Im Neuronenspiegel
Geschrieben von Johannis am 4. Juni 2008 um 08:53 Uhr
Spiegelneuronen sind natürlich allen klugen Lesern dieses Intellektuellen-Blogs ein Begriff. Falls sich aber doch einer von www.bild.de hierher verklickt hat – das sind diese winzigen Dinger, wegen derer wir uns so wunderbar in andere Wesen einfühlen können. Und Sachen nachmachen.
Entdeckt wurden sie, weil ein hungriger Wissenschaftler einem kopfverkabelten Schimpansen Erdnüsse geklaut hat. Echt! Piep-Piep-Ausschlag-Kurve-Piep. Das Schimpansenhirn reagierte genau wie beim selber-Nüsse-grabschen. Bingo. So funktioniert Forschung. Manchmal.
Spiegelneuronen helfen dabei, dass sich in einem alles zusammenzieht, wenn man die Tochter/Gattin während der Wurzelbehandlung wimmern hört. Oder dass man zusammen mit 63.000 anderen Stand- und Sitzsportlern laut brüllend den rettenden Elfmeter versenken kann. Ein Eis will, weil Gregor eins isst. Oder es irgendwie anregend findet, wenn bei www.realnaturalmegabigxxlboobs.com ein muskulöser Schwarzer eine gepierct-rundum-tätowiert-totalrasierte unechte Blondine mit eindeutig erweiterter Oberweite kraftvoll von hinten – obwohl, das geht jetzt vielleicht doch etwas zu weit. [Was hast du eigentlich immer mit deiner klischeehaften Blondinenhetze? Denk doch bitte mal zurück an Sylvia, Birgit, Ines, Rhiana und diese nette Frau aus Dortmund, deren Namen du dich weigerst auszusprechen – alle traut vereint im Kreise deiner Exen und alle blond!IZ]
Zu wenig Spiegelneuronen helfen beim Lachen, während Splattermovies laufen, und machen das Siegen bei Counterstrike oder anderen Computerballerspielen leicht. Eine Überdosis Spiegelneuronen führt meist zu einem Soz.Päd-Studium und ehrenamtlicher Arbeit in Hilfsorganisationen. Wie bei mir, nur ohne das Studium.
Und sie helfen, wie erwähnt, beim Nachahmen. Voll im Mainstream des Zeitgeistes habe ich daher beschlossen, dass ich mir eine Kleingartenparzelle auf dem Nordpol kaufe. Bald kann man da im Sommer nett baden und noch sind die Grundstückspreise unten. Dann lasse ich gerade mein Schlafzimmer in einen begehbaren Schuhschrank umbauen und habe ein PartnerPaarungsgesuch bei Parship geschaltet, um meine Carrie zu finden. Egal, dass sie blond, leicht anorektisch und nicht mehr Jungfrau ist.
Weiterhin habe ich einen Vorstandsbeschluss erwirkt (wir haben leider keinen Aufsichtsrat, ist ein kleiner Verein), nach dem alle Vorstände bespitzelt werden. Den Anfang mache ich bei mir selbst und nehme neuerdings meine Selbstgespräche mit dem Diktaphon auf. Und mein Bewegungsprofil vom Handy wird auch ausgewertet. Damit ich weiß, wo ich bin.
Als neueste Spiegelung lasse ich nachprüfen, ob mein Vater nicht eventuell doch aus Kenia stammt und ich als Säugling auf der Kinderstation vertauscht wurde. Dann würde ich nämlich erwägen, gegen Gesine Schwan anzutreten und Deutschlands erster schwarzer Präsident zu werden. Einer muss ja auch hier mal den Anfang machen.
Und weil ich hier bereits solch eine schön integrativ-versöhnliche Multikulti-Stimmung erzeugt habe, soll jede Hetze gegen Herrn Erdogan und seine ambitionierte landesweite Abhöraktion unterbleiben. Erstens sind es nur 5000 Mitarbeiter, die dort 70 Millionen Türken belauschen müssen, und zweitens hat der durchschnittliche anatolische Eselstreiber gar kein Telefon. Was soll also die Aufregung?
Klick.
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