Neue Trendsportarten
Geschrieben von Johannis am 26. Februar 2009 um 13:08 Uhr
Nachdem am vergangenen Sonntag die internationale Elite der Biathleten ihren letzten Auftritt im hell erleuchteten Stadion von Pyeongchang hatten und dortselbst ganze 250 Zuschauer versammelt waren, müssen folgende Fragen erlaubt sein: Weshalb hat man die Weltmeisterschaft nicht nach Nordkorea vergeben, da hätte Kim Jong Il wenigstens ordentlich Publikum geschickt? Wen – außer den Gebirgsjägern des österreichischen Bundesheeres – interessiert eigentlich Biathlon? Wer kam auf die bescheuerte Idee, Skilanglauf und mit-dem-Kleinkalibergewehr-rumballern zu verknüpfen? Und warum gibt es nicht auch bei anderen olympischen Sportarten ein paar nette Kombinationen?
Selbst ein nach langer Bundesligawinterpause ausgehungerter Sportfreak wird zugeben müssen, dass es wenige reale Situationen gibt, wo ein Mensch mit umgeschnallter Knarre und Skiern an den Füßen durch den Schnee rast. Okay, wenn man nicht in Alaska auf der Flucht vor Bären oder in Lettland hinter den eigenen Rentieren her ist, was aber für den modernen Durchschnittsbürger eher die Ausnahme sein wird. Deshalb wohl auch das verhaltene Zuschauerinteresse in Südkorea. Aber sehen wir es doch einmal von der positiven Seite und überlegen, welche anderen Disziplinen man sportlich zusammenfügen könnte, um deren Attraktivität zu steigern.
Da fällt zuerst der üblicherweise nur mäßig spannende Reitsport ein. Wie wäre es also, wenn man den ReiterInnen ein Florett in die meist freie Hand gäbe und sie paarweise in die langweilige Dressurprüfung gehen ließ? Fechten im Sattel kann doch nicht so schwer sein, früher pikte man dem Gegner beim Ritterturnier eine sauschwere Lanze durch die blechverkleidete Brust, und das im gestreckten Galopp. Die Trefferanzeige müsste dann allerdings drahtlos funktionieren, sonst verheddern sich Mensch und Tier auf dem Grün im Kabelsalat. Alternativ ginge auch Speerwerfen.
Kanusport ist ja ebenfalls nicht besonders aufregend, da könnte deutlich mehr passieren. Wieso wird das nicht mit Boxen kombiniert, das Paddel kann man auch mit Handschuhen halten. Und wenn ein Gegner im Wildwasser strudelnd festhängt und man ihn flink passiert, haut man ihm gleich noch eine rein. Bei K.O.-Schlägen ist dann allerdings die DLRG gefragt, bevor einer absäuft. Blöde Idee? Warum, es gibt doch auch Kanupolo.
Schön fände ich auch Stabhochsprung und Kugelstoßen. Gut, für die Kugel hat der Sportler beim Anlauf nicht wirklich eine Hand frei, aber da hilft ein entsprechend dimensionierter Brustbeutel. Wenn dann die Lattenhöhe erreicht ist und man den Hochsprungstab fallen lässt, wird flugs die Kugel aus dem Sack geholt und weggepfeffert. Klingt schwieriger als es ist. Von hoch oben fliegt der Eisenball auch entsprechend weiter, die Schiedsrichter müssten allerdings Helme tragen.
Trampolinspringen, immerhin seit 2000 olympische Sportart, könnte man prima mit Diskuswerfen kombinieren, das wird ’ne tolle Show. Schade eigentlich, dass Sackhüpfen nur im Jahr 1804 olympisch war, das ließe sich auch sehr gut aufmotzen. Zum Beispiel mit Hammerwurf, das ergäbe eine tänzerisch-humorige Note, und Leichtathletik ist sowieso öde, oder? Tauziehen hat es leider auch nur von 1800 bis 1820 gegeben, das müsste man unbedingt mal auf dem Eis veranstalten. Ja, gern mit Schlittschuhen, in der Langlaufvariante.
Und, habt ihr auch Ideen? Schreibt mir, ich leite eure Vorschläge ans olympische Komitee weiter. Es lebe der Sport!
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
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