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Archiv für Januar, 2008

Blackout

Geschrieben von Johannis am 14. Januar 2008 um 11:29 Uhr

Heute hatte ich eine Erleuchtung. Endlich weiß ich, wieso Strom so teuer ist. Weil man nämlich so viele Leute braucht, um ihn abzuschalten.

Ich sollte an dieser Stelle eigentlich nicht gegen unseren Dortmunder Energieversorger DEW21 polemisieren, denn im vergangenen Jahr hatte ich die Ehre, das immense Vergnügen und sogar etwa Preisgeld in der Hand, weil ich zu den Empfängern des literarischen do!PEN-DEW21-Awards (saukomplizierter Name) gehörte. Dazu kauft die DEW21 gelegentlich sogar mal einen Text von mir, um ihn auf ihrer Kultursponsoringseite ins Netz zu stellen.

Furchtlos und um meine absolute Unbestechlichkeit unter Beweis zu stellen, aber auch weil es in meiner Bude arschkalt ist und ich aktuell mit klammen Fingern tippen muss, soll hier nun folgender Sachverhalt ausgebreitet werden.

1. Akt: Mitte der Woche werden auf der Straße mehrere Parkplätze gesperrt und mit absolutem Halteverbot ab Montag 07.01.2008 gekennzeichnet.

2. Akt: An besagtem Montag tauchen zwei Bauarbeiter mit LKW und Minibagger auf und wollen baggern. Der bescheuerte Türke aus Nummer 12 hat aber trotz Halteverbot seinen Sharan direkt neben der Absperrung geparkt.

3. Akt: Ein Abschleppdienst kommt und rangiert den Sharan vorsichtig in eine freie Haltebucht, es wird überraschenderweise kein Ticket an die Scheibe gehängt. (Ich bastele draußen an meinem Radbremszylinder, weil die Sonne scheint und mein Karren nicht bremst.) Der beknackte, cholerische Türke kommt eine halbe Stunde später aus dem Haus, steigt ein und fährt weg wie immer. Auf Befragen der Bauarbeiter geben diese an, dass die DEW21 wohl die Kosten für den Abschleppdienst übernehmen wird, so würde das eben meist gemacht.

4. Akt: Die Bauarbeiter baggern sich durch die Hecke und legen den alten Verteilerkasten frei, der in einer Grenzmauer verrostet. Dazu die dicken schwarzen Kabel im Mutterboden. Es soll einen neuen VK geben, der dann auf dem Gehweg stehen wird, erfahre ich auf kollegiale Nachfrage.

5. Akt: An unseren Haustüren hängen plötzlich Zettel und verkünden, dass die DEW21 am Montag 14.01.2008 von 8:30 Uhr bis 11:00 Uhr den Strom abstellen wird. Ich stelle fest, dass es selbst am sonnigen Sonntagmorgen eigentlich noch zu duster ist, um ohne Licht inhäusig die Zeitung zu lesen.

6. Akt: Montagfrüh kommen zwei Einsatzfahrzeuge der DEW21, große Kastenwagen der Marke Ford Transit. Ihnen entsteigen fünf Mann in warmen Westen und der für einen Montagmorgen üblichen Dynamik. Um 8:30 nieselt es aus einem aschgrauen Himmel und ist so finster in meiner Wohnung, dass ein Junkie sich ohne Taschenlampe keinen Schuss setzen könnte, weil der die letzte halbwegs intakte Vene nicht fände. Um 8:33 gehen alle Lichter, Telefone, Kühlschränke, DSL-Modems und Gasetagenheizungen in der Straße aus. Ich fluche und stelle mir einen dreiarmigen Kerzenleuchter neben den Laptop, damit ich die Tasten noch treffe.

7. Akt: Gegen zehn schaue ich hoffnungsvoll aus dem Fenster, auf das Absperrgitter der Baugrube vor dem Haus lehnen sich immer mindestens drei Mann und unterstützen die Arbeit ihres tätigen Kollegen, der den VK neu verdrahtet, mit klugen Bemerkungen und Bibelzitaten. Ich gehe mit der Kamera raus, und interviewe die Herren kurz. Auf die Frage, ob man das routinemäßige Auswechseln solcher Kästen nicht besser im Sommer machen könne, wenn es früher hell würde und man auch nicht heizen bräuchte, kommt die Antwort: Dann hätten wir ja viel zu tun!

Das leuchtet mir ein und darf natürlich nicht sein. Genauso wenig wie eine Minderbesetzung dieser immens wichtigen Ab- und Anschaltteams, wahrscheinlich kann einer allein den wuchtigen, funkensprühenden Hebel gar nicht umlegen, das muss vierhändig geschehen. Ich fotografiere noch ein bisschen, stelle ein paar scheinheilige Fragen und stapfe dann wieder in meine kalte Bude hinauf.

Letzter Akt: Schon um 10:46 klackt das Faxgerät, beginnt die Heizung wieder zu rauschen, erscheint das WLAN-Icon auf der Taskleiste, ist alles wieder gut.

 

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Kommentarschisser

Geschrieben von Johannis am 8. Januar 2008 um 19:09 Uhr

Leute, ich versteh euch nicht. Eine Zeit lang war ich ja geneigt zu euren Gunsten und der geflissentlichen Ehrenrettung wegen anzunehmen, dass wirklich keine Sau mein Zeug hier liest. Aber dem ist nicht so, wie ich aus Mails, Anrufen und anderem Gekommuniziere weiß.

Aber warum teilt ihr mir euer Ge- oder Missfallen über verschlungene Kanäle umständlich mit, anstatt mal direkt vom Leder zu ziehen und einen Kommentar (ach Gottogottogott, was ein böses, böses Wort!) unter den entsprechenden, nicht immer besonders gelungenen Beitrag zu setzen? Habt ihr Angst, ihr kriegt die Web-Pest? Oder dass ich euch hinterher so richtig fiesgemein durchen Kakao ziehe? Würd ich doch nicht tun, ehrlich!

Und ihr müsst wirklich nicht Literaturwissenschaften studiert haben oder EDV-Kaufmannsfrau sein. Wer ungefähr drei zusammenhängende Sätze schreiben und einen simplen Zahlen-Buchstabe-Code wie diesen

abtippen kann, ist voll qualifiziert. Schafft ihr schon. (Zur Hilfe, mit u6b hättet ihr schon den Jackpot geknackt.) Ich glaub an euch und schreib euretwegen noch ein paar Wochen weiter. Aber nicht mehr lange, wenn ihr nicht mitspielt. (Subtile, äußerst inhaltsschwere Drohung!) Also nochmal: Wer hier was Kacke findet ist überherzlich eingeladen, dies auch kundzutun. Wenn erstaunlicherweise mal was gefällt, darf das meinetwegen auch erwähnt werden. Aber nicht mehr diese pissige Leisetreterei.

Alles klar? Na denn!

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Nachwuchs

Geschrieben von Johannis am 7. Januar 2008 um 12:51 Uhr

Ich bin schwanger. Man sieht zwar noch nix, aber sonst habe ich klare Symptome. Besonders die Übelkeit morgens, also ganz schlimm. War schon beim Hausarzt, der wollte mich aber zum Psychiater überweisen. Was für’n Blödsinn. Schließlich fing er an, mich nach meiner morgendlichen Routine zu befragen. Idiot. Weil auch der B-Test nichts ergab, den ich mir hinterher aus der Apotheke geholt hab, bin ich jetzt ins Grübeln gekommen.

Vielleicht liegt es ja doch am Radio. Ich hör morgens im Bad immer Funkhaus Europa. Oder WDR 2, aber nur bis Werbung kommt. Werbung kann ich nicht ab. Neuerdings geht es ja morgens immer um Erziehungscamps für jugendliche Straftäter. Und verschärftes Jugendstrafrecht und so. Dabei müssen selbst die Amis nach zwanzig Jahren zugeben, dass militärischer Drill, Sport bis zum Umfallen und das systematische Demütigen von Jungknackis nicht nachweisbar zum Sinken der Rückfallquote beigetragen hat. Was Leuten wie Koch und Beckstein natürlich scheißegal ist, wegen Wahlkampf und so.

Ich find’ es natürlich auch total mies, wenn so bayerische Migrantenrotzlöffel einen Rentner halbtot schlagen oder in Frankfurt sieben Typen erst einen U-Bahnwaggon demolieren und dann den Lokführer zusammenkloppen. Der Lokführer kommt ins Krankenhaus, die Schläger dürfen nach Hause. Aber das ist normal. Darf man sich nicht wundern.

Ich kenne beispielsweise einen Siebzehnjährigen, der vom Jugendamt betreut und mit Bewährungshelfer in Richtung Realschulabschluss gegängelt wird. Seine Wohnung zahlt das Amt und teilt ihm auch das Taschengeld zu. Was aber für Kiffen, Koksen, Krawallmachen bei weitem nicht reicht. Deshalb hängt er sich klobige Goldketten um den Hals und mit Leuten ab, die kaum Deutsch, dafür aber jederzeit ein bis drei Kilo saugeiles Gras oder zwei Dutzend spottbillige Flachbildschirme besorgen können. Glotzt ansonsten gern Action-Videos und spielt Counterstrike oder World of Warcraft. Und haut auch draußen in der rauen Wirklichkeit schon mal drauf. Undenkbar, dass die virtuelle Welt auf den Alltag abfärben könnte, nein, beileibe nicht!

Die Mutter des Buben will es nicht wahrhaben, dass irgendein Zusammenhang besteht zwischen den Schlägen, die der Junge schon als Dreijähriger kassierte – wenn sie ihn nicht einfach nur in Grund und Boden gebrüllt hat – und seinen Auffälligkeiten. Sie lügt sich eben lieber selbst in Tasche. Genau wie all die rot-grünen Multikultifanatiker, die immer noch glauben, man müsste Leuten, die ganz unverhohlen auf jegliches Deutschsein, unsere Verfassung oder auch nur das Erlernen der Landessprache scheißen, nur höflich bitten. Dann würden sie sich schon integrieren. Banane!

Und so lügen sich alle die Taschen voll, die sozialliberalen Spinner ebenso wie die Halbfaschos aus dem christlichen Lager. Und, wenn ich mal ganz ehrlich bin, genau diese Verlogenheit knallt mir schon morgens im Bad auf’s Ohr.

So, das muss jetzt erstmal wieder reichen, ich geh vorsichtshalber ’ne Runde kotzen, auch wenn’s schon Mittag ist.

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Mehr Wahrheiten

Geschrieben von Johannis am 5. Januar 2008 um 16:39 Uhr

Eben fiel es mir wieder mal sauschwer, mich festzulegen. Soll ich diesen Text in Dhivehi, Dzongkha oder Fulfulde schreiben, oder doch wieder auf Deutsch? Word bietet ja so viel. Hab mich dann für die langweilige Variante entschieden. Weil mir auch sonst nix einfällt, beantworte ich einfach eine der zahlreichen Zuschriften, die mich Woche für Woche erreichen.

—– Original Message —–

From: bettina.broetje@qmail.net
To: info@kassandrus.de
Sent: Thursday, 3 January 2008 19:44 PM
Subject: Sarkasmus

Lieber Herr Jappen,
mit Freude verfolge ich seit einigen Wochen Ihr Schaffen. Auch wenn es manchmal etwas Nerven kostet, sich bis zum Ende Ihrer Texte durchzukämpfen, werde ich doch meist mit einer kräftigen Portion Wortwitz belohnt. Schade finde ich nur, dass Sie zu viel im Sarkasmus schwelgen, ich will doch nicht hoffen, dass Sie ein verbitterter Mensch sind?

Alles Gute für’s neue Jahr, Ihre Bettina Brötje

Hier kann eine kurze Antwort nur fehl gehen. Da ich gerade in meiner mit absoluter Verlässlichkeit eintretenden Jahresenddepression zu versinken drohe, hole ich weit aus. Eilige Leser können jetzt schon mal den Browser schließen. Jahresenddepression, was ist das, fragen sich die anderen? Durch chronischen Lichtmangel bedingt niedriger Serotonin- und erhöhter Melatoninspiegel, Abscheu über die mit knapper Not überstandene verlogen-dezembrige Kommerzorgie, nachhaltige Irritation über manche Blutsverwandte und dann noch das höllische Jahresendfest, wo wir klugen Aufrechtgeher mal eben ohrenbetäubend den Gegenwert dessen in die Luft jagen, was man zur Bekämpfung von ein, zwei kleineren Hungersnöten braucht. Reicht das? Mir ja. Am Neujahrstag schöpfe ich dann immer frischen Mut, hänge jungfräuliche Kalender auf und beginne wichtige Projekte.

Irgendwann muss ich aber aus dem Haus, meist so am 3. Januar. Draußen alles voller Scherben, Böllerverpackungen, ausgebrannten Raketen und anderem Dreck. Die zerfetzten braunen Papierrollen der Chinakracher verwandeln sich im ebenfalls verlässlich fallenden Nieselregen in schmierige Flecken, bei denen man bald nicht mehr sagen kann, ob sie aus verwässerter Berhardinerkacke oder doch aus von einem vorbeitaumelnden Junkie frisch erbrochener Gulaschsuppe bestehen. Ein grauenvoller Himmel weint über uns bei Tag und Nacht. Und es ist schweinekalt. Soviel zur Jahresenddepression. Nun die Antwort:

Liebe Frau Brötje,

Sie haben Recht. Eine gewisse Grundverbitterung kann und will ich nicht abstreiten. Früher war ich anders, da habe ich meditiert, Tarot gelegt, Biomüsli gegessen, gelegentlich gekifft und an das Gute im Menschen geglaubt. Alles passé! Wenn mich heute jemand fragen würde (geschieht leider viel zu selten), wie ich mir die nähere Zukunft vorstelle, müsste ich ehrlicherweise antworten: „Grauenhaft!“ Der Homo sapiens ist ein Auslaufmodell und wird sich noch wundern, wie schnell und radikal ihn die oberste Vertriebschefin (auch unter dem Namen Mutter Natur bekannt) vom Markt nehmen wird. Diesen für alle Beteiligten äußerst unerquicklichen Strategiewechsel werde ich voraussichtlich noch innerhalb meiner statistischen Lebenserwartung (werde im Herbst 50, jetzt schon mal über passende Geschenke nachdenken, liebe Leser!) und leider bei vollem Bewusstsein miterleben dürfen, und bin diesbezüglich absolut unbelehrbar.

Die in erster Linie von Gier, Geilheit und Ignoranz angetriebene Menschheit wird die gigantisch vor ihr aufgetürmten Probleme nicht lösen, es wahrscheinlich nicht einmal ernsthaft versuchen und folgerichtig im Gulli der Geschichte verschwinden. Leute wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Benazir Bhutto, Izchak Rabin oder Zoran Djinjic werden von Fanatikern erschossen. Die Mobutus, Putins, Mugabes, G. W. Bushes und Idi Amins dieser Welt sterben stinkreich und viel zu spät an Herzverfettung. Das ist bitter, ich deshalb auch. Manchmal wenigstens. Und wehre mich dann mit Gemeinheiten, weil ich ja auch ein Herz habe. Eigentlich sogar ein recht empfindsames.

Aber vielleicht liege ich ja voll daneben und alles wird gut, wie Nina Ruge zu sagen pflegte. Zumindest stehen die Chancen offenbar recht ordentlich, dass unser mächtiger Bruder im Westen ab Herbst entweder von einer Frau oder von einem Schwarzen regiert wird. Das ist doch mal was, nach acht verheerenden Jahren unter George W. Dickhead!

So, und das muss jetzt erstmal reichen, woll?

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