Fischer und Robbenjäger im Winter arbeitslos sind, weil das dünne Fjordeis sie nicht mehr trägt.

Die Reederei Hurtigrouten schippert mit der MS Fram, die bereits 2007 heftig mit einem Eisberg kollidierte, überwiegend deutsche Biederbürger durch die tauende Eiswelt, pro Person ab 2990,- Euro für acht Tage in der billigsten Kabine. Wie man im ZDF-Gruselbeitrag unangenehm hautnah miterlebt, geilen sich die Kreuzfahrer an den schwindenden Gletschern auf, zählen eifrig Eisberge, genießen Picknick und Outdoor-Buffet in der Tundra, hoffen auf Wale und fotografieren, was der Chip hält. Ein in der deutschen wie englischen Sprache gleichermaßen sattelfester Reiseleiter (sic: wenn ich den seine Frisur sehe und don’t geh there) passt intellektuell optimal zu den Teilnehmern, dazu knört aus dem Off die sonore Stimme des Kommentators Volker Lechtenbrink. Auch die zweite Folge hab ich mir angetan, obwohl meine Schmerzgrenze deutlich überschritten war – alles im Dienste der Wissenschaft.

Meinen klugen und ökologisch sensibilisierten Lesern muss wahrscheinlich nicht groß erklärt werden, wie viele hundert Tonnen Schweröl nötig sind, um ein Schiff von der Größe der Fram zwei Wochen lang durchs Nordmeer zu treiben, oder? War da nicht mal was von wegen CO²-Ausstoß und Klimaveränderung? Sind die Leute schon komplett wahnsinnig geworden oder dauert das noch etwas? Wann kommen die Reiseveranstalter auf ähnlich bekloppte Ideen? Zündeln im australischen Outback? Brunnen vergiften in der Sahel-Zone?

Aber ich muss mich korrigieren, denn die Kreativität der Tourismusangebotsentwickler lässt kaum zu wünschen übrig. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kurs in Wolf Communication? Dort lernt man flink mit den Wölfen zu heulen, existenziell wichtig in unseren modernen Zeiten. DIE ZEIT schickte neulich eine Schreiberin nach Minnesota und widmete dem hochinteressanten Thema eine ganze Seite. Am International Wolf Center bekam die Journalistin zusammen mit anderen Bildungsjunkies das Wolfsheulen beigebracht und dann ging es ab in die klirrend kalte Nacht, um mit den scheuen Pelztieren zu kommunizieren. Was auch immer das bringen soll. Die Deppen haben sich die Kehle wund gejault, aber kein Viech antwortete. Erst gegen Morgen schallte endlich das ersehnte Wolfsgeheul durch die verschneite Botanik, aber leider waren es nur die Teilnehmer eine anderen Gruppe.

Ist das wohl bescheuert? Nach Amerika fliegen und den Wölfen was vorheulen, ich fasse es nicht. Andererseits sollte ich vielleicht auf diesen Zug aufspringen und Tierfreunden hier in Deutschland ähnliche Kommunikationskurse anbieten. Zum Beispiel unter dem Titel ‚Ringeltauben sind nicht taub’ oder ‚Von Herz zu Herz mit dem Kuckuck’. Ach was, ich pfeif drauf.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Schock: Blöd durch Feinstaub!

Geschrieben von Johannis am 1. März 2009 um 10:12 Uhr

In diesen an schlechten Nachrichten bereits komplett übersättigten Zeiten bleibt uns auch nichts erspart. Da wollte sich der krisengeplagte Deutsche eigentlich gerade verschreckt in die heimische Sofaecke zurückziehen, eine preisreduzierte Flasche Rotwein entkorken und den Blick melancholisch ins gemütlich prasselnde Kaminfeuer versenken, doch jetzt wird er brutal geschockt. Das Fachblatt Brain and Cognition, dem man auf jeden Fall eher trauen sollte als diesem dubiosen Blog, enthüllte in seiner Ausgabe 68, Teil 2, folgende Ergebnisse einer wahrhaft niederschmetternde Studie: Kinder aus Städten mit hoher Feinstaubkonzentration haben oftmals fehlentwickelte Gehirne. Besonders das Vorderhirn, wir sagen auch Prosencephalon dazu, ist häufig missgebildet. Das ist wirklich tragisch, denn diese Region ist immens wichtig für soziales Verhalten und gesunde Emotionen. Und nicht etwa aus den Auspuffrohren unser aller Lieblingsspielzeuge kommt die Hauptlast des verblödenden Drecks, sondern aus den Schornsteinen jener Zeitgenossen, die Holz verfeuern.

Von nun an werden wir radikal umdenken müssen. Wenn der kleine Kevin sich im Kindergarten mal wieder wie die Sau aufführt, lustvoll seinen halbstündigen Schreikrampf auslebt und schließlich der entnervten Betreuerin auf die Schuhe kotzt, heißt es nicht wie bisher: „Bärbel, gibste ihm noch ’ne Ritalin!“ sondern „Oh Gott, hattet ihr am Wochenende etwa wieder den Kaminofen an?“ Es darf auch nicht länger verwundern, dass zum Beispiel in der Gegend um den Dortmunder Borsigplatz, seit einem Jahr Umweltzone, so viele Idioten wohnen. Ich dachte ja bisher immer, es läge an zu viel Kronenpils, aber es ist offenbar der Feinstaub.

Noch ein weiteres Resultat der Studie, die in Boston und Mexiko City an Kindern und Hunden durchgeführt wurde, erschreckt mich zutiefst. Im vielfach fehlgebildeten Vorderhirn sitzt auch die Abteilung für vorausschauendes Planen und Handeln. Zog Ayshe früher auf die Frage „Und, was willst du mal werden?“ still die Schultern unterm Kopftuch hoch und Hakan nuschelte „Weiß nisch, vielleisch Haaz vier!“, hatte ich bisher angenommen, das läge an der eher traditionellen Karriereplanung der Eltern. Sohn übernimmt Döner-Grill oder Gemüseladen, die Tochter heiratet mit sechzehn den Onkel zweiten Grades aus einem Dorf in der Nähe von Diyabakir. Aber auch diesmal weit gefehlt, und zwar am Immissionsschutz.

Sie sind als Kleinkinder Jahr für Jahr im alterschwachen Ford Transit mit kaputtem Dieselauspuff plus durchgerostetem Bodenblech nach Anatolien und zurück gekarrt worden, zuhause wird die Ofenheizung ständig nur mit zerhackten Paletten und Obstkisten gefüttert, und dann müssen sie im Sommer jedes Wochenende im Park fettiges Hammelfleisch grillen – kein Wunder, wenn solche Kinder ohne Lebensplanung dastehen! Nun überrascht es auch nicht länger, dass Reicheleutekids aus der grünen Gartenstadt-Süd immer Abitur haben und studieren, wohingegen die Blagen aus der staubigen Nordstadt keinen Hauptschulabschluss hinkriegen und ewig in der Computerspielabteilung bei Saturn oder am Burger-King abhängen. Tragisch.

Und plötzlich versteht man auch, wieso die seit Jahren geplante Immissionsschutzverordnung wohl platzen wird. Eigentlich waren 200 Millionen Euro als Abwrackprämie für alte Dreckschleuderöfen vorgesehen, was bei 15 Millionen privaten Holzfeuerungsanlagen an sich ein alberner Fliegenschiss ist, aber nun legt sich der bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister Söder (CSU, was sonst?) störrisch quer. Dieser schlaue Vollblutkotzbrocken (unbedingt die Bilder in seiner Galerie anschauen!) hat garantiert ein Vorabexemplar der Brain and Cognition in die Finger bekommen und sofort reagiert. Welche bessere und billigere Methode der systematischen Volksverblödung könnte es geben, als durch Rauch und Feinstaub? Zuviel Grips und der Mensch wird unregierbar. Schließlich haben Öfen in der Geschichte Deutschlands schon manch wichtige Rolle gespielt.

Ich empfehle tief Durchatmen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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