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Archiv für April, 2008

Alltagswahnsinn

Geschrieben von Johannis am 29. April 2008 um 18:33 Uhr

Nach dem überwältigenden Erfolg meiner Mitmachaktion ‚Traumdeutung für Traumtänzer’ mit exakt Null Resonanzen wollte ich mich eigentlich erschießen. Mit etwas mehr Distanz bin ich aber doch saufroh, dass meine handverlesene Leserschaft nie oder fast nie Kommentare schreibt [alle Marlenitis-Patienten dürfen diesen Satz ignorieren]. Vor einer Weile stieß ich nämlich auf den Block von Engelbert, in dem der graubärtige Mittfuffziger seine Thesen verbreitet. Teils mehrfach täglich und mit allerliebsten Fotos von seinen Katzen oder einem Teller Suppe nebst Graubrot vorm PC.

Der Power-Blogger hat offenbar einen Fan-Club, dessen Mitgliederzahl der meines Gesamtleservolumens entspricht, wenn es mit dem Faktor 17,4³ multipliziert würde. Und fast alle schreiben geniale Kommentare. So zum Beispiel als Antwort auf den extrem reduzierten Beitrag von Enkelbärt “ deutsch als weltsprache ?“ Der besteht nur aus zwei Sätzen, denn anders als ich in meinen ausschweifend bramarbasierenden Texten kommt der Mann sofort auf den Punkt. Eigentlich sogar auf zwei. Schade, dass nicht Deutsch die Weltsprache ist. Ich bedaure das immer wieder.

Beispielantworten: Das hab ich auch schon sehr oft gesagt. LG Marianne

Oder: wie recht du doch hast von Alicia

Was Engelbrats kluge Leserschaft sonst noch alles meint, lässt sich mit einem Klick nachlesen und mir vor lauter Grausen die Milch sauer werden. Bei acht Grad plus im Kühlschrank! Unten anfangen beim Lesen, wenn’s denn partout sein muss. Und danach unbedingt auf die Startseite wechseln, heute gibt es Katze im Schlafrock Bademantel und Kryptisches über den italienischen Schnitzeltag.

http://www.allesalltaeglich.de/index.php?use=comment&id=6881

Vor dem ungeschützten Studium von Angelburts Kolumne muss jedoch an dieser Stelle entschieden gewarnt werden – schwere, irreversible Hirnschäden sind durchaus mögliche Folgen. Eine gewisse Protektion bietet das Umhüllen des Schädels in sieben oder mehr Lagen haushaltsüblicher Alu-Folie [bitte nur sehr kleine Löcher für die Augen reinpieken und Schutzbrille tragen!], wobei unbedingt auch der Halsansatz bedeckt werden muss.

Wenn Leser bei sich selbst oder in der Öffentlichkeit auf zombiehaftes Verhalten aufmerksam werden, liegt oftmals bereits eine leichte oder mittlere Form von Engelbertismus vor, die leider meistens letal verläuft. Sabbern, Grunzen, eine Versteifung des rechten Arms gefolgt von unkontrollierbarem Hochschnellen desselben sowie das unstillbare Bedürfnis, leicht verzerrte Zahlenkombinationen abzutippen, weisen auf das Endstadium hin. Dann kann eigentlich nur noch eine Lobotomie helfen. http://randbereiche.de/lobotomie.shtml

Herzlichen Dank, liebe Perlenschweinfeunde, dass ihr meist geistvoll schweigt, anstatt mich wie den lieben Änkelbrett mit solchem Dünnsinn zuzukacken! Auf Knien, weinend und mit leichter Atemnot reiß ich mir die Alufolie vom Kopp, und grüße euch befreit.

Euer Johannisbärt

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Der mit der Maus schwimmt

Geschrieben von Johannis am 24. April 2008 um 20:36 Uhr

Im dritten Absatz des von mir sklavisch befolgten Ratgebers „In sieben Schritten zum erfolgreichen Bog“ heißt es:

3. Beziehen Sie Ihre Leser ein, kommunizieren Sie mit ihnen! Lassen Sie die Leser am Geschehen teilhaben und auch mal aktiv mitmachen.

Okay, wie wäre es also mit etwas Traumdeutung? Da haben doch eigentlich alle eine Meinung und jeder Dritte ist Experte, oder? Für die Anfänger hier ein hilfreicher Link http://www.deutung.com/

Vorgestern träumte ich also Folgendes:

Ich schwimme im Meer, die kräftige Brandung wiegt mich auf und ab wie einen Korken, aber die Wogen schlagen freundlicherweise nicht über mir zusammen. Ich ziehe meine Bahn entlang des Strands, wende und schwimme wacker zurück. Plötzlich kommt eine hohe Welle aus der falschen Richtung, von sandigen Ufer rollt sie aufs offene Meer hinaus. Im Sonnenlicht erkenne ich eine winzige hellgraue Maus, sie wird ins Tiefe hinausgetragen. Ihr Fell ist offenbar fettig, sie treibt wie ein Tropfen Wasser auf reinem Olivenöl und macht dabei eine Mini-Delle in den aufgewühlten Ozean. Ich schwimme ihr entgegen und trage sie auf meiner Handfläche aufs feste Land hinaus. Die Maus ist winzig, klatschnass und hat einen kurzen Stummelschwanz wie ein Hamster. Sie schüttelt sich, blickt mich aus dunklen Knopfaugen an, und läuft davon. Ende.

Was soll mir dieser Traum sagen? Bin ich die Maus, dem Untergang geweiht, auf dem falschen Weg? Wieso kommt die Mäusewelle vom Strand? Warum ist die Maus ölig? Hat der Stummelschwanz etwas zu bedeuten? Wer ist der Retter, wenn ich selbst die Maus bin?

Ich habe das alles tatsächlich genau so geträumt und warte gespannt auf eure Deutungsvorschläge. Lasst mich nicht ersaufen hängen! Eine traumhafte Zeit wünscht euch Johannis


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Reklametricks 1

Geschrieben von Johannis am 22. April 2008 um 15:58 Uhr

Heutzutage wird es ja stündlich schwieriger, sich mit einer griffigen Botschaft aus dem ganzen Werbebrei herauszuheben, und die Kunden auf der Bauchebene abzuholen. Da gilt es findig zu sein, am besten noch findigerererer. Ein schönes Beispiel bietet dieser Dortmunder Bau- und Gartenmarkt mit seiner innovativen Steigerungsform. Mutter, mutterer, am muttersten. Muttererboden ist klar besser, auch wenn nicht angegeben wird, wie viel mehr Mutter enthalten ist. Ich sehe schon die neuen Plakate der NPD: Deutschland – Dein vaterstes Land. Oder Krummbacher – Das bierste Pils. Klingt doch süffig.

muttererboden.jpg

An dieser Stelle soll ausnahmsweise schon Schluss sein, denn die Statistik, zeigt, dass der Durchschnittsleser exakt 2 Minuten und 38 Sekunden auf dieser Website verweilt. Also gilt, anders als im Bett: Kurz ist geil! Obwohl ich ja irgendwie schon an jener Zielgruppe interessiert bin, die außer dem Telefonbuch noch andere literarische Werke zur Hand nimmt. Aber ich will Geduld mit euch haben.

Liebe Allerbeste Werbende Grüße, Johannis

 

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Stadtromantik

Geschrieben von Johannis am 19. April 2008 um 23:25 Uhr

Auf dem Weg zu einem von mir betreuten Konzert fällt mir heute auf, dass ich eine große Zielgruppe bisher sträflich vernachlässigt habe. Das soll sich schnellstens ändern. Nachdem ich mich kürzlich in höchst despektierlicher Weise über das Personal der Stadtbibliothek mokiert habe [was nun bald ein Nachspiel hat, doch dazu später mehr], soll es heute gegen Leute gehen, die um 19:00 Uhr mit einem Sechserpack Pils unterm Arm zum Friedensplatz latschen. In schwarzgelbem Outfit, mit vorgeglühter Visage, Fan-Schal um den Hals und im Herzen dieselbe unerschütterliche Zuversicht wie weiland Sitting Bull und seine Sioux im Kampf gegen General Custer und die amerikanische Kavallerie.

DFB-Pokalendspiel Bayern gegen Dortmund, die Sioux in Schwarzgelb kriegen wie erwartet auf die Fresse. 20.000 grölende Deppen vor einer Großbildleinwand mitten in der City, die beiden Gitarrenvirtuosen spielen im Café vor überschaubarem Publikum Fado instrumental. Auf dem Rückweg – wenigstens hat es auf die Idiotenhorde geregnet und es gibt kein Autokorso – forciertes Schlangenlinienfahren zwischen Torkeltrotteln, etwa hunderttausend zerdepperten Brinkhoffspullen und dem gesamten Fuhrpark der Polizei NRW. Man wird fast vom Rad gerempelt von dem Typ Mensch, dessen Schädelhöhle offensichtlich seit der siebten Schulklasse mit grobem Wurstbrät angefüllt ist. Dazu grölt die Meute rhythmisch-heiser „Ihr seid Scheiße, wie der Ess Null Vier, ihr seid Scheiße, wie der Ess Null Vier!“ [Anspielung auf wenig populären Konkurrenz-Verein aus einem Stadtteil von Gelsenkirchen].

Das Massaker am Wounded Knee hat stattgefunden, Dortmund hat wie erwartet 2:1 verloren. Postwendend distanziert man sich innerlich, kotzt auf den Radweg, schmeißt mächtig mutig ein paar Absperrungen um, grölt Strunzdummes und pisst Pils. Warum müssen ein paar Polizeihundertschaften bezahlte Überstunden und die Putzmänner der EDG am Sonntag Gehwege und Plätze sauber machen, und alle Bürger zahlen brav dafür? Was ist so toll daran, im Pulk zu brüllen und sich endgeil voll krass toll zu finden für Dinge, die 500 Kilometer weiter stattfinden? Habt ihr Vollidioten nichts Wichtigeres zu tun?

Nun gut, die Zielgruppe ist sehr heterogen, altersmäßig und auch sonst. Aber mal ehrlich – Fußballfans, muss das wirklich sein? Wäre unsere Welt nicht wenigstens ein klitzekleinbisschen besser ohne? Seit der Deutsche nicht mehr „Sieg Heil“ brüllen darf, schreit er eben im Chor „Jetzt geeeht’s lohos!“. Zwischen all dem Dreck schleudert eine Nachtigall ihr zartes Lied in den nachtschwarzen Himmel. Sie – oder wohl eher er – wartet genau wie ich auf den Frühling, auf etwas Wärme.

Der Lenz wird kommen, grünlichbraune Eier werden im Nest des nächtlichen Sängers liegen, und schon bald werden wir alle über die nächste Hitzewelle stöhnen. Was garantiert nicht kommt, ist die Wende. Geistig-moralisch oder sonstwie. Winter für immer. Prolls rule! Deppen an die Macht!

 

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Richtigstellungen

Geschrieben von Johannis am 18. April 2008 um 10:02 Uhr

Am Montag, den 14.04.2008 veröffentlichten wir unter der Überschrift Pfui, Dalai Lama! einen Beitrag, der auch ein Foto enthielt. Die Unternehmensgruppe Tengelmann hat uns nun unter Androhung einer Konventionalstrafe von 50.000 € vergleichsweise leicht dazu bewegen können, folgende Richtigstellung zu veröffentlichen:

Der strittige Beitrag wurde versehentlich mit einem Foto illustriert, das einen Buddha bei der Ausführung einer satanistischen Handgeste zeigt. Soweit hierdurch der Eindruck entstanden sein sollte, dass der abgebildete Buddha selbst Satanist und seine Handgeste eine Werbung für Teufelskulte darstellt, so ist dies falsch.

Wir stellen hiermit richtig, dass der abgebildete Buddha und dessen Handgeste in keinerlei Zusammenhang mit Teufelskulten stehen. Tatsächlich handelt es sich bei der gezeigten Handgeste um die Prithivi-Mudra, die den Menschen erdet und ihm Selbstvertrauen gibt.

Zum Beleg hier ein weiteres Bild aus der Serie. Unser Fotograf hat schon des Öfteren über partiellen Datenverlust auf seiner Speicherkarte geklagt. Wie allerdings ausgerechnet der strittige Finger verschwinden konnte, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir bedauern den Vorfall aufrichtig.

buddha-echt.jpg

Des Weiteren erreichte uns zum gleichen Beitrag ein Fax des stellvertretenden Unterstaatssekretärs der Kommunistischen Partei Chinas, Herrn Wang Du Wek. Zum Wohle der Völkerverständigung zitieren wir daraus wie gewünscht:

„… ist Ihre Darstellung, die zuständigen Behörden würden gegenüber umstürzlerischen Verschwörern in Tibet und anderen Regionen Chinas mit unangemessener Toleranz und Laxheit verfahren, falsch. Wir haben seit dem 14. März 2008 exakt 4723 tibetische Aufrührer festgenommen. Von ihnen wurden in der Zwischenzeit 2289 freigelassen, da sich ihre Unschuld erwiesen hatte. Die anderen werden umgehend bestraft, allerdings müssen wir erst die Kapazitäten für Hinrichtungen erweitern. Unabhängig davon gehen unsere Kurse zur patriotischen Umerziehung weiter. Besonders in den Klöstern ist die Nachfrage groß, an erster Stelle zu nennen sind …“

Die Redaktion dieses Blogs verspricht, in Zukunft mehr Sorgfalt auf die Recherche und Wahrung des Presserechts zu legen. Leider war der Buddha bei PLUS schon ausverkauft.

 

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