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Archiv für Februar, 2009

Sensation – Politiker sagt die Wahrheit!

Geschrieben von Johannis am 10. Februar 2009 um 12:59 Uhr

Superärgerlich, wenn ein Beitrag eigentlich fix und fertig ist, nur noch etwas abhängen soll, und dann kommt eine dumme Sache dazwischen. Gut, Michael Glos ist trotz aller Roboterhaftigkeit streng genommen keine Sache, obwohl seine Abwesenheit von der politischen Bühne in den letzten drei Jahren höchstens seiner Putzfrau aufgefallen wäre, wenn abends im Büropapierkorb kein Müll gelegen hätte. Am letzten Wochenende hat Michael zwei Maxipackungen Kleenex vollgeheult und ist nun weg vom Fenster. Durchblick hatte er allerdings eh kaum, es ist also kein Verlust entstanden.

Um Schreibmehrarbeiten zu vermeiden, werde ich das laute Knirschen im voralpinen Personalkarussell stur ignorieren, und den Blick gut eine Woche nach hinten wenden. Dort stapfte am Sonntag, erster Februar 2009, unser übergewichtiger Umweltminister wutentbrannt vor ein paar Kameras herum und kodderte wie weiland Teamchef Rudi Völler. Nachdem die Union durch ein Veto der CSU die Verhandlungen über ein einheitliches Umweltgesetz platzen ließ, warf Sigmar Gabriel deren Politikern “dumpfen Reformunwillen und blinde Blockadepolitik” vor. Dann blähte er noch ein paar Mal die Hamsterbacken auf und sprach zu Schluss folgenden wirklich schönen Satz: „Die intellektuelle Durchdringungstiefe liegt bei einigen Unions-Kollegen im Nanobereich!“

Das klingt wahr, stimmt aber natürlich nicht, denn dann wäre sie mühelos messbar. Nanometer, Picometer, Femtometer – heutzutage alles kein Problem, nur wo nix is, kann man auch nix messen. Die bayerischen Bratwürste im Maßanzug lassen das – zugegebenermaßen nicht sehr schöne, schlanke oder pflegeleichte, aber dennoch sinnvolle – Umweltgesetz nach endlosen Jahren mühevollster Bastelei nicht aus inhaltlichen Gründen platzen, sondern weil gerade die CSU-Großkopfeten die eifrigsten Maulhuren der Industrie sind. Maulhuren nur deshalb, weil kaum ein Vorstandsvorsitzender eines Energie- oder Chemiekonzerns bereit wäre, Herrn Seehofer zu vögeln, wo es doch so viele hübsche Ukrainerinnen gibt. Aber diese billige Polemik führt vom Thema weg.

Schließlich geht es um die Wahrheit. Die lautet: Im September ist Bundestagswahl, und auch vorher sollen wir auf Landes- oder Kommunalebene noch so manches Kreuzchen machen. Profilierungsgeile Typen wie Seehofer und Co. freuen sich wie die Stinte (das sagt man so an der Nordseeküste, obwohl die Visualisierung von Fischfreudensausbrüchen ein Quäntchen Fantasie erfordert), wenn sie dem Nochkoalitionspartner in den Kaffee spucken oder die Stiefel pissen können. An dieser Stelle muss ich noch eins draufsetzen, und bediene mich damit ähnlicher Diktion, wie einstmals Rudi Völler: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich mir das verlogene, würdelose und vollkommen durchsichtige Taktieren der herrschenden Parteifritzen ansehen muss.

Ganz egal, wo man hinsieht – es geht fast nie um langfristige Lösungen, um Entscheidungen im Sinne des Volkes, sondern nur um den eigenen Machterhalt. Besonders FDP, Die Linke und CSU reiten auf einer Welle, die aus Volksverdummung, leeren Versprechungen und billigem Populismus besteht. Nepper, Schlepper, Bauernfänger hieß es früher bei Ede Zimmermann. Und die Doofen sterben nicht aus, weder bei Haustürgeschäften noch beim Wahlgang. Da wünscht man sich doch mehr Leute mit dem Temperament der Tante Käthe, wie Rudi auch genannt wurde.

I have a dream, sagte Martin Luther King 1963. Sechsundvierzig Jahre später träume ich von Politikern, die wahrhaftig sind, den Mut zur Wahrheit haben. Und die Wahrheit müsste lauten, dass wir in schweren, vielleicht sogar dramatischen Zeiten leben. Zeiten, in denen Eigennutz vor Allgemeinsinn zurückstehen muss, in denen kein Platz für machtversessenes Taktieren ist, in denen wir uns die altvertrauten Lügen und wohlfeilen Versprechungen nicht mehr leisten können. Nichts wird mehr sein wie früher, denn es wird nicht einfach wieder gut, schon gar nicht von selbst. Nur wenn wir die unbequeme Wahrheit ertragen können, wenn wir uns der Realität stellen und entschlossen handeln, haben wir eine Chance. Schau ich mich um, seh ich jedoch leider fast nur Führer vom alten Schlage, egal ob in Politik oder Wirtschaft. Barack Hussein Obama macht seine Sache bisher erstaunlich gut, aber wir bräuchten Hunderte, Tausende von seiner Art.

Neue, integre, ehrliche Führer kommen nicht von selbst an die Macht. Wenn überhaupt müssen wir andere Politiker einfordern, müssen jeder einzeln und gemeinsam als Volk laut werden. Angeblich hat jedes Volk die Regierung, die es verdient – aber womit können wir diese unfähigen, widerwärtigen Opportunisten verdient haben? Wir sollten uns alle ein Beispiel an Rudi Völler nehmen, und endlich mal das Maul aufmachen.

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Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Besser Lügen im Business

Geschrieben von Johannis am 7. Februar 2009 um 15:56 Uhr

Dieser Beitrag muss schnell geschrieben werden, bevor Bahnchef Hartmut Mehdorn hoffentlich und verdientermaßen seinen Job verliert, und kein Huhn mehr nach ihm gackert. Nächste Woche wird einfach jemand seinen Hut nehmen müssen, wenn Angie schon den Papst nicht feuern kann. Hartmut würgte zwar gestern, nachdem ihn der Gesamtbetriebsrat drei Stunden bearbeitet hatte, eine Entschuldigung an die Mitarbeiter hervor. Aber noch ist Hoffnung, wahrscheinlich hat der Mann deutlich mehr verdeckten Dreck am Stecken, als bekannt und bekommt bald die letzte Fahrkarte, wird aufs Abstellgleis rangiert. Drum flink zur Tat, nichts ist so alt wie eine Story von gestern.

Wir alle kennen die Untersuchungen und peinlichen Statistiken, nach denen jeder von uns zig- oder gar hundertmal lügt, und zwar täglich. Kein Grund zur Scham, denn Lügen ist okay, oftmals sogar überlebensnotwendig, es ist der soziale Kitt im Gefüge unserer modernen Welt. Nur schlechte Lügen sind nicht in Ordnung, wie jeder aus eigener leidvoller Erfahrung weiß. Beim privaten Laienlügner sollte man etwas Nachsicht haben, denn die Verbreitung kunstvoller Unwahrheiten will geübt sein. Leider lernen wir in der Schule unendlich viel nutzlosen Mist, aber nicht, wie man erfolgreich lügt. Da sollte die Kultusministerkonferenz dringend nachbessern, denn gute Lügner sind fast immer auch erfolgreich im Beruf, beim Sport und in der Liebe. Vielleicht werde ich im Rahmen dieser Kolumne demnächst auf das Thema „Privat professioneller Lügen“ eingehen können, im Moment geht es aber um lügende Nieten in Nadelstreifen.

Hängt es Ihnen nicht auch zum Hals heraus und bis auf die ungeputzten Schuhe, wie billig und fantasielos wir von Wirtschaftsbossen verscheißert werden? Stets die gleiche Leier, immer wieder derselbe Fehler: Leugnen bis der Arzt kommt. Alternativ dann eben Spiegel-TV oder ein anderes Medium, wo noch richtige Journalisten bezahlt und beschäftigt werden. Ganz dumm und beschämend uninspiriert ist die uralte Salamitaktik. Erst lauthals alles abstreiten, und dann die bittere Wahrheit scheibchenweise zugeben. Bei der Bahn hieß es nacheinander: nur tausend Führungskräfte; na gut, doch ein paar mehr; okay, die halbe Belegschaft; doch, alle 179.000 Leute, aber nur ein einziges Mal; na ja, dann eben alle 240.000, und zwar 2002, 2003 und 2005. Reif fürs Guinness Buch der Rekorde – die längste Salami der Welt. Wie lautete der Slogan von Shell damals nach dem Debakel um die Bohrinsel Brent Spar? „Wir haben verstanden.“ Das Motto der Deutschen Bahn heißt offenbar „Wir merken gar nix!“

Kollateralschäden der traditionellen Salamitaktik sind die tiefe Verunsicherung und nachhaltige Enttäuschung, die in der Öffentlichkeit und speziell beim Kunden erzeugt werden. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, so hieß es früher. Im 21ten Jahrhundert gilt hingegen: Nur schlechte Lügner sind echte Loser. Feigling gleich Schwächling. Wer bremst, verliert. Dabei ist es wirklich einfach: wenn konfrontiert, gesteht man gleich zu Beginn eines Skandals deutlich mehr, als einem vorgeworfen wird. Fett auftragen, maßlos übertreiben und lügen, bis die Schwarte kracht. So erzeugt man einen Abstumpfungseffekt, der später, wenn die Wahrheit ans graue Licht des Tages kommt, breiter Erleichterung weicht. Ach so, war ja gar nicht so schlimm, na denn – das ist die typische Reaktion des Verbrauchers auf die paradoxe Salamitaktik.

Lassen Sie mich beispielhaft ausführen, wie Bahnvorstand Mehdorn hätte reagieren müssen, als die ersten Datenmauscheleien ruchbar wurden. Konfrontiert mit den berechtigten Vorwürfen hätte er Folgendes verlautbaren lassen müssen:

„Ja, wir überprüfen monatlich die Konten aller Lieferanten, sämtlicher Mitarbeiter und die ihrer Angehörigen bis zum dritten Verwandtschaftsgrad. Wer seinen Kinder überhöhtes Taschengeld zahlt, ist verdächtig und lässt sich wahrscheinlich bestechen.“

„Natürlich gleichen wir auch die Bankverbindungen unserer Online-Kunden und Bahncard-Besitzer ständig mit anderen Datenpools ab. Wir kooperieren mit der Deutschen Telekom sowie allen privaten Providern und untersuchen anhand der gespeicherten Verbindungsdaten, welche Kontakte unsere Kunden zum Bahnpersonal haben. Auch unsere Zusammenarbeit mit dem Beate-Uhse-Versand hat sich als sehr fruchtbar erwiesen.“

„Selbstverständlich werden im Zugrestaurant und Bordbistro von allen Gläsern Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen, die wir zur allgemeinen Sicherheit und Steigerung der Kundenzufriedenheit zeitlich unbegrenzt speichern.“

„Seit April 2003 haben alle Bordtoiletten der ICE-Züge eingebaute Minikameras, eine davon im WC-Becken. Sofern nicht sicherheitsrelevant, gehen die Aufnahmen nach Auswertung an den amerikanischen Webseitenbetreiber www.watch-your-ass.com oder an Charlotte Roche, die dringend Material für ihr nächstes Hämorrhoidenbuch braucht.“

Das sollten erstmal genügend Beispiele sein. Nun stellen sie sich mal den öffentlich Aufschrei der Empörung vor, die Hasstiraden und den Blutdurst. Ein paar Tage später rückt dann der Pressesprecher kleinlaut mit der Wahrheit raus, und all sagen: Was, das war’s schon? Nur die Kontodaten der Mitarbeiter, und auch nur 2002, 2003 und 2005? Na dann, ist ja alles halb wild.

Die Bahn entlässt anschließend irgendeinen unnützen Heini von mittleren Management als symbolisches Bauernopfer in den Vorruhestand, macht eine bundesweite Sonderpreisaktion und startet eine Imagekampagne á la Shell. Zum Beispiel mit dem Slogan „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!“

Sie sehen also, wie leicht erfolgreiches Lügen ist. In der Wirtschaft hat es sich schon immer ausgezahlt, nicht die Fehler der Konkurrenz zu kopieren, sondern selbst innovativ zu sein. Wenn ein Unternehmen allzeit ein, zwei überschüssige Pressesprecher auf dem Schleudersitz vorwärmt und stets einen kleinen Vorrat abgehalfterter Führungskräfte zum Opfer bereithält – was gerade der Deutschen Bahn nicht schwer fallen sollte – ist die paradoxe Salamitaktik ein Garant für ungeahnte Erfolge im Umgang mit der Öffentlichkeit.

Probieren Sie es einfach aus, Sie werden überrascht sein.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Endlich: Gottes Wille offenbart

Geschrieben von Johannis am 4. Februar 2009 um 16:06 Uhr

An manchen Tagen muss sich der schreibbereite, moralisierende Zyniker richtig anstrengen, um ein halbwegs unterhaltsames Thema aufzutreiben, an dem er sich abreagieren kann wie ein Yorkshireterrier am Kauknochen aus getrockneter Rinderhaut. Nicht so in dieser Woche, auf Knien gedankt sei es dem Papst, der wohl bald die cremeweiße Soutane mit der Naziuniform vertauscht oder wenigstens Adolfs attraktive Armbinde tragen wird.

Unser aller Ratzischatzi zeigt gegenwärtig derart heftige Symptome von galoppierender Altersdemenz, dass der kränkliche Fidel Castro dagegen so fit wirkt wie der Gewinner des letzten Ironman-Wettbewerbs. Holocaustleugner und erzreaktionäre Bischöfe werden bausch- und bogig im Schnellverfahren rehabilitiert, und wahrscheinlich direkt nach ihrem (hoffentlich unmittelbar bevorstehenden) Ableben heilig gesprochen. Mister Williamson weiß nix von vergasten Juden – wenn überhaupt, waren es nur ganz wenige. Wahrscheinlich sind in Auschwitz, Dachau und Buchenwald nur Jehovas Zeugen und Schwule um die Ecke gebracht worden, und die hatten es – weiß Gott! – verdient. Alles kein Problem, schließlich gibt es nur eine wahre Kirche, nämlich die römisch-katholische, und die sündigen Schwuchteln sind ja wohl oft genug gewarnt worden.

Schön auch der Ablass für den Linzer Bischof Gerhard Wagner, der eine recht eigenwillige Interpretation zum Thema Naturkatastrophen vertritt. Mal abgesehen davon, dass es in den meisten Fällen korrekt menschgemachte Katastrophen heißen muss, hat der Mann offensichtlich zuviel Weihrauch eingeatmet. Gerhard freute sich von Herzen über den Tsunami 2004 und frohlockte auch über Hurrikan Katrina. Er schrieb in seinem Pfarrbrief (sic!): „Der Hurrikan ‚Katrina‘ hat [...] nicht nur alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet, sondern auch alle fünf (!) Abtreibungskliniken. [...] Wussten Sie, dass 2 Tage danach die Homo-Verbände im französischen Viertel eine Parade von 125.000 Homosexuellen geplant hatten? Wie erst so langsam bekannt wird, sind die amoralischen Zustände in dieser Stadt unbeschreiblich. [...] Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer ‚geistigen Umweltverschmutzung‘? Darüber werden wir in Zukunft verstärkt nachdenken müssen.“

Eine schöne, wenn auch etwas bemüht herbeilamentierte Kausalität. Verstärkt nachdenken sollte man wohl eher, ob das gute alte Vergasen nicht doch wieder eingeführt werden sollte, und zwar für Gerhard Wagner und Konsorten. Das nur am Rande. Wie auch immer, wenn Gott allmächtig ist und die Schwulen so dolle hasst, warum schickt er die Mutter aller Stürme volle zwei Tage zu früh nach New Orleans? Mehr Geduld und ein verbessertes Timing, dann wären die warmen Brüder und Schwestern samt und sonders im kalten Wasser ersoffen? Hat ER gepennt? Und warum lässt er auch die Franklin Avenue Baptist Church im Wasser versinken? Noch schlimmer traf es die First Baptist Church in Long Beach, Mississippi, wie die vorher-nachher-Bilder zeigen. Hat Gott kein Navi, war der GPS-Chip kaputt oder gab’s Probleme mit dem Satelliten? Kann ER etwa keine Stadtpläne und Landkarten lesen?

Vorher

Nachher

Dazu fällt mir die Geschichte vom Mainzer Dom ein, der vor genau tausend Jahren am Tage seiner Einweihung abbrannte. Nach jahrzehntelanger Bauzeit zur Ehre des Herrn, wohlgemerkt. Was hatte Gott sich dabei bloß gedacht? Gefiel ihm der Grundriss der Anlage nicht (keine Parkplätze, Friedhof zu klein) oder wollte er auf die fehlende Sprinkleranlage hinweisen? Hatte ER damals schon die Schnauze voll vom Popen und seinen frömmelnden Ablassdealern, und ist womöglich direkt nach dem Feuerchen in eine andere Galaxie verzogen? Ohne Nachsendeadresse. Ist ER überhaupt noch zuständig für unseren irdischen Mist? Der Papst wird uns sicher bald Antworten geben, liest er doch seit einiger Zeit meine Kolumne.

Rund eine Milliarde Katholen tun mir jetzt tatsächlich ein kleines Bisschen leid, weil sie den peinlichen Opa in der mozzarellafarbenen Kutte ja für Gottes Stellvertreter halten. Benedikt XVI. – der Hartmut Mehdorn des Allmächtigen! Die Existenz eines liebenden, strafenden oder auch nur ganz am Rande an uns interessierten Gottes halte ich übrigens für ähnlich plausibel wie die Behauptung, der Weihnachtsmann vögele in der extrem langweiligen, weil arbeitsfreien Zeit zwischen erstem Weihnachtstag und viertem Advent seine Rentiere. Jeden Tag ein anderes, außer sonntags natürlich. Zum Glück bin ich im Geiste der Aufklärung erzogen und schon mit achtzehn aus der Kirche ausgetreten. Falls ich göttliche Eingebungen ersehnte, würde ich wahrscheinlich LSD nehmen oder einen dicken Joint rauchen.

So, das sollte für heute reichen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Merhaba in Thürkingen

Geschrieben von Johannis am 2. Februar 2009 um 11:23 Uhr

Nun ist es amtlich –Türken in Deutschland haben wenig Lust auf Integration. Wer wie ich in einer Stadt lebt, deren Bewohnerschaft zu gut einem Viertel aus Migranten besteht, ist nicht wirklich überrascht. Egal. Das seriöse Berlin-Institut stellte vor einer Woche seine neue Studie vor, und die besagt nix Gutes. Kurz gefasst kam heraus, dass von allen Migranten die 2,8 Millionen Türken in der Republik am schlechtesten integriert sind, ganz gleich, welche Stadt man anschaut. Ein Drittel schafft keinen Schulabschluss, die Türken stellen die meisten Arbeitslosen, und auch nach jahrzehntelangem Aufenthalt sprechen viele kein oder höchstens gebrochenes Deutsch.

Schuld sind natürlich das undurchlässige, diskriminierende deutsche Bildungssystem und wir, die hässlichen Deutschen. Kaum einer lernt Türkisch, sticht sein Schaf im Hinterhof ab oder verlangt von der aufsässigen Ehefrau, dass sie den kleidsam-knöchellangen und meist grauschwarzen Mantel oder wenigstens ein Kopftuch trägt. Das Prinzip Ehrenmord haben wir auch nicht verstanden, trinken weiter hartnäckig Bier und lieben Schweinekoteletts.

Kein Wunder, dass die Türken da lieber unter sich bleiben. 93 Prozent heiraten innerhalb ihrer Community, Informationen beziehen sie aus dem türkischen Satellitenfernsehen und – wenn sie lesen können – aus der Hürriyet, dem Pendant zur BILD-Zeitung. Man kann sich leicht vorstellen, wie unglücklich unsere Gastturkmenen sind, weil sie in kleine Ghettogrüppchen aufgesplittert in dieser Republik der kalten Herzen dahinvegetieren müssen. Deprimierte Menschen mögen meist kein Sauerkraut, wollen aus Trotz keinen deutschen Pass und schlagen ihre Frauen. Ein Teufelskreis ohne Entrinnen.

Obwohl mir gelegentlich billige Hetze und fremdenfeindliche Polemik nachgesagt wird – albern, habe ich doch seit Erreichen der Wahlmündigkeit im Jahr 1976 meine Kreuze stets bei Rot oder Grün gemacht – schätzen viele Leser und zunehmend auch internationale Politiker meine pragmatischen Ratschläge. Gern schlage ich dabei zwei oder mehr Fliegen mit einer Klatsche breit, so auch heute.

Fast zwanzig Jahre wiedervereinigtes Deutschland, zwanzig Jahre Solidarzuschlag – wichtige Jubiläen und Wegmarken. Doch leider verlassen immer mehr Ostlinge die Zone in Richtung Westen, entvölkern ihre Heimat, nachdem sie gemerkt haben, dass Kohls Versprechen von den blühenden Landschaften ein Scherz war, und sich höchstens auf Rapsfelder zur Biospriterzeugung bezog. Die Mauer ist, trotz vehementer Forderungen, nicht wieder aufgebaut worden, und sie wird es auch wohl nicht. Obgleich das eigentlich eine schöne Idee zur Ankurbelung der Konjunktur wäre, Frau Merkel. Übrigens, Ihr Parteikollege Armin Laschet, Deutschlands erster Integrationsminister, sieht in den Ergebnissen der Studie keinen Beleg für die Existenz einer Parallelgesellschaft. Das ist ungefähr so, als würde man in anderthalb Millionen eng beieinander stehenden Bäumen keinen Beleg für die Existenz eines Waldes sehen. Schicken Sie den doch bitte mal zum Arzt.

Zurück zum Thema. In der Weltöffentlichkeit hat die Wiedervereinigung immens viel Hoffnung freigesetzt, ein leuchtendes Beispiel, dem Nord- und Südkorea sicher bald folgen werden. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, und deshalb kommt hier ein Vorschlag, der beispielhaft auch den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern lösen würde: Wir geben den Türken ein eigenes Bundesland im Südosten der BRD. Das kleine Thüringen ist allemal groß genug, die jetzigen Bewohner werden auf Wunsch in die anderen vier Ostländer umgesiedelt, und wir beantragen EU-Mittel für eine direkte Autobahnstrecke von Erfurt nach Istanbul. Sechsspurig. Durch Einfügung eines klitzekleinen Buchstabens wird das neue Bundesland Thürkingen auch namentlich zum Identifikationsfaktor, das irritierende h wird eventuell später gestrichen.

Erste Landesprache ist natürlich Türkisch, überall herrscht Kopftuch- und Schnauzbartzwang, und jeder Ort über 1500 Einwohner bekommt seine eigene Moschee. Keine Begrenzung der Minaretthöhe, Muezzinrufe dürfen rund um die Uhr mit maximal 50.000 Watt übertragen werden. Regionaltypisches Gericht ist der Döner (aber mach mich zweima scharfe Soße drauf, eyh!) oder die Köfteplatte. Hier im Westen kauft man dann sein Gemüse zwar wieder bei REWE, aber außer der billigen Petersilie wird mir eigentlich nicht viel fehlen.

Im Integrationsvergleich der Studie hat Dortmund unter 20 Großstädten übrigens extrem schlecht abgeschnitten, Platz 18 vor Nürnberg und Duisburg. Kein Wunder, haben wir doch gut 150.000 Migranten und davon fast ein Drittel Türken. Die sich, nebenbei bemerkt, von allen Einwanderern am heftigsten vermehren, also biologisch. Viele, viele kleine Türken – weshalb auf unseren Spielplätzen auch fast nur noch nach Anäääh geplärrt wird, und kaum ein Kind nach Mama ruft.

Sind die Kleinen dann mit Anne und Baba nach Thürkingen ausgebürgert worden, wird sich der Wohnungsmarkt entspannen, man findet wieder leichter Parkplätze und kann in der Grillsaison auch samstags durch den Fredenbaumpark spazieren, ohne am fettigen Rauch zigtausender Hammelkoteletts zu ersticken. Die Umsiedlungsaktion hätte auch einen pädagogischen Nebeneffekt, denn das Ossigejammere über zu viele Ausländer würde garantiert schnell verstummen. Sonst kann Mecklenburg-Vorpommern, (jetzt noch unter 2% Migranten, Dortmund hat 26%) bald alle Albaner, Libanesen und Marokkaner aufnehmen, davon haben wir auch reichlich. Mit der Namensgebung wird es dann allerdings etwas schwieriger, aber dazu fällt mir sicher noch etwas ein, wenn’s soweit ist.

Güle güle!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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