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Archiv für März, 2008

Freywüllike Feuaweya

Geschrieben von Johannis am 6. März 2008 um 10:15 Uhr

Obwohl ich mein Lebtag Rot oder Grün gewählt habe, ist heute dringend wieder etwas Migrantenhetze fällig. Wie ich aus dem Radio erfahre, wirbt die Stadt Recklinghausen gezielt Migranten für die Freiwillige Feuerwehr an. Dort und auch in anderen Städten hat man wiederholt schlechte Erfahrungen bei Brandeinsätzen gemacht. Wenn Ausländerhäuser brennen und der Löschzug anrauscht, werden die Wehrmänner angemeckert und kriegen manchmal auch gleich was auf die Schnauze. Und dazu verstehen sie Osman und Hatice nicht, wenn die sich abgeregt haben und schließlich doch erzählen wollen, wo die anderen 92 Bewohner des Einfamilienhauses denn nun stecken.

Hartnäckig halten sich die Vorwürfe, dass in Ludwigshafen und anderswo Brandstifter am Werk waren. Und wenn das nicht, dann kam eben die Feuerwehr absichtlich zu spät.

Maximal acht Minuten darf es dauern, bis im Land der Kartoffelfresser ein Löschzug vor einem rauchenden Domizil eintrifft, das ist bundesweiter Standard. Natürlich nur für Leute mit deutschem Pass oder wenn das Haus wenigstens mehrheitlich von Volksdeutschen bewohnt ist. Die Wirklichkeit ist grausam, denn es gibt eine neue Software, die mit den Stammdaten der Einwohnermeldeämter arbeitet. Das läuft folgendermaßen ab: Alarm auf Wache sieben, der Dispatcher gibt die Adresse ein und kuckt auf den Bildschirm. Von hinten ruft der Einsatzleiter, über ein Brettspiel gebeugt.

„Und?“

„Fast nur Türken, ein paar Marokkaner und zwei deutsche Omas.“

„Tja, die beiden Alten haben dann wohl Pech gehabt. Alles klar, Hans.“

Und er spielt in aller Seelenruhe die Partie Backgammon zu Ende. Nach dem Motto: Weil die Türken uns so hassen, darf man sie ruhig schmoren lassen. Die Rentenversicherungsträger sind übrigens auch für jede Form der Kostensenkung dankbar.

Schlimm wird es nur in ein bis zwei Jahrzehnten, wenn der Nachwuchs am C-Rohr angekommen ist. Schon heute haben in vielen Städten 50% und mehr aller Grundschüler den beliebten Migrationshintergrund. Wenn es dann im Jahr 2021 bei mir brennt, muss ich garantiert durch die Wechselsprechanlage zumindest eine Koransure fehlerfrei rezitieren, sonst rückt der Löschzug gleich wieder ab. Oder ich kann wenigstens Türkisch, dann drücken sie vielleicht ein Auge zu und fahren die Leiter aus. Inschallah.

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Diplomatieversager

Geschrieben von Johannis am 2. März 2008 um 10:29 Uhr

Als praktizierender Chefzyniker und Verehrer des geraden Worts und klarer Ansagen bin ich nicht weiter verwundert, dass mein Freundeskreis immer noch halbwegs überschaubar ist. Zahlenmäßig so in etwa wie die Bewohnerschaft einer Nordseehallig, wenn man Schafe, Kühe und anderes Viehzeug nicht zählt. Gelegentlich mache ich mal wieder einen halbherzigen Versuch, mich irgendwo einzuschmeicheln und scheitere fast immer sofort, ansonsten eben später. So auch bei Patricia, die sich Pe nennt.

Pe schrieb schon einen recht geistreichen Blog, als ich das Wort noch mit stoßförmig verleimtem Briefpapier assoziierte. Unter dem gesegneten Pseudonym ‚Gebenedeite’ verbrach sie manch schönen Text, kennen lernten wir uns allerdings über eine Kontaktanzeige, die sie angeblich nur zum Spaß aufgegeben hatte. Männer sind bekanntlich dumm und triebgesteuert, deshalb antwortete ich und kapierte wenig. Aus dieser Zeit existiert noch ein recht launig-launischer Schriftwechsel von gut 30.000 Worten, der eigentlich mal in einem Taschenbuch enden sollte und dort 110 Seiten einnehmen würde. Wenn ich von Pe noch was wollte, könnte ich sie damit zu sexuellen oder anderen Gefälligkeiten pressen, aber ich will nicht. Dies auch weil sie eine hochgradig verzickte Moppelelse ist, die – anstatt mit Lebewesen, die den Schwanz vorn am Körper haben – lieber mit ihren Katzen ins Bett geht. Find ich blöd, aber noch besser als mit Hunden. Der Kontakt schlief 2006 ein. Als im Herbst bei mir die Bloggerei ausbrach und ich wohlbehalten sowie tatendurstig aus Asien zurück war, erinnerte ich mich und schickte ihr flink folgende, leicht gekürzte Mail:

—– Original Message —–

From: Johannis

To: Pe

Sent: Thursday, December 06, 2007 2:29 PM

Subject: vorsichtig ranrobben

Teuerste,

als ich neulich ein paar sozusagen-Freunden eine gebenedeite Adventszeit wünschte, drängte dieses Wort deine Person aus einer Falte meiner Hirnrinde irgendwo nach vorne links. Folgerichtig habe ich flugs deinen Blog besucht, mich über den mutigen Goldfisch gefreut und ein bisschen in deinen Verbalergüssen rumgescrollt.

Wie du dir aber längst gedacht hast, schreibe ich dir nicht etwa um Anerkennung zu zollen oder gar freundlich zu sein, sondern schlicht zur Selbstbeweihräucherung. Und weil ich was will. Klar.

Im Herbst ist unter dem Titel “Das Mantra des Rikschafahrers” (nein, nicht der Manta) mein erstes Buch herausgekommen (klingt doof und unangenehm körperlich, wo kommt es eigentlich raus?), das mir seitdem Unmengen an Tantiemen und ständige Besuche sexhungriger Groupies einbringt. Es ist aber tatsächlich gar nicht sooo schlecht und sogar halbwegs lesbar, weshalb ich nicht nur an einem Roman rumschraube, sondern echt-schon-ziemlich-doll-gelangweilte Mitmenschen auf meiner Website per Blog knallhart-noch-mehr-langweile. Ist doch nicht mein Problem und liest ja eh kaum einer.

Da kommst du ins Spiel. Jahrzehntelange Erfahrung im Bloggen, Mittelpunkt einer geistreichen und lesehungrigen Webcommunity, unerträglich klug und lebensbedrohlich scharfzüngig – Pe wie sie leibt und lebt. Kuck doch mal auf meine Seite, gähn kurz und klick dich danach wieder weiter – aber nimm mich in die ellenlange Liste deiner Blog-Empfehlungen auf, ja? Weitere Tipps, wie ich den Traffic soweit steigern kann, dass sich wöchentlich mehr als zwei Leser einloggen, nehme ich gern und mit gebührender Unterwürfigkeit (ha – wer’s glaubt!) entgegen.

Ich hab für Januar und Februar sogar schon ein paar Lesungen gebucht, in Weltstädten wie Unna und Gelsenkirchen – wer weiß also, wann ich dich dort im Publikum nicht erkenne (weil ich immer noch keine Gleitsichtbrille habe und die Altersfehlsichtigkeiten mich alle gleichzeitig heimsuchen) oder plötzlich beim Signieren erstaunt aufschaue, weil ich dein süßes Stimmchen erkannt habe. Oder du mich anranzt “Schreib bloß nicht ‘Für Patricia’, Alter!”

Soviel für heute, sei der Jahreszeit entsprechend vorweihnachtlich gegrüßt (ich gestehe, manchmal benutze ich – mit gebührlich schlechtem Gewissen – das Wort grüßlichst, aber wer weiß, ob du es nicht auch irgendwo geklaut hast) und geherzt, bis in Bälde also.

Johannis

Weil die Antwort Monate auf sich warten ließ, ich feststellte, dass die zwanghafte Bloggerin seit September chronische Ladehemmung hatte, und mir gebührlich Sorgen um sie machte, bekam sie vor ein paar Wochen eine durchaus liebensgewürzige SMS. Danach folgender Mailwechsel:

—– Original Message —–

From: Pe

To: Johannis

Sent: Tuesday, February 05, 2008 8:44 PM

Subject: Re: vorsichtig ranrobben

Werter Johannis,

immerhin habe ich mir die Mühe gemacht, diese Mail aus dem (laut Google übrigens wahnsinnig intelligenten) Spamordner rauszuklauben, das sollte deine Grundstimmung heben.

Auf meine Blogroll kommste, wenn ich dein Blog mindestens so gut wie mein Blog finde. Sag jetzt nicht, das geht nicht, weil, das geht nämlich doch. Und bis dahin liest du einfach das hier: http://www.spreeblick.com/2005/07/12/erfolgreich-bloggen-so-gehts/

Was ich gerne wüsste: Wie lautet denn das Mantra des Rikschafahrers? Meins geht so: Einatmen, ausatmen.

Grüßlichst™

Patricia

 

—– Original Message —–

From: Johannis

To: Pe

Sent: Wednesday, February 06, 2008 6:11 PM

Subject: Re: vorsichtig ranrobben

Hallöchen,

ja, ja, die Spammerei. Danke für’s Rausklauben!

Meine Grundstimmung ist unerwartet heiter, und das schon seit langem und recht zuverlässig. Dein Angebot, mich auf deine Blogroll zu nehmen – wenn ich es denn irgendwann schaffe, dass du meinen Blog wirklich total toll findest – ist angesichts der Tatsache, dass du deinen letzten Beitrag vor exakt 5 Monaten gepostet hast, ungefähr so attraktiv wie das Versprechen meinen Namen mit Rötelkreide auf eine Friedhofsmauer in Mecklenburg-Vorpommern zu schreiben. Also erstmal danke, auch für den hochinteressanten zynischen Link.

Was ist denn los bei dir? Blogallergie, Schwangerschaft, Mama krank oder gar Schlimmeres? Das Mantra des Rikschafahrers lautet: “Gate, gate, paragate, parasamgate, bodhi swaha.” Es bedeutet (damit du nicht fragen musst) ungefähr: “Geh, geh, geh weiter, geh über alles hinaus – dort ist Erhabenheit und Segen.“ Damit hast du dir gerade 9,90 € für’s Buch gespart.

So, Purzelchen, das muss für’s erste reichen.

Ziemlich herzliche Grüße, Johannis

Ich fand das mit der Kreide ziemlich witzig, von ihr kam aber nur noch Verstimmtzickiges, und der Kontakt entschlief erneut. Auf jeden Fall soll der guten Pe die Ehre zuteil werden, dass ihr seit 6 Monaten verödeter, eigentlich recht schöner Blog hier verlinkt wird. http://gebenedeite.blogspot.com/

Ob ich das mit der Diplomatie irgendwann noch mal hinkriege? Wohl eher nicht.

Ende.

 

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