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Archiv für Juni, 2008

Welt verkehrt

Geschrieben von Johannis am 13. Juni 2008 um 08:53 Uhr

Während wir auf die Bestätigung des irischen Neins warten, will ich hier wieder ein paar unbequeme Wahrheiten ausspucken. 4 Millionen Iren, davon 3,1 Millionen wahlberechtigt, davon haben 40 % abgestimmt – gut eine Million Iren bestimmen das Schicksal von rund 450 Millionen Europäern. O-Ton im BBC-Radio aus Dublin gestern:“ Ich hab mit Nein gestimmt, denn ich weiß nicht worum es geht.“ Etwa so, als hätten die Bürger der verstorbenen DDR im Jahr 1976 ein weltweites Verbot von Bananen gefordert, weil sie nicht wussten wie diese Frucht schmeckt. Mehr als der abgegriffene Terminus ‚Herrschaft der Idioten’ fällt mir nicht ein.

Schließlich hat Brüssel dieses streitlustige und extrem trinkfeste Volk, das sich noch vor 25 Jahren ausschließlich von Bier, matschigen Kartoffeln und gesalzener Butter ernährte und in windschiefen Katen am Torffeuer wärmte, mit zig Milliarden Euro in die Neuzeit subventioniert. Jetzt, wo die irische Wirtschaft brummt und die Leute den Umgang mit Telefon und WC gelernt haben (Nein, nicht PC!), geben sie uns den Tritt. Selbst Hunderennen sind durch die EU bezuschusst worden, bevor die Tiere dann nach Korea verkauft werden, als leckere Einlage für die Nudelsuppe. Egal.

Auch egal ist das Ergebnis der unveröffentlichten Studie und Empfehlung an die deutschen Kultusminister. Viele Schüler können nix, nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen, kein Deutsch. Kriegen keinen Abschluss, keine Lehre, keinen Job, also Hartz-4. Müssen deshalb unbedingt ganz früh und ganz dolle gefördert werden, besonders die Migrantenkids. In diesem Land tut man sich schwer mit der Ausgewogenheit. Entweder man leugnet den Holocaust und singt das Horst-Wessel-Lied, oder man muss sich auf ewig für die Nazi-Gräuel schämen und darf deshalb auch die Israelis nicht zur Wahrung der Menschenrechte mahnen. Gaza und so.

Darum sagt auch kaum einer, dass es überwiegend junge Türken, Russen, Marokkaner usw. sind, die in den Schulklassen machomäßig herummotzen, sich gegenseitig mit der angeblichen Länge ihrer Schwänze beeindrucken wollen, und schon lange auf die Schule scheißen. Die wollen nicht deutsch sein und nennen als Berufswunsch Hartz-4. Aber die Schule soll sie zum Lernen zwingen. Paradox.

Ja, dieses Land ist fremdenfeindlich, mal mehr, mal weniger offensichtlich. Rostock-Lichtenhagen, Solingen & Co. Deutsche mögen zuhause keine Fremden, die Fremden mögen uns nicht. Und wollen nicht deutsch sein. Warum also die Sprache lernen oder den staatlich bezuschussten Nachwuchs zu schulischen Anstrengungen anhalten? Deutschland ist eben auch ein Selbstbedienungsladen, soziale Grundsicherung für alle. Selbst wenn du aus Aserbaidschan oder Kenia bist, falls du’s rein schaffst kriegst du Kohle. Nicht viel, aber es reicht zum Überleben. Man weiß natürlich auch in Nairobi und Baku, wie blöd die Deutschen sind. Also hin!

Eben lief im Radio ein Interview mit einer 38-jährigen russischen Musiktherapeutin, die Migrantenkindern in Förderkursen beim Bewahren ihren Muttersprache hilft. Sie selber radebrechte ein gruseliges Deutsch zusammen. Hauptsache die kleinen Kacker verlernen die Muttersprache nicht, wie sollen sie denn auch später einen Job bei der Russenmafia finden?! Schulpflicht bedeutet auch Pflicht zum Lernen. Regeln, Ordnung, Werte – nicht á la Stefan Raab oder wie im Ballerspiel. Wer fordert diese Pflicht ein? Ich habe Mitleid mit Lehrern, die täglich einer ständig wachsende Meute von Risikoschülern gegenübertreten müssen und diese Blagen unbewaffnet zum erfolgreichen Schulabschluss zwingen sollen. Aber nix zu sagen.

Drum schweig’ ich jetzt.

 

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Göttliche Eingebung

Geschrieben von Johannis am 11. Juni 2008 um 08:42 Uhr

Das kennt ihr sicher auch, dass euch der Kuss der Muse streift, durch wolkengrauen Gedankenhimmel bricht, wie der mystische Sonnenstrahl auf dem schwulstbeladenen Ölbild eines flämischen Meisters. Oder? Die Inspiration trifft euch so unvermittelt wie ein Fingerzeig Gottes, und duldet selbstverständlich keinen Widerspruch. Ihr müsst einfach.

Mich traf heute früh unter der Dusche die Einsicht, dass ich hier bei all meinen nichtswürdigen Gemeinheiten zumindest eine Zielgruppe sträflich vernachlässigt habe – Menschen mit Behinderungen. Nein, ich will mich jetzt nicht über die griechische Nationalmannschaft auslassen, obwohl es auch diesmal wieder fremdenfeindlich wird.

Mein Nachbar ist aus dem Libanon. Schätze ich zumindest, er grüßt nicht zurück und spricht in der Öffentlichkeit ungern Deutsch. Im Schutze der Dunkelheit hängt er hinten zum Garten seine Satellitenschüssel raus [so etwas dürfen wir hier nicht anbringen], genießt sein Heimatfernsehen, und verstaut die Schüssel nach Mitternacht wieder in der Küche. Seine Frau ist immer gut verpackt mit Kopftuch und langem Mantel, und geht nur auf die Straße, um tütenweise Futter vom PLUS ranzuschleppen. Dazu zwei kleine Kinder, die täglich von neuem versuchen, durch ihr Geschrei die Trennwand zwischen unseren Wohnungen zum Einsturz zu bringen. [Super, eine Triplette, jetzt auch noch Kinderhass im Beitrag!]

Seit einer Woche hat der Nachbar für seinen Golf 3 einen Behindertenparkplatz, lang genug für eine Stretchlimousine und direkt vor seiner Haustür. Wegen der Tochter, mutmaße ich klug. Die ist etwa vier Jahre alt und geistig behindert. Hat aber noch keinen Führerschein. Und er kann gut laufen, keine körperlichen Einschränkungen erkennbar. Parkplätze sind in unserer Straße derart knapp, dass viele der faulen Anwohner in der zweiten Reihe parken. Was in naher Zukunft dazu führen wird, dass bei einem Wohnungsbrand – ausgelöst durch eine versehentlich überhitzte Friteuse – zwei Senioren, ein Rauhaardackel sowie ein Wellensittichpärchen verbrennen werden, weil die mutigen Jungs mit den lauten roten Lastwagen nicht durchkommen. Aber das ist dann eine andere Geschichte.

Hier geht es um Integration, und zwar um ein Beispiel von gelungener derselben. Denn obwohl Mann, Frau und Kinder das Deutsche in Wort, Bild und Verhalten scheuen wie der Teufel das Weißbier aus dem Kloster Andechs, kennt man sich doch mit den kommunalen Vorschriften aus. Und hat sich ein Beispiel genommen, wohl an Hotelgästen auf Mallorca. Schon früh morgens das Handtuch auf die Liege am Pool packen, Yousseff, nicht wahr? Clever, unsere Migranten.

Ich überlege jetzt ernsthaft, ob ich mir ein Bein abhacken soll, damit ich auch einen Behindertenparkplatz kriege. Kann mir ja einen Wagen mit Automatikgetriebe besorgen, da reicht ein Bein locker. Mal seh’n. All die anderen schönen Themen des Tages müssen warten. Werden nun vom Pflichtgefühl plattgemacht wie spanische Streikposten durch LKWs mit starrsinnigen Fahrern. Denn ich muss an die Arbeit.

Bis in Bälde.

 

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Braune Fußballschizos

Geschrieben von Johannis am 9. Juni 2008 um 10:16 Uhr

Bekanntlich rede schreibe ich hier ja gern wie der Blinde von der Farbe, also über Dinge, von denen ich absolut nix verstehe. Fußball zum Beispiel. Kann ich nicht, konnte ich nie. Zu lang, zu dünne Beine, zu große Füße plus eine angeborene Abneigung gegen Schmerzen waren mein Handicap während der Schulzeit. Übersteigerte verbale Fähigkeiten, hohe Schlagfertigkeit, kurz gesagt eine zu große Schnauze plus die bereits erwähnte angeborene Abneigung gegen Schmerzen sind heute mein Handicap, und ließen mich bis zum heutigen Tag Besuche in Fußballstadien meiden wie den Wiedereintritt in die Kirche.

Aus gutem Grund. Mir rutschen einfach immer wieder so lustige Bemerkungen raus, die aber von fanatischen Anhängern der verschiedensten Weltanschauungen oder auch nur von farbig gekennzeichneten Passivsportlergruppen einfach nicht gewechselt werden können. Den fehlen die Worte und mir dann gleich ein Schneidezahn. Muss nicht sein.

Wenn ich mir nun anhören darf, dass gestern in Klagenfurt (treffender Name!) über hundert Nazis eingekesselt, verhaftet und abgeschoben wurden, weil sie pöbelten, freut es mich. Von mir aus könnte man diese Deppen gleich ins Gas schicken, unwertes Leben und so. Denn wie schwer geistig behindert muss man denn sein, um Slogans wie „Deutsche, kauft nicht bei Polen!“ zu brüllen, während unten auf dem Rasen ein Pole das deutsche Team zum 2:0 kickt. Der Mann heißt schließlich nicht Lucca Bonaforte sondern Lukas Podolski. Ist Pole von Geburt, ihr glatzköpfigen Schwachmaten!

Bei solchen Fans bleibe ich weiter brav zuhause und seh’ mir Spiele – wenn überhaupt – im ruckelnden ZDF-Livestream an, weil ne’ Glotze hab ich auch nicht. Schön, jetzt so am Schluss mal ein Halbsatz in Fernsehdeutsch, oder? Weil, musste mal sein.

 

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Penisatmung

Geschrieben von Johannis am 7. Juni 2008 um 18:22 Uhr

Als Kulturschaffender muss ich ja ständig über Gartenzäune schauen, auch wenn sich dahinter meist nur Zwerge verbergen. So ging ich am Donnerstag wohlgemut zu einer Veranstaltung mit der Kabarettistin Franziska Mense-Moritz, die aber offenbar zu oft im Bademantel und ohne Socken rumgelaufen ist und sich dabei so tüchtig erkältet hat, dass man bei meiner Ankunft bereits die Bestuhlung abräumte. Auftritt wird nachgeholt, im September, erfuhr ich.

Folgerichtig verbrachte ich den Restabend in Begleitung einiger seltsamer Subjekte, die sich trotz aller Mühen bisher noch nicht haben aus meinem Gefolge vertreiben lassen. In einem Straßencafé, beim Bier. Im Verlaufe des Abends kam das Gespräch unter anderem auf das wunderbare Lach-Yoga, das vor 13 Jahren unter dem Namen Hasni-Yoga vom indischen Arzt Dr. Madan Kataria definiert wurde.

Flache Scherze wechselten mit flacheren, wie immer, wenn Unkundige sich über Heilslehren mokieren. Groß war das Gebrüll der Ignoranten, als ich in aller gebotenen Bescheidenheit darauf hinwies, dass ich bereits 2002 bei Dr. Kataria zum Lachyoga-Lehrer ausgebildet wurde. Ich durfte den charismatischen Toupetträger später sogar auf seinen Reisen durch die germanischen Provinzen begleiten, und bei Workshops und Interviews für ihn übersetzen.

Ich habe das Diplom zum Beweis unten eingestellt (draufklicken zum Vergrößern), ebenso einen Film des Meisters, der immerhin im Discovery Channel lief. Und ich möchte an dieser Stelle mit aller Entschiedenheit betonen, dass zu den belebenden und segensreichen Übungen auf keinen Fall eine mit dem Namen „Durch den Penis atmen“ gehört.

Erstens ist es schwer genug in die eigenen Füße zu atmen, wie jeder weiß, der schon mal einen esoterischen Meditationskurs durchgestanden hat. Zweitens hat Lach-Yoga absolut nichts Diskriminierendes, denn wodurch bitte sollten die teilnehmenden Damen bei einer derartigen Übung atmen? Durch einen fremden Penis? Ihre eigene Mumu? Wohl kaum denkbar. Und drittens ist es leichter, neun Stunden komplett untergetaucht in einem Schlammtümpel mit einem Pepsi-Cola-Strohhalm zu überleben, als die Sauerstoffversorgung des Körpers bei der Atmung durch die dünne Harnröhre eines Penis’ zu gewährleisten, ohne dabei bereits nach wenigen Minuten einen Erstickungsanfall zu erleiden. Alles dummes Zeug also.

Ich hoffe hiermit zur Klärung, ja sogar zur Aufklärung beigetragen zu haben und grüße meine ernsthaften Leser. Die anderen sollten sich mal langsam zusammenreißen.

 

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Leser-Bashing

Geschrieben von Johannis am 5. Juni 2008 um 12:57 Uhr

Künstler haben ja oftmals eine mehr oder weniger zerrissene Persönlichkeit. Ami Winehouse singt wie eine Lerche, aber sie säuft, kokst und sonstwast, bis die Dielen krachen. Auch ihr soll schon gelegentlich ein freundliches fuck-you über die Lippen kommen, wenn sie auf der Bühne steht schwankt. Ob man mich als Künstler betrachten kann, ist sicher strittig, aber die Persönlichkeitsspaltung ist wenigstens schon da.

An guten Tagen sitzt mir beim Schreiben der innere Zensor auf der Schulter und korrigiert mich mit sanften, pädagogisch wertvollen Worten. [Schwachsinn! Ich stehe hinter deinem Drehstuhl und bekämpfe den Brechreiz, den mir dein hingeschwurbelter Mist verursacht! IZ] Oftmals mit Erfolg, aber leider nicht immer. Als würde mich ein böser Zwang reiten, gebe ich ständig Dinge von mir, die meine Leser herabsetzen, brüskieren und emotional verletzen. Das reut mich im Grunde. Ehrlich!

In den Achtziger-Jahren [heute fügt man gern hyperkorrekt an ‚des letzten Jahrhunderts’ – als hätte es in diesem Jahrhundert schon welche gegeben. Schwachsinn. Wie nennt man eigentlich später diese und die nächste Dekade? Nullziger und Zehnziger, Primär- und Sekundärdekade?? Fragen über Fragen.] kam in London der schöne Sport Paki-Bashing auf. Man trank sich was (oder auch nicht) und haute Leuten auf die Fresse, die wie Pakistaner aussahen. Der fröhliche Pöbel erwischte dabei zwar manchmal auch Tamilen, Inder, Afghanen – aber egal. Alle in einen Sack und feste druff, dann trifft man immer den Richtigen.

Leser-Bashing geht so ähnlich. Man wartet erst, bis sich die Besucherzahlen bei annähernd dreistelligen Werten [ja, ich weiß, Lorenz, das ist mager] stabilisiert haben, und hackt dann auf den Lesern rum. Weil sie zu doof sind, um meine genialen Wortspiele [krieg dich mal wieder ein! IZ] zu verstehen, meinen subtilen Humor nicht kapieren, erhöhte Ironieresistenz beweisen oder kacklangweiliges albernes Zeug in überflüssigen Kommentaren absondern.

Monatelang keine freundliche Zeile schreiben, noch nicht mal, um eine junge Autorin wie Ute etwas aufzumuntern oder mit Anerkennung zu beenken. Oder prinzipiell nicht kommentieren, aber dreimal pro Tag nach neuen Beiträgen kucken, nicht wahr Annette?! Sich unter -zig Pseudonymen verbreiten, gefakte Links einbasteln, nicht wissen, ob sie Männlein oder Weibchen sind, und so weiter und so fort. Zum Kotzen! Also kriegt der Leser die verbale Peitsche. Volles Rohr. Und bleibt dann weg.

Der Möchtegern-Künstler sitzt dann wieder mutter-und-vaterseelenallein in seinem Ytong-Turm (Elfenbein is artenschutztechnisch nicht korrekt) und weint sich die Druckertinte von den Fingern.

Oder die Leser bleiben nicht weg, sondern wollen, dass man es ihnen so richtig besorgt. Das ist fast noch schlimmer. Kreative Demütigungen am laufenden Band, wer kann denn so etwas leisten? Der Burnout droht.

Zum Selbstschutz gelobe ich Besserung und bin sogar bereit, in Psychotherapie zu gehen. [Vergiss es, hast dein halbes Leben auf den Couchen von Analytikern verbracht. Rausgeschmissenes Geld, such dir lieber einen anständigen Job und hör’ auf zu saufen! IZ] Und hoffe still und heimlich, dass sich manche von euch ganz gern ein bisschen beschimpfen lassen. Damit ich nicht in die Entzugsklinik muss. Rehab? No, no, no!

Das olle Perlenschwein is eben doch billiger, als so’n versyphtes Domina-Studio – stimmt’s, du rückgratlose Halbschwuchtel? Zu blöd, um Butter auf Pellkartoffeln zu schmelzen, aber vorm Bildschirm die Fresse aufreißen, was? Sieh zu, dass du Land gewinnst, Dumpfbacke! Los, klick schon weg, du Kotelettgesicht!

Na endlich.

 

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