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Archiv für Februar, 2008

Ignoranteninflation

Geschrieben von Johannis am 6. Februar 2008 um 20:11 Uhr

Ich freu mich ja immer in typisch selbstverliebter Narzisstenmanier, wenn mir ein Wort einfällt, das Google nicht kennt. Kommentarschisser war so eins. Ihr müsst es doch langsam bis Oberkante Unterklippe stehen haben, dass ich euch hier ständig vollseiere und hündisch um eure Kommentare bettele. Die ihr mir natürlich konsequent verweigert, weil es ja auch so ein übermenschlich anstrengender Akt ist, irgendwo Ganz nett, Johannis oder Echt Scheiße, Alter in ein Fenster reinzutippen. Egal, ob ich hier den letzten Dreck hinschmiere, oder wirklich geistreiches Zeug – Schweigen im Datendschungel. Selbst die Grafikerin A. aus D., die angeblich alles in diesem Blog mit Interesse, oftmals sogar mit Vergnügen konsumiert, schweigt mich tot.

Noch viel satter als ihr mein Gewinsel hab ich freilich euch, die verstockt schweigende Mehrheit. Deshalb werden jetzt andere Seiten (oder sind es doch eher Saiten?) aufgezogen, ich mache mich unabhängig von eurem Applaus, sauge den für jeden Künstler lebenswichtigen Nektar der Anerkennung jetzt aus anderen – äh, Löchern. Ich habe mein Blog beim Bloggeramt angemeldet (was hier auch bald sichtbar wird, mein Freund Tacky muss nur noch ein paar Frames umbauen – Tacky, ich hab dich ganz dolle lieb!!!) und werde dort zwar nicht den Marsch durch die Instanzen, dafür aber den steten Aufstieg, ach Quatsch, den Sturm an die Spitze der Charts antreten. Und wenn das kluge, trüffelige Perlenschwein dann in gar nicht ferner Zukunft zum Blog der Woche nominiert wird, (wozu ihr schreibfaulen, lausigen Arschkrampen natürlich wieder nix beitragt, weil ihr die Finger ja nur zum Popeln krumm macht – deshalb gibt es hier auch ausdrücklich keinen Link zum Bloggeramt.de) dann kuck ich euch Langeweiler nicht mal mehr mit dem Arsch an. So.

Doof gewählt war nur der Zeitpunkt der Anmeldung, denn es gibt auch Punkte für Fleiß. Und ich hatte euch gerade drei Tage nacheinander vollgebloggt – egal, eben mal wieder Perlen vor die Säue! Wer weiß auch, wie das Bloggeramt auf eine Headline wie Schlampe oder Nigger? reagiert hätte.

Als winzige Zugabe zum Hardcore-Nörgeln gibt es noch eine Kleinigkeit zum Thema „Erfolgreiches Marketing“. Auf dem Weg zum Autoteilehändler meines Vertrauens (ja, immer noch die Bremsen) passierte ich heute den Getränkehandel mit dem schönen Namen TrinkGut. Auf die Rückseite seiner LKWs hat TrinkGut den cleveren Slogan Voll-Toll aufgepinselt. Das versteht die grenzdebile Pilswampe auch noch mit 3,4 Promille. Stimmt ja auch – Wodkapulle, Bierkiste, Lastwagen, Tasche, Birne leer = Kacke. Alles voll = voll toll! Die Losung Suff ist geil war TrinkGut wohl doch zu platt. Oder sindse nich drauf gekommen.

Falls demnächst eine Low-Budget-Beate-Uhse-Kette mit dem Namen FickFein auf den Markt drückt, darf niemand erstaunt sein, wenn deren Werbung uns mit Sau-Geil oder Verfickt-Schweinisch kommt, bis es uns kommt. So, Ihr Lieben, mehr kommt nicht.

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Schlampe oder Nigger?

Geschrieben von Johannis am 4. Februar 2008 um 09:54 Uhr

So, da seid ihr baff, was? Nicht nur, weil ich drei Tage nacheinander für euch geschrieben und dabei die werte Leserschaft mit Genialität geradezu geblendet habe, sonder auch wegen der leicht provokanten Überschrift. Konnt ich nicht dran vorbei. Klassisch wider den Stachel gelöckt, wie es in unserer an Merkwürdigkeiten überreichen Muttersprache heißen kann. Und die Antwort auf die drängende Frage warum-nervt-der-denn-schon-wieder-eyh lautet: Weil manche Themen im historischen Kontext verbraten werden müssen. Also heute.

Wieso? Heute Rosenmontag, morgen Supertuesday, übermorgen Aschermittwoch. Da ist bekanntlich alles vorbei. Morgen entscheidet rund die Hälfte der US-Bundesstaaten, wen sie im Herbst ins Rennen um die goldene Kokosnuss schicken wollen. Und bei den Demokraten rennt es Kopf an Kopf, die Frage lautet: Hillary oder Barack? Was für einen aufrechten Südstaatler (58, männlich, weiß) in einfache Worte übersetzt eben Schlampe oder Nigger heißt. Was könnte denn schlimmer sein, als eine Frau oder ein Farbiger auf dem amerikanischen Präsidentensessel? Eine zweimal geschiedene AIDS-kranke Schlampe oder ein schwuler Nigger? Sitzen drei Bischöfe zusammen und saufen Wein, da kommt eine Fee vorbei – obwohl, das führt jetzt zu weit. Der Witz von gestern war ja wohl fies genug.

Zurück zum Thema. Ich erinnere mich noch gut an das Wahldebakel 2000, dem wir George W. Dickhead zu verdanken haben. Und den schönen Film ‚Eine unbequeme Wahrheit’ von und mit Al Gore. Wollt ihr meine Prophezeiung für den kommenden Herbst hören? John Mc Cain gewinnt hauchdünn, weil Millionen bräsiger Amis im letzten Moment in der Wahlkabine das große Zittern kriegen und statt FrauFarbiger doch lieber das Knöpfchen AlterSack drücken. Und wenn Johnny Glück hat, kann er am Ende seiner zweiten Amtszeit das erleben, was einem Verwandten von mir in den nächsten Wochen bevorsteht – der achtzigste Geburtstag. Toll!

Klingt zu pessimistisch? Demokratie ist leider auch die Herrschaft der Idioten, solange sie nur die Mehrzahl der aktiv Wählenden ausmachen. Siehe Serbien, wo sich gestern zum Glück 51,2 % der Wähler für Präsident Tadic und damit für einen demokratischen Kurs in Richtung EU entschieden haben. 47,2 % wollten lieber von einem Ultranationalisten regiert werden und unter die Fittiche von Wladimir Putin schlüpfen. Der Rest war zu blöd oder zu besoffen, um ein Kreuz zu malen. Und ein Drittel aller Serben hat gar nicht erst versucht zu wählen, war wohl nicht so wichtig.

Wir werden es ja sehen, spätestens am fünften November wissen wir mehr. Ich fände übrigens beide Versionen gut, von mir aus auch Schlampe plus Nigger. Hillary auf dem Chefsessel und Barack macht den Vize-Präsidenten. Total bescheuerter Vorname, übrigens. Sowas kenn ich aber. Und er schreibt auch, genau wie ich. Nicht schlecht, der Mann, oder?

Schluss für heute!

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Eindeutig

Geschrieben von Johannis am 3. Februar 2008 um 19:45 Uhr

Gelegentlich gibt es Momente, da frage ich mich, ob ihr es eigentlich wert seid, dass ich mir Woche für Woche Kluges, Gemeines und manchmal sogar Lustiges aus dem Kopp schraube und hier sofort breit trete. Besonders wenn ich mir all die geistreichen Kommentare durchlese, die ihr mal wieder nicht geschrieben habt. Dann gehe ich weinend in meine Küche. Dort hängt eine Liste mit Tipps zum Thema ‚Wie mache ich mein Weblog berühmt’. Unter 7. steht dort: Halten sie durch!

Tapfer schlucke ich bittere Tränen runter und zermartere mir postwendend das Hirn nach einem witzigen Aufhänger. Lausche stundenlang den Meldungen im Radio. Oder wühle im Altpapier.

Dort fand ich die Todesanzeige für Herrn Friedhelm von Notz, dem stellv. Vorsitzenden des Beirats der Künstlersozialkasse. Der Künstlersozialkasse will ich ja auch bald beitreten, also war meine Neugier flink geweckt. Irritiert hat mich aber gleich die erste Zeile: ‚Mit tiefer Dankbarkeit und großer Trauer nehmen wir Abschied blablabla… – ja, was denn nun? Warn se denn nu dankbar, als er abtrat oder nich? Oder manche ja, manche eher nicht? Ich will nicht hoffen, dass er seinem Leben von eigener Hand ein Ende bereitet hat, denn dann wäre der Schlusssatz ‚Möge seine Haltung viele Nachahmer finden.’ noch rätselhafter und ein verdammt guter Grund, diesem Gremium niemals beizuraten – äh, treten.

Eindeutig schräg formuliert, die Anzeige, auch bei den Jahreszahlen unterm Namen. Geben die doch sonst meist den Zeitraum an, den der/die Verflossene bis zur Verflüssigung auf Erden weilte, konnte das hier kaum stimmen. Oder man wird echt jung stellv. Beirat, damit gewänne dann meine Theorie vom Selbstmord wieder an Plausibilität. 1987 – 2007 stand dort nämlich. Zwanzig Jahre.

Schlecht geschlagene Brücke zur Abiturientin Liliana (20), von der sich Lothar Matthäus (46) vergangene Woche trennte. Obwohl auch dieser Bericht von Welt-online zum Grübeln einlädt. Lodda lernte Liliana auf dem letzten Oktoberfest kennen, im Text wird sie wechselweise als Model oder Abiturientin bezeichnet. Trennungsgrund ist nicht etwa, dass vielleicht sie zu schlau oder ein klitzekleines bisschen zu jung für Lodda ist – nein, sie muss sich auf die Prüfungen am Gymnasium vorbereiten. Aber dann hat sie doch noch kein Abi! Was denn nun? Lodda hat bestimmt auch keins, obwohl er gerade zur Sporthochschule geht, um dort seinen Trainerschein zu machen. Das ist, wie man weiß, das Ersatz-Abi für ausgemusterte Fußballstars.

Ich selbst lustere ja bekanntlich auf der Straße ständig knusper-röschen wohl-kaum-noch-Jungfrauen hinterher, deren biologischer Vater ich altersmäßig locker sein könnte, und die mich dafür höchstens mit mitleidigen Blicken strafen. Insofern kann ich Lodda verstehen. 26 Jahre Altersunterschied zwischen Liliana und Lothar waren dann aber doch zu viel, könnte man meinen. Beide verneinten aber diese Vermutung, es sei eine “Vernunft-Entscheidung“ und sie hätten einfach nicht genug Zeit füreinander gehabt. Erst vergangenes Jahr hat sich der Rekord-Nationalspieler übrigens von seiner dritten Ehefrau Marijana getrennt. Ebenfalls “in aller Freundschaft”, wie es damals hieß. Wahrscheinlich sucht er einen neuen Frauen-Typ, obwohl er von blond über rot bis schwarz eigentlich schon so ziemlich alles durch hat. Wer sich überzeugen will schaut nach unter

http://www.bunte.de/stars/lothar-matthaeus-und-seine-frauen_did_1164.html?slide=1

Hier ist noch etwas Platz für Sarko, den König der Gallier. Oder ist er schon Kaiser? Ich mochte ihn ja schon vor der Wahl nicht, und daran hat sich nix geändert. Dass er seine Olle in die Wicken geschickt hat, war nicht nett, aber so was passiert leider überall. Nun jedoch die Nummer mit Carla Bruni – das ist doch auf der nach oben offenen internationalen Grübel-Skala mindestens eine 7,4. Jetzt hat er sie turboschnell vor den Traualtar respektive ins Standesamt geschleppt, damit ihm nicht wieder so was passiert wie neulich in Indien. Durfte sie doch nicht mit, weil die sittenstrengen Inder es seltsamerweise nicht gewohnt sind, dass ein Staatspräsident seine ringlose Geliebte mitbringt. An dieser Stelle wünsche ich den beiden schon mal viel Glück auf dem Weg zur Silberhochzeit.

Gleich kommt eine schlechte Überleitung zum wann-macht-er-denn-endlich-Schluss. Vorher noch ein Gruß an Lars, den Supportmenschen von one.com, meinem Webspace-Provider. Neulich gab’s ein Problemchen mit dem Blog, das sich dann aber flugs verdünnisierte. Lars schrieb aber, er fände meinen Blog recht amüsant. Recht so!

Nun also die Überleitung vom Thema ‚Staatspräsident und seine Geliebte’ zu einem echt fiesen Witz, über den ich im Netz gestolpert bin. Obwohl, eigentlich kommt nur der Witz und vorab eine Warnung an alle Zartbesaiteten, Nichtenglischkönner und dazu an jene Leser, die hier nur blöd rumlesen, weil ich im Jahre 2039 posthum und nach Veröffentlichung meines neunzehnten Romans überraschend noch zu spätem Ruhm gekommen bin. Ihr wisst natürlich nicht, wer Prinzessin Diana und Dodi Al-Fayed waren. Egal.

Was hat Dodi gesagt, als er vor seinen Schöpfer getreten ist?
“Hey, I said I wanted to fuck Di in the car, and not to die in the fucking car!”

Und damit verabschiede ich mich. Mal seh’n, wie lange ich euch schmoren lasse. Wartet’s nur ab!

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Knapp

Geschrieben von Johannis am 2. Februar 2008 um 18:40 Uhr

Nicht etwa, um dem latenten Vorwurf entgegenzuwirken, ich sei ein verbiesterter Ewignörgler, oder um sonstwiewen zu beeindrucken, sondern wahrhaftig spontan und obwohl der nächste Text bereits fixfertig auf der Festplatte schlummert, schummle ich euch heiter noch diesen Kurzen unter.

Hab eben einen Freund angerufen, der dies hier kaum lesen wird. Selbst wenn, es ist ja wahr. Er hat seit Monaten keinerlei Lust verspürt, seinen Computer soweit zu erfrischen, dass er mit selbigem gelegentlich die wundersamen weiten Wellen dieser Welt bereiten könnte. Er ist Lehrer, kürzlich in Liebe und zum zweiten Mal verheiratet, kluge schöne Frau, nettes Haus im Grünen, Kinder schon groß. Doch wann man immer in den letzten Monaten nach seinem Befinden fragt, tönt Unfrohes aus ihm heraus. Hach ja, er säße am Schreibtisch, sprach er heut – geradewegs nach frisch gerauchter Zigarette vom Garten hereingestiefelt – und müsse schreiben, für die Schule. Dies ‚für die Schule’ klang derart leidensschwanger – diesen Tonfall würde ich vielleicht dem Protagonisten eines schwülstigen Klinik-Dramas in den Mund schreiben, wenn im Dialog klar werden muss, dass absolut keine Heilungschance besteht. Als ich auf die freundliche Gegenfrage antwortete, mir ginge es sehr gut, vernahm ich sein Erschrecken.

Hab dann eben auf WDR 3 ein Feature über das Glück gehört, darin ein Zitat von Nietzsche: Du bist zu schnell gerannt für’s Glück. Jetzt, wo du müde bist, holt es dich ein.

Drei Dinge, derentwegen ich heute glücklich war:

Ich bin aus freien Stücken um 6:45 aufgestanden, obgleich der Wecker mir noch eine Dreiviertelstunde geschenkt hätte. Und obwohl nur ungetane Arbeit, Badezimmerputz und Schneematsch auf mich warteten.

Der neue Laserprinter printet fein und passt so haargenau ins Regal, dass zum Oberbrett kein Millimeter Luft zuviel ist.

Trotz Rückenweh und wundem Steiß hab ich die Handlung meines Romans in einer Woche um 50 Seiten vorangetrieben (ob’s was taugt entscheiden später andere).

Ach ja, und dann noch für das Wort Heulungschance, das der Tippfehlerteufel – stets voll Begeisterung auf meiner Schulter hockend – eben ausgebrütet hat. Möget ihr schnell ermüden, damit das Glück euch bald einholt. Ach ja, und möglichst keine Heulungschancen haben.

Schönen Sonntag dann.

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