Zurueck
Start Mensch Buch Prosa Bilder Lyrik Blog Mehr
Vorwaerts
Deko Blog

Archiv für Januar, 2009

Kurzarbeit für alle!

Geschrieben von Johannis am 31. Januar 2009 um 14:02 Uhr

Das altbekannte Motto „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“, muss im Zeitalter der Globalisierung abgewandelt werden. Die Dritte Welt sollte unser Vorbild sein, besonders in der jetzigen Krise. Nepal, am Fuße des majestätischen Himalajas gelegenes und ehemals einziges Hindukönigreich der Welt, nun aber nach Zwangspensionierung des Königs mehrheitlich von Maoisten regierte Republik, zeigt uns exemplarisch, wie es richtig gemacht wird.

Mit Befremden beobachtet der an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessierte Deutsche die vollkommen unkoordinierten Streiks dieser Woche. Einmal sind es die Flugbegleiter (Nein, ich werden den Begriff Saftschubse nicht erwähnen), am nächsten Tag streiken dann die Pfeifen Damen und Herren von der Bahn, und tags drauf stehen die ver.di-Rotkittel trillernd vorm Dortmunder Landgericht – völlig chaotisch, komplett ohne Sinn und Verstand. Warum nicht gleichzeitig streiken, am besten bundesweit? Von mir aus einmal monatlich, aber dann richtig!

In Nepal wird regelmäßig der so genannte Bandh ausgerufen, ein oft dürftig begründeter Generalstreik, der aber zuverlässig das ganze Land lähmt. Alle Betriebe machen dicht, Büros und Läden bleiben geschlossen, und der Verkehr kommt vollkommen zum Erliegen. Wer trotzdem fährt, bekommt nachdrücklich ein paar Backsteine in die Windschutzscheibe geknallt, das wirkt zuverlässig. Primitiv und barbarisch? Mitnichten! Jeder Bürger weiß genau, woran er ist – man bleibt zuhause, liest ein gutes Buch oder widmet sich gemeinsam mit der Gattin der aktiven Familienplanung. Alternativ kann man auch einen Waschtag einlegen, endlich den Dachboden entrümpeln oder seine Steuerklärung machen. Gut, die letzten beiden Vorschläge sind albern, wenn es um Nepal geht.

Aber malen Sie sich doch bitte einmal aus, wie ein ähnlich konzertierter Streik bei uns ablaufen würde. Kein obernerviges Rumgestehe auf dem Flughafen, am Bahnsteig oder im zuverlässig entstehenden Autostau. Keine Hassanfälle vorm parkenden ICE, nie wieder zickige Antworten am geschlossenen Check-In-Schalter oder von Handydauertelefonaten weich gekochte Schläfenlappen. Statt dessen ein gemütliches Frühstück im Bett, dann der Liebsten noch etwas am Ohrläppchen geknabbert und endlich aufgestanden. Die Kinder müssen nicht zur Schule, draußen herrscht idyllische Ruhe, alle haben frei. Also fast alle, bis auf die Gewerkschaftler, die müssen natürlich in den sauren Appel beißen und leider streiken, sonst verkäme die ganze Aktion natürlich zur Farce. Pech gehabt, ver.di!

Die Vorstellung behagt Ihnen nicht? Es gibt doch vorerst sowieso nicht genug Arbeit, täglich kommen neue Hiobsbotschaften von den Banken und aus der Industrie. Warum nicht ein bisschen Entspannung für alle, das tut bestimmt gut. Ein regelmäßiger Wellnessstreik eben. Ich schlage auf jeden Fall pro Monat einen festen Streiktag vor, vorab im Kalender vermerkt. Wie Ostern eben. Dann weiß man wenigstens, was Sache ist.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 1 Kommentar »

Anleitung für Amokläufer

Geschrieben von Johannis am 28. Januar 2009 um 18:05 Uhr

In diesen schnelllebigen Zeiten ist es weiß Gott nicht leicht, alles richtig zu machen. Das gilt für jeden Bereich des Alltags, viele Bürger sind deshalb dankbar für kompetente Ratgeber und praktische Hinweise. Darum will ich mich heute kurz einer vernachlässigten Randgruppe widmen, die aber in der öffentlichen Wahrnehmung ständig an Bedeutung gewinnt. Waren es vor ein paar Jahren vorwiegend amerikanische Jugendliche, die Blutbäder unter Mitschülern anrichteten und den Lehrkörper mit Vollmantelgeschossen attackierten, so haben sich Popularität und Einsatzbereich des Amokläufers deutlich ausgeweitet. Doch ein erfolgreicher Amoklauf ist gar nicht so einfach, es gibt unerwartete Hürden und ärgerliche Fallstricke.

Den gemeinen, meist islamistischen Selbstmordattentäter wollen wir heute außen vor lassen, denn er kann nicht als Amokläufer im strengen Wortsinn gelten. Nebenbei gibt es im Internet unzählige Vorbilder und ausreichend simple Anleitungen, die es dem entschlossenen Sprengstoffwestenträger kinderleicht machen, sich medienwirksam in Stücke zu pusten. Der klassische Amoklauf (Malayisch: meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten) wird hingegen mit einer Waffe und von Hand ausgeführt, neuerdings allerdings auch gern mit einem Fahrzeug (Amokfahrer). Anlässe dazu bieten sich im stressigen und spannungsgeladenen Alltag überreichlich.

Man hat gerade einen schlechten Tag, es ist schon wieder kein Bier im Kühlschrank, abermals sind beim Mittwochslotto die eigenen Zahlen nicht gezogen worden oder die häusliche Gulaschsuppe war versalzen. Dann fällt in der gut sortierten Küche der Griff zum Messerblock leicht und kurz darauf die Gattin auf den Laminatboden. Soweit, so gut. An dieser Stelle jetzt nicht stehen bleiben oder gar weinerlich die Polizei rufen. Hat der Nachbar nicht vorletzte Woche das Schneeräumen fast einen Meter vor der Grundstücksgrenze eingestellt? Sollte der ewig nörgelnde Sohn sein Zimmer nicht schon gestern aufgeräumt haben? So finden sich schnell ideale Ansatzpunkte, um aus einer simplen Affekthandlung, die wahrscheinlich nur als verzweifelte Beziehungstat gedeutet würde, einen vollwertigen Amoklauf werden zu lassen. Wichtig: Keine Messer unter 20 cm Klingenlänge oder mit Wellenschliff benutzen, und auf stabilen, durchgenieteten Griff achten!

Die erschreckend restriktiven deutschen Waffengesetze machen es dem ambitionierten Amokläufer unnötig schwer, denn nicht jeder ist Mitglied im Schützenverein, dient bei der Bundeswehr oder hat Kontakt zur Unterwelt. Doch mit etwas gutem Willen lassen sich auch in unserer schönen Republik Wege finden, um berechtigtem Unmut medienwirksam Ausdruck zu geben. Baumaschinen wie Radlader oder Planierraupen stehen am Wochenende unbewacht herum und ihre Dieselmotoren lassen sich meist schon mit einem einfachen Nagel als Ersatzschlüssel starten. Diese Fahrzeuge sind zwar oft etwas behäbig, aber auf Grund des hohen Eigengewichts nicht leicht zu stoppen. Einmal unterwegs mit 400 PS kann man nicht nur die Kleingartensiedlung radikal umgestalten, sondern gleich noch manch bittere Kränkung vom sommerlichen Grillfest rächen.

Wichtig für die Zeit danach ist, dass die Umwelt das Motiv versteht und entsprechend mitfühlen kann. Man will ja schließlich nicht den Rest des Lebens im Hochsicherheitstrakt verbringen, ohne den Respekt der Mitgefangenen genießen zu können. Daher sollte die Zielgruppe sorgfältig gewählt und die Tat konsequent und fehlerfrei ausgeführt werden. Kann der Fernsehzuschauer den Hass des Amokläufers nachfühlen und hätte am liebsten selbst mitgemacht, ist dem Täter auch in der Justizvollzugsanstalt reichlich Sympathie sicher.

Ganz falsch: Angriffe auf Kleinkinder und deren Betreuungspersonal. Das Tragen von kugelsicheren Westen, wenn man keinen Schusswaffeneinsatz plant. Albernes Makeup nach dem Vorbild von Comic-Helden. Störrisches Schweigen nach der Tat sowie die Verwendung minderwertiger Importschnittwaren. Nicht zu Unrecht ist Solinger Stahl weltberühmt – warum also eine billige chinesische Machete aus dem Baumarkt benutzen? Am besten bleibt man nach der Tat vor Ort und provoziert die eintreffenden Sicherheitskräfte, denn vielfach ist der Nachruhm erheblich größer, wenn der Amokläufer vor laufenden Kameras erschossen wird. Sorgen Sie dafür, dass man Sie ernst nimmt. Vom Gericht bestellte psychologische Gutachter tendieren leider immer wieder zu fälschlich attestierter Unzurechnungsfähigkeit, dann steht man trotz vollen Einsatzes als blutbeschmierter Idiot da und landet in der geschlossenen Psychiatrie.

Richtig: Wählen Sie Ihre Zielgruppe sorgfältig und strikt nach Mediengesichtspunkten aus. Bitte nicht wieder in der Schule herumballern, das ist langweilig. Stattdessen mal ein Besuch im türkischen Kulturverein oder im Swingerclub. Besonders innovativ sind Angriffe auf Neonazis und spontane Besuche bei NPD-Parteitagen. Keine Angst – braunes Gedankengut geht selten mit Intelligenz und Wehrhaftigkeit einher, hier wird gern für Führer und Vaterland gestorben. Fortgeschrittenen Kandidaten mit guter Ausrüstung und reichlich Munition empfehle ich den Besuch auf der öffentlichen Aktionärsversammlung einer deutschen Großbank. Als Eintrittskarte reicht schon eine Aktien, und die sind bekanntlich seit einiger Zeit spottbillig zu haben. Bin gespannt, ob Herrn Ackermann das süffisante Dauergrinsen noch gelingen will, wenn er sich nach einem Bauchschuss in seinen Säften wälzt.

Mehr lässt sich in der für diese Kolumne gebotenen Kürze nicht vermitteln. Abschließend muss ich aus berechtigtem Anlass vor übermäßigem Alkoholgenuss warnen, auch Haschisch macht müde und wirkt oft hemmend. Gut hingegen sind Kokain oder Amphetamine, sie steigern die Entschlossenheit und Leistungsfähigkeit. Bei Befolgung meiner Hinweise sollte einem erfolgreichen Amoklauf eigentlich niemand im Wege stehen, und wenn, ist das wohl auch nicht weiter schlimm. In diesem Sinne wünsche ich gutes Gelingen, ich bin sicher, wir hören bald voneinander, denn auch mir wurde ein erhöhtes Aggressionspotential attestiert.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 1 Kommentar »

Abfuckprämie

Geschrieben von Johannis am 26. Januar 2009 um 13:43 Uhr

Immerhin 8 Einträge findet Google für dieses schöne Wort, auf das offenbar nicht nur ich gekommen bin. Im Vergleich dazu bringt Abfrackprämie 911.000 Hits, was seltsam genug ist. [Wahrscheinlich, weil die Suchmaschine bei Schreibfehlern mittlerweile sehr tolerant ist, denn es gibt ja immer mehr Analphabeten. 30 % aller türkischen Immigrantenkids schaffen übrigens keinen Schulabschluss, wie eine neue Studie bald verraten wird, aber das ist ein anderes Thema.] Ich besitze zwar tatsächlich einen gut erhaltenen Frack, den ich sogar für weniger als 2.500 Euro hergeben würde, aber sonst fällt mir zu dem Wort in erster Linie dies ein: Kohle für männliche Orchestermusiker, damit sie sich nackig machen. Keine besonders stimulierende Vorstellung, finde ich.

Abgefuckt – und das darf man doch wohl in Zeiten, wo überall downgesized und outgesourct wird, ohne Scham sagen und schreiben – also (phonetisch korrekt) abgefackt finde ich hingegen den aktuellen Heip um die Abwrackprämie. Der Begriff hat schon jetzt Topchancen, zum Unwort des Jahres 2009 gekürt zu werden. Eigentlich heißt es ja Umweltprämie, aber ganz so doof sind wir nun auch nicht. Die Stimme des Volkes spricht unbefangen aus, was Millionen Hirne längst kapiert haben – dass es nämlich überhaupt nicht um die Umwelt geht. Sonst wären niedriger Spritverbrauch sowie geringe CO²-Werte nach mindestens Euro-5-Norm vorgeschrieben, und die Altkarre müsste auch etwas mehr als neun Jahre auf dem Buckel haben. So leicht lassen wir uns also von Mutti Merkel und ihren Mauschelmännern nicht verscheißern.

Okay – Subvention zur Umsatzsteigerung der Pleitegefährdeten Automobilbranche, kurz SUPA, oder Trostpflaster für Rezessionsbedingt Angeschissene Bürger zur Billigen Imageaufwertung (TRABBI) klingt vielleicht etwas holperig, träfe aber schon eher die Wahrheit. Wie wär’s mit Hilfsfond zum Abbau Unverkäuflicher Spritschlucker sowie Rabatt zur Ankurbelung Unnötiger Schadstoffemissionen (HAU’SRAUS)? Zu lang oder zu wahr? Tja, wer will schon die Wahrheit hören, wenn er oder sie bald mit einem teilgesponserten nagelneuen Renault oder Toyota vom Hof des Autohändlers fahren kann, egal ob geleast oder als billiger Grauimport? Es darf nebenbei auch gern ein deutsches Auto sein, obwohl die germanischen Designer und Ingenieure seit Jahren meist konsequent am Zeitgeist vorbeiproduzieren.

Wie auch immer, anderthalb Milliarden sind im Topf, was nach Milchmädchenrechnung eigentlich für 600.000 neue Karren reichen müsste. Leider abzüglich der Verwaltungskosten, die noch keiner schätzen kann. Schließlich steckt das Prämiending noch in den Kinderschuhen, es gibt noch nicht mal den entsprechenden Antrag. Ab morgen angeblich doch, zum Download. Wenn alles gut geht. Deshalb jetzt der Run auf die Autohäuser – wer weiß denn, wann der Pott leer ist? Autohändler sprachen neulich im Radio sogar von dramatischen Umsatzsteigerungen im Januar, wobei rätselhaft bleibt, warum gesteigerter Umsatz für sie ein Drama ist.

Ein Freund, der seit ungefähr zwei Ewigkeiten zu faul war, seinen alten S-Klasse-Mercedes zu reparieren oder abzumelden, reibt sich nun die schweißfeuchten Hände. Die rostige Wanne geht zum Schrott (und wenn die Schrottfritzen ein bisschen ausgeschlafen sind, natürlich nicht in die Presse, sondern gleich ab nach Jordanien), er kann sich mit dem Merkelzuschuss ein Auto kaufen, das auch fährt. Und muss sich nicht mehr meine Karre leihen, was auch langsam lästig wurde. Aber Stress hat er nun trotzdem. Erstens muss er wohl sauschnell sein, bevor der Abwrackprämienpott leer ist, zweitens entscheiden, was für eine Kiste er sich holen soll, und drittens seinen chrombesternten, klinisch toten Oberklassenspritsäufer irgendwie zum Schrottplatz zerren. Viel Glück dabei!

Ich bin echt gespannt, wann der neue Koreaner vor seiner Haustür steht, das ist dann wenigstens mal eine effektive Form deutscher Entwicklungshilfe. Schade eigentlich, dass es den Tata Nano noch nicht in Deutschland zu kaufen gibt. In Indien kostet der ja nur 1000 Euro, da würde mein Freund glatt noch Geld rauskriegen.

Gute Fahrt!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 2 Kommentare »

Dein Blog, das unbekannte Wesen

Geschrieben von Johannis am 24. Januar 2009 um 09:12 Uhr

Mitte der Neunziger Jahre tauchten die ersten Blogs im Netz auf, damals noch etwas spröde Online-Tagebücher und später dann neudeutsch Weblogs genannt. Mittlerweile gibt es Trillionen davon, manche bewegen wirklich etwas, sogar politisch. Meist bewegen sich jedoch nur die Finger des mehr oder minder begabten Autors über die Tastatur und sein müder Blick huscht über den Bildschirm.

Fast alle Blogger bilden sich ein, dass ihre geistreichen oder banalen Ergüsse von einer Riesenanzahl faszinierter Leser verschlungen werden, die morgens schon vor dem Duschen und direkt nach dem Einschalten der Kaffeemaschine ihren Rechner hochfahren, um den Feedreader zu kontrollieren. Nein, das hat nichts mit Trollen, Orks oder der guten Fee zu tun. Ein Feed ist sozusagen die elektronische Entsprechung dessen, was dir der DHL-Fahrer in den Briefkasten schmeißt oder an die Haustür pappt, wenn du mal wieder nicht das warst, um das Paket anzunehmen. Für die Internet-Dummies unter euch – mit dem RSS-Feed abonniert man Beiträge und der Feedreader überprüft gleich mehrere Blogs, Foren oder Newsgroups nach neuen Beiträgen. Dasselbe geht auch mit Kommentaren. (Abonnieren kannste sogar hier, da links unten, die beiden Buttons in orange. Nein, noch weiter unten. Ja, und jetzt draufklicken. Siehste, klappt doch!)

Und damit kommen wir nach rund einem dutzend Zeilen schon etwas näher an des Pudels Kern – nebenbei ein überaus merkwürdiges Bild, denn was soll, außer halbverdautem Chappi, Knochensplittern und Hundekacke, schon in einem Pudel stecken. Egal. Worum ging’s? Ach ja, Kommentare. Der Blogger schreibt kluges oder dummes, witziges oder ermüdend geistloses Zeug, um ein Echo aus der Außenwelt zu bekommen. Meist ist dieser Versuch müßig und auch noch vergebens. Man muss sich das in etwa so vorstellen, als ginge ein Mann spätabends laut rufend durch ein verödetes Innenstadtparkhaus, um dort zwischen ein paar verstaubten Autos neue Freunde oder die Frau fürs Leben zu finden. Das glückt garantiert.

Seit September 2007 schreibe ich hier mein Zeug zusammen und veröffentlichte bis dato 148 Beiträge. Manchmal habe ich in geradezu entwürdigender Weise um Kommentare gebuhlt, euch hündisch angebettelt, mir ein Zeichen des Verstehens, der Sympathie oder wenigstens offener Ablehnung zu geben. Dann wieder habe ich euch beschimpft und behauptet, dass mir nichts an euch passiven, verblödeten Arschkrampen liegt. Und irgendwann sogar ein Schild aufgestellt und darauf das Kommentieren verboten. Woran sich die meisten tatsächlich kreuzbrav halten, haha!

Aber es soll hier gar nicht um mich gehen, sondern um einen Kollegen, den ich schon häufiger und damals auch aus gutem Grund geschmäht habe, mit dem mich mittlerweile aber ein zartes Band der Sympathie verbindet. (Nein, kein grünes Band. Lasst mich bloß mit notleidenden Banken in Ruhe.) Manch einer erinnert sich vielleicht noch an unsere Hasskampagne vom letzten Sommer, aus der wir dann beide mit einem mittelschweren Dreckschleudertrauma hervorgingen. Nein? Dann kuckst du hier und hier und meinetwegen auch noch hier.

Wie auch immer, alles Schneeregen von vorgestern, man hasst und liebt, vergisst oder vergibt. Lorenz Meyer, die arme Socke, wird auf jeden Fall seit Monaten von allerübelsten Kommentarvandalen heimgesucht, von Leuten, gegen die Al-Qaida und die Taliban sich ausnehmen wie vollgesabberte Rotzblagen in der Krabbelgruppe eines Vorschulkindergartens. Auf seiner Seite finden sich pro Beitrag bis zu 800 Kommentare, meist mit der inhaltlichen Relevanz der Bild-Zeitung (Ausgabe vom 12. April 1976) und dem intellektuellen Profil einer 45-Cent-Briefmarke. Von der Schmalseite betrachtet.

Es sind zwar nur vier oder fünf bräsige Schwachmaten, die sich aber pro Kopf und Tag bis zu 150 mal einloggen und dort per Kommentar ausmähren. Der ganze Aufwand nur, um sich widerlich wahnhaft in wirklich wertlosen Wortwichsereien zu ergehen, bei denen jedem Pudel sofort das Chappi hochkommen muss. Und damit vergraulen die DeppInnen natürlich Millionen ernsthaft interessierter Blogbesucher. Das ist der Fluch der DSL-Flatrates! Zusätzlich zum Speien finde ich diese kuschelwarme Wir-sind-so-lieb-zueinander-und-was-sonst-noch-in-der-Welt-vorgeht-interessiert-uns-einen-Dreck-Mentalität. Wenn Paare das auf ihrem heimischen Sofa ausleben, von mir aus, aber muss das partout öffentlich gemacht werden? Seit wann ist Logorrhoe ansteckend? Und warum schicken die sich ihre hochwichtigen Botschaften nicht per MSN oder machen ’ne Skype-Konferenz? Ich kapier’s nicht.

Darum geht nun an euch, die stillen, zurückhaltenden Leser dieses Blogs, mein aufrichtiger Dank. Bitte kommentiert meine Texte weiterhin nicht, außer ihr habt vorher das Gehirn eingeschaltet und könnt belegen, dass man euch nicht wegen nachweislicher Plattheit samt frisch geföntem Pudel unter der Tür durchschieben kann. Und dir, Lorenz, mein Beileid. Schmeiß die Flachköppe doch einfach von deiner Seite, als Spammer. Wozu hat WordPress einen Spamfilter? Schließlich ist der Betreiber doch der King, was für Blogs mindestens so wahr ist wie für Imbissbuden.

Mahlzeit zusammen!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | 8 Kommentare »

Bye, bye, Mister Bush!

Geschrieben von Johannis am 22. Januar 2009 um 20:47 Uhr

Acht elend lange Jahre hat der wahrscheinlich hassenswerteste, aber mit Sicherheit dümmste US-Präsident die Menschen begleitet, verstört, zum Lachen gebracht oder in den Wahnsinn getrieben. Zumindest uns nicht immer fügsam-braven Deutschen hier im sicheren Westen, die wir zum Glück nicht im Irak in die Steinzeit zurückgebombt wurden oder in Guantanamo einsitzen mussten. Okay, bis auf ein paar Ausnahmen wie Murat, der Bremer Taliban. Alles bald vorbei, Guantanamo wird dichtgemacht und die Irakis können sich demnächst ohne die Hilfe ihrer amerikanischen Befreier gegenseitig umbringen. Selbstmordattentäter wachsen dort ja offenbar schneller nach als Schimmelflecke im Bad eines gammeligen Altbaus. George Dabbeljuh wird uns sicher binnen kurzem fehlen, denn weltweit gab es selten so ein schönes Hassobjekt. Keiner mochte ihn – bis auf die gut 50 Millionen Verirrten, die ihn 2000 und dann vier Jahre später erneut gewählt haben. Trotzdem – gäbe es einen Oscar für Präsidenten, George müsste zumindest nominiert werden.

Es heißt ja, die Amerikaner würden sich bei großen Problemen grundsätzlich für die richtige Lösung entscheiden. Nachdem sie alles Andere ausprobiert haben. In diesem Sinne war George ein echter Amerikaner, wenn auch ohne rosa Zuckerguss. Bis zum bitteren Ende hat er stocksteif am Irrtum festgehalten, stur jeden ernsthaften Fehler abgestritten und noch in seiner Abschiedsrede den Stolz auf die Erfolge seines Tuns betont. Weil er sonst morgens nicht in den Spiegel kucken könnte, sagte er. Logisch irgendwie. Bestimmt fängt er aber bald wieder an zu saufen, denn solch einen Bedeutungsverlust steckt man nicht weg wie einen Packen Schmiergeld. Egal. All jenen, die den 43. US-Präsidenten schon jetzt vermissen, sei der französische Film ‚Being W.’ empfohlen. Fast so lustig wie ‚Being John Malkovich’ bringt diese unautorisierte Biographie in 90 Minuten die schönsten Blödheiten, Patzer und Selbstdarstellungsflops von George W. Bush, leider aber auch die politischen Dramen seiner Amtszeit. W. steht übrigens für Walker, nicht für das englische wanker oder Wirrkopf.

Wer den Film sehen möchte, findet ihn in noch der ZDF-Mediathek unter diesem Link, sei aber gewarnt. Am Anfang heißt es, man habe einen amerikanischen Stimmenimitator eingesetzt, aber das ist wohl eine feiste Lüge. Wenn der Zuschauer ein wenig Lippenlesen kann, stellt er schnell fest, dass Georgie das alles so gesagt und, viel schlimmer noch, auch so gemeint hat. Ein Clown, Angeber, notorischer Lügner, ein Mama- und Papasöhnchen, ein Größenwahnsinniger, der uns und der restlichen Welt leider nicht erspart blieb. „All hat and no cattle“ heißt es in Texas über Windbeutel wie ihn – großer Hut und kein Vieh. Nix drunter, unter dem Stetson mit dem breiten Rand.

Tschüss, Schorsch, mach’s gut oder besser!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

Veröffentlicht in Perlenschwein | Kommentar schreiben »