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Archiv für Januar, 2009

FDP rettet die Glühbirne

Geschrieben von Johannis am 19. Januar 2009 um 18:48 Uhr

Dr. Silvana Koch-Mehrin, die Imageaufhellungsblondine an der Seite von Scarface Schwesterwelle, trat kürzlich entschlossen ins Rampenlicht der überflüssigsten Partei Deutschlands, es war wohl wieder mal Parteitag. Dortselbst verkündete sie das neue Programm der Liberalen für die anstehende Europawahl: Mehr neue Kernkraftwerke und Rücknahme des EU-Verbots für herkömmliche Glühbirnen. Welch ein präzis geführter Doppelschlag!

Nun kann man von Leuten, die sich in erster Linie durch die Stimmen der Besserverdiener, Sozenhasser und zukünftigen Steuerflüchtlinge in den Parlamenten halten, und die als Knechte des Großkapitals in jeden erreichbaren Industriellenarsch kriechen, nicht erwarten, dass sie sich für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und radikale Schritte beim Klimaschutz aussprechen. Zu lang und verschachtelt, der Satz? Lies ihn einfach noch mal, dann klappt das schon. Ich persönlich finde moderne Kernkraftwerke übrigens gar nicht so schlimm, wenn man sie denn ordentlich betreibt und vor allem den Müll anständig endlagert. Allemal besser als die Braunkohledreckschleudern, und im Angesicht der globalen Thermalbedrohung eine Option, über die man vorurteilslos sprechen und nachdenken sollte. Noch besser ist allerdings das Energiesparen auf breiter Front, auch und gerade in der Industrie – aber daran verdienen RWE, e.on und Co. natürlich kein bisschen Kohle.

Klare Worte sind sowieso selten in der FDP. Man hängt sein Fähnchen gern nach dem Winde und hofft stets auf ein Trittbrett, um dort in Richtung Macht mitzufahren, wie jetzt in Hessen. So beschreibt die, zumindest wenn man Blondinen mag, nicht unattraktive Silvana auf ihrer Webseite im Bereich „persönlich“ ihren Familienstand als „nicht ledig, drei Töchter“. „In wilder Ehe mit einem irischen Anwalt lebend“ fand man wohl unzumutbar für die wertkonservative Wählerschaft. Irischer Anwalt – da klingelt es doch sicher, oder? Nein zu Europa, und so? Weil sich aber der irische Immobilienboom noch schneller in Missgefallen auflöst als ein Ricola Schweizer Kräuterzucker bei verhaltenem Lutschen, und die verblendeten Iren nun in eine Rekordrezession plumpsen, werden sie sich sicher im Herbst beim zweiten Wahlgang anders entscheiden. Und danach sofort Milliardenhilfsfonds der EU zur Rettung ihrer maroden Wirtschaft einfordern. Man darf doch wohl noch klüger werden, nicht wahr? Hat Adenauer angeblich gesagt. Mein Physiklehrer hat seine Frau auch zweimal geheiratet, sich dann allerdings auch ein zweites Mal von ihr scheiden lassen. Anderes Thema.

Schön war in der vergangenen Woche ein Lapsus des narbengesichtigen FDP-Obergorillas. Die Steuersenkungen des zweiten Konjunkturpakets würden sich pro Kopf und Monat auf 3,10 Euro belaufen, dafür könne man sich gerade eine Currywurst mit Mayo ohne Pommes leisten. Jau! Auch ohne regelmäßige Besuche in Imbissbuden ist doch wohl klar, dass der gelegentlich als Krawallschwuchtel verspottete Mann mal wieder Mist zusammenredet. Erstens kann man hier in Dortmund nachweislich eine Currywurst mit Pommes und Mayo für 2,70 kriegen, und wer will denn zweitens fette Mayo auf die schon in süßlich-plörrigem Ketchup ersoffene Wurst?

Da hat sicherlich der vor siebzig Jahren verstorbene Dr. Sigmund Freud ein Wörtchen mitgeredet. Bratwurst – ganz klar ein Phallussymbol. Mayo – ein Gleitmittel, nicht nur für frittierte Kartoffelschnitze. Möge sich Herr Westerwelle eine extrascharfe Currywurst dahin stecken, wo sie seinem Unterbewusstsein zufolge hingehört. Von mir aus mit Mayo. Und mögen all meine Gebete erhört werden und Dr. Silvana Koch-Mehrin ein Licht aufgehen, natürlich eine Energiesparbirne.

So, das sollte für heute eigentlich reichen.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Verkehrte Welt in Duisburg

Geschrieben von Johannis am 17. Januar 2009 um 09:43 Uhr

Grad fiel mir auf, dass ich schon viel zu lange nicht mehr auf den Muselmanen rumgehackt habe. Das darf nicht sein und muss sofort behoben werden. Folgendes trug sich am vergangenen Samstag in Duisburg zu: Milli Görüs, vom Verfassungsschutz wohl zu recht bespitzelte Vereinigung radikaltürkischer Integrationsverweigerer, hatte zur Demo aufgerufen. Für die unschuldigen Palästinenser, gegen die bösen Israelis. Einige tausend Schnauzbartträger und dazu die üblichen in Palästinenserfeudel eingewickelten Schräglinksidioten folgten der Einladung und bescherten den Duisburger Polizisten bei strahlendem Winterwetter einen Wochenendeinsatz mit Überstundenzulage.

Einschub: Nur um das klarzustellen, ich finde den aktuellen Kampfeinsatz der israelischen Armee, Luftwaffe und Marine zum Kotzen. Das Uraltproblem im angeblich heiligen Land lässt sich nicht mit Waffengewalt lösen, außer die Israelis bringen sämtliche Palästinenser um, bis zum allerletzten Mann. Das planen sie vielleicht sogar, sind weiß Gott nicht zimperlich, schließlich hat Israel kürzlich bei den Amis um Erlaubnis zur Bombardierung des Iran gebettelt. Die USA sagten aber Nein, erstmal. [Einschub im Einschub: Wirklich zum Stoßerbrechen finde ich allerdings die heuchlerischen Statistiker, die uns täglich mit aktualisierten Opferzahlen und exakt aufgeschlüsselten Prozentsätzen an getöteten Frauen und Kindern behelligen. 34% tote Zivilisten, oder waren es doch nur 32,7%? Als ließe sich Unrecht steigern, relativieren oder begründen, wenn man die genauen Zahlen kennt.] Ich kann mir übrigens problemlos vorstellen, wie Zipi Livni ganz besorgt im Internet-Lifestream unseren Heimatsender WDR verfolgt und dann erschrocken ihre beiden Ehuds anruft. Herr Olmert, Herr Barak, in Deutschland demonstrieren sie schon wieder, wir sollten jetzt endlich die Panzer abziehen. Wer’s glaubt…

Egal, zurück nach Duisburg. Dort hatten mutige Bewohner einer WG doch tatsächlich den Nerv, zwei israelische Fahnen aus ihren Fenstern zu hängen. Direkt an der Demonstrationsroute. Kackdreist! Da schäumten die selbstgerechten Muslime wie tollwütige Köter oder meine Waschmaschine, wenn ich versehentlich die doppelte Menge Pulver reingekippt habe. Ich nehme an, sie waren kurz davor das Haus anzuzünden. Obwohl, Brandanschläge auf Unschuldige – das ist doch wohl immer noch die Domäne des hässlichen Deutschen. Egal. Und was taten unsere Ordnungshüter? Die stapften flugs die Treppe hoch, traten die Tür ein (so mutig, dass sie während der Demo in ihrer Bude geblieben wären, waren die jungen Wohngemeinschaftler dann doch nicht) und holten eiligst die Fahnen rein. Präventiv sozusagen, bevor Achmed, Abdullah und Co. in ihrer überheblichen Empörung vom Herzklabaster dahingerafft werden konnten oder sich vom Steineschmeißen ‘nen Tennisarm holten. Toll, nicht?

Die eifrigen Schutzmänner haben dann gegenüber den WGlern noch ein paar minderschwere Dummheiten begangen, für die sich der Duisburger Polizeichef mittlerweile öffentlich entschuldigt hat. Aber man kommt schon irgendwie ins Grübeln. Die demokratischen Grundrechte der Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit werden hier von Leuten genutzt, in deren staubiger Drittweltheimat man für halblaut gesprochene regimekritische Worte flink ein paar Jahre Knast kassiert. Sie selbst wollen am liebsten weltweit die Sharia einführen, das muslimische Gesetzbuch des frühen Mittelalters, mit Steinigung für Ehebrecherinnen, Schulverbot für Mädchen, Handab bei Ladendiebstahl und ähnlich geschmackvollen Regeln. Hier in Deutschland bringt die Islamofraktion unsere meist brave Polizei dazu, ihr den Büttel zu machen, damit immigrierte hyperempfindliche Allahisten nur ja keine kritischen Geister ertragen müssen. Klasse!


 

Wenn das Schule macht, sind Vollbärte bald Pflicht (aber erst ab sechzehn) und das Tragen silberner Kruzifixe (auch unter dem Hemd) wird verboten. In der Schultüte weiblicher ABC-Schützen liegt praktischerweise gleich ein Kopftuch, und spätestens wenn der Busen sprießt gibt’s eine schwarze Gratisburka. Ach ja, Gegendemos bei Naziaufmärschen werden zukünftig vorbeugend eingekesselt und die Teilnehmer zur erkennungsdienstlichen Behandlung abgefahren, damit sich die sensiblen braunen Glatzen nicht allzusehr aufregen.

Zum Glück habe ich keinen Anti-Nazi-Aufkleber am Auto, sonst würden mir unsere netten Freunde und Helfer womöglich vorbeugend die Heckklappe von meiner Karre reißen. Die ich ja bald verschrotten lasse, um dann Angies Deppenprämie zu kassieren und mir einen nagelneuen Japaner zu kaufen. Oder doch lieber eine Spritschleuder vom Typ BMW X5 oder Audi Q7? Als Jahreswagen sind die jetzt saubillig. Mal seh’n, ist ja alles erlaubt.

Aber das ist ein anderes Thema, dazu kommen wir vielleicht irgendwann mal. Übrigens, heute soll die nächste Anti-Israel-Demo in Duisburg laufen, passenderweise organisiert von der türkischen „HDR – Organisation für Würde und Rechte des Menschen e.V.“ Viel Spaß dabei und Tschüss!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Anruf von Obama

Geschrieben von Johannis am 15. Januar 2009 um 11:32 Uhr

Nächsten Dienstag ist es endlich soweit. Nein, nicht etwa die Ankunft russischen Erdgases in Europa durch die Pipelines der Ukraine, das kann wohl noch länger dauern. Viel besser, denn in Washington zieht der Messias endlich ins weiße Haus ein. Wie ich zum President Elect stehe kann man hier und hier nachlesen.

In seiner mittelbraunen Haut möchte ich übrigens nicht stecken – es ist schon tragisch, dass der Mann ausgerechnet jetzt sein Amt übernimmt. Hätte Schorsch Dabbeljuh Dumpfbacke uns nicht acht volle Jahre bewiesen, dass sein geistiger Horizont den eines alterschwachen Meerschweinchens nicht nennenswert übersteigt, könnte man ihn glatt verdächtigen, Creditcrunch, die Rezession und den blöden Krieg in Gaza geschickt eingefädelt zu haben, um seinem Nachfolger in die Suppe zu spucken. Aber es ist einfach Schicksal. Shit happens, even to the good guys.

Obwohl ich mich durch antisoziales Verhalten und billige, ehrabschneidende Polemik menschlich weitgehend isoliert habe, klingelt manchmal mein Telefon. So auch gestern und meine Überraschung war kaum noch mild zu nennen, als ich die Stimme erkannte. Barack Obama war dran und kam nach einer ebenso kurzen wie höflichen Aufwärmrunde flink auf den Punkt. Seine Leute hätten ihm zugetragen, dass in meinem Blog zwar oftmals radikale, aber dennoch lösungsorientierte Ideen und Vorschläge propagiert würden. Ob ich wohl, da ihm die Scheiße leider schon vor Amtsantritt bis zum Hals stünde, ein paar Tipps und Ratschläge für ihn hätte, es solle auch nicht zu meinem Schaden sein?

Zugegebenermaßen geschmeichelt willigte ich ein, musste aber gleichzeitig versprechen, dass der genaue Wortlaut des Telefonats nicht an die Öffentlichkeit dringen werde. Sure thing, buddy, big indian word of honor! Go ahead, dude, tell me what troubles you“ ermutigte ich ihn in seiner Muttersprache, und er ließ sich nicht lange bitten. Habt bitte Verständnis, wenn ich hier nur einige Kernpunkte unseres Gesprächs erwähnen kann, aber er hat versprochen, dass er sich wieder meldet. Falls er das tut und den versprochenen Scheck schickt, gibt es hier selbstverständlich Nachschlag.

Zuerst ging es um die Krise der amerikanischen Autobauer – nicht verwunderlich, stamme ich doch aus Good Old Germany, deeem! Autoland überhaupt. Mein Rat an Barack mag eventuell unorthodox klingen, aber ich habe ihm empfohlen das Los entscheiden zu lassen. Drei Zettelchen in den Hut, darauf die Worte Ford, General Motors und Chrysler, und dann darf seine Tochter Malia ziehen. Nur ein Los gewinnt, die beiden anderen Firmen gehen pleite, und geschummelt wird nicht. Ist vielleicht gemein, hilft aber. Abschreckendes Beispiel. Jene Hardcorepatrioten, die auch in Zukunft unbedingt ein amerikanisches Auto kaufen wollen, können das dann trotzdem. Und die anderen bestellen eben bei VW oder Toyota. Den Japanern geht es schließlich auch nicht besonders gut. Ersatzweise gehen die US-Bürger zu Fuß oder fahren endlich mal mit dem Rad, fett genug sind die meisten Amis ja.

Afghanistan war ein großes Thema, kein Wunder. Ich musste ihn warnen, denn mit mehr Truppen, Raketen, Drohnen und Smart Bombs wird das nix. Wenn Barack nicht genauso scheitern will wie Bush im Irak, hilft nur eines. Man muss den Afghanen das Opium abkaufen, anstatt hier und da halbherzig ein paar Mohnfelder abzufackeln. Ganz offiziell, landesweit und tonnenweise. Und dann Morphium draus machen, das wird überall reichlich gebraucht. Krieg is immer und die Leute kriegen ja heutzutage alle Krebs. Meinetwegen soll man es auch vernichten, das klebrigschwarze Zeug. Nur so kann man den Taliban den Geldhahn abdrehen und Ruhe ins Land kriegen, anders wird das nie was. Oder eben doch nur eine Neuauflage der russischen Tragödie. In der Türkei geht es schließlich auch, da leben seit Jahrzehnten rund 100.000 Bauern vom Anbau des Schlafmohns. Ganz legal und unter staatlicher Kontrolle verdienen sie anständiges Geld und können ihre Familien ernähren. Warum sollte das in Afghanistan nicht funktionieren?

Wir haben dann noch über die Waffenlobby in den USA und über Afrika gesprochen, über Hedgefonds und Staatsverschuldung, aber das führte jetzt zu weit. Einen Tipp kann ich noch verraten, es ging um Robert Mugabe. Wenn die Russen ihre Dissidenten mitten in London mit radioaktivem Zeugs vergiften können, dann muss es wohl möglich sein, den irren alten Diktator von Simbabwe umzubringen. Irgendein unterbeschäftigter Geheimdienst kann das doch bitte übernehmen und die Menschen dort aus der Geiselhaft des geisteskranken Despoten befreien. Bevor sie alle an der Cholera krepieren. Von mir aus soll man ihn mit einer lasergesteuerten Monsterbombe oder sonstwelchen Hightech-Waffen um die Ecke bringen, Hauptsache weg. Selbst wenn dabei seine Leibwachen und ein paar Minister mit draufgehen, das sind dann eben Kollateralschäden. Baracks Familie in Kenia hätte bestimmt Verständnis für solch eine Aktion.

Soviel für heute. Wenn er wieder anruft, erfahrt ihr es als erste. Take care and eat well. Bye!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Tipps für Unternehmer

Geschrieben von Johannis am 13. Januar 2009 um 12:24 Uhr

Wir leben in schweren Zeiten, was wohl mittlerweile auch der unverbesserlichste Optimist kapiert hat. Zu Weihnachten ließen es die deutschen Verbraucher noch ein letztes Mal krachen, aber jetzt wird der Gürtel enger geschnallt, auch wenn viele längst beim allerletzten Loch angekommen sind. Zwar gaukelt uns die unsägliche Koalition vor, sie täte alles, um das Schlimmste abzuwenden, aber dieses Versprechen gilt wohl nur für die Besitzer von Bankaktien. Die Prioritäten sind klar gesetzt, wie man an den hastig zusammengestümperten Rettungspaketen ablesen kann. Hundert Euro für Kindergeldempfänger, zweieinhalb Mille für’n neues Auto. Des Deutschen liebstes Kind eben.

Fuffzich Milliarden für die Bürger, hundert für die Industrie und fünfhundert für die Banken. Weil das dösige Stimmvolk auch nach fünf Jahren Geiz-ist-geil nicht rechnen kann, müssen Profikotzbrocken wie Pofalla, Koch und Konsorten nicht etwa mit einem Aufstand der Entrüsteten rechen, sondern mit ihrer Wiederwahl. Das allein ist derart tragisch, dass man es kaum in Worte fassen kann. Seehofer, der hünenhafte bajuwarische Häuptling Silberlocke mit der Lizenz zum Ehebruch, zeigte sich kürzlich von seiner begriffsstutzigsten Seite, als ihm hämische Journalisten vorrechneten, dass die ganzen Steuererleichterungen pro Bürger wohl knapp 10 Euro ausmachen. Immerhin – pro Monat! Da werden wir doch alle sofort in einen kollektiven Kaufrausch verfallen und die Binnennachfrage in astronomische Höhen peitschen, oder?

Schlecht geht es auch unseren Industriellen, obwohl die natürlich von jeder Senkung der Lohnnebenkosten im gleichen Maße profitieren wie ihre lästigen Kurzarbeitnehmer. Nur 100 Milliarden, ein schweizerischer Edelbanker würde das Erdnüsse nennen. Peanuts vor die Säue eben. Manch Unternehmer denkt ernsthaft über Selbstentleibung nach, schreitet gar wie Herr Merckle entschlossen zur Tat. Das ist an sich nichts Schlimmes, kann sogar durchaus ehrenhaft sein. Aber doch nicht so! Warum schmeißt sich einer der reichsten Männer Deutschlands denn bitte vor den Zug? Etwa um Geld zu sparen oder den heimischen Perserteppich zu schonen? Nicht nur mit Aktien verzockt, sondern brave Mitbürger auch noch mit überaus lästigen Verspätungen im Bahnverkehr verärgert. Vom Lokführer mal abgesehen, der fährt bestimmt auch nicht gern Leute tot.

Nachahmer werden daher nachdrücklich um Rücksicht gebeten. Früher ging man ins private Arbeitszimmer, holte die Walther PPK aus dem Mahagonisekretär, seufzte ein letztes Mal und schoss sich mannhaft eine Kugel durch den Kopf. Auch nicht die beste Lösung, man denke nur an die traumatisierende Wirkung auf Gattin, Nachwuchs oder Dienstboten – je nach dem, wer die Sauerei entdeckte. Aber okay, weil das Trauma meist bei der Testamentseröffnung deutlich abgemildert wurde. Sterben bringt Erben.

Nicht okay hingegen sind alle Suizidverfahren, bei denen Unbeteiligte über Gebühr in Mitleidenschaft gezogen werden. Leichen sind schlicht nicht dekorativ, so was möchte kaum jemand vor der Nase oder im Haus haben. Nein, auch nicht im Hotel! Bitte an die schlecht bezahlten polnischen Zimmermädchen denken, die dann den blutigen Kadaver in der Badewanne finden und später die Schweinerei wegputzen müssen. Selbstmörder können übrigens tödlich sein, deshalb bitte auch nicht von Dächern oder Talbrücken springen, es sind ja überall Jogger unterwegs. Und das Stoffdach eines Cabrios hält zwar Wind und Regen ab, aber garantiert nicht dem rasanten Aufschlag eines deprimierten Mannes stand, der im siebten Stockwerk den Absprung gefunden hat.

Wir sehen also, es ist gar nicht so einfach, sich sozialverträglich um die Ecke zu bringen. Gute Methoden sind zum Beispiel der Sprung in den Krater eines tätigen Vulkans (Zisch und weg) oder das Schwimmen mit Haien vor der australischen Ostküste. Ihr örtliches Reisebüro berät Sie gern. Wenn es etwas teurer sein darf, bietet sich auch der Absturz mit dem Privatflugzeug an, idealerweise ins Meer. Sinnvoll nur für Inhaber des Pilotenscheins ist diese Variante allerdings wegen giftiger und biologisch nicht abbaubarer Bestandteile des gecrashten Fliegers ökologisch fragwürdig. Die Luxusvariante besteht dann in einem Weltraumspaziergang, bei dem sich der Selbstmörder unauffällig verläuft. Inder und Russen bieten solche Trips an, das klappt allerdings nur mit genügend Vorlaufzeit. Wer sparen muss, kann sich übrigens relativ leicht auf das Gelände der nächstgelegenen Tierkörperverwertung schleichen und direkt im Kadaversilo entleiben, neben den sterblichen Hüllen von Muschi, Bello und kürzlich krepierter Kühe, die dort leichenstarr auf den Seifensieder warten. Unbedenklich, denn die Weiterverarbeitung erfolgt automatisch.

Für Hedgefondsmanager, Bankrotteure und andere gescheiterte Existenzen gilt in der aktuellen Krise folgender Leitsatz: Bitte nehmt wenigstens in der Stunde eures Todes Rücksicht. Einmal ist doch bekanntlich keinmal.

In diesem Sinne wünschen wir gute Reise.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Wortlose Weihnachten

Geschrieben von Johannis am 10. Januar 2009 um 17:46 Uhr

Kinder, wie die Zeit vergeht! Oder wie der Brite sagt: Time just flies, when you’re having fun! Es ist unheimlich schön, endlich wieder zuhause zu sein. Wunderbar harmonische Feiertage rundeten das vergangene Jahr ab, nachdem ich Anfang Dezember aus dem subtropischen Goa in den Schoß der Heimat zurückkehrte und dort nicht nur ausgesprochen herzlich begrüßt, sondern von guten Nachrichten geradezu erschlagen wurde. Toll!

Stop. STOOOOOPPP! I shall try again. Diesmal mit der Wahrheit. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagte Hermann Hesse (mittlerweile unbekannter deutscher Dichter, lange tot). Und so war’s auch. Ich stand nach einer nur mäßig angenehmen Rückreise (via Goa, Mumbai und der Hölle von Bahrain) in Frankfurt, neben mir ein Gepäckkarren, und hoffte auf die Ankunft meines Samsonites. Man kennt das ja – ein Förderband spuckt endlos und ausschließlich fremde Koffer auf ein Karussell, das Volk drängelt und knubbelt sich, in der Luft liegt eine Mischung aus den Ausdünstungen müder, entnervter sowie angeschmuddelter Langstreckenpassagiere und dem Angstschweiß jener Mitreisenden, die sich zu recht vorm Zöllner fürchten.

Ich stand also in Frankfurt und harrte der Dinge, die nicht kommen wollten. Plötzlich schubste ein schmieriges Männchen mit Vokuhila-Frisur meinen Trolley, auf dem Laptop, Handgepäck und warme Jacke (samt Pass, Geldbörse, Handy, Hausschlüsseln) ruhten, grob beiseite, um sich mit einem schäbig-schimmelgrauen Rollenkoffer seinen Weg zu bahnen. Mir schlüpfte doch tatsächlich ein überrascht-besorgtes „Heyh!“ über die Lippen, das der Halbgnom mit einem urschwäbischen „Ja, wie soll i denn hier durschkomme?“ beantwortete. Als ich dem ein mäßig freundliches „Sagen Sie doch einfach ein Wort!“ folgen ließ, bedachte er mich mit dem, was er wohl für einen vernichtenden Blick hielt, und keifte „Tybbisch unfreundlischer Deudscher!!“

Was entgegnet man einem Mann, der sich – nach drei Wochen, wahrscheinlich ausgefüllt mit thailändischem Billigbier und reichlich Sex mit Kindern – in der ungeliebten Heimat nur schlecht zurechtfindet und offenbar unwohl fühlt? Ein albern-veraltetes „Jeder kehre vor seiner Tür.“? Ein infantiles „Selber, selber!“? Oder kontert man, weil mindestens einen halben Kopf größer und schlauer mit einem geknurrten „Verpiss dich, du mickeriger Schwabenarsch!“?

Ich habe wohl etwas gesagt, was sich sinngemäß als „Thank you for making me feel very much at home, Sir!“ übersetzen ließe. Okay, das war nicht der Brüller, denn ich war müde und groggy. Dafür machte die Begegnung klar, wo ich an jenem Morgen stand. In Deutschland. Leichte Zweifel überkamen mich erst, als im ICE fast ausschließlich Chinesen saßen und ich später dem bescheuerten Taxifahrer (mit Migrationshinter- und Vordergrund) mühsam den Weg vom Hauptbahnhof zu meiner Heimstatt erklären musste. Wobei der grenzdebile Sack vor jeder Ampel das Gas wegnahm, in der Hoffnung, sie möge rot werden und ihm auf dem Taxameter ein paar Cent mehr bescheren. Diese Taktik hat sein Trinkgeldaufkommen nicht wirklich erhöht, obwohl ich sonst nicht hyperknauserig bin. Angeblich.

Home, sweet home! Der Nachbar hatte es zwar verschusselt, meine Heizung anzustellen, aber nach zwei Wochen Tropenhitze waren warme Socken eine ganz nette Abwechslung. Abwechslungsreich waren auch die folgenden Wochen. Die internationale Politik und Bankerszene überschlug sich geradezu mit Hiobsbotschaften und Beschwichtigungen (abwechselnd), jede Woche wurde irgendwo ein Milliarden- oder gar Halbbillionenpaket (ich weiß, english billions are deutsche Milliarden) geschnürt, um genau jene unersättlichen Arschlöcher aus der Krise zu retten, die selbige herbeigeführt hatten. Kleine Länder sowie große Autobauer meldeten den drohenden Bankrott, und diesbezüglich ist noch längst kein Ende absehbar.

In Simbabwe brach die Cholera aus (von den bösen Briten geschickt, um Herrn Mugabe den wohlverdienten Lebensabend zu versauen) und kurz darauf gingen die Griechen auf die Straße, um den Neuwagenverkauf und die Umsätze der lokalen Glaserinnung anzukurbeln. Merkel & Co. überboten sich beim Posener Klimagipfel in der Disziplin „Rückgrad – hab ich nicht!“ und fast pünktlich zum Fest begannen die Israelis Gaza zu bombardieren. Find’ ich übrigens gut, mal etwas Abwechslung im Feiertagskatastrophenszenario. Kann ja nicht immer gleich in Tsunami sein, da man muss schon bescheiden bleiben. Langweilig hingegen die Wir-drehen-zu-Neujahr-wieder-das-Gas-ab-Nummer der Russen. Hatten wir schon.

Tja. Kurzfristig bedauerte ich, dass ich nicht in Goa vom Hai gefressen worden war. So hatte ich also wenig Lust zum Schreiben, war mit dringenden Arbeiten und unaufschiebbaren Grübeleien beschäftigt und habe dann meine Lebensperspektiven insgesamt evaluiert. Wie wichtig ist mir die Zugehörigkeit zur menschlichen Rasse und Gemeinschaft? Könnte ich auch woanders glücklich sein – angenommen, ich wäre hier glücklich? Mal ehrlich – es gibt doch kaum eine bessere Zeit für solche Fragen, als die Tage zwischen den Jahren, oder? Klingt zwar wie eine Anlehnung an einen missglückten Werbeslogan für deodorierte Slipeinlagen, aber dafür kann ich nix.

So, es wird allerhöchste Zeit für die Kurve zum Positiven. Da fällt mir nicht viel ein. Tja. Ach doch, mein kürzlich gestellter Antrag auf Einbürgerung in eine Kolonie antarktischer Königspinguine hat offenbar Aussichten auf Erfolg. Ich bin zwar im Wasser nicht besonders elegant unterwegs, hab dafür aber einen großen Schnabel. Und mag Fisch. Mal sehen.

(Harter Break). Zum Schluss noch ein paar meiner Lieblingsfotos der letzten Asienreise. Der nepalesische Bauer hockt auf dem Aushub einer Grube, die seine Biogasanlage aufnehmen wird. Die vier Herren beobachten die Einweihung der örtlichen Schule, während die indischen Mittelstandskids in ihrem chicen Sponsorenoutfit zuversichtlich einer Zukunft voller Verheißungen entgegenstapfen. Enjoy! Und weil ich in den Augen mancher Zeitgenossen garantiert ein Spinner bin, noch zwei Spinnen. Zum Größenvergleich das Feuerzeug. Sorry wegen der Schleichwerbung.

So, das muss für heute reichen. Tschüss.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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