FDP rettet die Glühbirne
Geschrieben von Johannis am 19. Januar 2009 um 18:48 Uhr
Dr. Silvana Koch-Mehrin, die Imageaufhellungsblondine an der Seite von Scarface Schwesterwelle, trat kürzlich entschlossen ins Rampenlicht der überflüssigsten Partei Deutschlands, es war wohl wieder mal Parteitag. Dortselbst verkündete sie das neue Programm der Liberalen für die anstehende Europawahl: Mehr neue Kernkraftwerke und Rücknahme des EU-Verbots für herkömmliche Glühbirnen. Welch ein präzis geführter Doppelschlag!
Nun kann man von Leuten, die sich in erster Linie durch die Stimmen der Besserverdiener, Sozenhasser und zukünftigen Steuerflüchtlinge in den Parlamenten halten, und die als Knechte des Großkapitals in jeden erreichbaren Industriellenarsch kriechen, nicht erwarten, dass sie sich für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und radikale Schritte beim Klimaschutz aussprechen. Zu lang und verschachtelt, der Satz? Lies ihn einfach noch mal, dann klappt das schon. Ich persönlich finde moderne Kernkraftwerke übrigens gar nicht so schlimm, wenn man sie denn ordentlich betreibt und vor allem den Müll anständig endlagert. Allemal besser als die Braunkohledreckschleudern, und im Angesicht der globalen Thermalbedrohung eine Option, über die man vorurteilslos sprechen und nachdenken sollte. Noch besser ist allerdings das Energiesparen auf breiter Front, auch und gerade in der Industrie – aber daran verdienen RWE, e.on und Co. natürlich kein bisschen Kohle.
Klare Worte sind sowieso selten in der FDP. Man hängt sein Fähnchen gern nach dem Winde und hofft stets auf ein Trittbrett, um dort in Richtung Macht mitzufahren, wie jetzt in Hessen. So beschreibt die, zumindest wenn man Blondinen mag, nicht unattraktive Silvana auf ihrer Webseite im Bereich „persönlich“ ihren Familienstand als „nicht ledig, drei Töchter“. „In wilder Ehe mit einem irischen Anwalt lebend“ fand man wohl unzumutbar für die wertkonservative Wählerschaft. Irischer Anwalt – da klingelt es doch sicher, oder? Nein zu Europa, und so? Weil sich aber der irische Immobilienboom noch schneller in Missgefallen auflöst als ein Ricola Schweizer Kräuterzucker bei verhaltenem Lutschen, und die verblendeten Iren nun in eine Rekordrezession plumpsen, werden sie sich sicher im Herbst beim zweiten Wahlgang anders entscheiden. Und danach sofort Milliardenhilfsfonds der EU zur Rettung ihrer maroden Wirtschaft einfordern. Man darf doch wohl noch klüger werden, nicht wahr? Hat Adenauer angeblich gesagt. Mein Physiklehrer hat seine Frau auch zweimal geheiratet, sich dann allerdings auch ein zweites Mal von ihr scheiden lassen. Anderes Thema.
Schön war in der vergangenen Woche ein Lapsus des narbengesichtigen FDP-Obergorillas. Die Steuersenkungen des zweiten Konjunkturpakets würden sich pro Kopf und Monat auf 3,10 Euro belaufen, dafür könne man sich gerade eine Currywurst mit Mayo ohne Pommes leisten. Jau! Auch ohne regelmäßige Besuche in Imbissbuden ist doch wohl klar, dass der gelegentlich als Krawallschwuchtel verspottete Mann mal wieder Mist zusammenredet. Erstens kann man hier in Dortmund nachweislich eine Currywurst mit Pommes und Mayo für 2,70 kriegen, und wer will denn zweitens fette Mayo auf die schon in süßlich-plörrigem Ketchup ersoffene Wurst?
Da hat sicherlich der vor siebzig Jahren verstorbene Dr. Sigmund Freud ein Wörtchen mitgeredet. Bratwurst – ganz klar ein Phallussymbol. Mayo – ein Gleitmittel, nicht nur für frittierte Kartoffelschnitze. Möge sich Herr Westerwelle eine extrascharfe Currywurst dahin stecken, wo sie seinem Unterbewusstsein zufolge hingehört. Von mir aus mit Mayo. Und mögen all meine Gebete erhört werden und Dr. Silvana Koch-Mehrin ein Licht aufgehen, natürlich eine Energiesparbirne.
So, das sollte für heute eigentlich reichen.
Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«
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